Perlentaucher - Online Kulturmagazin mit Presseschau, Rezensionen, Feuilleton

zuletzt aktualisiert 10.06.2026, 10.54 Uhr
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  • Die Beschneidungsdebatte: im Perlentaucher und in anderen Medien
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Perlentaucher Archiv

Sortiert nach Datum | Rubriken

Samstag, 02.05.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Konkrete, öffentlich zugängliche Anhaltspunkte

02.05.2026 Die Russen haben inzwischen solche Angst vor ukrainischen Drohnen, dass sie lieber die Parade zum 9. Mai verkleinern, berichtet die FAZ. Steckt die AfD hinter dem Buchhandlungspreis-Chaos, fragt die SZ. Zum Antisemitismus empfiehlt die Vogue einen blauen Samtblazer sowie ein markantes Brillengestell. Die taz warnt vor der Kulturpolitik der AfD.  Und sie prognostiziert Keir Starmers Untergang.

Efeu - Die Kulturrundschau

Es beginnt eine gedankliche Autolyse

02.05.2026 Die Jury der Biennale von Venedig ist zurückgetreten, FAZ und Welt weinen ihr keine Träne nach. In der FAS, die einen Biennale-Schwerpunkt hat, erzählt Florentina Holzinger, was sie für den österreichischen Pavillon geplant hat. Wenig originell findet die Welt James Vanderbilts Film "Nürnberg", aber Russell Crowe als Hermann Göring ist toll. Die SZ feiert den Schauspieler Thomas Schmauser, der beim Theatertreffen als explosiver Mephisto bewundert werden kann. Welt und taz unterhalten sich mit dem Regisseur Sebastian Hartmann, der mit gleich zwei Inszenierungen zum Theatertreffen eingeladen wurde. 

Bücherschau des Tages

Die epische Dimension

02.05.2026 Der Deutschlandfunk bestaunt Juan Gómez Bárcenas gleichermaßen persönliches wie makrohistorisches "Opus Magnum" "Alles andere ist Luft", das zugleich ein Roman ist, aber auch die Geschichte eines Dorfes in Kantabrien - bis zurück vor Christus. Die taz lernt mit  Nikolaus Lelle und Tom Uhlig Antisemitismus zu definieren, wenn auch ex negativo. Die Welt liest mit Faszination Sebastian Haffner über  die deutsch-russischen Beziehungen. Die FAZ genießt, anders als übrigens die taz, Sharon Dodua Otoos "So, in etwa, ist es geschehen" als Provokation.

Montag, 04.05.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Die Beschwernisse des Körpers

04.05.2026 Die NZZ wandert auf dem schmalen Grad zwischen Aufklärung, Voyeurismus und Machtfragen, wenn es um die Darstellung von Sexarbeit in Filmen geht. Die FAZ fürchtet, dass es mit der anstehenden GEMA-Reform ungemütlich wird für E-Musik. Absolute Ekstase erleben die Kritiker beim Rosalía-Konzert in Berlin. Die FAZ vertieft sich in Anne Truitts monochrome Bilder und langweilt sich in Philippe Quesnes "Spooky Paradise". Das Berliner Theatertreffen geht los und die Welt ist schon mal überzeugt von der Eröffnungsrede des Intendanten Matthias Pees.

9punkt - Die Debattenrundschau

Fördergelder für riesige Bierfeste in Burganlagen

04.05.2026 In Sachsen-Anhalt ist die AfD gefährlich nah an der Macht: Die FAZ warnt vor ihrer kommenden russophilen Bildungspolitik. In der SZ erklärt der slowakische Schriftsteller Michal Hvorecky, warum die europäischen Rechtsextremisten Putin so lieben. Librejournal.fr analysiert die Dialektik des französischen "Antifaschismus" - er bringt die extreme Rechte an die Macht. Polen und Griechenland erinnern laut taz und FAZ die Deutschen an die Verheerungen ihres einstigen Rechtsextremismus. In der NZZ erklärt Kacem El Ghazzali , warum er kein Aushängeschild für Quotendiversität sein will.

Bücherschau des Tages

Ein schelmenhafter Merkur

04.05.2026 Die FAZ verspricht Hochspannung mit Helena Falks neuem Krimi, in dem einer Köchin nur fünf Tage bleiben, um den Mörder ihrer reichen Auftraggeber zu finden. Mit Susanne Kaiser geht sie Cybermobbern an den Kragen. Dlf und NZZ vollziehen mit Susanne Heim erschüttert nach, wie viele Länder ihre Grenzen für jüdische Menschen auf der Flucht vor den Nazis schlossen. Die SZ lobt Ryan Gingeras Globalgeschichte über die Mafia als "luzide Gesamtschau", hätte sich in manchen Punkten aber mehr Tiefe gewünscht. 

Dienstag, 05.05.2026

Magazinrundschau

Von der Freiheit der Liebe

05.05.2026 New Lines analysiert die neue Rolle Pakistans in der Weltpolitik. Im Merkur überlegt Claus Leggewie, ob und wie sich Klimaschutz auf der Erde mit dem Schutz der Meere verbinden lässt. Die London Review sieht da mit Blick auf Russlands Arktis-Politik wenig Chancen. In Elet es Irodalom hofft die Dichterin Timea Turi auf autonome ungarische Bürger. Antizionismus ist keine Position, er ist eine Weltanschauung, warnt Hussein Aboubakr Mansour in Substack die Demokraten.

9punkt - Die Debattenrundschau

Der Schmelztiegel war immer ein Mythos

05.05.2026 Die Vereinigten Staaten feiern in diesem Jahr ihren 250. Geburtstag. In der NZZ erklärt der Historiker Manfred Berg die demografischen und politischen Herausforderungen, vor denen das Land steht. Die Historikerin Barbara Stollberg-Rilinger schildert zugleich in Zeit online den Hofstaat, mit dem sich Trump umgibt. Die taz fragt, warum es eigentlich nur in Hamburg nie einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum NSU gab und warum eine stattdessen eingesetzte "Forschungsgruppe" nicht vorankommt. 

Efeu - Die Kulturrundschau

Am Kind vorbei ins Nichts

05.05.2026 Die FAZ und Hollywood rufen durch den Ausschluss von digital generierten Schauspielern und Drehbüchern bei den Oscars zum Kampf gegen KI auf. Die taz bewundert in Aschaffenburg eine aus dem Khanenko-Museum in Kyjiw gerettete Madonna. BR Klassik deckt geheime Absprachen hinter der umstrittenen GEMA-Reform auf. Die Welt erfreut sich an Evgeny Titovs blutiger und französischer Adaption der Donizetti-Oper "Lucia di Lammermoor" in Paris. 

