Die Buchmacher - Archiv

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281 Presseschau-Absätze - Seite 19 von 29

Die Buchmacher vom 19.04.2004 - buchreport.express

Das Verhältnis zwischen den Sparten im Börsenverein ist angespannt. Der Buchreport spricht von einem "zunehmend rauen Ton", in dem die brancheninternen Diskussionen derzeit geführt werden. Bei der Plenumsdebatte mit dem recht offenen Thema "Strukturen, Leistungen und Konditionen" könnte es im Rahmen der Buchhändlertage im Mai zu einem offenen Schlagabtausch kommen. So schwelt zwischen den Verlagen und Zwischenbuchhändler Libri seit einiger Zeit ein Streit über die Bezahlung der Bücherlieferungen an das Barsortiment. Kleine Verlage beschweren sich über die "überhöhten Rabattforderungen" der Barsortimente.

Kaum ist das lit.Cologne-Festival zu Ende gegangen, schon haben die Organisatoren einen Schwerpunkt fürs nächste Jahr abgesteckt: Im Schulterschluss mit der koelnmesse soll sich 2005 erstmals der Vorhang zur "Audiobooks Cologne" heben. Man wolle dem Hörbuch mit Live-Auftritten von Autoren und Schauspielern eine neue Bühne bereiten, berichtet Werner Köhler, Mitorganisator der lit.Cologne. "Große Hörbuchverlage sondieren derzeit noch abwartend die Lage", hat der Buchreport erfahren.

Köln oder Leipzig? Im kommenden Frühjahr werden die lit.Cologne und die Buchmesse gleichzeitig stattfinden. David Wengenroth wundert sich im Buchreport über den "unerklärten Wettstreit", der da entbrannt ist. Zwar konkurrieren die Veranstaltungen nicht um dasselbe Publikum, doch sehr wohl um die Aufmerksamkeit der Medien und die Präsenz der Verlagsmitarbeiter.

Die traditionelle Taschenbuchreihe "Sammlung Luchterhand", einst mit ambitionierten Plänen und Namen wie Christa Wolf, Ernst Jandl und Antonio Lobo Antunes im Jahr 2001 wiederbelebt, steht auf der Kippe. Grund dafür ist der Verkauf von Luchterhand an Random House. "Wir hatten und haben zu wenig Rechte, um ein eigenständiges Taschenbuchprogramm aufzubauen", erläuterte Gerald J. Trageiser, Leiter des Luchterhand Literaturverlags, dem Buchreport. Voraussichtlich ab Frühjahr 2005 will Trageiser die Taschenbuchreihe, die sich in Qualität und Cover-Gestaltung von der Masse der Taschenbücher abhebt, als großformatige Paperback-Reihe fortsetzen.

Im Streit zwischen dem Sortimenter-Ausschuss (SoA) des Börsenvereins und dem Bertelsmann Club um Parallelausgaben bemühen sich beiden Seiten um eine Verhandlungslösung. Analog zu den Gesprächen mahlen die Mühlen der Justiz. Über den aktuellen Stand der Dinge sei Stillschweigen vereinbart, sagt SoA-Vorsitzender Rudolph Braun-Elwert. Dem Vernehmen nach, so der Buchreport, herrsche im SoA noch Uneinigkeit über die Reichweite der eigenen Kompromissbereitschaft. Belasten könnte die Gespräche, dass der Club mit zwei weiteren Titeln (Henning Mankell: "Die Rückkehr des Tanzlehrers" und Wolfgang Hohlbein: "Die Blutgräfin") schon wieder die Grenzen des Potsdamer Abkommens austestet.

Personalien: Gabriele Wolff erhält für "Das dritte Zimmer" den Friedrich-Glauser-Krimipreis in der Sparte Roman. Der mit 8000 Euro dotierte Preis der Literaturhäuser geht an Peter Kurzeck, dessen jüngster Roman "Ein Kirschkern im März" soeben im Stroemfeld Verlag erschienen ist.

Meldungen: Weltbild, zu 100 Prozent im Besitz der deutschen Diözesen und der Katholischen Soldatenseelsorge, hat sich die Deutschlandrechte an der Papst-Autobiografie gesichert. Die amerikanischen Krimiautoren Stephen King und Stewart O'Nan wollen bis zum Jahresende ein Buch im Duett schreiben, bei dem Baseball eine wichtige Rolle spielen soll. Rund 60 Jahre nach dem rätselhaften Flugzeugabsturz des "Kleiner Prinz"-Autors Antoine de Saint-Exupery haben Taucher Teile seines Flugzeugwracks vor der Küste von Marseille gefunden. Die kanadische Rocksängerin Alanis Morisette beendet gerade die Arbeit an ihrem ersten Buch, nach eigenen Angaben ein philosophischer Ratgeber. Kritische Bücher zur US-Politik werden zu Dauersellern, allein fünf davon sind unter den Top 40 der Sachbuch-Bestsellerliste des Spiegels. Welche Titel es außerdem diese Woche in die Bestsellerlisten geschafft haben, hier.

