In Marx' Geburtsstadt
Trier soll ein von dem chinesischen Künstler
Wu Weishan entworfenes und
von der Volksrepublik China gestiftetes, 4,40 Meter hohes
Marx-
Denkmal mit Ausstellungseröffnungen, deutsch-chinesischem Partnerschaftsgarten und mehr Tamtam enthüllt werden. Petra Kohse
berichtet in der
Berliner Zeitung von einem Brief des ehemaligen Direktors des Martin-Gropius-Baus,
Gereon Sievernich, der Triers Oberbürgermeister
Wolfram Leibe auffordert, die Feierlichkeiten auf den Tag zu verschieben, an dem China den
Hausarrest von Liu Xia aufhebt: "Sievernichs Brief kam erst am Sonntag im Trierer Rathaus an - und ist auch nicht der einzige, der gegen die Enthüllung der Statue protestiert. Etwa 50 Kritiker gebe es, sagt der Pressereferent Michael Schmitz, mit unterschiedlichsten Anliegen, der Oberbürgermeister werde allen antworten und sie nach Trier einladen - nach der Geburtstagsfeier."
In der SZ
meldet Kai Strittmatter: "Tatsächlich geht es
Liu Xia schlecht, sie leidet offenbar an
schwerer Depression. Die Enttäuschung über die erneut nicht genehmigte Ausreise scheint die Lage noch schlimmer zu machen. 'Wenn ich nicht weg kann, dann sterbe ich in meiner Wohnung', sagte sie dem Schriftsteller
Liao Yiwu in einem Telefonat am 30. April. 'Xiaobo ist nicht mehr da, und in dieser Welt ist nichts mehr für mich.
Sterben ist jetzt einfacher als am Leben zu bleiben.'" Im
Interview mit
Spon rät der Menschenrechtsaktivist
Hu Jia Diplomaten, sich
lautstark für Liu Xia einzusetzen: "Unterwerft euch nicht der Logik der chinesischen Regierung. Macht so viel Lärm wie möglich - wann immer ihr das könnt."
"Verstörend" erscheint Olaf Gersemann in der
Welt der aktuelle
Marx-
Hype, vor allem auch, weil er die
Kapitalismuskritik nicht weiterbringe: "Marx-Getreuen bleibt nur, weiter eine
fallende Lohnquote zum Naturgesetz zu erklären und daraus abzuleiten, dass die Armen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden müssen. Das eine ist - nachweisbar - so falsch wie das andere. Und daher können die Sympathisanten heute so wenig zur Lösung der sozialen Frage beitragen wie ihr Idol es im 19. Jahrhundert vermochte. Wer einen
Automatismus via Verelendung in die Revolution unterstellt, mag sich nicht kümmern um Details, Differenzierung oder gar Empirie." Im Feuilleton-Aufmacher der
SZ erklären Literaturkritiker unterdessen Marx-Metaphern.
In der
Jüdischen Allgemeinen schreibt Martin Krauss über Religiosität, den
Antisemitismus von und antisemitische Attacken gegen Karl Marx: "In Marx' Werk finden sich etliche Passagen, die von Ressentiments, teils
Hass auf Juden geprägt sind. Doch, das sagen auch seine Kritiker, das ist keine geschlossene Weltanschauung. Marx'sche Wertanalyse und Kritik der politischen Ökonomie sind nicht antisemitisch."
Der
globale Armutsreferenzwert liegt bei knapp
60 Euro im Monat,
schreibt der Ökonom
Wolfgang Fengler in der
SZ und kritisiert, dass in vielen Staaten Europas eine
relative Armutsdefinition verwendet werde - diese führe nicht zur Definition von Armut, sondern beschreibe lediglich
Ungleichheit: "Zum Beispiel war die Ungleichheit in Deutschland und in der Welt bis zum Jahr 1800 recht gering. Fast alle Menschen waren gleich, nämlich gleich arm. Wenn man den 'Armutsbericht' damals veröffentlicht hätte, wäre die offizielle
Armut nahe null gelegen, weil mehr als 95 Prozent der Menschen unter fast gleichen, meist schrecklichen Umständen lebten. Wenn man umgekehrt heute alle Realeinkommen verdoppeln würde, inklusive Hartz-IV-Satz, bliebe die Anzahl der Armen trotz des enormen Wohlstandsgewinns gleich. Schließlich könnten wir zum Ergebnis kommen, dass arme Länder mit moderater Ungleichheit, zum Beispiel Bangladesch oder Tadschikistan, plötzlich eine ähnliche Armutsquote hätten wie Deutschland."