Bücherschau des Tages

Begegnung mit der schnurrbärtigen Janina

05.05.2026 Die taz ist beeindruckt von Yavuz Ekincis Roman "Die, deren Träume zerbrochen sind", in dem der junge Kurde Ismail auf der Suche nach seinem Bruder sich selbst findet. Die NZZ sieht in Andris Kalnozols Roman "Kalender" über einen autistischen Jungen ein großes Außenseiterporträt. Die FAZ lernt von Dieter Henrich, was echte Dankbarkeit ist. Mit Adrian Daub widmet sie sich dem Machthunger der Tech-Giganten aus dem Silicon-Valley. Die SZ nimmt mit Gabriele von Arnim Abschied von politischen Gewissheiten. 

Mittwoch, 06.05.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Allein mit meinem Team

06.05.2026 Die Venedig-Biennale steht vor der Tür, mit russischer Beteiligung - am Ende könnte Wladimir Putin der große Gewinner sein, fürchtet die FAZ. Der israelische Künstler Belu-Simion Fainaru erzählt im Welt-Interview, wie er und sein Team von den anderen Künstlern geschnitten werden.  Ebenfalls die FAZ schwärmt von Igor Zelićs geheimnisvollen Film "Opera", der auf den Kurzfilmtagen Oberhausen gleich mehrere Preise abräumte. Der Tagesspiegel lässt sich in Berlin von einem Konzert des Pianisten Grigory Sokolov verzaubern.

9punkt - Die Debattenrundschau

Kampfruf der Verteidigung der Vernunft

06.05.2026 Faschismus ist nur eine Vokabel, sie erklärt in unserer Gegenwart gar nichts, meint in der FAZ Jan-Philipp Reemtsma. In der NZZ stellt sich der Publizist Sigbert Gebert die Frage: Wann ist Gewalt legitim? taz und Politico berichten über den Sturz der konservativen Regierung in Rumänien durch ein Bündnis aus Sozialdemokraten und extremer Rechter. Nein, die Linke ist nicht schuld an der Auflösung des Wahrheitsbegriffs, ruft Robert Misik in der taz. Weniger NS-Geschichten in den Medien, dafür einen Lehrstuhl für Holocaustforschung wünscht sich in der FR der Historiker Ulrich Herbert.

Bücherschau des Tages

Ein Hauch Kritik

06.05.2026 Die FAZ freut sich über zwei Erzählungen von Alma Hirschel, die auch ein neues Licht auf das Werk ihrer Tochter Ruth Klüger werfen. Die FR streift mit Tobias Bütow, Corine Defrance und Ulrich Pfeil durch "63 Orte der deutsch-französischen Geschichte". Die SZ wundert sich, dass in Olivier Guez' Buch über Gertrude Bell nur aus der Perspektive der Kolonisatoren erzählt wird. Dlf Kultur schwärmt von Galit Dahan Carlibachs Roman "Waisenkind", in dem die Heldin Avital gegen eine unbarmherzige Gesellschaft ankämpfen muss. 

Donnerstag, 07.05.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Verflüchtigung des Alltäglichsten

07.05.2026 Die Zeit atmet auf: Zumindest künstlerisch wird bei der Biennale in Venedig auf Aktivismus verzichtet, dafür gibt's viel Busen. Und endlich spielt auch die DDR im deutschen Pavillon eine Rolle, freuen sich SZ und Welt. In der taz entdeckt die Literaturwissenschaftlerin Franziska Haug Spuren von Queerness in der Literatur der DDR. Geradezu infam findet es der Tagesspiegel, wenn James Vanderbilt in seinem Film "Nürnberg" versucht, die Nazis auf einer ganz menschlichen Ebene zu verstehen. Die taz sieht hier hingegen Hannah Arendts Gedanken ins Bild gesetzt. Und die SZ erinnert: Mode muss nicht praktisch sein.

9punkt - Die Debattenrundschau

Die gute Seite der Geschichte

07.05.2026 Die Zeit erklärt, wie sich der EuGH mit einem Urteil selbst zum Über-Verfassungsgericht Europas erklärt hat, das künftig in alle Bereiche des nationalen Rechts eingreifen kann. In der NZZ sucht der amerikanische Schriftsteller Percival Everett vergeblich das Rückgrat der Republikaner. Die taz berichtet von einem Streit um die sowjetischen Ehrenmale in Berlin, über die in der Zeit auch die ukrainische Historikerin Yevheniia Moliar und ihr Kollege Jörg Baberowski diskutieren. Die FR fürchtet einen Backlash unter jungen Männern gegen Frauenrechte.

Bücherschau des Tages

Hoffnungslos universell

07.05.2026 Die FAZ folgt Simeon Elias Hüttel gebannt durch die Kulturgeschichte des Vampirs, der sich im Westen zunächst gegen das Christentum durchsetzen musste. Bewegt folgt sie außerdem dem Lebensweg des im Irak geborenen jüdischen Theatermachers David Mouchtar Samorai. Die SZ begleitet mit Jan Jekal Brecht, Schönberg und andere deutsche Exilanten nach Hollywood. In der Zeit plädiert die Strafrechtlerin Elisa Hoven mit Ronen Steinke dafür, dass auch demokratiefeindliche Äußerungen von der Meinungsfreiheit geschützt sind. Und der Dlf Kultur freut sich, dass John Fowles’ „postmodern gebrochener“ Bildungsroman „Magus“ nun ungekürzt auf Deutsch vorliegt.

Freitag, 08.05.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Das System hat kein Außerhalb mehr

08.05.2026 Die Gewinnerin der Biennale in Venedig dürfte bereits feststehen, glaubt die SZ, nachdem Florentina Holzinger den österreichischen Pavillon mit Urin geflutet hat. Die Welt schaut sich lieber abseits der Biennale die gigantischen Zeichnungen goldener Helden an, die Georg Baselitz im Angesicht des Todes schuf. Artechock erinnert sich dank Lana Dahars Essayfilm "Do You Love Me?" an den Libanon der Vergangenheit. Die FAZ blickt entsetzt auf die Liste der progressiven Gebäude, die Trump am liebsten abreißen würde. 

9punkt - Die Debattenrundschau

Nur die schärfsten Kanten

08.05.2026 Deutschland rüstet gewaltig auf. Wird es Europa diesmal guttun, fragt bang Timothy Garton Ash in der SZ. Lasst uns die AfD verbieten, fordert der ehemalige S. Fischer-Verleger Jörg Bong ebendort. Dschihadisten werden in Algerien amnestiert, wer ihre Verbrechen benennt, wird bestraft, während die Kolonialverbrechen der Franzosen per Gesetz als "unverjährbar" eingestuft werden - was ist das für eine Erinnerungspolitik, fragt Kamel Daoud in Le Point. In der Zeit warnt der Historiker Serhii Plokhy vor Konsequenzen aus dem Ukraine-Krieg: Wer seine Atomwaffen abgibt, wird angegriffen.

