Perlentaucher - Online Kulturmagazin mit Presseschau, Rezensionen, Feuilleton

zuletzt aktualisiert 10.06.2026, 10.54 Uhr
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Perlentaucher-Fakten

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Bücher
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Buchautoren

Perlentaucher Archiv

Sortiert nach Datum | Rubriken

Montag, 02.03.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Da tanzten sie auf offener Straße

02.03.2026 Was ist Trumps Plan, fragt Anne Applebaum in Atlantic nach dem israelisch-amerikanischen Schlag gegen das Mullah-Regime. Das bleibt unklar, den Iranern helfen hat jedoch keine Priorität, fürchtet sie, das war schon unter Obama so. Khamenei war nicht gerade ein Charismatiker, schreibt Hussein Aboubakr Mansour in seinem Blog, aber ein sehr erfolgreicher Architekt des letzten Systems, das er in der Nachfolge der Nazis sieht. In der FR warnt Olivier Roy vor der gefährlichen Illusion, der Iran sei ein fragiler Staat. Die taz ist entsetzt über den "MAGA-Imperialismus". In Le Point fragt Kamel Daoud: "Warum zieht die globale Linke einen lebenden Khamenei einem freien Iran vor?"

Efeu - Die Kulturrundschau

Auf dem Plüschsofa des Dr. Freud

02.03.2026 In der Rheinischen Post erklärt Wolfram Weimer, Berlinaleleiterin Tricia Tuttle habe ihre Position selbst infrage gestellt - wegen der vergifteten Atmosphäre. Die Theaterkritiker lassen sich in Essen von Shirley Jacksons "The Lottery" in der Regie Marie Schleefs in den Bann ziehen. Sarah Engels wird Deutschland beim ESC vertreten, meldet der Tagesspiegel, die Welt räumt ihr durchaus Chancen ein. Die FAZ bestaunt im Jüdischen Museum Wien Arten und Kunstwerke des Vergessens. Dieter Rams ist für Design das, was Kraftwerk für die Musik ist, ruft die SZ.

Bücherschau des Tages

Kleine Fehler in der Biografie

02.03.2026 "Alle belebten Dinge halten den Atem an" in Charlotte Mews Lyrik, auch der Kritiker dieses Bandes in der NZZ: Brüche im Versmaß lassen Wahrheit beim Blick auf das Innere durchblitzen. Die SZ  findet den Alarmismus im Essay "Was wollen wir?" des Bundeswehrobersts a. D. Roderich Kiesewetter in Ordnung und stellt sich unbequemen Einsichten in Sachen Russland. Die FAZ bespricht Krimis und staunt, dass sich der Held in Gianrico Carofoglios "Der Horizont der Nacht" seinen Abgründen stellt. 

Dienstag, 03.03.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Mit entwaffnender Zärtlichkeit

03.03.2026 Was früher Charlie Parker in der Musik leistete, könnte heute die KI übernehmen, ist Gitarrist Pat Metheny in der SZ überzeugt. Tricia Tuttle hält an ihrem Posten als Berlinale-Leiterin fest, verrät sie nicht etwa den Feuilletons, sondern der dpa. SZ und NZZ feiern den Tabubrecher Gustave Courbet in Wien. Die FR schaudert genussvoll in George Benjamins Oper "Written on Skin" beim Anblick einer Frau, die unwissentlich das Herz ihres Liebhabers verzehrt. Die Welt verliebt sich in die dem Tastsinn schmeichelnden ökologischen Bauten Anupama Kundoos.

Magazinrundschau

Im Namen des Guten

03.03.2026 Die New York Times bringt eine erschütternde Recherche zu den Toten der iranischen Proteste vom Anfang des Jahres. Wie es im Iran nach dem Tod Ali Khameneis weitergeht, entscheiden die Revolutionsgarden, meint der New Statesman. Und Wired fragt sich, welche Folgen der Krieg für Trump haben wird. New Lines sammelt die Stimmen von glücklich Geschiedenen in Mauretanien. Der New Yorker fragt sich, warum Shere Hite heute fast vergessen ist, deren Report erstmals erklärte, wie amerikanische Frauen Sex mögen. In Atlantico erklärt der französische Intellektuelle Samuel Fitoussi, warum "Antifaschismus" ein kindischer Begriff ist.

9punkt - Die Debattenrundschau

Bald womöglich Kuba

03.03.2026 Das Völkerrecht darf als Argument nicht nur gegen Amerika und Israel verwendet werden, sagt der Politikwissenschaftler Ali Fathollah-Nejad  in der FAZ, die größte völkerrechtliche Katastrophe in dem Spiel sei der Iran: "Solch ein Staat hat seine Existenzberechtigung verwirkt." Die Zeitungen fragen, wer der neue starke Mann im Iran ist: Ali Laridschani heißt er, einerseits ein Pragmatiker, andererseits einer der Organisatoren des Massakers an der eigenen Bevölkerung. Berlin plant einen "Aktionstag gegen Islamophobie". Ist das wirklich im Moment das größte Problem, fragt die Grüne Eva Quistorp in starke-meinungen.de. Und: Die FAZ meldet Panik bei CNN, wo man jetzt den Kumpeln von Trump gehört. 

Bücherschau des Tages

LSD-getunter Geist

03.03.2026 Die FAZ versinkt in Volker Reinhardts Rousseau-Biografie, in der sie einen großen Selbstdarsteller kennenlernt. Als eine der interessantesten politischen Figuren der Gegenwart erscheint ihr hingegen Viktor Orban nach der Lektüre von Stefano Bottonis neuer Biografie. Die NZZ lässt sich von der Historikerin Ute Daniel über die Finanzpolitik der Weimarer Republik aufklären. Die taz verfällt der Fabulierlust von Ken Keseys dystopischem Seemannslied. Und Dlf Kultur lernt von Norbert Sachser und Niklas Kästner, dass Nachtigallen versuchen, Autos zu übertönen. 

Mittwoch, 04.03.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Christus in der Weinpresse

04.03.2026 Tricia Tuttle will bleiben, aber damit ist die jüngste Berlinale-Aufregung noch nicht vorbei. Die FAZ warnt Wolfram Weimer vor einem allzu rigiden Verhaltenskodex, auch die taz stellt sich hinter Tuttle. Die Welt schimpft über Theaterstücke, die sich in selbstgerechter AfD-Kritik gefallen. Die FAZ bejubelt eine hochkomische Wiener Gassmann-Oper, die das Publikum zum Zahnarzt schickt. Die SZ weiß, warum keiner mehr nach Berlin will. Peter Schneider ist tot - wir verlinken erste Nachrufe.

9punkt - Die Debattenrundschau

In einer grauenhaften Welt

04.03.2026 Wer beim Angriff auf den Iran die Verletzung des Völkerrechts beklagt, muss auch erklären, warum die Welt jahrzehntelang zu den Verbrechen der Mullahs geschwiegen hat, meint in der Zeit der Philosoph Reza Mosayeb. Das ist eine andere Rechtsfrage, hält in der FR Nicole Deitelhoff dagegen. In der SZ glaubt Timothy Snyder, dass Trump sich mit dem Angriff nur bereichern will. Vergesst die Ukraine nicht, ruft in der SZ Francis Fukuyama. In der Jüdischen Allgemeinen streiten die Historiker Jan Grabowski und Stephan Lehnstaedt über Grzegorz Rossoliński-Liebes Buch "Polnische Bürgermeister und der Holocaust" und die Frage der Kollaboration - auch in der FAZ geht die Debatte weiter.

