Perlentaucher - Online Kulturmagazin mit Presseschau, Rezensionen, Feuilleton

zuletzt aktualisiert 12.10.2026, 14.00 Uhr
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Aus dem Archiv
  • Perlentaucher-Debatte Literaturkritik im Netz: Angestoßen von Wolfram Schütte. Mit Beiträgen von Sieglinde Geisel, Jan Dress und anderen
  • Daniele Dell'Agli: Aufruhr im Zwischenreich: Plädoyer für eine Befreiung des Themas Sterbehilfe aus dem Griff der Politik und mit ihr paktierender Verbandseliten
  • Monotheismus-Debatte im Perlentaucher: Angestoßen von Jan Assmann. Mit Beiträgen von Klaus Müller, Peter Sloterdijk und anderen
  • Die Beschneidungsdebatte: im Perlentaucher und in anderen Medien
  • Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
  • Der dänische Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
  • Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
  • Der 11.September: Eine Presseschau
  • Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Dienstag, 06.10.2026

Magazinrundschau

Überfluss an unverbrauchter Zeit

06.10.2026 Am 90. Jahrestag der Schlacht in der Cable Street offenbarte sich der endgültige Bruch der Allianz zwischen Linken und Juden, notiert Times of Israel. In Eurozine träumen Daniel Cohn-Bendit und Claus Leggewie von einem Dienstjahr für alle jungen europäischen Frauen und Männer. Der Guardian berichtet von Morden an Menschen mit Albinismus in Madagaskar, deren Augen besonders begehrt sind. Seit mehr als hundert Jahren wird der Untergang des Abendlandes beschworen, beruhigt in HVG der ungarische Historiker Balázs Ablonczy.

9punkt - Die Debattenrundschau

Unterschiedliche Toleranzen

06.10.2026 Die taz stellt jeden einzelnen AfD-Abgeordneten aus Sachsen-Anhalt vor - es ist wahrlich ein finstres Häuflein. In der FAZ polemisiert Jürgen Kaube gegen Ronen Steinke: Nein, die "Rote Hilfe" ist kein harmloser Rechtshilfeverein. Ebendort denkt Souad Mekhennet über den 7. Oktober nach. In der FR erklärt der designierte Friedenspreisträger Philippe Sands, warum er sich nicht zum Völkermord-Vorwurf gegen Israel äußern wird. 

Efeu - Die Kulturrundschau

An Schönheiten herrschte kein Mangel

06.10.2026 Der Deutsche Buchpreis geht in diesem Jahr an Shida Bazyar und ihren Roman "Die Lücken": Ihr ist eine "Neudefinition des Heimat-Romans" gelungen, jubeln Jury und Kritiker gleichermaßen. Die FAZ stellt den russischen Schriftsteller Dmitry Glukhovsky vor, dessen Roman "Die Registrierung" eine heftige Debatte in Russland auslöste. Die taz staunt in Magdeburg über Sean Scullys Schwarz mit gelber Vorgeschichte. Die NZZ feiert in einer Ausstellung in Weil am Rhein den Architekten Geoffrey Bawa als Pionier der tropischen Moderne. 

Bücherschau des Tages

Protagonist aus der Platte

06.10.2026 Die FAZ lässt sich von Stefan Rinke die Geschichte der amerikanischen Interventionen in Lateinamerika erzählen. Die NZZ vertieft sich beeindruckt in die Autobiografie der iranischen Frauenrechtlerin und Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi. Die SZ empfiehlt den Lebensbericht einer anderen mutigen Frau: Rosa Parks. Die taz freut sich über Hendrik Bolz' Roman "Aus Ruinen", ein Generationenpsychogramm der Millenials. 

Mittwoch, 07.10.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Vertrauen ins Vertraute

07.10.2026 Für die SZ unternimmt Marko Martin einen Streifzug durch die tschechische Literatur des 20. Jahrhunderts, die uns so viel für die Gegenwart lehrt. Achtung, die Influencer kommen: Backstage Classical sorgt sich mit Blick auf eine anstehende Programmreform um die Qualität der Klassik-Formate der Öffentlich-Rechtlichen. Abgründige Naturbilder mit KI-Input betrachtet die taz in einer Berliner Ausstellung; unter anderem gibt es brennende Eisberge zu bewundern. critic.de empfiehlt eine Nürnberger Retrospektive, die sich dem Regisseur Alfred Vohrer widmet - und damit einem Werk zwischen Geisterbahn und Fetischalbtraum.

9punkt - Die Debattenrundschau

Nur zwei Wochen vom Frieden entfernt

07.10.2026 Heute vor drei Jahren ermordeten Hamas-Terroristen mehr als 1.200 Israelis. Der Krieg kostete auch tausende Palästinenser ihr Leben. Dennoch ist eine Zweistaatenlösung möglich, beschwört in der taz Hamza Howidy die westlichen Staaten, die sie stärker unterstützen sollen. Wenn Ruanda es geschafft hat, dann schaffen es auch Israelis und Palästinenser, ermuntern Aziz Abu und Maoz Inon in der SZ. In der FR beklagt Carolin Emcke fehlende Solidarität mit den Palästinensern. Außerdem: Wladimir Putin hat heute Geburtstag. Die NZZ erinnert an ein Geburtstagsgeschenk vor 20 Jahren, als ihm die Leiche seiner Kritikerin Anna Politkowskaja präsentiert wurde.

