9punkt - Die Debattenrundschau
Es ist für euer Schweigen
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
06.06.2026. In der FR fürchtet der belarusische Schriftsteller Alhierd Bacharevič den Dritten Weltkrieg und auch der russische Schriftsteller Viktor Jerofejew schließt in der Welt nicht aus, dass Putin einen Atomkrieg einer Niederlage vorzieht. Dabei halten ihn selbst die ultranationalistischen Militärblogger für wahnsinnig, weiß der russische Journalist Iwan Filippow im Tagesspiegel. Europäische Regierungen hätten längst mit Russland verhandeln müssen, meint Angela Merkel indes in der FAS. KI wird keine Fachkraft ersetzen, nur mehr Arbeit machen, glaubt der Soziologe Florian Butollo in der SZ.
Efeu - Die Kulturrundschau
vom
06.06.2026
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Europa
"Es riecht immer stärker nach einem Dritten Weltkrieg", sagt der belarusische Schriftsteller Alhierd Bacharevič im FR-Gespräch mit Uli Kreikebaum, in dem er sich auch ärgert, dass der Westen Putins Großmachtpläne nicht früher sehen wollte: "Für mich war und ist Russland ein Imperium - Demokratie und Imperium schließen sich aus. Die Aufgabe des Imperiums sind Expansion und Eroberung, das Imperium kennt keine Grenzen. Russland ist das Gefängnis der Völker. Das war so, ist so, und wird so bleiben. Staaten wie die Ukraine oder Belarus, die immer im Schatten des Imperiums existierten, wussten das. (…) Unsere kritischen Rufe bezeichnete der Westen als Nationalismus: Wir seien russophob und hassten das Russische, hieß es oft. Für die meisten existierte Belarus allerdings einfach nicht." Vehement widerspricht er zudem Regimekritikerin Maria Kalesnikava, die inzwischen Verhandlungen mit dem belarusischen Regime fordert, diese "machen den Kampf und alle Opfer sinnlos."
Alle sind todmüde von diesem Krieg, auch die Russen, aber einen Kompromiss wird es mit Putin nicht geben - und eine "Niederlage könnte für die Mentalität des russischen Zaren noch schrecklicher sein als ein Atomkrieg", glaubt der russische Schriftsteller Viktor Jerofejew in der Welt. Am meisten fürchtet er die "ungehemmte Eskalation des Krieges. Nicht systematisches Bombardieren Kyjiws, sondern die direkte Konfrontation mit dem Westen, der Kyjiw mit Waffen versorgt und damit bereits Kriegsteilnehmer ist. Das bedeutet, durch Drohungen und Sabotage im Westen eine Atmosphäre der Instabilität bis hin zu Panik zu schaffen. Der Westen will aber bekanntlich keinen Krieg führen, dafür besitzt er nicht genug Soldaten und Mittel, und außerdem ist er seit 1945 so pazifistisch eingestellt, dass die Europäer sich eher den Russen ergeben, so wie seinerzeit viele Franzosen zu Kollaborateuren wurden. Zudem könnten bestimmte politische Parteien der Ultralinken wie auch der Ultrarechten den Krieg Russlands gegen Europa unterstützen."
Aber selbst die "Militärblogger", Russlands ultranationalistische Kriegsbefürworter, die als noch kriegsversessener als der Kreml galten, glauben seit dem Drohnenkrieg nicht mehr an einen russischen Sieg, berichtet der russische Journalist Iwan Filippow im Tagesspiegel: "Wenn Putin im Fernsehen weiter vom angeblich verzweifelten Zustand der ukrainischen Armee spreche, klinge das inzwischen selbst für seine Anhänger wie 'völliger Wahnsinn', sagt Filippow. Erst Ende vergangener Woche wiederholte der russische Präsident vor Journalisten, die 'Lage' spreche dafür, dass der Krieg bald enden würde. Analysen von Militärexperten sprechen eine andere Sprache. Sie sehen in den jüngsten Entwicklungen an der Front und im Luftkrieg eine neue Phase, die die Ukraine zu ihrem Vorteil nutzen könnte. (…) 'Die Militärblogger attestieren Putin sowohl beim Krieg als auch bei der Wirtschaft Realitätsferne. Diese Kombination weckt die Erwartung einer nahenden Katastrophe', sagt Filippow."
