
So sieht es aus , wenn in digitalen Zeiten
etwas beschwiegen wird. Im
Iran finden zur Zeit heftige Proteste gegen eine ebenso heftige Benzinpreiserhöhung statt - in deutschen Medien ist davon kaum etwas zu sehen. Auch vielleicht wegen des
Mangels an Bildern, denn das Internet ist im Iran abgeschaltet,
berichtet Friedhelm Greis bei
golem.de: "Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Netblocks.org befindet sich der Traffic auch 90 Stunden nach Inkrafttreten der Sperre auf einem Niveau von
fünf Prozent der üblichen Werte. Einer Einschätzung von Amnesty International zufolge wurden seit Beginn der Proteste wegen der Benzinpolitik von Präsident Hassan Ruhani
mehr als hundert Demonstranten in 21 Städten getötet."
Menschenrechtsaktivist
Han Dongfang, ein Veteran vom Platz des Himmlischen Friedens, spricht im
Interview mit Xifan Yang von der
Zeit mit Sympathie und Sorge über die
Hongkonger Proteste. Für Xi Jinping sieht er nur zwei Optionen: "erstens einen
Einsatz der Armee, der die Krise aber nicht beruhigen würde, im Gegenteil. Eine gewaltsame Niederschlagung des Protests würde kurzfristig Angst erzeugen, aber die Wut und den Widerstandsgeist weiter anfachen. Der Kampf ginge weiter. Nicht nur Hongkong wäre verloren, auch Taiwan. Auf lange Sicht könnte China überall
an der Peripherie zerbröckeln: In Tibet, Xinjiang und der Inneren Mongolei würde der Widerstand wachsen. Die zweite Option wäre, Hongkong auf Dauer zu geben, was die Demonstranten verlangen:
freie Wahlen."
Im
Gespräch mit
Zeit Online fordert der Aktivist
Joshua Wong zudem mehr internationalen Rückhalt für die
Proteste in Hongkong: "Insgesamt sind die Reaktionen der internationalen Gemeinschaft auf das, was in Hongkong passiert, noch
viel zu passiv. Das ist weit von dem entfernt, was sich die Menschen in Hongkong erhofft haben. Die Regierungen lassen sich leider immer noch
von Peking einschüchtern. Die EU-Länder sollten Sanktionen gegenüber Peking verhängen. Und die Wirtschaftsbeziehungen mit dem rücksichtslosen Regime in Hongkong überdenken."
Nora Bossong, Autorin des Romans
"Schutzzone" (und Unterzeichnerin eines Aufrufs pro
Handke, dem vorgeworfen wird, Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu beschönigen, mehr
hier) beobachtet für die
Zeit einen Prozess des Internationalen Gerichtshofs von Den Haag gegen den mutmaßlichen Kriegsverbrecher
Dominic Ongwen aus Uganda: "Der ICC, gegründet, um eine globale Justiz zu schaffen, scheint zu einer Verurteilungsbank für den
afrikanischen Kontinent geworden zu sein. Das aber liegt auch daran, dass Länder wie die USA, Saudi-Arabien, Russland und die Türkei sowie
Syrien gar nicht erst das Römische Statut ratifiziert haben. Dadurch entziehen sich etwa alle mutmaßlichen Kriegsverbrechen Assads auf dem eigenen Territorium der Zuständigkeit des ICC. So viel zur Internationalität des Internationalen Strafgerichtshofs."