Bücherschau des Tages

Ich rieb die Wolken aus den Augen

04.03.2026 Die NZZ blickt fasziniert in die Memoiren Banines, der Geliebten von Ernst Jünger, die ihn auch anhimmelte, wenn er sie Briefe zu anderen Geliebten bringen ließ. Wie geschliffen Liz Moore vom dicken Literaturprofessor Arthur erzählt, gefällt der FR. Die FAZ mag, dass Thomas Lang in seinem Melville-Roman mehr auf Eigensinn statt auf Gefälligkeit setzt. Dlf Kultur entdeckt mit Miroslav Hlauco einen großen tschechischen Erzähler. Und der Dlf stimmt sich mit Dita Zipfel auf den Sommerurlaub ein.

Donnerstag, 05.03.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Das Wimmern eines Theremin

05.03.2026 Tricia Tuttle darf bleiben, muss aber künftig mit einem "beratenden Forum" arbeiten und sich an einen Verhaltenskodex halten. Es bleibt dennoch ein Drahtseilakt, wie in Zukunft mit Antisemitismus auf der Berlinale umzugehen ist, glauben Welt und taz. Gegenwartskunst in den USA strahlt vor allem Trauer und Verzweiflung aus, bemerkt die FAZ auf der Whitney Biennale in New York. Die Zeit ravt zu Harry Styles' kosmischen Unterwasserortungsgeräuschen. Und alle trauern um Peter Schneider, der die jungen Linken aus dem eisernen Gehäuse der Theorien befreite, wie die Zeit schreibt. 

9punkt - Die Debattenrundschau

Unsere Wut ist stärker als unsere Angst

05.03.2026 Der Angriff auf den Iran ist in jeder Hinsicht eine Verletzung des Völkerrechts, erklärt der ehemalige Verfassungsrichter Andreas Paulus in der FAZ. "Wo war eure Sorge um das Recht, als die Islamische Republik ihr eigenes Volk massakrierte?", fragt in der NZZ die im Exil lebende iranische Aktivistin Masih Alinejad zurück, die außerdem daran erinnert, dass die UNO die Islamische Republik in beratende Positionen im Menschenrechtsrat berufen hat. In der Welt hat der Reporter Scott Anderson wenig Hoffnung auf einen regime change - das sei durch Luftangriffe allein noch nie gelungen. Vergesst die Politik, Ingenieure, Chemiker und Physiker werden die Menschheit retten, verkündet frohgemut der Wirtschaftsnobelpreisträger Joel Mokyr in der Zeit. Die taz freut sich schon auf ihren Pflegeroboter.

Bücherschau des Tages

Die KI versteht uns nicht

05.03.2026 Die FAZ lernt in Mahmoud Jarabas "Die Clans aus al-Rashidiya" eine Menge über Clankriminalität und ihre neueste Generation. Ebenfalls empfehlen kann sie Christina Struncks Familienmemoir "Die Aufsteiger" über eine Unternehmerfamilie in der Nazizeit. Die Zeit liest Jörg Baberowskis AfD-Entwarnung "Am Volk vorbei" mit Zustimmung und Kritik. Die taz feiert nun auch Anja Kampmanns Sankt-Pauli-Roman "Die Wut ist ein heller Stern".

Freitag, 06.03.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Woher kommt dieser Aufbruchsgeist?

06.03.2026 Die NZZ lernt im Kunsthaus Zürich dank Kerry James Marshall, wieviele Schwarztöne es gibt. Artechock und FAZ applaudieren Kristen Stewart, die in ihrem Regiedebüt "The Chronology of Water" wahre Wunder vollbringt. Die FAZ betrachtet in Kopenhagen die frühen Schädel von Jean-Michel Basquiat. Und die Feuilletons trauern um den großen Schriftsteller António Lobo Antunes. 

9punkt - Die Debattenrundschau

Diese Doppelmoral ist schwer zu ignorieren

06.03.2026 Die Beschwörungen des Völkerrechts sind ja rührend, schreibt der iranische Künstler Saleh Rozati im Standard, aber wo waren die sorgenvollen Experten, als der Iran seine Bevölkerung massakrierte? Die taz verabschiedet sich liebevoll vom Stuttgarter Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann, obwohl dieser Rostbraten liebt. Für die Zeit besteht Hoffnung für eine europäische Konkurrenz zu Tiktok und Instagram: Da ist das Start-up Crags, das Kletterer zusammenbringt. Alle Feuilletons kritisieren die Überprüfung linker Buchhandlungen durch den Verfassungsschutz. 

Bücherschau des Tages

Attraktiv in der Schwebe

06.03.2026 Die FAZ macht sich in Band 4 der Kritischen Gesamtausgabe mit Walter Benjamin Gedanken über Goethes Wahlverwandtschaften. FR und FAZ kurven mit  Esther Schüttpelz' rätselhafter Heldin durch die Nacht. Erschüttert liest die FR, was Adrian H. Koerfer über seine Jugend an der Odenwaldschule erzählt. Und Dlf Kultur folgt in Peggy Mädlers Roman "Selbstregulierung des Herzens" Figuren, die versuchen in der Mangelwirtschaft zurechtzukommen.

Samstag, 07.03.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Der kollektive Boyfriend des Internets

07.03.2026 Im Gespräch mit der Literarischen Welt bekennt Michel Houellebecq, wie wenig er vom Konzept der Freiheit hält. Das Frankfurter Städel sammelt jetzt Spenden, um eben jene Freiheit zu behalten. Kann das gelingen, fragt sich die FAZ. Die NZZ bewundert an der Sagrada Familia den höchsten Kirchturm der Welt, der pünktlich zu Antoni Gaudis hundertstem Todestag fertig geworden ist. Der Standard verpasst sich einen Serotonin-Schub mit dem neuen Album von Harry Styles. 

9punkt - Die Debattenrundschau

Wem diene ich da?

07.03.2026 In der FAS macht sich die israelische Schriftstellerin Zeruya Shalev Sorgen um Israel, das nicht nur von außen, sondern auch von innen bedroht wird. Morgen ist Internationaler Frauentag: Die taz macht sich Gedanken über weibliche Solidarität. Sie hofft außerdem, dass die iranischen Frauen nach dem Sturz des Regimes die politische Zukunft des Landes mitgestalten. Die NZZ blickt auf den Kampf der VAE gegen Islamismus. Europa ist out, meint im FR-Gespräch der Historiker Peter Frankopan.  

Bücherschau des Tages

Tagesreste

07.03.2026 Die FAZ erkennt in Peter Nadas’ flirrenden Fotografien das „Gleißen der Göttlichkeit“. Zum neuen Standardwerk erklärt sie außerdem das Buch über „Bibliophilie“ des Mainzer Buchwissenschaftlers Ernst Fischer. Die NZZ bewundert, wie Johanna Bator einmal mehr die Traumata ihrer schlesischen Heimat in abgründigen Texten verarbeitet. Dlf Kultur kehrt mit der Journalistin Lyse Doucet ins Hotel Kabul ein und lernt Afghanistan als „Mosaik der Residenz“ kennen. Die Notizen zur Beilage der Literarischen Welt finden Sie hier.

Montag, 09.03.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Der seltsame Schmerz, ein Mensch zu sein

09.03.2026 Dass Russland seinen Pavillon auf der Biennale in Venedig dieses Jahr wieder selbst bespielen soll, sorgt für großen Unmut beim Tagesspiegel. Armin Petras bringt in Bremen Tolstois "Krieg und Frieden" auf die Bühne: Ein Stück voller emotionaler Kraft und Gegenwartsbezüge, wenn auch am Ende etwas zu melodramatisch, finden die Kritiker. In Nürnberg feiert Monopol die erste Ausstellung Julia Heywards in Europa. Der Schriftsteller John Niven warnt in der SZ nicht lesende Männer vor dem Verlust ihrer Empathiefähigkeit. Die taz empfiehlt allerwärmstens Isa Willingers Doku-Film "No Mercy".