Bücherschau des Tages

Im eigenen Traum aufwachen

08.05.2026 Die FAZ legt mit Maylis de Kerangal Schicht um Schicht die Geschichte von Le Havre frei. Viel Spaß hat sie mit dem phlegmatischen Hans im Glück, den Jens Sparschuh als Restaurantkritiker durchs Nachwende-Berlin schickt. Die NZZ kommt Elena Ferrante in deren Essays so nahe wie nie zuvor. Der Dlf amüsiert sich mit in Fernando Aramburus „Fabula“ über zwei ungeschickte Anti-Helden, die für ein unabhängiges Baskenland kämpfen. Und Dlf Kultur lässt sich von dem Germanisten und Kulturhistoriker Albrecht Koschorke Anfänge und Widersprüche des Liberalismus erörtern. 

Samstag, 09.05.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Ein Unheil geht zu Ende, ein anderes Unheil kommt

09.05.2026 In der NZZ macht sich der ägyptisch-amerikanische Essayist Hussein Aboubakr Mansour wenig Illusionen, dass im Iran durch den amerikanischen-israelischen Angriff Frieden herrschen wird: Vielleicht folgt ein Islamo-Techno-Autoritarismus, glaubt er. Zeit Online weiß: Zum heutigen 9. Mai wird es in Moskau nur ein "Parädchen" geben, Putin hat zu viel Angst vor einem Attentat. Die FAS bezweifelt, dass die ungarische Justiz Orban und seine Günstlinge zur Rechenschaft ziehen kann. Nicht den exzellenten, nur den mittelmäßigen Journalismus wird KI ersetzen, ermuntert der Medienwissenschaftler Stephan Weichert in der taz.

Efeu - Die Kulturrundschau

Barfuß über splitternde Flaschen

09.05.2026 Die taz ist verblüfft über den Zynismus, der in den Biennale-Pavillons von USA und Russland vorherrscht: "They don't give a shit". Critic.de verliebt sich bei der Valerio Zurlini-Retrospektive im Kino Arsenal in Berlin nochmal frisch in Alain Delon. Die Nachtkritik trifft in Calixto Bieitos Inszenierung von Benjamín Labatuts Stück "Maniac" die Frauen um den Mathematiker John von Neumann, der die Atombombe mitentwickelte. Ein neuer Schlingensief ist Milo Rau leider nicht, konstatiert backstage classical. 

Bücherschau des Tages

In sich selbst die ganze Welt

09.05.2026 Die FAZ findet Susanne Schlegels Kulturgeschichte über die Erforschung von Intelligenz alles andere als doof. Die FR erfreut sich am "grandiosen" Naturschauspiel in den Erzählungen des ukrainischen Schriftstellers Hryhir Tjutjunnyk. Die NZZ vertieft sich in ein fantastisches Märchen über die Liebe zwischen einem Leguanweibchen und einem Dichter von Anna Maria Ortese. Die taz erlebt mit Armin Thurnher "Untersternstunden der Menschheit". 

Montag, 11.05.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Gläserne Hände

11.05.2026 Kläglich fiel Putins Militärparade auf dem Roten Platz zum 9. Mai aus, und das obwohl Wolodimir Selenski sie "aus humanitären Gründen" gestattet hatte, notiert die taz. Die Zeitungen arbeiten die britischen Kommunalwahlen auf - ein Triumph für Populisten und Separatisten. Christopher Clarks Börne-Preisrede liest sich als ein dringendes Plädoyer pro Börne, so FAZ und FR. Die FAZ druckt sie ab. Die taz beleuchtet die China-Liebe der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Und Holger Friedrich kann die Volksverpetzer nicht einschüchtern.

Efeu - Die Kulturrundschau

Nicht ganz Herr in diesem Haus

11.05.2026 Die Kritiker reiben sich nach dem Aufwachen aus Sebastian Hartmanns Inszenierung von Wolfram Lotz' "Träume in Europa" verwirrt die Augen. Laibach stellt mit dem neuen Album "Musick" drängende Fragen, was KI-Musik angeht, findet die SZ. Der Tagesspiegel nimmt im Haus am Lützowplatz Anteil am Schicksal der jüdischen Mutter der Künstlerin Barbara Loftus. Annemarie Jacirs Film "Palästina 36" ist ziemlich geschichtsrevisionistisch, findet der Tagesspiegel. Joe Laschet wünscht sich in der NZZ mehr Stil im Bundestag.

Bücherschau des Tages

Verführerisches Kunststück

11.05.2026 Die SZ lernt von Martina Winkler wie die Slowakei um die Demokratie und ihren Platz in der EU ringt. Mit Martin Adam versucht sie die polnischen PiS-Wähler zu verstehen. Die FR freut sich über "hinreißende" Sexszenen und sich erfüllende Flüche im neuen Roman von Dana Grigorcea. Dlf Kultur verbringt eine solide und unterhaltsame Lektüre mit Thommie Bayers neuem Roman "Gern gesehene Gäste" über eine zwiespältige Freundschaft.  

Dienstag, 12.05.2026

Magazinrundschau

Im Wesentlichen kontrapunktische Stimmen

12.05.2026 John Lanchester fragt in der LRB: Wohin ist die ganze Kohle verschwunden? Der Dichter Ernest Jesuyemi erinnert in Compact daran, dass es mal möglich war, widersprüchliche Emotionen in der Kunst auszuhalten. New Lines erzählt von dem Dichter, Politiker und Piraten Rahmah ibn Jabir, der im 16. Jahrhundert die Straße von Hormus belagerte. Joshua Cohen feiert in der Paris Review die Musikalität von Wolfgang Koeppens Prosa. In Wired erzählt die britische TV-Autorin Ruth Fowler, wie aus KI-Trainern Arbeitssklaven werden.

Efeu - Die Kulturrundschau

Wer lächelt überhaupt noch, zumal auf Deutsch?

12.05.2026 Die Linke lehnt jede Debatte über Islam und Islamismus ab, um ihre Wähler nicht zu verprellen, ärgert sich Boualem Sansal in der taz. Die Filmkritiker blicken aufgeregt auf die Filmfestspiele in Cannes, wo sich die Crème de la Crème des internationalen Autorenkinos versammelt, aber Netflix weiterhin ausgeschlossen bleibt. Die SZ verliert sich in Duisburg in der konkreten Leere von Anish Kapoor. Merz steht für "Kommerz, Schmerz, ausmerzen" lernt die NZZ von Kurt Schwitters in Bern. Die SZ begegnet außerdem dem Geist von Hildegard Knef im neuen Song von Sophia Kennedy.