Die Buchmacher vom 12.04.2004 - buchreport.express

Brechen noch schlechtere Zeiten für die Sortimenter an? Eine "Umsatzexplosion" sagt jedenfalls eine Studie von Forrester Research dem Onlinehandel voraus. Nicht nur, dass der europäische Internetumsatz in den nächsten fünf Jahren um das Vierfache auf dann 167 Mrd. Euro steige, Deutschland werde in 2009 mit 42,75 Mrd. Euro sogar an erster Stelle in Europa sein. Und: Bücher blieben eines der Spitzenprodukte auf der Internet-Vertriebsschiene. "Treffen die Zahlen ein, wird sich ein nicht unerheblicher Teil der Buchumsätze, die bisher vom stationären Buchhandel gemacht werden, auf den Onlinehandel verlegen", vermutet der Buchreport. Einzige Chance für die Sortimenter sei, auf den Zug aufzuspringen und selbst ins Internetgeschäft einzusteigen.

Noch nicht in trockenen Tüchern ist die Finanzierung des Gastlandauftritts bei der diesjährigen Frankfurter Buchmesse. Derzeit fehle noch das Geld von mehr als der Hälfte der insgesamt 22 Teilnehmerländer der arabischen Welt, meldet der Buchreport unter Berufung auf eine Agentur. "Einige Länder der Arabischen Liga unterschätzen die kulturpolitische Bedeutung der Frankfurter Buchmesse", fürchtet Ibrahim El-Moallem, Präsident des ägyptischen und arabischen Verlegerverbandes. Buchmessechef Volker Neumann wollte "die internen Fragestellungen auf arabischer Seite" im Buchreport nicht kommentieren, hat aber "ein sehr gutes Gefühl", was den derzeitigen Stand der Vorbereitungen betrifft.

Die Branchenkrise hat vergangenes Jahr gehäuft Lektoren in die Selbstständigkeit getrieben: Die Interessenvertretung der Freelancer, der Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren, bekam auf einen Schlag 100 neue Mitglieder. Als Konsequenz wolle der Verband sein branchenpolitisches Gewicht stärken und Qualitätsstandards einführen, schreibt der Buchreport. Bisher seien Vereinbarungen zwischen freiberuflichen Lektoren und Verlagen in der Regel auf mündlicher und individueller Basis erfolgt.

Auf den ersten Blick stimmt das Ergebnis des Buchreport-Umsatztrends für den März optimistisch: 3,58 Prozent mehr Umsatz als im Vorjahresmonat. Allerdings zeigte das Branchenbarometer im März 2003 ein Minus von 19,37 Prozent an. Das war "der verheerendste Umsatzeinbruch in der Nachkriegszeit".

Personalien: Markus Klose, Vertriebsleiter Verlage bei Random House, wechselt in die Geschäftsführung von Hoffmann und Campe - über den Zeitpunkt des Dienstantritts in Hamburg wird noch verhandelt.

Meldungen: Unter dem neuen Namen "Parlando" strahlt der Hessische Rundfunk ab September einmal im Monat Bodo Kirchhoffs Literatursendung "Cult.date" aus. Die US-Verlage schlossen das Jahr 2003 trotz Irak-Kriegs und schwächelnder Gesamtwirtschaft mit einem Umsatzplus von 4,6 Prozent ab. Nichts hat sich auf den ersten Rängen getan und neue Titel konnten sich auch nicht platzieren - zum Gähnen also diesmal: die Bestsellerlisten.

Die Buchmacher vom 05.04.2004 - buchreport.express

Optimismus und Lob, aber auch kritische Worte zur Leipziger Buchmesse hat der Buchreport wahrgenommen. Buchmesse-Leiter Oliver Zille und Börsenvereins-Vorsteher Dieter Schormann hätten angesichts der Rekordzahl von 102.000 Besuchern und 2084 Ausstellern ein Freudenkonzert angestimmt. Schormann habe der Buchbranche gar einen Zuwachs von vier Prozent für dieses Jahr vorausgesagt. "Bei den meisten Messebesuchern fand der Vorsteher mit seinem fröhlichen Optimismus keinen Glauben", kommentiert der Buchreport. Zum Teil hämische Kritik habe es in den Feuilletons gegeben: für die Selbstinszenierung der Branche, die Eröffnungsrede und die Gala zur Verleihung des Deutschen Bücherpreises. Vielen Verlagen sei der, im Jubel um den Besucheransturm untergegangene, geringe Anteil der Fachbesucher (nur 25 Prozent!) übel aufgestoßen.

"Leipzig liest" weiter, das scheint schon seit einigen Wochen festzustehen. Jetzt ist offiziell: Der Bertelsmann Club hat Messeleiter Oliver Zille signalisiert, dass er nach Ablauf der zugesicherten finanziellen Beteiligung mit der diesjährigen Messe Partner des Lesefests bleibe. Zille wolle künftig auch branchenfremde Partner akquirieren, sagte er, sodass der Weggang eines einzelnen Geldgebers das Fortbestehen der Veranstaltung nicht gleich in Frage stelle. In diesem Jahr konnte die Leipziger Messe das Kuratorium Haus des Buches e.V. und den Spiegel als Sponsoren gewinnen.