9punkt - Die Debattenrundschau

Frühestens zur übernächsten Amtszeit

09.03.2026 Modschtaba Khamenei, der Sohn, ist zum neuen geistlichen Führer Irans ernannt, meldet unter anderem die New York Times - wird er nun noch den schönen Blick auf die israelische Botschaft aus seinem Londoner Luxusappartment genießen können, fragt die Daily Mail. Die deutschen Feuilletons sind noch sehr stark mit den linken Buchhandlungen und Wolfram Weimer befasst. In der FAZ schreibt Ute Frevert über die "soft exclusion" israelischer Wissenschaftler, die fast schlimmer ist als der offene Boykott. Der Wahlsieg Cem Özdemirs in Baden-Württemberg ist eine dreifache Sensation, freut sich die taz.

Bücherschau des Tages

Wunderwerk der Verwirrung

09.03.2026 Die NZZ ist entzückt von Elias Hirschls neuem Roman "Schleifen", der vor verrückten Ideen nur so sprüht. Die SZ vertieft sich in Klaus Kellmanns Buch über die deutsch-französischen Beziehungen, in dem Frankreich gar nicht mal so gut wegkommt. Die FR schwärmt von Robert Menasses Roman "Die Lebensentscheidung". Dlf ist begeistert, wie feinsinnig Helene Bukowski von einer jungen Pianistin erzählt, die am System DDR zerbricht. Dlf Kultur empfiehlt Fatima Daas' "Spiel das Spiel" über eine Jugend in der Pariser Banlieue. 

Dienstag, 10.03.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Irgendeine hegemoniale Geschichte

10.03.2026 Modschtaba Khamenei ist also zum neuen Führer der Islamischen Republik Iran ernannt worden - Gutes ist von ihm nicht zu erwarten, ist sich etwa die FAZ sicher. Von den Russen in Russland ist keine Opposition zu erwarten, fürchtet die NZZ. Ebendort versucht Katajun Amirpur zu erklären, warum so viele im Iran einst auf Khomeini setzten. Irland hat sich nach dem 7. Oktober als einer der europäischen Hotspots des israelbezogenen Antisemitismus entpuppt - ein Essay auf Twitter erzählt, wie es dazu kam. Die Debatte um die Buchhandlungspreise geht weiter.

Efeu - Die Kulturrundschau

Zwischen Kobaltbombe und Kartoffelschälen

10.03.2026 Die FAZ ist schwer beeindruckt, wie Ilse Ritter am Hamburger Schauspielhaus Inger Christensens Gedicht "Alphabet" und die Atombombe evoziert. In Mailand schneit es aus Chiharu Shiotas Installation "The Moment the Snow Melts" auf die NZZ. Der Standard unterhält sich mit der Regisseurin Louise Unmack Kjeldsen über die Tücken der Wechseljahre. Die Popkritiker trauern um Country Joe McDonald, der "Musik für irre Trips" machte.  

Magazinrundschau

Was das Meer nicht will

10.03.2026 Der Guardian porträtiert den starken Mann und wahren Herrscher Libyens Khalifa Haftar. Kann die Trump-Regierung wirklich als Faschismus beschrieben werden? Im Merkur plädiert Patrick Eiden-Offe eher für "Faschisierung". Die New York Times erzählt die Geschichte der afghanischen Zero Units. In La Regle du Jeu lässt BHL noch einmal António Lobo Antunes zu Wort kommen. Die London Review fragt sich, wie Autismusdiagnosen innerhalb von 40 Jahren 5 pro 10.000 Menschen auf heute etwa 1 pro 100 steigen konnten. Und der New Yorker untersucht den Boom Klassischer Philologie in China.

Bücherschau des Tages

Faselhans - Tanz - Eleganz

10.03.2026 Die FAZ freut sich über "Wortschöpfungseifer" und "Enjambementhunger" im neuen Gedichtband von Norbert Hummelt. Außerdem sieht sie in Sigrid Undsets Roman über das Waisenkind Olav Audunssohn und die schöne Ingunn Seinfinnstochter ein großes Werk norwegischer Erzählkunst. Die SZ flaniert mit Martin Mulsow und Dirk Sangmeister durch das intellektuelle Gotha um 1800. Die taz bekommt von Klaus Abelmann, Detlef Max und Hollow Skai jede Menge Punk-Anekdoten mit Hannover-Bezug serviert. Dlf lernt von Franziska Pfister, wie rassistisch die DDR war. 

Mittwoch, 11.03.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Chaotische Desaster-Show

11.03.2026 In der Welt kritisiert der iranische Regisseur Ali Abassi das Versagen der islamischen Zivilisation im Nahen Osten. Im Tagesspiegel hofft der Dichter Ali Abdollahi auf einen Kollaps des ganzen islamistischen Diskurs- und Bedeutungssystems. In der FAZ widersprechen Hanna Radziejowska und Mateusz Fałkowski vom Pilecki-Institut in Berlin Grzegorz Rossoliński-Liebes These vom "transnationalen Völkermord" im besetzten Polen. Die Kritiker in FAZ, FR, SZ und taz fragen, wie Wolfram Weimer nach dem Desaster um den Deutschen Buchhandlungspreis als Kulturstaatsminister noch weitermachen will. Die Welt plädiert für eine Abschaffung des Preises - im Interesse der Unabhängigkeit des Buchhandels, versteht sich.

Efeu - Die Kulturrundschau

In erster Linie Selbstverrat

11.03.2026 Russland wieder auf der Biennale in Venedig? Die Feuilletons sind weiterhin nicht einverstanden. Die Welt spricht mit dem ukrainischen Künstler Pavlo Makov, den das europäische Appeasement nicht wundert. Richard Linklaters "Nouvelle Vague" zeigt, wie Godard & Co 1960 in Paris wie nebenbei ein Meisterwerk herunterkurbelten, freut sich der Perlentaucher. Die taz applaudiert der US-Indieband Geese, die nicht nur die Konzerthallen erobert, sondern auch eine eigene Memekultur hervorgebracht hat.

Bücherschau des Tages

Flagrante Spuren wie Lockrufe

11.03.2026 Die FR geht mit Uwe Kolbe auf eine poetische Reise entlang der Elbe. Die FAZ durchlebt mit Hu Anyan die Odysee der Niedriglohn-Arbeit in China. Wolfgang Brenners Kulturgeschichte des Kochens schmeckt ihr leider nicht so gut. Die NZZ setzt sich mit Ronen Steinke für Meinungsfreiheit ein. Dlf Kultur erfährt von Tupoka Ogette, wie es war, als Schwarzes Kind in der DDR aufzuwachsen. 

Donnerstag, 12.03.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Es ist eine erlernte Hilflosigkeit

12.03.2026 In der FR kritisiert Maryam Rajavi, vom in Paris sitzenden "Nationaler Widerstandsrat Iran", die Bombardierung des Irans: Das Volk müsse sich selbst erheben. In der taz hofft die iranische Filmemacherin Narges Kalhor hingegen, dass die Bomben genau dabei helfen. In der Zeit will die Menschenrechtsaktivistin Swetlana Gannuschkina die Russen nicht aus ihrer Verantwortung für den Ukrainekrieg entlassen. In der FAZ erinnert Volker Meyer-Guckel vor normativen Überformungen der Wissenschaften: Das kann bei neuen Machtverhältnissen nach hinten losgehen. Und: Die Wolfram-Weimer-Debatte geht weiter. Jetzt soll der Kulturstaatsminister in der Affäre um den Buchhandelspreis auch noch gelogen haben, stöhnen FAZ, SZ und taz.

Efeu - Die Kulturrundschau

Wir bleiben im Erdgeschoss

12.03.2026 Bei der Biennale sollte die Kunst zählen und nicht der Pass, findet die Zeit mit Blick auf Russland. Die NZZ findet das naiv. Olesia Ostrovska, Direktorin des Kunstarsenals in Kiew, erzählt in der SZ, wie sich Museen in der Ukraine auf die Kriegsinvaliden einstellen. Die Filmkritiker begeistern sich für Mona Fastvolds "The Testament of Ann Lee" über die Gründerin der Shaker. Die FAZ schwärmt in Dessau von Sebastian Webers unwahrscheinlicher Fusion von Stepptanz und zeitgenössischem Tanz.