9punkt - Die Debattenrundschau

Verantwortung für das Handicap

12.05.2026 Zum ersten Mal soll der "Sudetendeutsche Tag" in Tschechien stattfinden - populistische tschechische Politiker finden das gar nicht gut, Jaroslav Rudiš verteidigt die sudetendeutsche Landsmannschaft in der FAZ. In der NZZ schildert der ehemalige mexikanische Botschafter in Kuba Ricardo Pascoe das Dilemma der Kubaner zwischen Drohungen von Trump und dem Castrismus. Das Existenzrecht von Staaten zu bestreiten, gehört in den  Schutzbereich der Meinungsfreiheit, meint die Völkerrechtlerin Isabel Feichtner in der FR.

Bücherschau des Tages

Suchbewegung des Schreibens

12.05.2026 Die FAZ lauscht mit Lea Singer an der Tür, hinter der Lucian Freud die Queen porträtierte und hört geistreiche Pointen. Außerdem schwelgt sie in der kaleidoskopartigen Prosa, mit der sich Marlene Stoessel nach schwerer Krankheit zurück ins Leben tastet. Die NZZ vertieft sich in Karl-Markus Gauß' tiefgründige Reise-Essays. Die Welt blickt interessiert und kritisch auf Thomas Deichmanns Berichte von Peter Handkes Jugoslawienreisen. Die taz ist erschüttert von Adrian H. Koerfers autobiografischem Buch über den systematischen Missbrauch an der Odenwaldschule.

Mittwoch, 13.05.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

In den Konflikt gehen

13.05.2026 Im Interview mit der FAZ schmeichelt sich Jordan Bardella vom französischen Rassemblement National an die Regierung Merz und distanziert sich von der AfD. Politico erkennt darin eine größere Strategie: Bardella träumt von einer Achse Rom-Berlin-Paris. In der FR glaubt der Politikwissenschaftler Johannes Varwick an ein Ende des Ukrainekriegs, wenn man Russland mehr nachgibt. In der Zeit warnt der Anwalt Wolfgang Kaleck davor, das Völkerrecht als Utopie abzuschreiben. Die NZZ blickt seit dem Krieg um die Straße von Hormus mit Sorge auf Singapur.

Efeu - Die Kulturrundschau

Im Grunde ist egal, was passiert

13.05.2026 Viele große Namen in Cannes - aber der Eröffnungsfilm der Filmfestspiele, Pierre Salvadoris "La Vénus électrique" ist eine Pleite, findet die Zeit. Die stürzt sich außerdem mit dem neuen Ikkimel-Album "Poppstar" mit Volldampf in die Fotzenrap-Debatte. Die SZ verteidigt Maxim Biller nach dessen Zeit-Polemik: der Literaturwissenschaftler Steffen Martus habe tatsächlich einen blinden Fleck, wenn es um Texte jüdischer Autoren geht. Çağla Ilk, die neue Intendantin des Gorki-Theaters, stellt ihr Programm vor - viel Kunst, wenig klassische Bühnenstücke, lernt der Tagesspiegel. 

Bücherschau des Tages

Situationship in der Ming-Dynastie

13.05.2026 Die FR empfiehlt Matthias Nawrats Roman "Das glückliche Schicksal" als wertvolle Vergegenwärtigung der polnischen Geschichte. Die Zeit blättert angeregt im Band "The Way Back" mit bisher unveröffentlichten Fotografien von Bruce Davidson. Dlf lernt in Garth Greenwells Roman über den Krankenhausaufenthalt eines Dichters die Literatur als Medizin für den Körper in Extremsituationen kennen. Und Dlf Kultur entledigt sich mit Amanda Lee Koes unsterblichen Schlangenschwestern unliebsamer Männer. 

Freitag, 15.05.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Entspannt Richtung Abgrund

15.05.2026 In Cannes lief der stark erwartete Film "L'Abandon", der die Geschichte Samuel Patys erzählt - mit großer Genauigkeit, so Franceinfo. Die Filmkritiker applaudieren außerdem Paweł Pawlikowski, der die Manns durchs kriegszerstörte Deutschland reisen lässt. Die taz erklärt der propalästinensischen Protestszene nochmal den Unterschied zwischen der Teilnahme Israels und Russlands beim Eurovision Song Contest. Die FAZ bewundert in Nürnberg einmal mehr, wie Olaf Metzel Gewaltgeschichte in starke Formen verwandelt. Der Standard verabschiedet mit Valie Export eine Ikone der feministischen Avantgarde.

9punkt - Die Debattenrundschau

So erschreckend eifrig

15.05.2026 Der Antisemitismus der Moderne ist häufig als eine Art umgeleitete Selbstkritik zu lesen, erklärt Armin Nassehi in Zeit online. Michel Foucault hasste staatliche Fürsorge, ist er also überhaupt als links zu lesen, fragt die taz. Der israelische Staat wird die New York Times wegen Verleumdung verklagen, berichtet die Times of Israel. Will die AfD die Eugenik wieder gesellschaftsfähig machen, fragt die amerikanische Historikerin Dagmar Herzog in der SZ.

Bücherschau des Tages

Literarisches Streetview

15.05.2026 FAZ und NZZ verneigen sich geradezu vor Lukas Bärfuss, der die Geschichte seiner komplizierten Mutter zur Gesellschaftsanalyse ausweitet. Die FAZ empfiehlt außerdem neue Ingeborg-Bachmann-Biografien von Andrea Stoll und Dieter Burdorf. Der Dlf lässt sich von John Horne Burns' Klassiker von 1947 durch die Galleria Umberto in Neapel führen. Außerdem erlebt er mit Robert Seethaler die Straße als Wimmelbild schillernder Charaktere. Produktiv verstört bleibt der Dlf Kultur zurück, wenn die schwedische Autorin Ellika Lagerlöf von Kindern erzählt, in deren Mündern Perlen gezüchtet werden. 

Samstag, 16.05.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Menschliche Kopiermaschine

16.05.2026 Die Filmkritiker folgen Kôji Fukada in Cannes angetan in einen kleinen Ort an der japanischen Westküste. In der FAZ wehrt sich Steffen Martus gegen Maxim Billers Vorwürfe, dass in seiner Literaturgeschichte kaum jüdische Autoren vorkämen. Selbst das Schillern von frisch Erbrochenem in der Sonne kann verzaubern, wenn Marc Brandenburg zeichnet, staunt die SZ in der Berlinischen Galerie. In der nachtkritik verrät der designierte Volksbühnen-Intendant Matthias Lilienthal, wie er dort künftig über das Ende der Demokratie nachdenken wird. In Wien schätzt man es ganz und gar nicht, wenn Ersan Mondtag aus Bizets indigenen Perlentauchern zeitgenössische Textilarbeiter macht, weiß die nachtkritik außerdem. 