Bücherschau des Tages

"O welches Stinkvolk!"

07.10.2026 Die FAZ erlebt Wolf Biermann in seinen Tagebüchern und Gedichten als ewigen Dissidenten voller Kummer, Witz und Wut. Die FR blickt mit Annette Mingels in das Innere eines silbernen Zelts, das in einer kleinstädtischen Villengegend auftaucht. Die Welt vertieft sich in H.G. Adlers Studie "Der verwaltete Mensch" über die Shoah. Dlf bekommt bei Franz-Maria Sonner einen unterhaltsamen Einblick in die Gedankenwelt Gottfried Wilhelm Leibniz'. Dlf Kultur verfolgt mit Jill Lepore den Siegeszug der Maschinen. 

Donnerstag, 08.10.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Emotional ausgebürgert

08.10.2026 Wo steht die CDU, will die taz nach der Wahl des AfD-Abgeordneten Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten von Sachsen Anhalt wissen: Auf der Seite der liberalen Demokratie oder der Autoritären? Wo stehen SPD und die Grünen, fragt die FAZ: Auf der Seite der liberalen Demokratie oder der Antisemiten und Demokratieverächter? In der NZZ fürchtet Monika Maron, Berlin könne zum Fanal für Köln, Dortmund oder Gelsenkirchen werden. Die Jüdische Allgemeine kann es immer noch nicht fassen, wie ein Angriff auf Juden den Antisemitismus entfesseln konnte. Daran ist Israel schuld, meint Pankaj Mishra in der SZ.

Efeu - Die Kulturrundschau

Literarische Heulsusen

08.10.2026 Die Filmkritiker erkennen in Aaron Sorkins Film "The Social Reckoning", wie unsozial die sozialen Medien eigentlich sind. In der taz darf Maxim Biller nach Herzenslust über die Gegenwartsliteratur herziehen. Die FAZ begegnet bei der wohl letzen Performance des Pferde-Choreografen Bartabas doppelköpfigen Zentauren und weißen Feen. Der Guardian entdeckt in einer Londoner Ausstellung mit Werken Robert Rymans 50 Shades of Weiß. 

Bücherschau des Tages

Tropfen von etwas Anderem

08.10.2026 Die Zeit entdeckt die surrealen Erzählungen der berühmten finnischen Poetin Eeva-Liisa Manner. SZ und Dlf reisen mit Lutz Seilers neuem Roman auf den verschlungenen Wegen einer Schamanin in die kasachische Steppe. Die NZZ sucht mit Volker Weiß und Jens Balzer nach Erlösung. Die FR blickt mit Franz Walter zurück auf das Leben des Journalisten Joachim Fest, einen konservativen Humanisten. 

Freitag, 09.10.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Irgendwo zwischen Himmel und Küchentisch

09.10.2026 Die Feuilletons gratulieren der kanadischen Altgräzistin und Lyrikerin Anne Carson zum Literaturnobelpreis. In der NZZ erklärt ihre Übersetzerin Marie Luise Knott den typischen Carson-Effekt: das Paradox der fernen Nähe. In ihrer von VAN dokumentierten Rede zum Auftakt des Bonner Beethoven-Festes erklärt die belarusische Dirigentin Maria Kalesnikava, wie Kultur helfen kann, sich selbst zu bewahren. Ziemlich uneins sind die Theaterkritiker über Thomas Ostermeiers Inszenierung des Broadway-Hits "Stereophonic" an der Schaubühne. Und der Perlentaucher vergnügt sich prächtig mit Na Hong-jins SF-Horrorkomödie rund um eine Monsterinvasion in Südkorea.

9punkt - Die Debattenrundschau

Aus Nützlichkeitserwägungen

09.10.2026 Ein Linksbündnis in Berlin rückt näher, das Problem mit dem Antisemitismus will man durch bürokratische Prozeduren neutralisieren - aber es bleiben viele skeptische Stimmen. Wenn die Linken nun regieren, werden sie feststellen, dass sie die Mieten nicht senken können, sagt der Neuköllner Bürger Martin Hikel im Tagesspiegel. Die Welt erzählt unterdessen, wie in Britannien die Green Party gleich zum Zentralhub für linken Antisemitismus umgepolt wurde. Die FAZ bespricht eine Rudolf-Augstein-Biografie, in der sich herausstellt, dass der Spiegel-Gründer noch mehr alte Nazis beschäftigte als bisher bekannt.