Bücherschau des Tages

Am Ende wird ein Mensch sichtbar

12.03.2026 Die FAZ schmökert in Pierre Michons "Wintermythologien", die Religiöses mit Irdischem verbinden: erstklassige Literatur, lobt sie. Außerdem vertieft sie sich in Joscijka Abels historischen Roman über den Architekten Bernardo Rossellino und die Welt der Frührenaissance. Die NZZ ist begeistert von den Memoiren Liza Minellis, die von ihrer komplizierten Beziehung zur Mutter Judy Garland erzählen. Dlf gibt sich dem "großen Assoziations- und Sprachstrom" hin, den Laura Freudenthaler in ihrem Roman "Iris" erschafft. Die Notizen zur Zeit-Beilage finden Sie hier.

Freitag, 13.03.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Ohne halluzinogene Hilfsmittel

13.03.2026 Mit Verspätung ist der Pritzker-Preis an den chilenischen Architekten Smiljan Radić Clarke verliehen worden: Ein "Lückenbüßer", meint die Welt. Wie kann Clarke den Preis überhaupt annehmen, fragt die SZ. Mit Blick auf die diesjährigen Oscarnominierungen scheinen die USA noch nicht verloren, atmet die SZ außerdem auf. Die FAZ feiert mit Amöben von Yayoi Kusama den 50. Geburtstag des Museums Ludwig. Der Tagesspiegel bewundert Sasha Waltz, die mit 63 Jahren endlich wieder selbst tanzt. Und im Perlentaucher stellt Angela Schader den Autor Rabih Alameddine vor, der sich in seinem Werk mit der traumatischen Geschichte seiner libanesischen Heimat auseinandersetzt.

9punkt - Die Debattenrundschau

Wer definiert, was Apologie ist?

13.03.2026 Mit 135 Ja-Stimmen, drei Enthaltungen und keiner Gegenstimme hat das senegalesische Parlament die Strafen für homosexuelle Beziehungen auf fünf bis zehn Jahre verdoppelt. Dafür werden "kulturelle" Gründe geltend gemacht. Dieses Gesetz tritt die senegalesische Verfassung mit Füßen, meint Ousseynou Nar Gueye in Seneweb. In der SZ lobt Güner Balci die Gelassenheit Cem Özdemirs und der baden-württembergischen Wähler in identitätspolitischen Fragen. Die FAZ wirft einen bangen Blick auf die Frankfurter Kommunalwahlen und die Kulturpolitik der Stadt.

Bücherschau des Tages

Betörenlassen braucht Zeit

13.03.2026 Die FAZ folgt dem Kunsthistoriker Joseph Imorde interessiert dabei, wie er in sechs Fallstudien Benjamins Vision einer Demokratisierung der Kunst zerlegt. Von Christoph Links erfährt sie, weshalb so viele DDR-Verlage verschwanden. SZ und FR lesen berührt, wie einfach und weise sich Siri Hustvedts an Paul Auster erinnert. Die NZZ staunt, mit wieviel Witz die Ukrainerin Iryna Fingerova vom Alltag im deutschen Exil schreibt. Dlf Kultur lernt von Tupoka Ogette, wie man Rassismus trotzt. Und der Dlf begibt sich mit Maylis de Kerangal gern ins erzählerische Dickicht.

Samstag, 14.03.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Chaotisches, fragmentarisches Wissen

14.03.2026 Ist Hyperpop jetzt subversiv oder schon total kommerzialisiert? Egal, findet die Zeit, wenn er so viel Humor hat wie Danny L Harles Album "Cerulean". In der taz fühlt sich Markus Achter vom bayerischen Indie-Urgestein The Notwist zu klaustrophobisch zum Tanzen. Die FAZ feiert in "Bilder und Zeiten" den schizophrenen tschechischen Dichter Ivan Blatný. Die taz bewundert im Wuppertaler Skulpturenpark Arbeiten von Rebecca Horn. Die neue musikzeitung schwelgt in der opulenten Musik von Edouard Lalos Opernmelodram "Le Roi d'Ys". Der Filmdienst würdigt den Komiker Jerry Lewis, der am Montag Hundertsten feiern könnte.

9punkt - Die Debattenrundschau

Sauber in zwei Blöcke

14.03.2026 Was wird aus der Islamkonferenz, fragt die FAZ und zitiert Kritik an Beratern, die nicht gegen Säkularismus sind. Nach wie vor große Aufregung in den Feuilletons über Wolfram Weimer: taz und SZ bleiben bei ihrer Kritik. In der FAS benennt Buchautor  Nicholas Potter die unguten Kontinuitäten zwischen dem einstigen Antiimperialismus und heutigem linken Antisemitismus. Erst wenn Philosophie sich aus ihrer Akademisierung löst, wird sie wieder relevant, meint Wolfram Eilenberger in der FR. 

Bücherschau des Tages

Augenspiel der Liebe

14.03.2026 Die FR empfiehlt wärmstens Andrea Brills Biografie der Emilie du Chatelet, die so viel mehr war als die Geliebte Voltaires: nämlich eine geniale Mathematikerin, Physikerin und Philosophin. Beeindruckt ist sie auch von Iryna Fingerovas autobiografischem Roman "Zugwind", der vom Leben und den Ängsten einer jüdischen Ukrainerin in Deutschland erzählt. Die SZ folgt amüsiert Jens Sparschuhs "Waldmeister", den es als Koch in ein Restaurant in Brandenburg zieht. Die taz liest interessiert Christoph Links' Geschichte der verschwundenen Verlage in der DDR. Die Welt feiert mit Thomas Hettche die Liebe als Himmelsmacht. Die Notizen zur FAS-Beilage finden Sie hier. Die FAZ- und SZ-Beilagen werten wir in den nächsten Tagen aus.

Montag, 16.03.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Ein solches intellektuelles Erbe

16.03.2026 Jürgen Habermas ist tot. Aus der Überfülle der Texte wählen wir einige Highlights aus: Le Grand Continent bringt ein letztes Interview, in dem Habermas nochmal die Ideen der Aufklärung verteidigt. Michael Krüger  veröffentlicht in der FAZ eine sehr persönliche und liebevolle Erinnerung.  Viele erinnern wie Arno Widmann in der FR oder Thomas Schmid in der Welt  an den Historikerstreit. Außerdem Statements von Eva Illouz, Herfried Münkler, Stefan Müller-Doohm und Seyla Benhabib. In Frankreich waren Kommunalwahlen: Laurent Joffrin fürchtet in Lejournal.info ein Schreckensszenario für die Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr.

Efeu - Die Kulturrundschau

Spiel um eine leere Mitte

16.03.2026 In der Nacht wurden die Oscars verliehen - Paul Thomas Andersons "One Battle After Another" hat die meisten Auszeichnungen abgeräumt. David Borenstein, der für seinen Dokumentarfilm über Putin ausgezeichnet wurde, warnt vor der Gleichschaltung der Medien. Der Zürcher "Sommernachtstraum" in Pinar Karabuluts Regie wartet laut Nachtkritik mit seltsam schönen Feen und Geistern auf. Der frühere Rapper Kollegah betreibt nun ein Fitnessstudio mit dem Rechtsextremen Heidrich Kopelke, hat die SZ recherchiert. In der Welt plädiert die Germanistin Inge Blatt für schwierige Literatur an Schulen. Der Perlentaucher empfiehlt Abdellah Taias neuen Roman über Schwulsein in Marokko.

