
Fast nur
Innenpolitik diesmal. Dietmar Hipp
meint: "Die
Justiz als unabhängige
Dritte Gewalt? Davon kann in Deutschland zumindest bei den
Staatsanwälten keine Rede sein." Denn: "Seit dem wilhelminischen Kaiserreich blieben die entscheidenden Gesetzesbestimmungen für die Zwitter-Behörde gleich. 'Die Beamten der Staatsanwaltschaft haben den dienstlichen Anweisungen ihres Vorgesetzten nachzukommen', heißt es zackig wie eh und je." Hipp zählt alle Fälle aus der jüngsten Zeit auf, in denen bekannt geworden ist, wie
Innenminister auf die Ermittlungen von Staatsanwälten massiv Einfluss genommen haben, vermutet aber vor allem eine hohe "Dunkelziffer".
Natürlich nicht im Netz zu lesen ist
Joachim Fests großartiges Porträt von
Sebastian Haffner, dessen
Natur das
"Konvulsivische" war, wie Fest schreibt, "
Gelassenheit dagegen eine für den zivilisierten Umgang mit der Welt
erlernte Tugend". So erzählt Fest von einer Begegnung mit Haffner kurz nach dem Fall der Berliner Mauer: "Das ganz und gar Verrückte sei eingetreten, kam er mir im Dezember 1989 in Berlin entgegen, er fühle sich 'lächerlich' gemacht und müsse mit der
'entsetzlichsten Niederlage' zurechtkommen, die ihm je widerfahren sei. Zeitlebens habe er die Politik nach rationalen Kriterien betrachtet - wenn man so will, als
eine Art Tauziehen. Die Spielregeln erlaubten den beteiligten beinahe alles: das Vertrauen in die
rohe Kraft,
Irreführung, das Ausnutzen einer gegnerischen Schwäche,
Hinterlist. Nur eines sei immer außerhalb des Denkbaren, man könne fast sagen, 'verboten' gewesen: dass die eine Partei einfach ihr Ende des Seil aus der Hand lasse, weil sie
den Spaß verloren hat. Eben das werfe er Gorbatschow vor. Was jetzt ende, sei die Möglichkeit politischen Urteilens: '
Ich bin überflüssig. Das hat nicht einmal Hitler erreicht. Aber der Herr Generalsekretär, den alle Welt so sympathisch und umgänglich findet - dem ist es gelungen.'"
Mit Alt-Bundespräsident
Richard von Weizsäcker sprach der Spiegel "über das deutsch-amerikanische Verhältnis und die Zukunft der EU". Und mit Hollywood-Produzent
Jerry Bruckheimer über sein Erfolgsrezept. Es wird behauptet, der Einstieg
Haim Sabans bei
Pro 7 Sat 1 "verändere die deutsche Medienlandschaft grundlegend". Von
Suhrkamp-Chef
Günter Berg hat der
Spiegel etwas "über
Pannen im Lektorat" erfahren. (Es ist ja seltsam mit dem Internet: Die eigenen Artikel stellt der
Spiegel nicht kostenfrei online. Die
FAZ macht es genau so. Nun aber stelllt
Spiegel online einen Artikel der
FAZ am Sonntag online: Georg Diez
schreibt ein Porträt über
Ted Honderich, der dem Suhrkamp-Verlag seinen neuesten Antisemistismusstreit einbrachte.) Und schließlich gibt es auch noch einen Artikel zu den Antisemitismusvorwürfen gegen
Mel Gibsons neuen "Jesus-Film".
Der Titel handelt diesmal von "subtilen
Marketingtricks", mit denen "Phänomene des
normalen Lebens als krankhaft dargestellt" würden, sexuelle Unlust und die Wechseljahre etwa. Die schon beinah dialektische, jedenfalls klug formulierte Folgerung des
Spiegel: "Die Behandlung von Gesunden sichert das
Wachstum der Medizinindustrie."