Der Historiker Wladimir Medinski, einst Russlands Kulturminister, verwechselt gern mal historische Ereignisse und Persönlichkeiten, nun ist er verantwortlich für die neuen russischen Geschichtsbücher, die Schülern künftig Putins großrussische Geschichtsfantasien lehren werden, schreibt in der NZZ Anna Schor-Tschudnowskaja, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fakultät für Psychologie der Sigmund-Freud-Privatuniversität Wien: "Immer wieder gibt Medinski zu verstehen, dass die Zeit gekommen sei, endlich 'unabhängig' und 'souverän' historisch zu denken. Seiner Ansicht nach ist der 'im Westen propagierte' Geschichtsbegriff 'eine ideologische Basis für eine schrittweise Herabsetzung Russlands hin zum Status einer Ressourcenkolonie von 'lokaler Bedeutung', die 'ihrer Geschichte und ihres Stimmrechts in der Gegenwart beraubt' wird. Die fundamentale Aufgabe des Geschichtsunterrichts stelle daher nicht weniger als die Erlangung einer 'Unabhängigkeit für Russland' dar, das nicht zu einer 'Kolonie' herabsinken dürfe. (…) Bemerkenswert dabei ist nicht nur, dass sich Russland als Opfer der kolonialen Vergangenheit des Westens positionieren will, sondern dass es sich auch als potenzielles Opfer von dessen kolonialer Zukunft sehen möchte."
Auch der ukrainische Schriftsteller Sergej Gerassimow schließt einen Atomschlag nicht aus, hat Putin doch jüngst erst nukleare Munition an Feldlagerstätten in Belarus verschoben. Am 13. und 14. Mai flogen die Russen derweil den größten Angriff auf die Ukraine in der Geschichte des Krieges, und dennoch verstanden die Moskauer nicht, warum die Ukraine mit Drohnenangriffen reagierte: "Sie und ihre Schoßhündchen sind außer sich vor Angst und reagieren verwirrt. Wenn die Sirenen losheulen, wissen sie nicht, wohin sie laufen sollen. Aber die Frage 'Warum trifft es uns?' ist leicht zu beantworten. Es ist für euer Schweigen - dafür, dass ihr mehr als vier Jahre lang geschwiegen habt, auch wenn ihr gegen den Krieg wart. Es ist wegen eurer Dummheit - weil ihr dem staatlichen russischen Fernsehen geglaubt habt, das euch vorlügt, dass die Ukraine voller Nazis sei. Dafür, dass ihr euch aus der Politik zurückgezogen und dem blutigen Regime so erlaubt habt, frei zu agieren. Dafür, dass ihr gedacht habt, das alles gehe euch nichts an. Und wegen eurer Feigheit - nie habt ihr euch gegen den Krieg ausgesprochen, auch wenn er euch zuwider war."
Auch im großen FAS-Gespräch, das Bertold Kohler und Eckart Lohse mit Angela Merkel führen, geht es um Russland. Den Bau der Nord-Stream-Pipelines kritisiere sie nicht, und sie erinnert, dass sie die europäischen Regierungen schon früh aufrief, mit Putin zu verhandeln: "Grundsätzlich, und das habe ich schon in meiner Amtszeit gesagt, halte ich es nicht für ausreichend, wenn nur die Vereinigten Staaten von Amerika die Aufgabe übernehmen, den Kontakt zu Russland zu halten. 2021 hatte sich Präsident Biden in Genf mit Präsident Putin getroffen, und ich hatte im Nachgang dazu bei meinem letzten formellen Europäischen Rat gesagt, dass wir das nicht allein dem amerikanischen Präsidenten überlassen sollten. Das ist eine zutiefst auch europäische Interessen berührende Aufgabe. Deshalb war mein Vorschlag gewesen, dass auch die EU sich ein Format dafür überlegt. Das ist damals gescheitert. Einige hatten die Begründung, dass wir keine einheitliche Russlandpolitik haben. Da war meine Antwort: Dann muss man sich so lange zusammensetzen, bis man sie hat. Und manchmal zwingen ja solche Initiativen auch dazu. Zur europäischen Stärke und Souveränität gehören zwei Seiten einer Medaille: die Wehrhaftigkeit und die Diplomatie."
