Elmore Leonards Bücher sind "gnadenlos effiziente Unterhaltungsmaschinen",
konstatiert Charles McGrath. In Leonards neuem Roman über
"The Hot Kid" Carlos Webster und seinen Aufstieg zur Ikone der Polizei entdeckt McGrath aber so etwas wie eine
Ethik des Geschichtenerzählens. "Über die Jahre hat er sein an Hemingway geschultes Ideal eines klaren, einfachen und direkten, ja nahezu
transparenten Stils perfektioniert, frei von auktorialen Fingerabdrücken." Nun hat der Rezensent den Eindruck, dass Leonard, der auf die achtzig zugeht, damit beginnt, "seine Berufung zu hinterfragen".
Weitere Artikel: Der wahre
Zusammenprall der Kulturen ereignet sich zwischen denjenigen, die an das
Unbewusste glauben, also die Religion als Illusion auffassen, und denjenigen, die es ablehnen, also den Glauben als
bare Münze nehmen,
meint Lee Siegel in seinem Essay zur Neuauflage von
Sigmund Freuds "Unbehagen in der Kultur". Eric Foner
erfährt aus den "Presidential Recordings" von
Lyndon B. Johnson nicht nur viel über die Mechanismen des Regierens, sondern auch einiges über Johnsons
farbige Ausdrucksweise (
hier einige Beispiele). Laura Kalman
empfiehlt "Becoming Justice Blackmun" ihrer Kollegin Linda Greenhouse, nicht nur ein Porträt des bekannten Richters (
Nachruf), sondern eine "
Horatio Alger-Geschichte der Justiz". James Salter
porträtiert Frank Conroy, den langjährigen Leiter des renommierten Schriftsteller-Seminars an der Universität von Iowa, und erinnert sich wehmutsvoll an die Abende mit Conroy und seinem
silbernen Martini-Shaker. Kate Zernike
hat aus den
Briefen des Physikers
Richard Feynman mehr über den Popstar erfahren als über den Wissenschaftler.

Dan Halpern
versucht im
New York Times Magazine aus dem serbisch-muslimischen
Regisseur Emir Kusturica schlau zu werden, der mit Ehrungen für seine Filme und mit Schmähungen für seine angebliche Nähe zu
Milosevic&Co überschüttet wird. "Kusturica's impulsiver Charakter hat ihm in der Kunst mehr genützt als in der Politik: sein Markenzeichen ist eine außer Rand und Band geratene, raue Energie. Wie brutal sein Thema auch sein mag, seine Filme sind voller Freude, vorangetrieben von
Screwball-Klassikern. Und immer gibt es verdammt viel Musik. Wenn es eine Szene in einem Kusturica-Film gibt, in der keine Blechbläser verwickelt sind, kommt bestimmt gleich eine. Währenddessen trotten überall Tiere herum und schleichen sich mit großer Nachdrücklichkeit in die Handlung:
magische Truthähne, schwebende Fische, klauende Elefanten, plündernde Bären, eine Phalanx aus Gänsen. Ein zarter Dialog zwischen Liebenden beinhaltet wahrscheinlich einen Hund, der im Hintergrund ausdauernd ein
Kissen zerfetzt. Man kann sich eine Szene, in der zwei Männer sich inmitten eines Kriegsgebiets unterhalten, fünfmal anschauen, bevor man bemerkt, dass sich einer der Männer während des Gesprächs wie nebenbei die Schuhe mit einer
wild protestierenden Katze poliert."
Weiteres: Genießen wir unsere Vorstellung vom eigenen Selbst, bevor die Wissenschaft sie als Illusion entlarvt,
rät Jim Holt, den die neuesten Ergebnisse der
Hirnforschung beunruhigen. Melanie Thernstrom
berichtet von drei Afrikanerinnen, die als Kinder verschleppt wurden, um
Rebellenführern in Uganda als Ehefrau zu dienen. Im Titel
informiert Susan Dominus über einen Aufstand der
geschiedenen Väter, die sich für eine gerechtere Gesetzgebung zusammenschließen.