
Clair MacDougall taucht ein in die
Arthouse-
Szene von Burkina Faso. Dort begegnet sie auch Shakespeare und zwar im Film
"Katanga" des burkinischen
Regisseurs Dani Kouyate. Angesichts anhaltender politischer Krisen und zunehmender
djihadistischer Attacken, müssen sich die burkinischen Filmschaffenden fragen, wie sie mit all dem Leid umgehen sollen. Kouyate findet in seinem "African-Noir"-Thriller Antworten bei "Macbeth": "'Katanga'" ist stilistisch kühn. Kouyate nahm ein Stück des großen englischen Schriftstellers aus dem Elisabethanischen Zeitalter und übersetzte es nicht nur sprachlich - die Schauspieler sprechen
Moore, die Sprache der in Burkina Faso vorherrschenden ethnischen Gruppe, der Mossi - sondern auch kulturell, indem er die Geschichte fest in Szenen und Interaktionen einbettet, die sich eindeutig burkinisch anfühlen. Inspiriert von den Filmen Charlie Chaplins hat Kouyate den Film
in Schwarzweiß gedreht, in der Hoffnung, ihm so eine zeitlose Qualität zu verleihen. Kouyate glaubt, dass Shakespeare bei Burkinern und anderen Afrikanern Anklang finden wird; er hofft, dass sie nicht einmal wissen, dass es sich um einen fremden Text handelt, wenn sie den Film sehen. '
Shakespeare ist afrikanisch', sagt er lachend. 'Sein Geist ist ganz und gar afrikanisch. Für mich arbeitet Shakespeare immer zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren, zwischen dem Natürlichen und dem Übernatürlichen ... mit Gespenstern und Geistern - das ist ein Universum, das ganz und gar afrikanisch ist." Er glaubt, dass solche großartigen Texte eine universelle Menschlichkeit berühren. 'Shakespeare spricht zum Beispiel viel über Macht, und sein Umgang mit Macht in diesem Text ist universell. In Afrika haben wir
unsere Macbeth', sagt er und bezieht sich dabei auf Diktatoren der postkolonialen Ära, wie Ugandas brutalen Despoten
Idi Amin und den zum Kaiser gewordenen Präsidenten der Zentralafrikanischen Republik, Jean-Bedel Bokassa."
Kevin Blankinship
widmet sich hingegen dem "Shakespeare" des arabischen Mittelalters, dem Dichter
al-Mutanabbi ("Der behauptet ein Prophet zu sein"). Legendär und jedem Schulkind bekannt ist beispielsweise sein
Gedicht über ein schlimmes Fieber, das ihn heimsuchte: "Mein Gast erscheint schüchtern - sie besucht mich nur im Dunkeln / Ich machte ihr ein Bett mit Kissen und Überwürfen / aber sie weigerte sich und schlief in meinen Gebeinen / Meine Haut war zu eng für meine und ihre Seufzer so dass sie sie
mit Fäulnis aufblähte, um Platz für ihr Heim zu schaffen." Aber wer war eigentlich dieser Dichter, der 965 auf dem Weg von Schiraz im heutigen Iran nach Bagdad von Wegelagerern ermordet wurde - angeblich weil er einen Stammesführer mit einem Schmähgedicht verunglimpft hatte. Blankinship zeichnet ihn als ziemlich eingebildeten Mann, der ständig in Streit mit seinen Zeitgenossen geriet: "Eines Tages, so erzählt man sich, geriet er bei Hofe mit Ibn Khalawayh aneinander, einem
Witzbold und Pedanten, der eigenartige lexikografische Werke verfasste, die zugleich literarische Anthologien waren: 'Die Namen des Löwen', 'Die Namen des Windes', 'Ungefundenes in der Sprache der Beduinen' und mehr. Die beiden Männer stritten sich oft über die arabische Grammatik, doch dieses Mal nahm die Sache einen unschönen Verlauf. An einem Punkt tat al-Mutanabbi das, was alle walgroßen Egos tun, wenn ihnen die echten Argumente ausgehen und wurde persönlich. 'Halt' den Mund!', platzte er heraus. 'Du bist ein
Perser aus Chuzistan. Was hat Arabisch mit dir zu tun?' Ibn Khalawayh, der für seine Zurückhaltung bekannt war, verpasste al-Mutanabbi eine
schallende Ohrfeige; manche sagen, er habe ihm mit einem Schlüssel auf die Wange geschlagen, wodurch Blut floss. Auf jeden Fall blickte al-Mutanabbi verzweifelt zu (seinem Gönner) Sayf al-Dawlah, dessen Schweigen nicht lauter hätte sein können. 'Ich kann dich nicht länger verwöhnen', hieß es. 'Du bist hier fertig.' Trotz ihres gemeinsamen ethnischen Stolzes hatte al-Mutanabbi die
arabische Karte anscheinend einmal zu oft gezogen. Er verließ den Hof von Aleppo in Ungnade und kehrte nie wieder zurück."