9punkt - Die Debattenrundschau

Glorreiche Vergangenheit oder strahlende Zukunft

16.05.2026 Putin steht mit dem Rücken zur Wand - das macht ihn noch gefährlicher für Europa, warnt die Politikwissenschaftlerin Hanna Notte bei Zeit Online. Die Deutschen müssen ihre Idee von Frieden überdenken, fordert der Historiker Eckart Conze in der FAZ. Die ökonomische Lage in Deutschland ist bei Weitem nicht so schlecht, wie oft behauptet wird, erklärt der Wirtschaftshistoriker Hartmut Berghoff im FR-Gespräch. In der FAZ ärgert sich die Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy über marode deutsche Universitäten: Wenn der Staat "Orte des Wissens" verfallen lässt, ist das ein schlechtes Zeichen für die Demokratie. 

Bücherschau des Tages

Möglichkeit paralleler Welten

16.05.2026 Hochaktuell findet die taz Johann Reißers Roman „Pulver“, der ihr am Beispiel von Max von Duttenhofer die Geschichte der deutschen Rüstungsindustrie erzählt. Außerdem empfiehlt sie Bücher von Alice Hasters und Maria-Sibylla Lotter, die sich beide mit der Rolle des Opfers in unserer Gesellschaft befassen. Die Welt bleibt gern im Schnee stecken, solange Karl Ove Knausgard davon erzählt. Die FAZ blickt mit Kathrin Fischer kritisch und angeregt auf die Ideologie der Achtsamkeit. Und Dlf Kultur freut sich, dass mit Monique Wittigs „Opoponax“ ein französischer Klassiker der queeren Literatur noch einmal auf Deutsch vorliegt.

Montag, 18.05.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Uns auf diese Weise zu verlieren

18.05.2026 "Und als all das vorbei war und diese Verbrecher immer noch nicht genug hatten, zerstörten sie den Frauen das Gesicht." Die Sunday Times resümiert nochmal den Bericht der "Civil Commission" zur sexuellen Gewalt am 7. Oktober. In der TU Berlin war Wasser im Keller und bedrohte die Elektrik. Hat wohl keiner gemerkt. Und die Herrentoiletten zwischen dem zweiten und dem achten Stock gingen auch nicht: Kein Wunder dass die TU jetzt geschlossen  ist, so die SZ. Und der Deutschen Bahn geht's auch nicht besonders, diagnostiziert Andreas Maier in der FAZ. Die Piusbrüder werden immer mehr, so die FAZ. Ob Exkommunikation hilft? 

Efeu - Die Kulturrundschau

Erfreulich lustig und sinnlos

18.05.2026 Erfreulich sinnlos ist der bulgarische ESC-Song "Bangaranga" der bulgarischen Sängerin Darina Yotova, freuen sich die Kritiker. Und selbst die Israelfreunde sind irgendwie froh, dass Israel nur auf den zweiten Platz kam. Die Kritiker genießen auch Olga Neuwirths Liquid-Gender-Veroperung von Virginia Woolfs "Orlando" in Berlin. Auf der Croisette ist die FR beeindruckt von László Nemes' Film über den Résistance-Chef Jean Moulin, den er noch auf klassischem Filmmaterial gedreht hat. Der Perlentaucher stellt die französische Autorin Catherine Guérard vor.

Bücherschau des Tages

Wortwörtlich in der Tinte sitzend

18.05.2026 Die NZZ verneigt sich vor Safae el Khannoussi, die in ihrem Roman "Oroppa" von Amsterdamer Kifferkaschemmen bis ins Pariser Belleville führt. Die Welt kann in den gesammelten Tarzan-Comics von Hal Foster die wechselnden Dschungel-Outfits des Helden vom "asymmetrischen One-Shoulder-Top" zum "Leo-Schlüpfer" bewundern. Die FAZ lässt sich mit der Hörbuch-Version von Iryna Fingerovas Roman "Zugwind" von Schmerz und von Lebensliebe erzählen. Die SZ lernt in Petra Webers Biografie über Hildegard Hamm-Brücher eine Politikerin kennen, wie sie heute dringend gebraucht wird. 

Dienstag, 19.05.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Canal Bolloré

19.05.2026 In Frankreich geschieht etwas Unheimliches: eine Machtübernahme der extremen Rechten in der Kulturindustrie - wir zitieren Le Monde, die SZ und andere. Was ist, wenn das Mullah-Regime schon ganz schön zerpflückt ist, und keiner will es wahrhaben, fragt Bernard-Henri Lévy in Le Point. Swetlana Alexijewitsch sieht Belarus und Russland im NZZ-Interview auf dem Weg in den Faschismus: " Das ist nicht nur Putins Wille. Das ist tief in den Völkern drin." Die FAZ fragt: Ist Faschismus der angemessene Begriff für die jüngsten Entwicklungen? In der NZZ verzweifelt Alice Schwarzer über die Tech-Bros, die eine Welt ohne Frauen schaffen.

Efeu - Die Kulturrundschau

Das ist mindestens Futur II

19.05.2026 Zwischenbilanz in Cannes: Als Kritikerliebling lässt sich Ryusuke Hamaguchis "All of a Sudden" ausmachen, der dem Filmdienst nicht nur dank Fußmassagen-Orgien Glücksgefühle beschert. Sandra Wollners Trauer-Drama "Everytime" mit Birgit Minichmayr hätte im Wettbewerb laufen sollen, findet der Standard. Die taz findet beim Kunstfestival "Various others" in München Exiquisites, Queeres und "Subversion in zartrosé-greigem Pastell". Singen und tanzen reicht nicht als Qualifikation, ruft die FAZ verzweifelt angesichts der deutschen ESC-Kandidaten der letzten Jahre. 

Magazinrundschau

Der Plot ist Slob

19.05.2026 Was genau ist Kapitalismus, fragt The Nation und sucht nach Antwort in Sven Beckerts Globalgeschichte desselben. Wie Iran den Krieg gewann gegen die USA, erklärt Robert Kagan in Atlantic. In Elet es Irodalom sprechen der Künstler Károly Klimó und der Philosoph László F. Földényi über Zivilisation und Kultur. Die London Review vertieft sich in eine Geschichte des Sklavenhandels in der muslimischen Welt. New Lines notiert im Sudan, wie der Drohnenkrieg jede Verantwortung verschleiert.

