Die belarussische Oppositionsführerin
Swetlana Tichanowskaja erzählt im Interview mit Claudia von Salzen vom
Tagesspiegel, wie die Menschen in Belarus trotz der starken Repression
weiterhin Widerstand leisten, in kleinen schwer zu greifenden Zellen. Wenn sie von
ihrem Mann erzählt, der seit 2020 im Gefängnis sitzt, spürt man, wie viel Kraft dieser Widerstand kosten muss: "Seit 2020, vom ersten Tag an, sitzt er in Einzelhaft. Viele Male wurde er
in eine Strafzelle gesperrt, das ist ein furchtbarer Ort, kalt und
voller Ratten und Kakerlaken. In der Haft ist man vollkommen rechtlos. Ich konnte mit meinem Mann nur über den Anwalt kommunizieren. Aber vor einem Monat wurde dem Verteidiger die Lizenz entzogen. Seitdem weiß ich nicht, was im Gefängnis passiert. Ein neuer Anwalt darf nicht zu meinem Mann. Meine Kinder können ihm Briefe schreiben, und er ihnen. Aber
seit einem Monat haben wir nichts von ihm gehört. Diese Ungewissheit ist sehr schwer zu ertragen."
Leider stecken auch viele
russische Oppositionelle im Denken des historischen russischen Imperialismus fest. Eine wirkliche
Aufarbeitung der Vergangenheit hat in Russland nie stattgefunden, konstatiert die Historikerin Juliane Fürst in der
Zeit. Historisch betrachtet sei "der Anreiz für russische Exilanten, mit dem herrschenden russischen System kompromisslos und umfassend zu brechen, relativ gering. Umso mehr als keine Perspektive auf einen
radikalen Neuanfang in Russland gegeben ist. Anders als Deutschland 1945 wird Russland nicht vollständig besetzt werden, der Regimewechsel wird nicht von außen, sondern bestenfalls von innen stattfinden. Er wird wahrscheinlich von denjenigen ausgehen, die bereits jetzt Macht und Einfluss haben und im rechten Moment umsatteln.
Einen Präsidenten Nawalny wird es nicht geben. Damit befindet sich die Putin-Opposition bereits jetzt in einem Stadium der
politischen Hoffnungslosigkeit."
"Die
Lügen Putins hat
Frau Merkel durchaus erkannt", sagt
Joachim Gauck im epischen
SZ-Interview mit Stefan Kornelius. Aber: "Wenn die Vertreter der
ökonomischen Elite erklären, wie nützlich die guten Beziehungen sind und dass unser Wohlstand davon abhängt, dann entsteht da ein Gegengewicht." Bis zur Helsinki-Schlussakte sei der Prozess "
Wandel durch Annäherung" erfolgreich gewesen, sagt er: "Dann aber kam die zweite Phase der
Ostpolitik: Wir stabilisierten das System, in der Hoffnung, dass es sich nicht unterminiert fühlen und deshalb eine Form der Milde gegenüber der eigenen Gesellschaft entwickeln würde. Wir dachten nicht an Freiheit, sondern an
kleine Freiheiten. In diesem Moment hat die Ostpolitik der Sozialdemokraten die Bindung zu den unterdrückten Massen verloren und zum Beispiel nicht erkannt, was an der Basis in Polen wirklich geschah. Dieser
Gestus des Besserwissens ist in einem Teil des politischen Milieus erhalten geblieben."
Mit besonderem Stolz feiert die Linke in Italien den
Tag der Befreiung vom Faschismus in Italien, für die extreme Rechte war der 25. April ein "
Tag der Schande", schreibt Thomas Schmid in der
Welt (und in seinem
Blog). Aber nicht alle, die gegen Mussolini kämpften, kämpften auch für die liberale Demokratie, sondern für die Errichtung eines kommunistischen Staates, erinnert Schmid: "Diese unbestreitbare, von der Linken aber nur ungern anerkannte Tatsache nutzte Italiens extreme Rechte viele Jahre, um die
Legitimität des demokratischen Staates in Zweifel zu ziehen." Mit Spannung wurde daher erwartet, wie sich
Giorgia Meloni positionieren würde: "In einem ausführlichen Brief an die Tageszeitung
Corriere della Sera hat Meloni ihre Position zum 25. April erläutert. Sie spricht darin erstmals unumwunden davon, dass es die 'liberale Demokratie' zu verteidigen gelte. Dann aber geht sie, wenn auch auf
Samtpfoten, zum Angriff über. Sie sagt: 'Freiheit und Demokratie sind ein Erbe aller.' Es sei die historische Leistung der 'demokratischen Rechten' (sie meint damit ihre Partei und deren Vorgänger) gewesen, auch die Anhänger des Faschismus und die Millionen von politisch passiven Italienerinnen und Italiener 'in die Demokratie geleitet' zu haben. Wer das, wie die Linke, nicht anerkenne, benutze den Antifaschismus, 'um jeglichem politischen Gegner die Existenzberechtigung abzusprechen'. Damit erklärt sie die Rechte zum wahren und einzigen Garanten von Freiheit und Demokratie. Eine absurde Volte. Vielleicht aber auch ein gewundener Versuch, die extreme
Rechte durch die Hintertür in die Demokratie zu führen."