Bücherschau des Tages

Man liebt, weil man liebt

16.03.2026 Dlf findet Matthias Nawrats neuen Roman "Das glückliche Schicksal" über die Gräuel der sowjetischen Arbeitslager "dunkel und großartig". Die SZ zieht aus Christian Goeschels und Daniel Hedingers Buch über die Appeasement-Politik Chamberlains Lehren für die Gegenwart. Dlf Kultur verguckt sich in Thomas Hettches Roman über das wahre Wesen der Liebe. Außerdem ist er beeindruckt von Daniel Zipfels Roman "Walküre", in dem ein Asylrechtsanwalt vor ein zermürbendes moralisches Dilemma gestellt wird. 

Dienstag, 17.03.2026

Magazinrundschau

Armee untoter Code-Gespenster

17.03.2026 Reuters ruft David Jones ein freundliches "Hallo Banksy" zu. Die New York Times beobachtet amüsiert, wie Coder plötzlich kommunizieren müssen. In Meduza erklärt der russische Lehrer Pavel Talankin, warum in einer Diktatur der offene Käfig das größte Gefängnis ist. HVG überlegt, wie man eine Einmischung Russlands in den ungarischen Wahlkampf neutralisiert. Der New Yorker erklärt, warum man ohne Geld einen Krieg verliert, ihn mit Geld aber nicht unbedingt gewinnt.

9punkt - Die Debattenrundschau

Und dabei Protestlieder singen

17.03.2026 Der Libanon hat es auch wegen der Hisbollah und der daraus resultierenden ständigen Kriegsdrohung nicht geschafft, seine internen Konflikte zu bewältigen, sagt der Autor Charif Majdalani in der FAZ. Die Linkspartei hat ein Antisemitismusproblem, meint taz-Autor Nicholas Potter nach dem Antizionismusvotum des Landesverbands Niedersachsen. Die SZ unterbreitet der Welt publizistische Ideen: Wie wär's mit einer Kolumne von Wladimir Putin? Driftet die "Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung" ab, fragt die FAZ. Im Standard diagnostiziert Navid Kermani eine deutsche Neurose im Blick auf Israel.

Efeu - Die Kulturrundschau

Symptome einer sogenannten Leitkultur

17.03.2026 Die FAZ inhaliert die Musik in Bernd Frankes neuer Oper "Coming up for air" in Leipzig ein wie ein gutes Parfum. Die taz würdigt den bosnischen Schriftsteller Miljenko Jergović, in dessen Werk sich die geballte osteuropäische Erfahrung der letzten vierzig Jahre spiegele. Die Filmkritiker denken weiter über die Oscar-Verleihung nach: politisch war alles sehr zahm, wundert sich die Welt. Die SZ findet allerdings eine Ausnahme: David Borensteins Doku "Mr Nobody Against Putin". 

Bücherschau des Tages

Philosophische Himmelsbetrachtung

17.03.2026 Die FAZ schwebt mit Jakob Moser und Lukrez auf Wolken. Mit Caroline Amri und den Saint-Simonistinnen geht sie gegen klassenvergessenen Feminismus auf die Barrikaden. Die FR ist beeindruckt von Lilli Tollkiens "Mit beiden Händen den Himmel stützen" über eine Kindheit im linken Kreuzberg der Achtziger. Die SZ lässt sich auf eine toxische Beziehung mit Dana von Suffrin ein. Die taz erfährt von Beatriz Colomina und Mark Anthony Wigley, wie wichtig Bakterien für die Architektur sind. 

Mittwoch, 18.03.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Lieben- und Nichtliebenkönnen

18.03.2026 Banksy ist (vielleicht) enttarnt, jetzt streiten die Feuilletons, ob das eine gute Sache ist. Der Tagesspiegel meint klar: nein, die SZ ist sich nicht so sicher. Die FAZ taucht in  Frankfurt in die Wellen des Strands von Etretat, der zahlreiche Maler inspirierte. Außerdem unterhält sie sich mit dem Buchpreisträger Miljenko Jergović über Literatur und Kriegserfahrung. Die taz erklärt, warum Paolo Sorrentinos wunderschön fotografierter Film "La Grazia" über einen Machtpolitiker problematisch ist.

9punkt - Die Debattenrundschau

Solches Digitaldenken ist toxisch

18.03.2026 Ekrem İmamoğlu soll nach dem Willen der türkischen Staatsanwaltschaft zweitausend Jahre in Haft. Im Briefinterview mit der SZ gibt er sich optimistisch: Die Türkei könne noch eine demokratische Vorreiterrolle in der Welt spielen. Im Libanon überlebt die Hisbollah, weil die Schiiten keine demokratische Alternative finden, meint in der taz der politische Ökonom Joseph Daher. In der FR sieht WDR-Redakteur Arnd Henze Heilige Krieger des Christentums für die US-Armee marschieren. Im Guardian fürchtet die Autorin Ana Schnabl, dass es nach den Wahlen in Slowenien eine rechte Regierung mehr in Europa geben wird.

Bücherschau des Tages

Exquisite Empfindlichkeit

18.03.2026 Die FR bewundert, wie Ursula Le Guin aus Vergils stummer "Trophäenbraut" Lavinia eine selbstbewusste Königstochter macht. Die taz streift mit Elli Unruh durch die kasachische Steppe und trifft eine Familie von mennonitischen Russlanddeutschen. Die FAZ ist rundum begeistert von Elias Hirschls Roman "Schleifen", der Fakt und Fiktion auf brillante Weise verknüpft. Dlf Kultur taucht gerne in die traumartige Logik Ben Lerners ein, dessen Roman-Kosmos von Smartphones über die Pandemie bis zur Glaskunst reicht. 

Donnerstag, 19.03.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

So unerträglich kompliziert

19.03.2026 Die taz schildert das Massaker der sudanesischen Miliz RSF in El Fasher, das  langsam auch den Internationalen Strafgerichtshof bewegt. Wenn ein Staat von einem anderen in seinem Existenzrecht bedroht wird, dann hat er auch das Recht sich zu verteidigen, erklärt der Völkerrechtler Jürgen Bröhmer in der FAZ. Einen Vernichtungskrieg führt aber Israel, eine iranische Gefahr gibt es nicht, versichert  Bahman Nirumand in der taz. Bei den Salonkolumnisten blickt Ilko-Sascha Kowalczuk von Osten auf Habermas - das ist aber nicht seine vorteilhafte Seite. Er wolle keinen Kulturkampf, erklärt Wolfram Weimer in der Zeit, wo Thea Dorn auch fragt, ob der Verfassungsschutz wirklich die Hauptwaffe gegen Extremismus sein sollte.

Efeu - Die Kulturrundschau

Demokratisch und zugleich sexy

19.03.2026 Die FAZ erkennt bei der Performance "This resting, patience" von Ewa Dziarnowska und Leah Marojević in Dresden, dass in der Ruhe Erotik und Kraft liegt. Vom Leben im Wohlstand können Schriftsteller heute nur noch träumen, hält die NZZ fest. Der Perlentaucher öffnet mit Lea Hartlaubs eigenwilligem Film "sr" eine "Wunderkammer des Giraffenwissens". Taz und Tagesspiegel trauern um Bettina Köster, die die Postpunk-Szene mit ihren Bands Mania D und Malaria prägte. 

Bücherschau des Tages

Heilen kann Literatur nicht

19.03.2026 Die FAZ lernt von Thomas Bedorf zwischen Situiertheit und Positionierung zu unterscheiden. Mit Ewald Iljenkow spekuliert sie über einen neuen Aggregatzustand der Menschheit. Die FR erlebt mit Slobodan Snjader ein halbes Jahrhunder jugoslawische Geschichte in einem Mietshaus. Als anregendes Stück Diskursgeschichte würdigt die Welt die neue Ausgabe der Zeitschrift für Ideengeschichte, die sich ganz Judith Butler widmet. Einen gelungenen "unsentimentalen Heimatroman" verdankt der Dlf Lukas Rietzschel.