Im taz-Gespräch ruft der estnische Verteidigungsminister Hanno Pevkur indes zu höheren Verteidigungsausgaben auf: "Niemand will einen Krieg. Aber die Realität ist, dass unser Nachbar das nicht so sieht. Unser Nachbar hat in den letzten 100 Jahren mindestens 16-, 17-mal Krieg gegen seine Nachbarn begonnen, sogar in den letzten 30 Jahren. Bei allem Respekt, Sie wissen, dass jeder in Frieden leben will, aber um in Frieden zu leben, muss man bereit sein, ihn zu verteidigen."
Morgen wird in Armenien gewählt - und Putin zieht alle Register, um Stimmung gegen den EU-nahen Regierungschef Nikol Paschinjan zu machen und den russlandtreuen Oppositionsführer Samwel Karapetjan durchzusetzen, berichtet Matthias Brühhmann in der taz: "KI-generierte Videos, in dem Paschinjan bei einem Konzert dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron in den Schritt fasst, wurden verbreitet, ebenso wie die Behauptung, Armeniens Premier besitze eine Luxusvilla in Marseille und leide an HIV. (…) Neu in Moskaus Kampf gegen Armeniens Westwende ist, dass der Kreml auch zehntausende armenischstämmige Menschen zur Abstimmung in die alte Heimat karren will. In Russland leben mindestens 2 Millionen von ihnen. 'Eine Besonderheit des aktuellen Wahlkampfs ist die 'Nervosität' des Kremls und das direkte Ultimatum an die armenische Diaspora in Russland: Entweder ihr helft mit aller Kraft, die Wahl eines moskaufreundlichen Parlaments zu beeinflussen, oder eure Möglichkeiten, hier Geld zu verdienen, werden drastisch eingeschränkt', berichtet Forscher Schulga."
Alle sind todmüde von diesem Krieg, auch die Russen, aber einen Kompromiss wird es mit Putin nicht geben - und eine "Niederlage könnte für die Mentalität des russischen Zaren noch schrecklicher sein als ein Atomkrieg", glaubt der russische Schriftsteller Viktor Jerofejew in der Welt. Am meisten fürchtet er die "ungehemmte Eskalation des Krieges. Nicht systematisches Bombardieren Kyjiws, sondern die direkte Konfrontation mit dem Westen, der Kyjiw mit Waffen versorgt und damit bereits Kriegsteilnehmer ist. Das bedeutet, durch Drohungen und Sabotage im Westen eine Atmosphäre der Instabilität bis hin zu Panik zu schaffen. Der Westen will aber bekanntlich keinen Krieg führen, dafür besitzt er nicht genug Soldaten und Mittel, und außerdem ist er seit 1945 so pazifistisch eingestellt, dass die Europäer sich eher den Russen ergeben, so wie seinerzeit viele Franzosen zu Kollaborateuren wurden. Zudem könnten bestimmte politische Parteien der Ultralinken wie auch der Ultrarechten den Krieg Russlands gegen Europa unterstützen."
Aber selbst die "Militärblogger", Russlands ultranationalistische Kriegsbefürworter, die als noch kriegsversessener als der Kreml galten, glauben seit dem Drohnenkrieg nicht mehr an einen russischen Sieg, berichtet der russische Journalist Iwan Filippow im Tagesspiegel: "Wenn Putin im Fernsehen weiter vom angeblich verzweifelten Zustand der ukrainischen Armee spreche, klinge das inzwischen selbst für seine Anhänger wie 'völliger Wahnsinn', sagt Filippow. Erst Ende vergangener Woche wiederholte der russische Präsident vor Journalisten, die 'Lage' spreche dafür, dass der Krieg bald enden würde. Analysen von Militärexperten sprechen eine andere Sprache. Sie sehen in den jüngsten Entwicklungen an der Front und im Luftkrieg eine neue Phase, die die Ukraine zu ihrem Vorteil nutzen könnte. (…) 'Die Militärblogger attestieren Putin sowohl beim Krieg als auch bei der Wirtschaft Realitätsferne. Diese Kombination weckt die Erwartung einer nahenden Katastrophe', sagt Filippow."