Einen "Traumstart im Buchhandel" hat der Buchreport der SZ-Bibliothek attestiert: "Zum Start (...) erntet die bis dahin noch nicht als Buchverlag in Erscheinung getretene Süddeutsche Zeitung die Früchte einer drei Millionen Euro teuren Werbekampagne." Buchhändler aus ganz Deutschland meldeten hohe Abverkäufe, bei Amazon stünden Band 1 und 2 der Bibliothek auf den Rängen 8 und 16. 24.000 Leser hätten nach Angaben der SZ die komplette Bibliothek bestellt (im Börsenblatt sind es laut Business-Manager Klaus Füreder 32.000 Bestellungen), was einer Auflage von 1,2 Millionen Exemplaren entspreche. Nicht alle "Billigheimer" wirbeln gleich viel Staub für das neue Sonderangebot auf: Während Weltbild die SZ-Bibliothek prominent im neuen April-Katalog verkaufe, könnten die Titel beim Bertelsmann Club nur übers Internet bezogen werden.

Mit Spannung erwartet wurde die Bilanzpressekonferenz des Branchenriesen Bertelsmann. Enttäuscht ist der Buchreport von der Rede des Vorsitzenden Dr. Gunter Thielen. "Was wie markiger Schlachtgesang klingen sollte, verblasste bei nachträglicher Lektüre oft zu wenig verbindlichen Versatzstücken (...) Worthülsen nur, wo Mitarbeiter, Konkurrenten und Presse Visionen erwartet hatten." Der Bertelsmann Club habe seine Verluste übrigens um rund 70 Prozent verringert, bliebe aber noch unterhalb der Gewinnschwelle. Und der Börsengang, bisher für 2005 angepeilt, finde frühestens im Mai 2006 statt.

Die Präsentation der Branche auf der Leipziger Buchmesse fand David Wengenroth misslungen. Die Marke "Deutscher Bücherpreis" sei beispielsweise irreparabel beschädigt, schreibt er auf der Meinungsseite des Buchreports, und sollte in aller Stille beerdigt werden. Weder die Berichterstatter der Feuilletons noch die Buchmenschen hätten dem Optimismus des Börsenverein-Vorstehers teilen können. Wengenroth hält trotz der schlechten Vorstellung nichts davon, dass der Börsenverein in Zukunft von der Branchendarstellung die Finger lässt: "Eine gute Außendarstellung der Branche kann einen wichtigen Beitrag zur Überwindung der gegenwärtigen Krise leisten."

Personalien: Marlies Hebler wird Leiterin des Rogner & Bernhard Verlags. Gegenkandidaten von Dieter Schormann haben sich zur Wahl des Börsenverein-Vorstehers am 19. Mai in Bonn nicht aufstellen lassen.

Welche Titel es diese Woche in die Bestsellerlisten geschafft haben, hier.

Die Buchmacher vom 30.03.2004 - buchreport.express

In die deutsche Verlagslandschaft kommt Bewegung. Bis vor zwei Jahren seien die Rollen noch klar verteilt gewesen, berichtet der Buchreport. "Die Fachverlage galten als Felsen in der Brandung mit kalkulierbarem, stetem Wachstum und die Publikumsverlage mit Belletristik-Schwerpunkt als Sorgenkinder der Branche." Die Entwicklung im Jahr 2003 scheine diese Verhältnisse geradezu auf den Kopf gestellt zu haben. Publikumsverlage erzielten ein durchschnittliches Umsatzplus von 11,7 Prozent, Fachverlage ein Minus von 0,6 Prozent.

Rund 11.000 Menschen sind zum Start der Werbeaktion SZ-Bibliothek zum Verlagsgebäude der Süddeutschen Zeitung in München gepilgert, um sich den ersten Band als Geschenk abzuholen. In Bahnhofsbuchhandlungen, die mit der SZ kooperierten, habe es hingegen kaum gezielte Nachfrage nach dem Geschenkband gegeben, ergab eine Buchreport-Umfrage. Die Bücher seien SZ-Käufern meist als Zugabe obendrauf gelegt worden. Am vergangenen Samstag stieg der Buchhandel mit dem zweiten Band - jeder Band kostet ab jetzt 4,90 Euro - in die Aktion ein. "Knapp drei Millionen Exemplare der Bibliothek wurden bisher vom Handel geordert", lässt der Süddeutsche Verlag verlauten.

Im Rahmen der Buchmesse wurde im dritten Jahr der Deutsche Bücherpreis verliehen, womöglich zum letzten Mal. "Die Auszeichnung, deren Präsentation in den Vorjahren harsche Kritik in den Feuilletons kassierte, ist laut Börsenvereinsvorsteher Dieter Schormann ,in der jetzigen Form auf drei Jahre angelegt' und steht vor einer ungewissen Zukunft", schreibt der Buchreport. Auch, und vor allem, weil die Hauptsponsoren, Random House und Georg von Holtzbrinck, eine deutliche Reduzierung der Mittel angekündigt hätten. Hier ein Überblick der diesjährigen Preisträger und die Begründungen der Jury.

Die Mehrzahl der Elke Heidenreich-Fans ist geduldig. Obwohl die letzte "Lesen!"-Sendung wegen der Übertragung eines Fußballspiels fast eine Stunde später als gewohnt begann, harrten 1,3 Millionen Zuschauer vor den Bildschirmen aus. "Die Lokomotive Heidenreich hat auch nach dieser Sendung wieder für Bestseller gesorgt: Von den acht vorgestellten Titeln sind alle fünf, die den Kriterien der Spiegel-Bestsellerliste entsprechen, in die aktuelle Liste eingestiegen", heißt es im Buchreport. (siehe auch Börsenblatt)

Karstadt
bestätigte, dass es in den Buchabteilungen des größten deutschen Warenhauskonzerns in Zukunft zu Kooperationen mit "geeigneten Partnern" kommen kann. Der Buchreport spekuliert über Namen wie Hugendubel, Thalia oder Weltbild.