Bücherschau des Tages

Aufrührerischer Schwäninnengesang

19.05.2026 Die FAZ kehrt mit Sanna Samuelssons Debütroman in die vermeintich heile Welt eines schwedischen Bauernhofs zurück. Die FR zieht mit Heike Geißlers "Michaela Kohlhaas" in einen aussichtslosen Kampf. Die NZZ begeistert sich für Petra Morsbachs schillernden Roman "Orion" über die Lehrerin Nora. Dlf lernt von Florian Bieber, wie sehr sich Autokraten vor der Zivilgesellschaft fürchten. Dlf Kultur applaudiert dem lebendigen Roman "Die rastlosen Jahre" von Devika Rege, der während des Aufstiegs des Modi-Nationalismus in Indien spielt. 

Mittwoch, 20.05.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Das Wirken des Antichristen

20.05.2026 Der Guardian ist enttäuscht, dass die Labour-Hoffnung Andy Burnham eine Rücknahme des Brexit nicht diskutieren will. In der FR meint Richard Sennett: Die Briten wissen, dass er ein historischer Irrtum war, können aber nicht mehr zurück. Die SZ warnt vor einer "Antisemitismus-Epidemie" in Britannien, zu der auch die Green Party gehört. Die SZ dokumentiert Dan Diners Rede zur Ausstellungseröffnung des Archivs Salamander. Die FAZ skizziert Ideen, wie Urheberansprüche gegenüber dem Text-Mining der KI durchgesetzt werden können.

Efeu - Die Kulturrundschau

Endlose Anmut

20.05.2026 Die Filmkritik ist weiterhin aus dem Häuschen über Sandra Wollners Cannes-Film "Everytime": critic.de erklärt den Film bereits jetzt zum Meisterwerk des Festivals. Die Welt träumt dank AFF Architekten von brutalistischen Schulen. In Venedig tut die russische Kunst derzeit friedfertig, so monopol, in St. Petersburg dagegen feuert eine martialische Propagandaaustellung aus allen Rohren. Olga Tokarcuk erklärt der polnischen Website My Company, weshalb sie KI für ein nützliches Tool beim Schreiben hält. 

Bücherschau des Tages

Alles atmet Frieden

20.05.2026 Die NZZ fährt mit Felicitas Hoppes "feinnervigen" und fantasievollen Reise-Essays in Urlaub. Die Welt lässt sich von Philip Manow die "Spaltungslinien" unserer Gesellschaft nachzeichnen. Die FAZ studiert Christoph Möllers' und Nils Weinbergs kluge Gedanken zum Verhältnis von Kunstfreiheit und staatlicher Förderung. Die SZ verschlingt Sandro Veronesis Roman "Schwarzer September", der als zärtliche Romanze beginnt und als düsterer Krimi endet. 

Donnerstag, 21.05.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Isoliert im eigenen Kopf

21.05.2026 Mit Andrei Swjaginzews "Minotaur" könnte ausgerechnet der Film eines Russen über den Ukraine-Krieg die Goldene Palme gewinnen, wundert sich der Tagesspiegel. Die FR sucht indes vergeblich Meisterwerke in Cannes. Die SZ huldigt in Warschau der Malerin und Frauenrechtlerin Maria Jarema, die in kubistischen Werken die Massenmorde der deutschen Besatzer verarbeitete. Darf Literatur auf KI zurückgreifen? Ja, denn wo ist der Unterschied zur Google-Recherche, fragt die Zeit. Außerdem applaudiert die Zeit dem Theater Magdeburg, das mit bis zu 90 Prozent Auslastung der AfD trotzt.

9punkt - Die Debattenrundschau

Die Notwendigkeit zu wetten

21.05.2026 Italien hat seine faschistische Vergangenheit nie richtig aufgearbeitet, das hat Folgen, warnt in der FAZ der Autor Antonio Scurati. In der taz fragt der estnische Sicherheitsexperte Marek Kohv die Westeuropäer: Wollt ihr mit hohen Gehältern und guten Renten in einen Dritten Weltkrieg ziehen oder mit einer exzellenten Armee? Die FAZ stellt einen Plan zur Randbebauung des Tempelhofer Feldes vor, der wie die buchstäblich eierlegende Wollmilchsau anmutet. 54books erklärt, warum die einen Autoren 160.000 Euro Vorschuss bekommen, die anderen nur 15.000.

Bücherschau des Tages

Am aufgeklappten Krokodilsmaul entlang

21.05.2026 Die FAZ liest berührt, wie Thomas Medicus dem Suizid eines erfolgreichen Arztes und Vaters nachspürt. Amüsiert folgt sie indes Madame Nielsens Bericht einer dänischen Performance-Künstlerin, die mit einem deutschen Theater aneinander gerät. Als Plädoyer für mehr Menschlichkeit würdigt die FR Gabriele von Arnims neues Buch über Abschiede. Als "vielleicht unbekanntestes Meisterwerk" der amerikanischen Literatur des letzten Jahrhunderts preist die NZZ Sherwood Andersons Roman über kuriose Gestalten in Ohio. Gebannt folgt Dlf Kultur dem Investigativ-Journalisten Patrick Radden Keefe, der dem mysteriösen Tod eines jungen Hochstaplers in London nachspürt.

Freitag, 22.05.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Bewohnte Lärmschutzwand

22.05.2026 Die antiisraelische Obsession westlicher Öffentlichkeiten schadet vor allem diesen selbst, meint Bret Stephens in der New York Times. Was hat die FAZ da mit Thalia zu laufen und warum müssen die Buchverlage dafür 65.000 Euro bezahlen, fragt die SZ. Des Bedünkens der FAZ nach könnte der Duden obsolet sein. Und die Ruhrbarone träumen nach der "re:publica" von der Zukunft des Internets: "Bergdoktor" schauen auf einem öffentlich-rechtlichen Facebook.

Efeu - Die Kulturrundschau

Privat, ungeschützt, posenlos

22.05.2026 Emmanuel Marres Film "Notre Salut" über einen Opportunisten in der Vichy-Zeit hätte die Goldene Palme verdient, meint critic.de: Nur leider ist er nicht konsensfähig genug. Die taz findet in Dortmund Momente der Schönheit im Müll. Im VAN-Interview hofft die ukrainische Dirigentin Oksana Lyniv, dass ukrainische Musik irgendwann ins Standardrepertoire deutscher Orchester gelangt. Und die FAZ beglückwünscht Norbert Gstrein zum Siegfried-Lenz-Preis, wünscht ihm aber andere Deuter.

