
E-Mails und Computer sind die neuen
Feinde von Biografen und Literaturwissenschaftlern,
meint Rachel Donadio. Literarische
Briefwechsel und Werkfassungen verschwinden im virtuellen Orkus, und Verlage wie Autoren sind sich meist nicht bewusst, was jeden Tag verlorengeht.
Zadie Smith (
Bücher) etwa hat
12.000 E-Mails auf ihrem Yahoo-Account gesammelt, weiß aber nicht, wie sie diese dauerhaft konservieren soll. Was bleibt, ist Fatalismus. "Ich denke es wird den Weg gehen, den alles geht, was ich auf dem Computer schreibe - in die Vergessenheit. Ich habe
keine einzige Zwischenfassung irgendeines Romans oder einer Geschichte gespeichert. Ich überschrieb die Originale einfach immer wieder, bis ich die endgültige Fassung hatte. Es gibt einzig und allein die Bücher."
Sieben Jahre nach dem ersten Teil hat
Hilary Spurling nun den zweiten und abschließenden Band ihrer Monumentalbiografie von
"Matisse the Master" (
erstes Kapitel) vorgelegt, der sich den Jahren
1909 bis 1954 im Leben des französischen Malers (
Bilder) widmet. Richard Howard
zittert vor Ehrfurcht. "Ich bin mir sicher, nach diesen feinen Ausführungen über die Versuchungen, Fehler und Triumphe von Matisse kann kein
künstlerisches Unternehmen und sicherlich kein zeichnerisches Vorhaben im 20. Jahrhundert untersucht werden, ohne sich darauf zu berufen, was er schon geleistet hat."
Weitere Besprechungen: Uneingeschränktes Lob erfährt
Howard Sachars "History of the Jews in the Modern World" (
erstes Kapitel). Auf 831 Seiten,
notiert Steven Zipperstein, "wird überzeugend gezeigt, wie
dieses kleine Volk einen unheimlich großen Einfluss ausgeübt hat, wobei dieser Einfluss aber wiederum oft ein Nebenprodukt der weit übertriebenen Beschäftigung mit den Juden und dem Judentum war". Rich Lowry ist nach
Steven Watts' Porträt
"The People's Tycoon" (
erstes Kapitel)
überzeugt:
Henry Ford war nicht nur Automobilpionier, sondern mit seinem Gespür für die Bedeutung von Mobilität, Konsum, Freizeit und
Imagebewusstsein auch ein kultureller Wegbereiter 20. Jahrhunderts. Colm Toibin
vermisst in
Lewis Dabneys sorgfältiger Biografie des amerikanischen
Kritikerpapstes "Edmund Wilson" (
hier alle Artikel aus der
NYT zu Wilson) nur die Erklärung, wie Wilson zu seinem Stil gekommen ist. In einem Werk dieser Länge sei das allerdings "
ein wenig frustrierend". Und Jim Sleeper
macht Republikaner wie David Horowitz (der eine
Academic Bill of Rights veröffentlicht hat) darauf aufmerksam, dass
Allan Bloom und seine Streitschrift für eine liberalere Universität "
The Closing of the American Mind" nicht so konservativ sind wie sie vermuten.
Lynn Hirschberg
porträtiert für das
New York Times Magazine Leslie Moonves, der
CBS zum führenden Sender der USA gemacht hat. Trotz der fortdauernden Fragmentierung des Publikums feiert er ungerührt Erfolge mit
Mainstream-Fernsehen. Sein Erfolgsgeheimnis scheinen simple Wahrheiten zu sein wie: "Amerikaner mögen das Dunkle nicht." Nun bastelt er daran, wie man die meist
deprimierenden Nachrichten mit einem optimistischen Flair präsentieren könnte.
Daniel Smith
verhandelt die Frage, ob die Bush-Regierung
wissenschaftsfeindlich ist. David Berreby
kommt angesichts
schwindelnder Raben ins Grübeln, ob der Mensch seine Einzigartigkeit weiter bewahren kann. Deborah Solomon
unterhält sich mit dem Pädagogen Jonathan Kozol über
Apartheid in der Schule. David Rieff
bezweifelt, ob sich die islamische Welt von westlich-demokratischen Idealen überzeugen lässt. Denn der Islam ist
kein so leichter Gegner wie der der Kommunismus. John Hodgman
stellt Antony als die diesjährige Entdeckung aus der der
alternativen Musikszene vor.