Personalien: Die Goethe-Medaille geht diesmal an Imre Kertesz.

Meldungen: Die Taschenbuchpreise erhöhen sich im April um durchschnittlich 1,73 Prozent auf 9,41 Euro. Nachdem der Mutterkonzern des Europa Verlags, die Senator Entertainment AG, kurz vor der Insolvenz steht, soll in den kommenden Wochen eine Entscheidung über einen neuen Partner für die Buchmacher getroffen werden.

Die Buchmacher vom 22.03.2004 - buchreport.express

Sachbücher sind die neuen Hoffnungsträger der Branche. Das lässt sich aus dem Warengruppen-Ranking des Buchreports ableiten. Darin schließt das Sachbuch (12,44 Prozent Marktanteil) zur Belletristik (12,81 Prozent) auf und macht ihr den zweiten Platz des Rankings streitig. Das Taschenbuch bleibt mit 27,45 Prozent weiterhin einsamer Spitzenreiter. Sachbücher griffen aktuelle Themen auf und seien immer häufiger Ausgangspunkt für Vorabdrucke, Serien und Kampagnen. Sie ließen sich im Wettbewerb der Medien weniger leicht als schöngeistige Literatur substituieren, und Sachbuch-Autoren - abgesehen von Prominenten, die ihre Biografie schrieben - erhielten geringere Vorschüsse, Lizenzpoker fänden seltener statt, erklärt der Buchreport den Trend.

"Versuchskaninchen" sind die Kunden des Toom-Supermarkts von Alfter-Oedekoven. Dort testet Branchenriese Random House seit Jahresbeginn, welche Bücher bei SB-Käufern ankommen. Läuft der Test insgesamt zufriedenstellend, will die Verlagsgruppe sich weiter in Supermärkten ausbreiten und "permanent ein wechselndes und preiswertes Buchsortiment präsentieren". Ausgangspunkt für die Idee dieser neuen Vertriebsschiene war, die Kaufstimmung der Supermarkt-Kunden zu nutzen. Der Buchreport bemerkte bei einem Probeeinkauf die Dominanz der verlagseigenen Titel und ein Supermarkt-Personal, dessen "Freundlichkeit bei weitem die Beraterqualität übersteigt".

Einen Vergleich zwischen der gerade zu Ende gegangenen lit.Cologne (mehr) und dem diese Woche beginnenden "Leipzig liest"-Festival (mehr) wagt der Buchreport, denn "sowohl Leipzig als auch Köln warten mit erstklassigen Autoren auf, arbeiten erfolgreich, aber mit unterschiedlichem Konzept". Während im Osten klassische Autorenlesungen dominierten, werde das Lesen im Westen zum Pop-Event. In Leipzig kamen vergangenes Jahr zu 650 Veranstaltungen durchschnittlich 54 Besucher (in Köln: 87 Veranstaltungen, 483 Besucher). Die lit.Cologne sei - im Gegensatz zu "Leipzig liest" - von Anfang an ohne öffentliche Mittel ausgekommen, in 2004 werde sie sich wohl erstmals ohne Zuschüsse der Veranstalter tragen.

Hörbuch-Verlage versprechen sich viel vom Einstieg in die MP3-Technologie. Auf MP3 seien Hörbücher kostengünstiger als auf CD. Das neue Format speichere bei vergleichbarer akustischer Qualität Audio-Daten komprimiert auf rund ein Zehntel der üblichen Datenmenge, erläutert Zweitausendeins-Lektor Martin Weinmann die Vorzüge im Buchreport. Zweitausendeins startet im April als erster Verlag eine Reihe mit MP3-Hörbüchern. Fehlen den potenziellen Kunden nur noch die MP3-fähigen Abspielgeräte.

Mit dem Projekt "Bibliothek 2007" (mehr) will ein Expertenteam den deutschen Bibliotheken Wege aus der Krise aufzeigen. Am 23. März legen die Bertelsmann Stiftung und die Bundesvereinigung Deutscher Bibliotheksverbände beim Leipziger Kongress für Information und Bibliothek ein gemeinsam erarbeites Papier vor. Nach Buchreport-Informationen fordert das Gremium vor allem die Einrichtung einer Bibliotheks-Entwicklungsagentur, um für eine übergreifende Koordination des föderalistisch organisierten Bibliothekswesens zu sorgen. Die Agentur solle, etwa in Form einer Bundesstiftung, unternehmerisch wirtschaften.

Personalien: Gunnar Cynybulk übernimmt die Programmleitung für den Gustav Kiepenheuer Verlag. Seine Vorgängerin, Birgit Peter, ist Geschäftsführerin des "Kuratoriums Haus des Buches" in Leipzig geworden. Cathrine Fabricius-Hansen, Germanistikprofessorin in Oslo, erhält den mit 11.000 Euro dotierten Konrad-Duden-Preis für besondere Verdienste um die deutsche Sprache und deren Erforschung. Elfriede Jelinek (mehr) wird für ihr Hörspiel "Jackie" mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden ausgezeichnet. Branchenneuling Dorothea Redeker ist neue Geschäftsführerin des Sortimenter-Ausschusses im Börsenverein.