Der Historiker Wladimir Medinski, einst Russlands Kulturminister, verwechselt gern mal historische Ereignisse und Persönlichkeiten, nun ist er verantwortlich für die neuen russischen Geschichtsbücher, die Schülern künftig Putins großrussische Geschichtsfantasien lehren werden, schreibt in der NZZ Anna Schor-Tschudnowskaja, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fakultät für Psychologie der Sigmund-Freud-Privatuniversität Wien: "Immer wieder gibt Medinski zu verstehen, dass die Zeit gekommen sei, endlich 'unabhängig' und 'souverän' historisch zu denken. Seiner Ansicht nach ist der 'im Westen propagierte' Geschichtsbegriff 'eine ideologische Basis für eine schrittweise Herabsetzung Russlands hin zum Status einer Ressourcenkolonie von 'lokaler Bedeutung', die 'ihrer Geschichte und ihres Stimmrechts in der Gegenwart beraubt' wird. Die fundamentale Aufgabe des Geschichtsunterrichts stelle daher nicht weniger als die Erlangung einer 'Unabhängigkeit für Russland' dar, das nicht zu einer 'Kolonie' herabsinken dürfe. (…) Bemerkenswert dabei ist nicht nur, dass sich Russland als Opfer der kolonialen Vergangenheit des Westens positionieren will, sondern dass es sich auch als potenzielles Opfer von dessen kolonialer Zukunft sehen möchte."
Auch der ukrainische Schriftsteller Sergej Gerassimow schließt einen Atomschlag nicht aus, hat Putin doch jüngst erst nukleare Munition an Feldlagerstätten in Belarus verschoben. Am 13. und 14. Mai flogen die Russen derweil den größten Angriff auf die Ukraine in der Geschichte des Krieges, und dennoch verstanden die Moskauer nicht, warum die Ukraine mit Drohnenangriffen reagierte: "Sie und ihre Schoßhündchen sind außer sich vor Angst und reagieren verwirrt. Wenn die Sirenen losheulen, wissen sie nicht, wohin sie laufen sollen. Aber die Frage 'Warum trifft es uns?' ist leicht zu beantworten. Es ist für euer Schweigen - dafür, dass ihr mehr als vier Jahre lang geschwiegen habt, auch wenn ihr gegen den Krieg wart. Es ist wegen eurer Dummheit - weil ihr dem staatlichen russischen Fernsehen geglaubt habt, das euch vorlügt, dass die Ukraine voller Nazis sei. Dafür, dass ihr euch aus der Politik zurückgezogen und dem blutigen Regime so erlaubt habt, frei zu agieren. Dafür, dass ihr gedacht habt, das alles gehe euch nichts an. Und wegen eurer Feigheit - nie habt ihr euch gegen den Krieg ausgesprochen, auch wenn er euch zuwider war."
Auch im großen FAS-Gespräch, das Bertold Kohler und Eckart Lohse mit Angela Merkel führen, geht es um Russland. Den Bau der Nord-Stream-Pipelines kritisiere sie nicht, und sie erinnert, dass sie die europäischen Regierungen schon früh aufrief, mit Putin zu verhandeln: "Grundsätzlich, und das habe ich schon in meiner Amtszeit gesagt, halte ich es nicht für ausreichend, wenn nur die Vereinigten Staaten von Amerika die Aufgabe übernehmen, den Kontakt zu Russland zu halten. 2021 hatte sich Präsident Biden in Genf mit Präsident Putin getroffen, und ich hatte im Nachgang dazu bei meinem letzten formellen Europäischen Rat gesagt, dass wir das nicht allein dem amerikanischen Präsidenten überlassen sollten. Das ist eine zutiefst auch europäische Interessen berührende Aufgabe. Deshalb war mein Vorschlag gewesen, dass auch die EU sich ein Format dafür überlegt. Das ist damals gescheitert. Einige hatten die Begründung, dass wir keine einheitliche Russlandpolitik haben. Da war meine Antwort: Dann muss man sich so lange zusammensetzen, bis man sie hat. Und manchmal zwingen ja solche Initiativen auch dazu. Zur europäischen Stärke und Souveränität gehören zwei Seiten einer Medaille: die Wehrhaftigkeit und die Diplomatie."