Bücherschau des Tages

Krüger, Lachnicht oder Fuchs

22.05.2026 Die FAZ erfreut sich im neuen Band der Rostocker Werkausgabe an Uwe Johnsons Beschreibungen der Mentalität der Berliner. Mit Jan-Werner Müller denkt sie über Architektur und Demokratie nach. Den zugleich seltsamsten und poetischsten Roman des Jahres entdeckt die FR mit Ricardo Romeros "Ich bin der Winter". Die SZ bewundert, wie Kiran Desai quer durch alle Genres über Einsamkeit sinniert. Dlf Kultur lernt derweil von Ciara Greene und Gillian Murphy, dass unser Gedächtnis erst perfekt ist, wenn es vergisst.  

Samstag, 23.05.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Der neue Faschismus und so weiter

23.05.2026 In der taz erzählt die iranische Autorin Mina Khani, wie es sich anfühlt, noch im Exil von den iranischen Schergen bedroht zu werden. Auch die Drohungen gegen Josef Schuster und Volker Beck zeigen für die FAZ die Aktivitäten der Mullahs auf deutschem Boden. Was passiert, wenn die AfD in Sachsen-Anhalt an die Regierung kommt, fragt die SZ. Die taz liest zur Beantwortung dieser Frage ein Buch des rechten Cheftheoretikers Benedikt Kaiser. In der FAS fordert Raphael Gross eine neue Vergangenheitsbewältigung.

Efeu - Die Kulturrundschau

Ekstase, ist es das?

23.05.2026 Quo vadis, Kunst? Die Filmindustrie versucht sich auf die Verheißungen und Drohungen durch KI vorzubereiten, nimmt die Welt aus Cannes mit. Die FAS hört die Zukunft der Musik: Phonk, modulare Reizeinheiten für möglichst viele digitale Situationen. Die Welt bestaunt in der Londoner Zurbaran-Ausstellung ein Wunderwerk der Inwendigkeit. Die Theaterkritiker feiern im Hamburger Schauspielhaus das Stück der Stunde: Erich Kästners Weimarroman "Fabian", in der Adaption von Dušan David Pařízek.

Bücherschau des Tages

Mit einer gehörigen Portion Boshaftigkeit

23.05.2026 Die FAZ blickt mit Kiran Desai auf "Die Einsamkeit von Sonia und Sunny", die weder Tradition noch Freiheit glücklich macht. Wer die politische Lage in der Slowakei verstehen will, dem empfiehlt die FR Michal Hvoreckys Band "Dissident". Die SZ amüsiert sich mit Karine Tuils Roman "Die Liebeshungrigen" über die nicht unbeträchtlichen Macken der Pariser Hautevolée. Die taz lernt mit Benedikt Kaisers Band "Der Hegemonie entgegen" die  Strategie für eine identitäre rechte Revolution. Dlf Kultur geht mit Dagmar Knigge auf Spurensuche nach der Nazivergangenheit ihres Opas.

Dienstag, 26.05.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Miasma aus Dschungeltönen

26.05.2026 Die Filmkritik ist uneins über die Goldene Palme für Cristian Mungius Film "Fjord": Beklemmend gut, findet die SZ, zu konservativ, meint die FR. Über den Hauptpreis für Sandra Wollners "Everytime" im Nebenwettbewerb "Un certain regard" freuen sich indes alle. Sebastian Nüblings Inszenierung von "Wunde Stadt" über den Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt ist ein gelungener Versuch, Worte für Unsagbares zu finden, findet die nachtkritik. Die FAZ singt Miles Davis zum Hundertsten eine Hymne. Der Guardian tanzt in Margate durch die psychedelischen karibischen Landschaften von Hulda Guzman.

9punkt - Die Debattenrundschau

Ich krieg den Knaben dran

26.05.2026 Die KI ist in allen Zeitungen, nicht nur wegen der Enzyklika des Papstes unter dem Titel "Magnifica Humanitas", sondern auch in theoretischen Überlegungen der Sozialtheoretikerin Anna-Verena Nosthoff, die es - wie der Papst - in der Zeit ablehnt, den Menschen als "Fleischcomputer" zu betrachten. Unterdessen verliert laut FAZ vor allem eine Kategorie Mensch durch KI ihre Jobs: Frauen. Die SZ druckt Güner Balcis Plädoyer für einen humanistischen Patriotismus.

Bücherschau des Tages

Anonyme Amigophagen

26.05.2026 Die FAZ begleitet vergnügt den Kröterich Konrad aus dem Kinderbuch von Anke Kuhl und Oren Lavie bei seiner Suche nach etwas noch Köstlicherem als Fliegen. Von Paula Peretti und Dorthe Voss lässt sie sich das Leben von James Krüss erzählen - auch die dunklen Seiten. Dlf ist begeistert von Antonio Scuratis Roman "M. Das Ende und der Anfang", der aus der Perspektive Mussolinis vom Faschismus erzählt. Die Welt blättert interessiert durch den Band von AFF Architekten, der brutalistische Schulbauten vorstellt. 

Mittwoch, 27.05.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Die Farben der Freiheit und des Rechts

27.05.2026 Recep Tayyip Erdogan schleift gerade die Reste der türkischen Demokratie - und kaum einen in Europa interessiert es, notieren Zeit und Augsburger Allgemeine. Ob uns ein neuer Faschismus droht, ist keine akademische, sondern eine existenzielle Frage, meinen in der FAZ die Soziologen Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey und widersprechen damit Jan-Philipp Reemtsma. Der Verband Deutscher Historiker und Historikerinnen warnt in einer scharfen Eklärung vor einem Umbau der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung. In der FR setzt sich der Philosoph Etienne Balibar dafür ein, das Existenzrecht Israels leugnen zu dürfen.

Efeu - Die Kulturrundschau

Ein theatrales Missverständnis

27.05.2026 Sonny Rollins ist tot. Die Feuilletons trauern um einen Jazzmusiker, der in seiner Musik, so die SZ, nach einer tieferen Wahrheit schürfte. Die FAZ taucht in Venedig in KI-generierte Mittelalter-Fantasien ein. Ein offener Brief gegen die Aussetzung der Frauenquote beim Berliner Theatertreffen ist im Umlauf - die nachtkritik ist skeptisch. Der Tagesspiegel feiert das Frühlingslicht im Berliner Hauptbahnhof.

Bücherschau des Tages

Vertreterin des sokratischen Zweifels

27.05.2026 Dlf spürt in Anne Webers Reflexionen über die Poesie eine unbändige literarische Kraft. Die FAZ erfährt von Oliver Jahraus, wie sehr das Denken Martin Heideggers mit dem Nationalsozialismus verknüpft war. Dlf Kultur erlebt mit Oisín McKenna und ihren Großstadt- Milennials einige deftige "Hitzetage" in London. Die NZZ lässt sich von Andrea Hammel die weniger heroische Seite der Kindertransporte aufzeigen, mit denen jüdische Kinder vor den Nazis gerettet wurden. 