Meldungen: Die Frankfurter Buchmesse schickt zum Gedenken an den 1995 verstorbenen Autor Michael Ende (mehr) eine 40 Exponate umfassende Wanderausstellung weltweit auf Reise. Zuguterletzt: Welche sechs Bücher neu auf den Hardcover-Bestsellerlisten sind.

Die Buchmacher vom 15.03.2004 - buchreport.express

"Die Preisbindung braucht eine neue Ausrichtung", titelt der Buchreport. Immer wieder gerieten "schwarze Schafe" mit ihren Marketingmaßnahmen in Konflikt mit dem Regelwerk. Unter anderem fielen in der Vergangenheit der Bertelsmann Club mit zeitgleichen Parallelausgaben, Amazon und buch.de mit Gutscheinen negativ auf. Preisbindungstreuhänder Dieter Wallenfells sieht die breiter werdende Palette der Nebenmärkte, das Mitmischen von Branchenfremden, als eine Ursache für die Häufung der Preisbindungs-Verstöße.

Die Mitarbeiter des Berliner Kindler Verlags ziehen dieser Tage nach Reinbek um. Dass unter dem Rowohlt-Dach die Zusammenarbeit der Verlage verbessert; Programm und Vertrieb besser aufeinander abgestimmt werden, wünscht sich Rowohlt-Chef Alexander Fest. "Die Zahl der Kindler-Sachbuchnovitäten werden ab dem kommenden Herbstprogramm zugunsten der unterhaltsamen Belletristik reduziert - ein Schritt, der insbesondere die Verwertbarkeit der Kindler-Hardcover im Rowohlt-Taschenbuch verbessern dürfte", kommentiert der Buchreport die bevorstehenden Veränderungen. Neue Programmleiterin wird die bisherige Kindler-Lektorin Ulrike Beck.

Bloomsbury baut sein deutsches Engagement beim Berlin Verlag aus. "Nachdem die deutsch-britische Allianz im Herbst ihr Portfolio um Bloosmsbury Kinder- und Jugendbuch erweitert hat, startet in diesem Herbst Bloomsbury Berlin: Mit populären Romanen und Sachbüchern soll das Imprint unter anderem den Berlin Taschenbuchverlag mit Lizenzen stärken", berichtet der Buchreport. Sieben Hardcover werden zum Auftakt unter der als Cheflektorin angeheuerten Dorothee Grisebach (früher Droemer Weltbild) erscheinen, darunter Titel von Mirjam Pressler, Ben Schott und Susanna Clark. Der Berlin Verlag, der 2003 rote Zahlen geschrieben habe, muss sein scharfes Profil bewahren und expandieren, um bestehen zu können, erläutert Verleger Arnulf Conradi die Pläne.

Elke Heidenreich
hat vorgemacht, wie sich Bücher via TV vermarkten lassen. Und auch der Bertelsmann Club, der letztes Jahr sein Image mit Fernsehwerbung aufpolieren wollte, ist mit der Resonanz zufrieden. Jetzt stehen gleich drei Verlage - Lübbe, DTV und der Süddeutsche Verlag - mit eigenen Werbe-Clips in den Startlöchern und lassen sich das "bis zu 150.000 Euro für 30 Sekunden zur Prime Time" kosten. Bisher hätten Verlage angesichts der hohen Produktionskosten und Einschaltpreise für TV-Spots nur vereinzelt den Schritt ins Medium der bewegten Bilder gewagt, schreibt der Buchreport.

Manholt wandert komplett unter das Dach des Deutschen Taschenbuch Verlags. Das Programm des kleinen Verlags, auf französische Literatur vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart spezialisiert, soll mit der Reihe "Edition Manholt im DTV" fortgesetzt werden. Manholt-Verleger Dirk Helmjeoltmanns werde künftig wie ein freier Lektor arbeiten und als Herausgeber der Reihe wirken, erklärte DTV-Verleger Wolfgang Balk dem Buchreport. Bei DTV erscheinen schon Reihen der Verlage Hanser und Beck. In den achtziger und neunziger Jahren auch die später eingestellte Reihe "Manesse bei DTV".

Personalien: Walter Fuchs wird neuer Geschäftsführer des Pabel-Moewig Verlags, Sabine Dörrich neue Geschäftsführerin der Personalagentur Naumczyk. Eva Hauck und Claudia Huboi, ehemalige Lektorinnen bei Ullstein und Taschen, haben sich in Berlin mit dem Redaktionsbüro 360 Grad selbstständig gemacht, das Komplettbetreuung von Buchprojekten anbietet. Hubertus Brockhaus tritt die Nachfolge von Prof. Dr. Bert Rürup als Aufsichtsratsmitglied der Börsenverein des Deutschen Buchhandels Beteiligungsgesellschaft an.

Meldungen: Der auf Esoterik spezialisierte Schirner Verlag hat einen eigenen Taschenbuchverlag gegründet. Und: Was sich auf den Bestellerlisten tut.