Bücherschau des Tages

Ungemütliche Ruhe

09.10.2026 Exzellent und schonungslos findet die FAZ die Augstein-Biografie der ehemaligen Spiegel-Mitarbeiter Martin Doerry und Hauke Janssen. Die FR freut sich, auch die Grüffelo-Oma kennenzulernen. Die NZZ lässt sich von Julia Trachsels Graphic Novel "Alles in allem" mitnehmen, die die Folgen eines Verkehrsunfalls verarbeitet. Der Dlf liest zwei Bücher über USA-Interventionen in Lateinamerika. Außerdem empfiehlt sie die Porträts von israelischen Aktivisten und Akademikern, Politikern, Siedlern und Säkularen der Journalistin Ruth Margalit zum besseren Verständnis Israels.

Samstag, 10.10.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Schön war das alles nicht

10.10.2026 Die Feuilletons resümieren recht nüchtern die Frankfurter Buchmesse, die dank neuem Hallenkonzept den letzten Rest Glamour verloren hat, wie die taz bedauert. Die NZZ vertieft sich am Rande der Messe in die Kunst des tschechischen Samizdat. Die FAS blickt in der Tate Britain nostalgisch zurück in die wilden Neunziger, die Welt erinnert sich im Gropiusbau nicht weniger wehmütig an Christoph Schlingensief. Außerdem schauen FAS und Welt interessiert, aber kritisch Volker Schlöndorffs Verfilmung von Jenny Erpenbecks Roman "Heimsuchung". Und die taz lässt sich vom neuen Album von Bilderbuch retten.

9punkt - Die Debattenrundschau

Schmale Grenze zwischen Ordnung und Chaos

10.10.2026 Die südafrikanische Richterin und Völkerrechtlerin Navanethem Pillay hat den Friedensnobelpreis erhalten: Ein deutlicher Hieb in Richtung Donald Trump, notiert die FAZ. Zeit Online erinnert an Pillays steile Karriere, die im Apartheids-Südafrika begann, die Welt blickt kritisch auf Pillays Israel-Kritik. Auch skrupellose Machthaber wie Putin fürchten das Völkerrecht, erklärt im SZ-Interview der Schriftsteller Philippe Sands, der außerdem in der taz die Einführung des "Ökozids" als fünftes internationales Verbrechen fordert. Die FAS blickt auf die Schülerproteste in Frankreich, die  Jean-Luc Mélenchon für seinen Wahlkampf instrumentalisiert.  

Bücherschau des Tages

Bleib ein anständiger Mensch

10.10.2026 Überwältigt reist die FR mit Christian Grataloups neustem "historischem Atlas" durchs Weltall. Bewegt und amüsiert liest die FAS, wenn Natalie Amiri, Minu Barati, Shila Behjat und Düzen Tekkal von ihren Vätern erzählen. Die FAZ vertieft sich indes in Michel Foucaults Überlegungen zu "Hermaphroditen". Die SZ vergnügt sich mit Moritz von Uslars supersensitiven Meldungen aus dem Fichtenwald. Die taz bewundert, wie zart Lucie Faulerova vom vernichtenden Schmerz nach dem Suizid einer jungen Frau erzählt. Und Dlf Kultur begibt sich mit Jaroslav Rudiš auf einen abgefahrenen Roadtrip durch die Friedhofslandschaft Europas.

Montag, 12.10.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Und es fängt ja immer mit Selbstzensur an

12.10.2026 Philippe Sands warf in seiner Friedenspreisrede nicht nur Israel Völkerrechtsverbrechen vor, er kritisierte auch scharf die deutsche Regierung. Die FAZ ist mit der Rede zufrieden, der Perlentaucher nicht so. Unterdessen wird weiter über den Friedensnobelpreis für Navi Pillay diskutiert - ihr werden schwere Vorwürfe in ihrem Verhalten gegenüber China und dem Völkermord an den Uiguren gemacht. Großes Aufsehen erregt die Rede der tschechischen Schriftstellerin Radka Denemarková auf Frankfurter Buchmesse - sie hat anwesende Ehrengäste der tschechischen Regierung attackiert. Die FAZ zeichnet ein düsteres Bild der "Mathocalypse".

Efeu - Die Kulturrundschau

Einmal als Opfer, einmal als Täter

12.10.2026 Die Frankfurter Buchmesse ist zu Ende, die Feuilletons resümieren. Der Standard ärgert sich über männliche Autoren, die historische Frauenfiguren in Romanen mansplainen. Der russische Pianist Alexander Malofeev ist im Exil - die FAZ ist beeindruckt von seinem neuen Album. Die SZ geht mit Arnold Schönbergs "Moses und Aron" in Basel auf Höhenflug. Sie informiert auch über die NS-Vorgeschichte des Architekten Josef Kaiser. Die FAZ bestaunt in Amsterdam Zeichnungen von Willem de Kooning.

Bücherschau des Tages

Sie sind hier falsch

12.10.2026 Die FAZ erfährt von Miriam Davoudvandi in "filmreifer" Manier, wie es ist, in Armut aufzuwachsen. Die SZ macht sich mit Klaus Schichte, Hendrik Simon und Johannes Varwick Gedanken über Krieg und Frieden. Die NZZ sieht mit Maxim Biller eine neue Welle des Antisemitismus hereinbrechen. Die Welt lässt sich von Benjamin Moser nicht vom Anti-Zionismus überzeugen. 

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