Freitag, 20.03.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Fest des Negativraums

20.03.2026 Die Preise der Leipziger Buchmesse wurden verliehen: Belletristiksiegerin ist Katerina Poladjan mit ihrem Roman "Goldstrand". Vielleicht weil sich Poladjan den Themen Krieg und Flucht märchenhaft nähert, glaubt die Welt. Aber Mut zur Politik hat sie auch, sekundiert die FAZ. Nach dem jüngsten offenen Brief, der Israels Ausschluss von der Biennale in Venedig fordert, fragt die Welt die Unterzeichner: Regimetreue Kunst aus Katar und Saudi-Arabien ist aber okay? Die FAZ stellt in Amsterdam genervt fest: Die Zukunft der Oper ist nur noch politisch, queer und of colour. Die SZ erlebt dank Omer Meir Wellber in Hamburg einen ganz neuen Mozart.

9punkt - Die Debattenrundschau

Die Schwächung der Gegengewichte

20.03.2026 Giorgia Meloni hat zwei Gesichter, stellt die SZ fest, und eines davon ist nicht so nett. Die von ihr geplante Justizreform soll die italienische Demokratie schwächen, fürchtet auch die taz. In Zeit online erklärt Andreas Büttner, Antisemitismusbeauftragter in Brandenburg, warum er aus der Linkspartei ausgetreten ist: wegen Antisemitismus. Wolfram Weimer liefert den Feuilletons zuverlässig weiter Stoff - die taz sieht in der Affäre um den Buchhandlungspreis einen Kulturwandel, die Welt gerade nicht.

Bücherschau des Tages

Dichten gegen den Uhrzeigersinn

20.03.2026 Die FR blickt mit Paul Ingendaay über Picassos, Hemingways und Orwells Schultern auf den Spanischen Bürgerkrieg und lernt Haltung in Kriegszeiten. Wunderbar unzeitgemäß findet die FAZ die neuen Gedichte von Mirko Bonné. Erfrischend und scharfsinnig erklärt Jörg Baberowski die Krise der Demokratie, meint die NZZ. Der Dlf verliebt sich dank Gustav Seibt noch einmal ganz neu in Goethe. Und die taz verdankt Daniel Jonas Roche und Andrew Santa Lucia ein "Standardwerk antifaschistischer Ästhetik". 

Samstag, 21.03.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Man hat sie den Tauben überlassen

21.03.2026 Auf ZeitOnline glaubt HVG-Chefredakteur Marton Gergely an eine Abwahl Orbans: Während dieser von einer internationalen Revolution träumt, ist Ungarn gescheitert. Vergesst Belarus nicht, ruft die Menschenrechtlerin Marina Kolesnikowa Europa in der FAS zu. In der NZZ fordert die Philosophin Veronica Zanetti Europa auf, sich deutlich zum Völkerrecht zu bekennen. Nicht der Islam, sondern die Religionsfreiheit gehört zu Deutschland, sagt der Journalist Hasnain Kazim in der SZ. Die FAZ schlägt indes einen gesetzlichen islamischen Feiertag vor. Wird Berlin überhaupt noch regiert, fragt die SZ außerdem.

Efeu - Die Kulturrundschau

Zumutungen der Gegenwart

21.03.2026 Die SZ ist hin und weg von Kirill Serebrennikovs und Yuri Possokhovs Ballett "Nurejew", das in Moskau vom Spielplan genommen wurde und nun in Berlin zu sehen ist. Die Zeit hört beim Literaturfestival LIT:potsdam gerne Salman Rushdie zu, der erklärt, warum Diktatoren so viel Angst vor Künstlern haben. Im Gespräch mit der FAS erzählt die Regisseurin Maryam Touzani, wie sie die Sinnlichkeit des Alterns in ihren Filmen festhalten will. Durch die Enttarnung von Banksy werden alle ärmer, meint die NZZ: Er selbst, seine Fans und die Medien.

Bücherschau des Tages

Ganz normale Dramen

21.03.2026 Die NZZ verweigert sich mit Hayat Erdogan der Rastlosigkeit des Zeitgeists. Die FAZ lässt sich von Dirk Baecker und Anna-Verena Nosthoff Spannendes zum Thema Digitalisierung beibringen. Die taz entlarvt mit Martin Warnke KI-Gläubigkeit als "magisches Denken im wörtlichen Sinn". Die SZ ist begeistert von Lukas Rietzschels neuer "Ost-Etüde in Moll". Und die FR fühlt sich wohl in Elizabeth Strouts Roman "Erzähl mir alles". 

Montag, 23.03.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Großer Unmut in der Fraktion

23.03.2026 Das Palästinensertuch ist in der Gedenkstätte Buchenwald nicht verboten, versichert Gedenkstättenleiter Jens-Christian Wagner in der SZ, eine "Kufija-Demo" aber schon. Ines Geipel beleuchtet zugleich in der FAZ ein besonders düsteres Kapitel in Buchenwald: die mögliche Kollaboration der KPD mit der SS, wenn's ums Töten ging. Der Rückhalt für Wolfram Weimer bröckelt selbst in der CDU, berichtet die FAZ. Welt und taz berichten mit unterschiedlicher Akzentsetzung über die von der Regierung geplante Revision des Programms "Demokratie leben". 

Efeu - Die Kulturrundschau

Göttliches Unwetter der Extraklasse

23.03.2026 Die Kritiker resümieren die Leipziger Buchmesse: Die SZ hofft, dass die Debatten um Weimer zu weiterer Reflexion über rechts und links anregen, die FAZ hätte sich gewünscht, dass mehr über KI und weniger über Weimer gesprochen wird. Meredith Monks rhythmische Körperbeherrschung begeistert den Tagesspiegel. Mit Rem Koolhaas' Erweiterungsbau des New Museum blicken FAZ und Zeit in die Zukunft. Die Wiederentdeckung des Komponisten Walter Braunfels bringt die Kritiker zum Jubeln. Die FAZ eröffnet eine Debatte über die Relevanz deutscher Bühnen.

Bücherschau des Tages

Kunst als Zumutung

23.03.2026 Die SZ erkennt in der Heldin aus Madame Nielsens "Das Zeitgeisterhaus" über einen Theater-Skandal die Autorin selbst. "Kann man nich meckern", freut sich die Welt über Lea Streisands "Dialekt-Duden" über das Berlinerische. Die FAZ entdeckt neue Kinder- und Jugenbücher: Mit Antje Herdens kleinem Helden begibt sie sich auf die Suche nach den wirklich wichtigen Dingen im Leben, Ada Diagne erzählt ihr in "Baobab" von einem weißen Mädchen, das in einer schwarzen Dorfgemeinschaft an der westafrikanischen Küste aufwächst.

Dienstag, 24.03.2026

Magazinrundschau

Die Unbeschreiblichkeit von Meeresrosa

24.03.2026 Der New Yorker fragt: Wird Kuba eine amerikanische Kolonie? Für Longreads lauscht die Lexikografin Kory Stamper den Stimmen von Bartnelke und Fiesta. In Elet es Irodalom beklagt der Schriftsteller György Dalos, dass es den Mächtigen in Ungarn nicht nur an Ideen, sondern auch an Witz mangelt. Die LRB lernt in einer neuen Biografie, dass Chaim Soutine den Tod malte, um die Energie des Lebens zu bannen. In Respekt erklärt der Schriftsteller Martin M. Šimečka, warum die Hauptstadt der Slowakei jetzt in Ungarn liegt. Und der Guardian tauscht einen US-Roboter gegen drei chinesische. 

9punkt - Die Debattenrundschau

Rein rationaler öffentlicher Diskurs

24.03.2026 Die Welt erklärt mit Stewart Brand, dem Erfinder des "Whole Earth Catalogue", warum die Umwelt nur mit Urbanisierung zu retten ist. Die SZ erklärt dem neuen grünen Bürgermeister von München, Dominik Krause, mehr oder weniger das gleiche. Die taz erinnert an die argentinische Militärdiktatur, die sich vor fünfzig Jahren an die Macht putschte. In der FAZ erklärt Philip Manow, wofür die Populisten ein "Problemanzeiger" sind. Und ein Habermas-Nachruf ist nachzutragen - von Palantir-Gründer Alexander C. Karp in Politico.