Die Buchmacher vom 08.03.2004 - buchreport.express

Weltbild hat seine Beschwerde gegen die Fusion von Random House und Heyne beim OLG Düsseldorf zurückgezogen und damit findet die "Elefantenhochzeit" statt. Gründe für die Aufgabe ließ Weltbild nicht verlauten. Unter anderem hätte die Augsburger Verlagsgruppe befürchtet, der neue Branchenriese würde bei der Lizenzvergabe seine Konzernschwester Bertelsmann Club - direkter Konkurrent von Weltbild - bevorzugen, schreibt der Buchreport, der von Gesprächen zwischen Kläger und Angeklagtem weiß. "Möglich ist auch, dass die Augsburger einen Fingerzeig von den Düsseldorfer Richtern erhalten haben, dass die Erfolgsaussichten ihrer Klage gering waren."

Die beiden großen Billigheimer entdecken den Wert des Taschenbuchs neu. Sowohl Weltbild als auch der Bertelsmann Club bauen ihr Taschenbuchangebot aus und nutzen den Preisvergleich mit der Hardcover-Originalausgabe. Die Differenz erreiche oft bis zu 60 und 70 Prozent, erläutert der Buchreport. "Wenn Novitäten, die auf der Spiegel-Bestsellerliste stehen, mehr als 20 Euro kosten, verwundert es nicht, dass Kunden, die früher bereitwillig gebundene Ausgaben gekauft haben, jetzt bis zum Erscheinen des preiswerteren Taschenbuchs warten."

Englischsprachige Originalausgaben werden billiger. Der Hamburger Petersen Buchimport hat die Preise für US-Bücher um bis zu 20 Prozent gesenkt und begründet dies mit der "Stabilisierung des Dollarkurses" und dem "Ziel, den Preisvorteil an Buchhändler und Endkunden weitergeben zu wollen". Viele amerikanische Taschenbücher rutschten nun unter die 10-Euro-Schwelle, rechnet der Buchreport vor.

Für 7,40 Euro fand der Buchreport das Hörbuch zu "Harry Potter V" (Hörverlag) letzte Woche bei Ebay. 99,95 Euro ist die Preisempfehlung. Die Preiskämpfe gelten Hörverlags-Chefin Claudia Baumhöver als warnendes Menetekel: "Sie zeigen, was mit Büchern passieren würde, wenn wir die Preisbindung nicht hätten."

Personalien: Dr. Siv Bublitz wechselt zum 1. Mai als Nachfolgerin von Doris Janhsen an die Spitze der Verlage Claassen / List.

Meldungen: Die Süddeutsche Zeitung wird den ersten Teil der SZ-Bibliothek, Milan Kunderas "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins", ab 20. März als Köder an 3000 Zeitungskiosken und im Bahnhofsbuchhandel verschenken. Im Februar verzeichnet der Buchhandel nach Buchreport-Umsatztrend mit einem Minus von 0,43 Prozent eine rote Null.

Die Buchmacher vom 01.03.2004 - buchreport.express

Der Bertelsmann Club wagt sich weiter auf fremdes Terrain vor. Nachdem er zu Beginn des Jahres den Bücher-Bestellservice startete, über den Club-Mitglieder alle auf dem Buchmarkt lieferbaren Titel online oder per Telefon-Hotline zum Ladenpreis ordern können, weitet der Club das Angebot jetzt auf die 214 Club-Filialen aus. Damit stärke Club-Geschäftsführer Rainer Wittenberg seinen wichtigsten Vertriebsweg, schreibt der Buchreport. "Ziel ist es mit Sicherheit aber auch, von den üblichen Rabatten des Buchhandels zu profitieren und so die Verluste des Clubs weiter zu reduzieren."

Harry Potter V verursacht derzeit ein unüberschaubares Chaos am Markt. Die nicht preisgebundene Originalausgabe (Richtpreis: 24,90 Euro) wird bei Amazon und Weltbild beispielsweise für 8,90 Euro verschleudert. Das ärgert besonders den Berlin Verlag, der die englischsprachige Taschenbuchausgabe ab Juni für 12,50 Euro anbieten wird. Das ebenfalls nicht preisgebundene Hörbuch (Richtpreis: 99,95 Euro) gibt's bei Hugendubel schon für die Hälfte. Am dreistesten ging nach Buchreport-Recherchen ("Ich bin doch nicht blöd"-Elektrofachhandel) Media Markt vor: Eine Filiale stempelte einwandfreie Restbestände ihrer Hardcover kurzerhand als Mängelexemplare und verkaufte sie zu Ramschpreisen. Preisbindungstreuhänder Dieter Wallenfells und Carlsen hätten bereits Abmahnungen geschrieben, heißt es.

Der Buchhandel wird in das Konzept der SZ-Bibliothek (siehe auch Börsenblatt) eingebunden. Anders als in Italien sei es in Deutschland rechtswidrig, den Verkauf der Bücher an den Kauf der Zeitung zu koppeln, meldet der Buchreport. Die Reaktionen im Handel seien bisher verhalten, von Euphorie keine Spur. Filialisten wie Thalia, Gondrom oder Habel wollten mitmachen, Hugendubel prüfe noch das Angebot. Auflagenzahlen ließ sich Projektleiter Klaus Josef Lutz nicht entlocken. Man behalte sich vor, die Auflagenplanung je nach Erfolg zu modifizieren. Zwischen 10.000 und 40.000 Euro soll der Süddeutsche Verlag übrigens pro Lizenz geboten haben.