Im taz-Gespräch ruft der estnische Verteidigungsminister Hanno Pevkur indes zu höheren Verteidigungsausgaben auf: "Niemand will einen Krieg. Aber die Realität ist, dass unser Nachbar das nicht so sieht. Unser Nachbar hat in den letzten 100 Jahren mindestens 16-, 17-mal Krieg gegen seine Nachbarn begonnen, sogar in den letzten 30 Jahren. Bei allem Respekt, Sie wissen, dass jeder in Frieden leben will, aber um in Frieden zu leben, muss man bereit sein, ihn zu verteidigen."
Morgen wird in Armenien gewählt - und Putin zieht alle Register, um Stimmung gegen den EU-nahen Regierungschef Nikol Paschinjan zu machen und den russlandtreuen Oppositionsführer Samwel Karapetjan durchzusetzen, berichtet Matthias Brühhmann in der taz: "KI-generierte Videos, in dem Paschinjan bei einem Konzert dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron in den Schritt fasst, wurden verbreitet, ebenso wie die Behauptung, Armeniens Premier besitze eine Luxusvilla in Marseille und leide an HIV. (…) Neu in Moskaus Kampf gegen Armeniens Westwende ist, dass der Kreml auch zehntausende armenischstämmige Menschen zur Abstimmung in die alte Heimat karren will. In Russland leben mindestens 2 Millionen von ihnen. 'Eine Besonderheit des aktuellen Wahlkampfs ist die 'Nervosität' des Kremls und das direkte Ultimatum an die armenische Diaspora in Russland: Entweder ihr helft mit aller Kraft, die Wahl eines moskaufreundlichen Parlaments zu beeinflussen, oder eure Möglichkeiten, hier Geld zu verdienen, werden drastisch eingeschränkt', berichtet Forscher Schulga."
Digitalisierung

Kulturpolitik
Auch als Kulturnation sind die USA unwichtiger geworden, notiert die in London lebende Autorin Katharina Volckmer in der FAS: "Den Begriff 'Soft Power' hat der amerikanischen Politikwissenschaftler Joseph Nye geprägt, vor allem bekannt als prominenter Neoliberaler. 'Soft Power', so führte Nye aus, müsse man es nennen, 'wenn ein Land andere Länder dazu bringt, auch das zu wollen, was es selbst will - im Kontrast zur harten oder herrschaftlichen Power, anderen zu befehlen, was sie tun sollen'. Schaut man heute auf die Vereinigten Staaten, wirkt es, als wären sie von diesem Ziel weiter entfernt als je zuvor und als ob selbst Trump international selbst mit Befehlstönen auf taube Ohren stößt."
Ideen
Auf den Bücher-und-Themen-Seiten der FAZ zeichnet Daniel Damler die Genese der Idee vom "geistigen Eigentum" nach, das erstmals durch den Frühaufklärer Nicolaus Hieronymus Gundling formuliert wurde.
Medien
Der Fall des Journalisten Hüseyin Dogru, Gründer der Internetseite Red, die vor allem durch propalästinensische Propaganda, etwa Interviews mit Hamas-Vertretern, von sich reden machte, ist ein Präzedenzfall, weiß Harald Staun im Feuilleton-Aufmacher der FAS: Denn Dogru, deutscher Staatsbürger, steht auf der Liste von Personen, gegen die EU Sanktionen verhängt wurden, obwohl die nicht für EU-Bürger und schon gar nicht für Journalisten vorgesehen sind - daher bezeichnet ihn das Auswärtige Amt als "Desinformationsakteur". Vorgeworfen werden ihm Verbindungen zur russischen Regierung, wofür die EU allerdings bisher keine Belege vorlegte. Die Bundesregierung wandte indes mit der Attribuierung ein Verfahren an, das zuvor nur bei Cyberangriffen zum Einsatz kam, berief sich aber darauf, entscheidende Belege geheimhalten zu müssen. Damit lade sie "genau zu jenen Zweifeln ein, die der Nährboden des Misstrauens gegen demokratische Institutionen sind", meint Staun. Der Mangel an Transparenz könne als Anlass genommen werden, "die Gegenmaßnahmen für einen Akt der politischen Willkür zu halten", entsprechend setze sich auch das "Who is Who der populistischen Linken" per Petition für Dogru ein: Darunter BDS-Anhänger wie Roger Waters, Brian Eno und Jeremy Corbyn, außerdem Yanis Varoufakis, Gregor Gysi und Sahra Wagenknecht so wie Gabriele Krone-Schmalz, Günter Verheugen und Ulrike Guérot.
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