Efeu - Die Kulturrundschau

Herzige kleine Geschichten

24.03.2026 Russland will in seinem Biennale Pavillon einen "Raum für Dialog und Austausch" schaffen: Die taz findet das ziemlich zynisch. Die FAZ ist in der Den Haager Ausstellung "Birds" ein wenig orientierungslos, erfreut sich aber am exquisiten "Distelfink" von Carel Fabritius.  Die Zeitungen diskutieren das Ballett "Nurejew" an der Deutschen Oper: Warum hat sich Choreograf Yuri Possokhov nie zu seinen Engagements in Russland geäußert, fragt die taz. Die FR ist begeistert von der Opulenz, die FAZ findet die Inszenierung altmodisch. 

Bücherschau des Tages

Dämonische Debattierrunde

24.03.2026 Die FAZ ist überwältigt von Viktor Jerofejews Roman "Die neue Barbarei", in der sie der russischen Schuld als junger Frau begegnet. In Lyse Doucets "Hotel Kabul" erlebt sie die wechselvolle Geschichte Afghanistans, von den goldenen Jahren bis zu den Taliban. Die FR applaudiert Safae el Khannoussi und ihrem Roman "Oroppa" über die jüdisch-marokkanische Künstlerin Salomé. Die SZ ist hocherfreut, dass man Nawal El Saadawis Feminismus-Klassiker "Die Frau und Sex" endlich auch auf Deutsch lesen kann. Dlf Kultur lobt Cecile Wajsbrots "Offener Himmel" als feinsinniges Kunstwerk über die Trauer. 

Mittwoch, 25.03.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Zwischen Verdacht und erwiesener Schuld

25.03.2026 Ist ein Gedenken im ehemaligen KZ Buchenwald überhaupt noch möglich? Nun wenden sich Nachfahren ehemaliger Insassen gegen eine Rede Wolfram Weimers am Gedenktag, berichten mehrere Zeitungen. Die taz fürchtet, dass missliebigen Gruppen der "Zivilgesellschaft" die Subventionierung gestrichen wird. Zeit online fragt, ob das iranische Regime aus dem Krieg gar gestärkt hervorgehen könnte. Das wäre alles nicht passiert, wenn man sich an seine "kluge Diplomatie" gehalten hätte, schimpfte Frank-Walter Steinmeier unterdessen im Auswärtigen Amt.

Efeu - Die Kulturrundschau

Verwandt seltsam

25.03.2026 Die FAZ staunt, dass Rapper plötzlich Mädchenpop gut finden. Die taz lernt in einer Grönland-Ausstellung in Bern ein Land voller Gegensätze kennen.  Will das Wiener Burgtheater wirklich nicht mehr als ein besseres Stadttheater sein, fragt die Welt. Der Standard fühlt sich von dem metaphysischen Trübsinn der Heavy-Metal-Band Neurosis verstanden. Backstage Classical überlegt, warum einige Journalisten unbedingt übergriffige Intendanten und Musiker verteidigen wollen. 

Bücherschau des Tages

Knisternde Nervosität

25.03.2026 Die NZZ ist begeistert von Birgit Birnbachers leichtfüßiger Road-Novel "Sie wollen uns erzählen", die liebevoll den Nonkonformismus feiert. Die FAZ deckt mit Christopher Clark einen Sex-Skandal im alten Preußen auf. Die SZ lässt sich von Manfred Pfisters Prachtband über die Englische Renaissance verführen. Dlf liebt und leidet mit dem Paar aus Kjell Westös "Dämmerung" über die finnisch-sowjetischen Kriege. Und Dlf Kultur staunt über E.M. Forsters "eigentümlichen" Roman "Die längste Reise", der 119 Jahre nach seiner Veröffentlichung ins Deutsche übertragen wurde. 

Donnerstag, 26.03.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Ausnahmsweise etwas lauter feiern

26.03.2026 FR und SZ applaudieren einmal mehr Richard Linklater, der Ethan Hawke in "Blue Moon" den weltbesten Anbeter von Schönheit spielen lässt. Die taz blickt in Berlin mit der schwedischen Fotografin Klara Lidén in Gullys, Mülleimer und unter Teppiche. Der Tagesspiegel dankt dem Berliner HKW, dass es an das Schicksal der Tirailleurs erinnert. In der FAZ befürchtet die Komponistin Charlotte Seither eine Übernahme der GEMA durch die Fraktion der Unterhaltungsmusik. Außerdem hat die FAZ dank Richard Brunels Inszenierung von Brittens "Billy Budd" in Lyon wieder Hoffnung in die Zukunft der Oper.

9punkt - Die Debattenrundschau

Schwitzen wie Nilpferde im Whirlpool

26.03.2026 Wer sich auf das drohende Ende des Friedens vorbereiten will, dem empfiehlt Peter Sloterdijk in der Zeit die Lektüre von Machiavellis "Der Fürst" - und eine Suche nach den 27 Streitkräften der EU. Deutschland hat die Entwicklung des Drohnenkriegs verschlafen, warnt in der FAZ der Militärhistoriker Sönke Neitzel. In der taz und bei Beck aktuell erklären die Anwälte Johannes Eisenberg und Jörn Claßen am Beispiel Fernandes/Ulmen, wo die Grenzen der Verdachtsberichterstattung liegen. In der NZZ fragt sich der der Historiker Peter Techet, warum ausgerechnet so viele osteuropäische Länder heute in großen Teilen prorussisch sind.

Bücherschau des Tages

Existenz als lebendiges Mahnmal

26.03.2026 Die FAZ bewundert die Nüchternheit, mit der Christoph Peters ein Leben mit Alkoholsucht beschreibt. Zum zeitgenössischsten Roman der Saison erklärt die FR Dana von Suffrins "Toxibaby". Erschreckend aktuell findet die SZ Jacqueline Harpmans 1995 erschienene Dystopie über 39 Frauen, die in einem Keller gefangen sind. Was Handys und das Verschwinden von Erinnerung miteinander zu tun haben, lernt die Zeit von Ben Lerner. Und der Dlf liest gebannt die absurden Erzählungen von Stig Dagerman.

Freitag, 27.03.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Konzert der Intelligenzen

27.03.2026 Die Feuilletons trauern um Alexander Kluge, den vielleicht letzten Renaissance-Menschen unserer Gegenwart. Die Salzburger Festspiele steuern nach dem Absägen des Intendanten Markus Hinterhäuser auf die größte Krise der Nachkriegszeit zu, befürchtet die FAZ. Überhaupt steckt das "Theater zwischen Krisen", erfährt die nachtkritik aus einem gleichnamigen Forschungsband. Der Guardian lernt in Cambridge von Frank Bowling, dass auch abstrakter Expressionismus politisch sein kann.

9punkt - Die Debattenrundschau

Durch das Vakuum gekühlt

27.03.2026 Der Musk-Kritiker Quinn Slobodian kommt in der FR nicht umhin zuzugeben: Es gibt auch Aspekte, die man an Elon Musk bewundern muss. "Die Klüngellösung wurde also knapp vermieden", freuen sich die Zeitungen, nachdem sich der Vertriebenenverband nicht mit seiner Personalpolitik beim "Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung" durchsetzen konnte. Le Monde bringt einen Nachruf auf Jean-Pierre Faye, der als erster Martin Heideggers Verwicklung mit dem Nationalsozialismus und Antisemitismus thematisierte.