Taschenbücher werden billiger. Im Durchschnitt kosten die insgesamt 563 Neuerscheinungen aus 30 Verlagen im März 2004 1,82 Prozent weniger als im Vorjahresmonat, hat der Buchreport errechnet. Der Mittelwert bleibe mit 9,19 Euro unter der 10-Euro-Schwelle. Der Taschenbuch-Ausstoß sei um 1,75 Prozent zurückgegangen. Die meisten Novitäten bringe dtv heraus, gefolgt von Goldmann, Bastei Lübbe und Rowohlt.

Für Reiseverlage war 2003 eines der härtesten Jahre der Nachkriegsgeschichte. Der Buchreport beruft sich auf eine Studie des Marktforschungsinstituts GfK, nach der die Reiseführerumsätze vergangenes Jahr um 10 Prozent gesunken sind, die Absätze um 3,5 Prozent. Für den gesamten Buchumsatz gibt die GfK gegenüber 2002 ein Umsatzminus von 4,4 Prozent an.

Personalien: Dr. Doris Janhsen, zurzeit Verlagsleiterin von List und Claassen, wird im September ihren neuen Job bei Droemer als zweite Verlagsleitung neben Beate Kuckertz antreten und hier den Bereich der anspruchsvollen Unterhaltung ausbauen. Thomas Hopfe, Verlagsleiter im Bereich Medizin bei Springer, hat das Unternehmen Ende Februar auf eigenen Wunsch verlassen.

Meldungen: Irland lässt sich die 100. Wiederkehr des fiktiven "Bloomsday" (16. Juni 1904) aus James Joyce "Ulysses" eine Million Euro kosten und feiert seinen berühmten Literaten mit fünfzig Festen. Höhepunkt der Veranstaltungen ist ein "Bloomsday"-Frühstück am 13. Juni, zu dem die Dubliner Stadtverwaltung 10.000 Gäste kostenlos einlädt (mehr). Die Stadt Frankfurt ehrt S. Fischer-Verlegerin Monika Schoeller mit der Goethe-Plakette. Das Geschäftsjahr 2003 schloss Hugendubel nicht, wie der Buchreport in seiner letzten Ausgabe bekannt gab, mit einem Minusumsatz von 3,2 Prozent ab, sondern mit einem Plus von 1,5 Prozent. Und zum Schluss: die Bestsellerlisten.

Die Buchmacher vom 23.02.2004 - buchreport.express

Buchkäufer wollen Orientierungshilfen. Diesen Schluss zieht der Buchreport aus dem Erfolg der Heidenreichschen Buchempfehlungen: 13 Titel aus ihrer "Lesen!"-Sendung finden sich zurzeit in den "Top 50" der Bestsellerlisten. Gründe für die Ratlosigkeit der Kunden seien die Reduzierung der Verlagswerbung, größer werdende Verkaufsflächen und die abnehmende Verweildauer von Neuerscheinungen. Den Literaturkritikern wirft der Buchreport vor, dass ihre Besprechungen oft mehr der eigenen Profilierung dienten, als der Orientierung der Leser. Das breite Lesepublikum lasse sich zunehmend durch die Massenmedien, etwa die Bild-Zeitung, erreichen. "Die Verlage müssen verstehen, diese Medien für ihre Bücher zu interessieren". Hier der vollständige Artikel.

Hugendubel will mit "Geiz ist geil" auf die Füße kommen. Zur neuen Preisoffensive des Filialisten, der 2003 mit einem flächenbereinigten Minus von 3,2 Prozent abschloss, gehören ein regelmäßig erscheinender "Schnäppchen-Guide", gezielte Sonderangebote in einem festgelegten Zeitraum mit Vorankündigung a la Ikea, die Kombination preisgebundener und nicht preisgebundener Artikel (sie erweckt den Eindruck, bei Hugendubel sei alles billig) und ein besonderes Angebot am Donnerstag, vergleichbar mit dem Aldi-Mittwoch. Obwohl von Hugendubel nicht kommentiert, sei kaum zu übersehen, dass die Kampagne langfristig angelegt sei, schreibt der Buchreport. "Die ganzjährige Billig-Strategie ist bisher bei den klassischen Sortimentern ohne Vorbild (...), vergleichbare Lockversuche gibt es allerdings im Internet-Buchhandel." Hier der vollständige Artikel.

Die große Resonanz auf das BBC-Projekt "The Big Read" vor Augen, will das ZDF im Herbst mit der Aktion "Unser bestes Buch" auf Sendung gehen. Details zum Konzept konnte der Buchreport der ZDF-Presseabteilung noch nicht entlocken. In Großbritannien gaben letztes Jahr sowohl Prominente als auch das Fernsehpublikum für eine Top 100-Liste Buchvorschläge ab. 750.000 Briten wählten schließlich - nein, nicht "Harry Potter" - Tolkiens "Herrn der Ringe" zu ihrem Lieblingsroman. "Der Buchhandel (...) erlebte einen nicht erwarteten Run. Allein Waterstones verkaufte von Mai bis Oktober rund 750.000 Exemplare aus den Top 100."

Die Deutsche Bahn hat Schuld. Diesmal an der schlechten wirtschaftlichen Situation der Bahnhofsbuchhändler. Der Gesamtumsatz der Branche - rund ein Viertel zieht sie aus dem Verkauf von Büchern - sei nach einem schlechten Jahr 2002 in 2003 noch einmal um 3,5 Prozent eingebrochen, klagt Götz Grauert, Vorsitzender des Verbands der Deutschen Bahnhofsbuchhändler, im Buchreport. Ins Kontor habe nicht nur die allgemeine Knappheit in den Geldbörsen der Bürger geschlagen, sondern auch die ärgerlichen Verspätungen und die undurchsichtige Preispolitik der Bahn.