Donnerstag, 28.05.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Diese zauberhaften Zwischenwesen

28.05.2026 In der Zeit warnt der Militärforscher Frank Sauer vor einem Rüstungswettlauf mit autonomen Waffensystemen. KI ist nicht intelligent, sondern lernfähig, erklärt bei Zeit online die Soziologin Elena Esposito. Die SZ erkundet den Sweet Spot der Verlagsbranche. Die taz fragt sich, ob es noch lebende Anspruchssteller gegeben wird, wenn irgendwann ein Restitutionsgesetz verabschiedet wird. Das rechte Portal Nius mag rote Zahlen schreiben, politisch funktioniert es leider, bedauert die SZ. Die NZZ erklärt, warum Somaliland durch eine Mehrparteiendemokratie eher gefährdet als gefestigt wird.

Efeu - Die Kulturrundschau

Erhebliche Bereiche des Unheimlichen

28.05.2026 Viel Blut und aufgespießte Haut konnten die Kritiker bei Florentina Holzingers "Pfingstfestspielen" auf Schloss Prinzendorf sehen: die Zeit zuckt die Achseln, die SZ ist schon beeindruckt von der "unerschütterlichen Amazonenhaftigkeit". Außerdem bestaunt die Zeit im Vitra Museum die "rasanten" Möbel des Designers Verner Panton. Das Van Magazin wird mit Gustav Mahler ins Kosmische gewuppt.

Bücherschau des Tages

Fesselnd auf schleichenden Pfoten

28.05.2026 Die FAZ besteigt mit Angelika Overath den Gipfel des Calanda. "Spektakulär, ja geradezu grotesk" findet die NZZ den Fall des SS-Intellektuellen Hans Ernst Schneider, dessen Leben die Historikerin Angelina Pils nachspürt. Die SZ macht sich mit dem Migrationsforscher Volker M. Heins Hoffnung auf sichere Häfen für Geflüchtete. Die taz vergleicht mit Andrea Rottmann queeres Leben in DDR und BRD. Und Dlf Kultur freut sich über neu übersetzte Miniaturen von Jorge Luis Borges.

Freitag, 29.05.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Allerlei Halleffekte

29.05.2026 Wie steht's denn an euren Häusern mit der Frauenquote, fragen Nora Hertlein-Hull, Leiterin des Theatertreffens, und Matthias Pees, Intendant der Berliner Festspiele, in der FAZ jene Theaterleiter, die den offenen Brief unterzeichnet haben. Deplatforming funktioniert nicht, verteidigt Milo Rau im Tagesspiegel seine Einladung von Peter Thiel zu den Wiener Festwochen. Während Nastassja Kinski seit Jahren versucht, eine kindliche Nacktszene aus einem Film von Wim Wenders entfernen zu lassen, bekommt der heute den Ehrenpreis des Deutschen Filmpreises, ärgert sich die SZ. Die Musikkritiker verreißen das neue Album von Paul McCartney: Kantenloses Klangverbrechen, schimpft die FAZ.

9punkt - Die Debattenrundschau

Aus der Logik des Ortes heraus

29.05.2026 Die SZ fragt, nach den jüngsten Entwicklungen in der Türkei: "Wie Erdogan loswerden, wenn der keine demokratischen Mittel mehr zulässt?" Die taz fragt, warum die Stadt Hamburg bei der Aufarbeitung der NSU-Morde eine so blamable Rolle spielt. Auf Twitter attackiert die Exiliranerin Masih Alinedschad die Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez, der es Spaß macht, sich mit Kopftuch zu zeigen. Nichts gegen die Bebauung des Tempelhofer Feldes, so die Welt, aber es kommt drauf an, wie.

Bücherschau des Tages

Revolution in Gedanken

29.05.2026 Die FR lernt allerhand dazu, wenn Sigrid Damm mit Wortspielen ihre Lektüreschätze präsentiert. Dem Kirchenhistoriker Jörg Ernesti folgt sie durch Höhepunkte und Niederungen der Geschichte des Papsttums. Die NZZ zieht mit Heike Geißlers Kohlhaas-Wiedergängerin Michaela begeistert in Lumpen durchs Land. Angeregt liest der Dlf, wenn Daniela Dröscher über das Sprechen nachdenkt. Außerdem empfiehlt er nachdrücklich Miriam Carbes großen Generationenroman "Unerwünschte Töchter".

Samstag, 30.05.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Zeitalter des Schattens

30.05.2026 Nach dem offenen Brief schießen die Theaterkritiker zurück: Legt eure Gehälter offen und verpflichtet euch zu transparenter und gerechter Entlohnung, ruft die Welt den Intendanten zu. Angesichts des Klimawandels überlegt die FAS, ob Licht, Luft und Sonne im Städtebau bald schattigen Landschaften weichen werden. Die taz lernt in Dresden den Plattenbau im Westen kennen. Die FAS weiß: In Ost und West machte man es sich in Richard Lamperts Känguruh-Stuhl bequem. Die FR atmet in Wiesbaden durch mit den farbenprächtigen Bildern von Wolfgang Hollegha. Und Welt und FAZ verabschieden die Toten Hosen.

9punkt - Die Debattenrundschau

Grundlegendes Realitätsverständnis

30.05.2026 In der Welt hält Francis Fukuyama am Ende der Geschichte fest. Das iranische Regime kann sich einen längeren Internet-Blackout nicht mehr leisten, berichtet die taz. Von Los Angeles aus unterstützt ein iranischer Tech-Unternehmer die Opposition mit geschmuggelten Starlink-Terminals, weiß derweil die NZZ. Die Welt überlegt, wie die nächsten Wahlen in Israel ausgehen könnten. Bei der Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" soll in Zukunft "insbesondere" das Schicksal von deutschen Vertriebenen hervorgehoben werden, findet das Bundesinnenministerium - Zeit Online erklärt, warum das problematisch ist.  

Bücherschau des Tages

Orgie aus Chlorophyll

30.05.2026 FAZ und SZ spazieren mit Florian Illies vergnügt auf den Spuren des Alchemisten Johannes Kunckel über die Pfaueninsel. Ganz hingerissen ist die FR, wenn ihr der Lyriker Martin Piekar in seinem Prosadebüt von seiner polnischen Migrationserfahrung erzählt. Als Geniestreich wertet die taz Ian Kumakevas Geschichte der globalen Wirtschaft, die der Historiker anhand eines Schiffes erzählt. Und die Welt blickt mit Francis Fukuyama auf den Ursprung des Populismus: Die Vetokratie. 

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