In einem interessanten Hintergrund für die
Zeit beschreibt Volker Weiß die zunächst ganz schön ratlose Reaktion
der AfD und verwandter rechtsextremer Kreise auf
Corona. Fast vergessen, dass die Partei anfangs
härtere Maßnahmen forderte. In der Folge bekam sie die Krise nicht recht in den Griff und wirkte lange abgeschlagen. Das neue Spektrum der Coronaleugner bietet der AfD nun Chancen und Gefahren: "Tatsächlich haben die '
Querdenker' die extreme Rechte weiter aus dem eigenen Sud geführt. Wie sich bei den Protesten in Berlin und Leipzig gezeigt hat, umfassen die Teilnehmer ein Spektrum, das von QAnon-Freaks, 'Reichsbürgern', Hooligans und Neonazis bis zu Althippies, besorgten Eltern und der
bürgerlichen Globuli-Fraktion reicht. In diesem Milieu finden nun Verschwörungstheorien, Antisemitismus und Esoterik zusammen mit Freiheitsrhetorik Verbreitung. Die
Ausweitung des Milieus ist ein Erfolg, die gleichzeitige
Verwischung der Konturen birgt für die bisherigen Wortführer der extremen Rechten aber auch Risiken. Alte Kader wie der Verleger Götz Kubitschek sehen angesichts der neuen Allianzen den eigenen elitären Nimbus in Gefahr und äußern Skepsis."
Wieder demonstrierten
Tausende Coronaleugner in Berlin. Ingo Arzt
setzt sich in der taz mit ihrem Argument auseinander, "viele Menschen stürben ja nicht
an Corona, sondern
mit. Stimmt. Gehört zum Allgemeinwissen über Corona. Die meisten Verstorbenen hatten auch noch andere Krankheiten. Diabetes. Haben chronische Lungenkrankheiten. HIV. Hepatitis. Krebs. Deren Tod zählt offenbar in den Augen vieler Demonstrierender nicht. Weil sie ohnehin bald gestorben wären? Die selbsternannten Querdenker, die
mit dem Grundgesetz rumfuchteln: sie treten seinen Inhalt mit Füßen."
Michael Angele organisiert im
Freitag ein
Streitgespräch zwischen der Religionswissenschaftlerin
Yasemin El-Menouar und dem Philosophen
Roman Veressov, der zu den säkularen Linken in der Linkspartei gehört, über die Frage, auf wieviel Resonanz
Islamismus und Dschihadismus in der muslimischen Bevölkerung stoßen. Auf viel, meint Veressov unter Bezug auf verschiedene Studien, was El-Menouar bestreitet, deren Studien für die Bertelsmann-Stiftung stets die
Friedfertigkeit der großen muslimischen Mehrheit bestätigen. Veressov hofft auf eine
Reform des Islams, aber da macht ihm El-Menouar keine Hoffnungen: "Der Gedanke, dem Islam fehle eine Reformation, und die damit verbundene Idee, der Islam stecke irgendwie im Mittelalter fest, ist irreführend. Islamismus und Dschihadismus sind keineswegs der Ausdruck historischer Rückständigkeit, sondern
ganz und gar moderne Phänomene. Auch hinken die Vergleiche mit dem Christentum."
Klaus Walter unterhält sich für die
SZ mit der Kulturwissenschaftlerin
Madita Oeming über Pornografie, die ihrer Meinung nach befreiend wirken kann, weil dort nicht nur
ein Schönheitsideal vorherrsche: "Genau genommen ist der Porno in der Mainstream-Kultur der einzige Ort, wo wir eine
große Vielfalt an Vulven sehen können. Grundsätzlich denke ich, dass Pornos unsere Körperbilder, und auch unsere Vorstellungen von Geschlechterrollen,
weniger drastisch beeinflussen als Mainstream-Medien wie Werbung und Hollywood. Aber Pornos sind eben der bessere Sündenbock."