Personalien: Andrew Phillips ist nach dem Abschied von Geschäftsführer Daniel Brücher neuer Chef von Dorling Kindersley Deutschland. Die Eichborn AG beruft Programmleiter Matthias Bischoff zusätzlich in den Aufsichtsrat.

Meldungen: Das Lesefestival der Spannungsliteratur, die "Criminale", prescht diesmal mit 100 Veranstaltungen (Vorjahr: 40) vor (hier das Programm). buecher.de und booxtra.de schließen sich unter dem Namen buecher.de GmbH & Co. KG zusammen, treten ihren Kunden aber weiterhin als zwei unterschiedliche Shops entgegen.

Die Buchmacher vom 16.02.2004 - buchreport.express

Gedämpft optimistisch geben sich die Verlagsvertreter nach ihrer Frühjahrsreise. Insgesamt schlage sich die leicht verbesserte Grundstimmung im Sortiment bei den meisten Verlagen nur zögerlich auf den Einkauf durch. Einer Vertriebsleiter-Umfrage zufolge beurteilten 30 Prozent der Verlage die Ergebnisse der Vertreterreise als "gut", zehn Prozent als "enttäuschend", teilweise sogar "entmutigend", und fünf Prozent als "schwierig". Der Gewinner im Buchhandel, konstatiert der Buchreport, scheine einmal mehr das Hörbuch zu sein. Hier ist der Vertrieb durchweg "zufrieden".

In den USA bringt der erste große Publikumsverlag seine Bücher direkt an den Endverbraucher - und die ganze Branche schaut hin. Verhalten habe Penguin Putnam den Direktverkauf gestartet, Bücher würden vorerst zum empfohlenen Ladenpreis plus Porto verschickt, berichtet der Buchreport. Vornehmlich unabhängige US-Buchhändler seien frustriert und angespannt, fürchteten, dass Penguin Vorreiter für einen neuen Trend sein könnte. "In Deutschland steht das Gros der Verlage zum Buchhandel. Vor allem Publikumsverlage (Hanser, Suhrkamp) verweisen an örtliche Sortimenter."

Die Süddeutsche Zeitung bastelt im stillen Kämmerlein an ihrer 50-bändigen Klassiker-Reihe (siehe auch Archiv). "Während sich die SZ von der durch aufwändige Werbemaßnahmen flankierten Aktion eine Auflagensteigerung sowie zusätzliche Einnahmen durch den Buchverkauf verspricht, droht den Taschenbuchverlagen das Gegenteil", erklärt der Buchreport. Fest stehe der konkurrenzlos günstige Preis von 4,90 Euro pro Titel und, dass jeweils zehn Titel von Suhrkamp, Hanser und Diogenes dabei seien. Gerüchteweise will die Süddeutsche am 20. März mit Kunderas "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" loslegen.

Verbrechen zahlen sich aus, meint Rainer Uebelhöde und räumt dem Krimi in seinem Buchreport-Kommentar neue Chancen ein. Das Genre habe lange unter einem Schmuddelkind-Image gelitten. Mittlerweile animiere der ständig wachsende Markt, abseits der herausgeschleuderten Massenware, zunehmend literarische Autoren (etwa Thomas Hettche, Thea Dorn, Matthias Altenburg). Diese könnten dem Krimigenre, "das im puren Overkill der zumeist mit Lizenzen aus dem angelsächsischen Sprachraum gespeisten Novitätenflut lange Zeit in der Beliebigkeit unterzugehen drohte, neuen Glanz verleihen."

Elke Heidenreich ist mit ihrer "Lesen!"-Sendung (ZDF) weiterhin Spitzenreiterin der Büchermagazine - zuletzt verbuchte sie eine Einschaltquote von 1,68 Millionen Zuschauern (7,7 Prozent Marktanteil). "Lesen!" soll in 2004 insgesamt sechs Mal über die Fernsehschirme laufen.

Personalien: Suhrkamp hat eine der einflussreichsten und anspruchsvollsten Positionen des Literaturbetriebs neu besetzt: Vier Wochen nachdem Thorsten Ahrend seine Stelle als Lektoratsleiter "Neue Deutsche Literatur" gekündigt hat, wurde mit Charlotte Brombach eine Nachfolgerin aus dem eigenen Nachwuchs rekrutiert.

Meldungen: Die britische Polizei hegt den Verdacht, dass Elaine Hawking ihren Ehemann, den an den Rollstuhl gebundenen Wissenschaftler und Autor Stephen Hawking, misshandelt hat - das Paar schweigt sich aus. Der spanische Autor Arturo Perez-Reverte wird in seiner Heimat vom Vorwurf des Plagiats freigesprochen. Andre Rettberg, ehemaliger Chef der 2002 Konkurs gegangenen Libro AG (Österreich) und "Manager des Jahres 1999", ist untergetaucht. Ihm wird vorgeworfen, fünf Millionen Euro veruntreut zu haben. "Harry Potter" rutscht auf der Belletristik-Bestsellerliste wieder einen Platz nach unten - wer es diesmal überraschenderweise auf den zweiten Platz schafft und die anderen Platzierungen: hier.