Bücherschau des Tages

Bedenkliche Schwebe

27.03.2026 Ein virtuoses Debüt empfiehlt die SZ mit Simon Chevriers Roman "Foto auf Anfrage", der einen schwulen Escort durch die Jahre der Pandemie begleitet. Die FR bekommt beim Blättern in Michael Rohers Bilderbuch Lust, mal wieder zu Fuß zu gehen. Der Dlf Kultur lernt von John Cassidy, dass eine Geschichte des Kapitalismus auch ausgehend von der Kritik am Kapitalismus gelingen kann. Und mit Paul Ingendaay blickt er aus der Sicht von Künstlern auf den Spanischen Bürgerkrieg.

Samstag, 28.03.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Geld und Liebe

28.03.2026 So arbeitet man DDR-Vergangenheit auf, ruft eine amüsierte taz mit Blick auf Philipp Ladages Clipserie "DDR Mondbasis". Die Welt lässt sich von Thomas Ostermeier erklären, warum Molières "Der Geizige" so gut in die Gegenwart passt: Denn hier geht es um einen Egozentriker, der es nicht rafft. Die FR staunt über Sachar Prilepins Vorschlag für einen russischen Literaturnobelpreis - natürlich als "antikoloniales" Projekt. Die NZZ erzählt die Geschichte des Museums für zeitgenössische Kunst in Teheran. Die SZ versucht die Anziehungskraft der US-Indieband Geese zu verstehen: Ist es das menschlich Analoge?

9punkt - Die Debattenrundschau

Permanent lauernde Crashgefahr

28.03.2026 In der FAS beschreibt Götz Aly den "Wirbel von Stärke und Schwäche", der Disruptoren wie Trump und einst schon Hitler vorantreibt. War die knappe Hälfte des Menschengeschlechts ein Fehltritt der Evolution? Diese Frage muss man sich stellen, und zwar ernsthaft, mahnt die Welt mit Blick auf die Fälle Epstein, Pelicot, Ulmen. Im Senegal veschärft sich das Klima gegen Homosexuelle weiter, berichtet Le Point. In der taz fragt die chilenische Schriftstellerin Nona Fernández, wie es die Chilenen fertigbrachten, einen Pinochet-Bewunderer demokratisch zu wählen. Die FAZ erzählt, wie Orban die ungarischen Medien gleichschaltete und diese darüber in Schlummer gerieten.

Bücherschau des Tages

Kein "stakkato", sondern ein "legato"

28.03.2026 Wer einmal im Schwarzwald steckt, kommt nicht so leicht heraus - zumindest dem Leser macht das aber Spaß, versichern FAS und FAZ zu Hannah Häffners neuem Roman "Die Riesinnen". Die SZ berauscht sich am  langsam nüchtern werdenden Erzähler in Christoph Peters' "Entzug".  Die taz amüsiert sich prächtig mit Dana von Suffrins "Toxibaby". Viele  Besprechungen widmen sich dem Thema Rechtsextremismus. 

Montag, 30.03.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Ohne Eingriffe von oben

30.03.2026 Wenn der Irankrieg andauert, könnte sich herausstellen, dass Putin durch den Krieg mehr einnimmt, als Trump dafür ausgibt, fürchtet Sergei Gerasimow in der NZZ. Zugleich schildert die FAS, wie die Ukraine für ständige Innovation bei den Drohnen sorgt. Und Sönke Neitzel stellt auf einem FAZ-Forum die Frage, ob Europa die Ukraine fallen lässt. Die taz interviewt die Bürgerrechtlerin Debbie Gild-Hayo zum Projekt der israelischen Regierung, die Todesstrafe wieder einzuführen. geschichtedergegenwart.ch und FR schildern Diskursstrategien des Rechtsextremismus.

Efeu - Die Kulturrundschau

Frisch aus dem Reliquienschrein

30.03.2026 Alle strömen zu den Osterfestspielen in Salzburg, um Kirill Serebrennikows Inszenierung des "Rheingold" als rauschendes Klangfest zu erleben. Für James Blake hat Musik, die von Menschen geschaffen wurde und nicht von KI, etwas Widerständiges, sagt er im Zeit-Interview. Die taz taucht tief in die frühen Alben von Popol Vuh ein. Harry Lightons Langfilmdebüt über eine BDSM-Affäre überzeugt NZZ und Standard mit seiner Offenheit für eine ganz eigene Szene. Im frühen 19. Jahrhundert war der Künstler Joseph Kyselak sowas wie ein früher Sprayer, erfahren wir aus dem Standard.

Magazinrundschau

Ach, Dorka, denk bloß nicht nach

30.03.2026 Die New York Times friert in Kiew. Le Grand Continent befürchtet islamistische Attentate in Europa. Der Philosoph Mihály Szilágyi-Gál meditiert in Elet es Irodalom über die Sprache der Politik in Ungarn. Der New Yorker beobachtet, wie Iran- und Gazakrieg auch in den USA die jüdische Gemeinde spalten. The Atlantic schildert die "höflichen Pogrome" gegen Juden in Kanada. Die London Review mischt sich unter die Studenten in Serbien. Harper's lernt bei einer Konferenz, wie konservativer Klimaschutz aussieht.

Bücherschau des Tages

Welt unerfüllter Sehnsüchte

30.03.2026 Die SZ applaudiert Jennette McCurdys unterhaltsamer und wütender Geschichte über eine Siebzehnjährige, die eine Obsession für einen viel älteren Mann entwickelt. Von Andreas Fulda lernt sie außerdem, was passieren würde, wenn China nächstes Jahr Taiwan angreift. Die NZZ entdeckt mit Chris Blackwells "Als die Boxen in den Bäumen hingen" über das Label Island Records ein spannendes Kapitel Musikgeschichte. Dlf Kultur empfiehlt Rachid Benzine "Der Buchhändler von Gaza". 

Dienstag, 31.03.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Von der Erhabenheit in die Lächerlichkeit

31.03.2026 Der Rheinmetall-Chef hat ukrainische Drohnen verspottet. Er hat allerdings nicht mit den ukrainischen Hausfrauen gerechnet, stellen taz und FAZ fest. Der Historiker Martin Sabrow versucht in Zeit online zu ergründen, warum Honecker heute so gern verharmlost wird. Die SZ erklärt, warum es in der polnischen Stadt Zamość, der Geburtsstadt Rosa Luxemburgs, keine Gedenkplakette für sie gibt. Ist der Rechtspopulismus das Endstadium des Spätkapitalismus, fragt die taz mit Eva von Redecker.

Efeu - Die Kulturrundschau

Verlischt und bleibt ewig

31.03.2026 FAZ und SZ applaudieren einer grandiosen Anna Netrebko in Rafael R. Villalobos "Maskenball"-Inszenierung in Berlin - die Welt ist nicht glücklich. Die SZ taucht in einer vor fünfzig Jahren gecancelten Ausstellung in Dortmund in das Leben griechischer Gastarbeiter ein. Der wahre Horror besteht darin, sterblich zu sein, verrät die Regisseurin Julia Ducournau im Filmdienst-Interview. Die Schauspielerin Kim Novak lehnt es ab, in einem Biopic von Sydney Sweeney gespielt zu werden, weiß die SZ: "zu sexy".

Bücherschau des Tages

Comédie humaine des Ostens

31.03.2026 Die FAZ trifft in Stefan Müller-Doohms Essays über das intellektuelle Frankfurt Adorno und Habermas. Die SZ rebelliert mit Marc-Uwe Klings kommunistischem Känguru gegen den Zustand der Welt. Die NZZ neigt das Haupt vor Josef Winkler und seinem Anti-Heimatroman "Das Glück ist ein Engel mit ernstem Gesicht". Dlf lässt sich von Jill Lepore die Geschichte der amerikanischen Verfassung erzählen. Und Dlf Kultur verliebt sich mit Lara Rüters in Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans.

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Die Abenteuer des Odysseus faszinieren die Menschen seit der Antike. Der Held erscheint als listiger Überlebenskünstler, politischer Stratege und Vertreter einer Gesellschaft,…
Michael Kleeberg. Achilles in Taormina. Penguin Verlag, München, 2026.Michael Kleeberg: Achilles in Taormina
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