Die Buchmacher - Archiv

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281 Presseschau-Absätze - Seite 18 von 29

Die Buchmacher vom 07.07.2004 - buchreport.express

buchreport.express vom 1. Juli 2004

Während das Börsenblatt sich weitaus vorsichtigerer Formulierungen bedient, ist der Deal für den Buchreport so gut wie perfekt: Branchen-Primus Thalia verleibt sich mit großer Wahrscheinlichkeit die insolvente Buchhandelsgruppe Bouvier-Gonski mit ihren sieben Filialen in Bonn, Köln und Siegburg (Hamm gehört nicht zum Wunschpaket) ein. Mit einem Widerspruch des Kartellamts sei nicht zu rechnen, glaubt der Buchreport und rechnet vor, dass der Umsatz der Thalia Holding (zuletzt 382,9 Mio. Euro) um 52,3 Mio. Euro auf beinah eine halbe Milliarde Euro wachsen wird, aber mit rund fünf Prozent am Gesamtumsatz weit hinter der kartellrechtlich-kritischen Schallmauer von circa 30 Prozent zurückbleibt. Die Zahlen sprechen für sich: "Ist die Übernahme unter Dach und Fach, trennen 219 Mio. Euro die Nummer 1 im deutschen Buchhandel von Verfolger Hugendubel (216,2 Mio. Euro)."

Tipps für reichlich Lesestoff halten Elke Heidenreich und ihr Gast, Zeit-Chefredakteur Michael Naumann, morgen für die Zuschauer der 60-minütigen "Lesen!"-Sonderausgabe bereit. 38 Titel will die Heidenreich in der Auftaktsendung für die ZDF-Aktion "Unsere Besten - Das große Lesen" ansprechen, geordnet nach den Genres "Internationale Klassiker", "Literatur des 20. Jahrhunderts", "Kinderbuch-Klassiker", "Aktuelle Literatur" und "Spannungsliteratur". Weitere Infos auf der "Lesen!"-Homepage.

Der PISA-Schock ist noch nicht verwunden. Deshalb wirbt Georg Ruppelt, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Lesen, mit Nachdruck für eine zentrale, staatlich finanzierte Leseförderung. An die deutschen Verlage appelliert er um eine Unterstützung seines Vorhabens: "Sollten wir uns durchsetzen können, profitiert auch die Buchbranche von einer verstärkten Leseförderung." Die Chancen seien, schätzt Ruppelt in einem Zwischenfazit nach Gesprächen mit Politikern ein, nicht schlecht.

Auf Unverständnis ist Bill Clintons Autobiografie (mehr im Perlentaucher-Archiv) bei den Neuseeländern gestoßen. Nach deren Landsmann, dem Mount Everest-Bezwinger Sir Edmund Hillary, soll, schreibt der amerikanische Ex-Präsident in seinen Memoiren, seine Ehefrau benannt worden sein. Komisch nur, dass Mrs. Clinton sieben Jahre vor der berühmten Bergbezwingung auf die Welt kam... Kleine sachliche Fehler scheinen das Interesse an den Clinton-Aufzeichnungen nicht zu mindern. Sie stiegen diese Woche auf Platz 30 der Spiegel-Bestsellerliste ein - im Original (das schafften vorher nur Rowlings "Harry Potter V" und Moores "Dude, where is my country?"). Auf Deutsch erscheinen die Memoiren des Ex-Präsidenten, wie berichtet, kommenden Donnerstag.

Nicht nur das Geschäft mit Promi-Biografien boomt. Immer mehr "kleine Leute" wollen ihre Lebensgeschichte zwischen zwei Buchdeckeln lesen, verfilmt sehen oder oder auf CD gepresst hören, schreibt der Buchreport. Kostenfaktor: ab 800 Euro aufwärts.

Die Novitätenflut ist für den Buchhandel ein ernsthaftes Problem geworden. Warum, das erklärt David Wengenroth auf der Meinungsseite des Buchreports. Kunden fehle die Orientierung. Das zeige unter anderem die Bereitwilligkeit, mit der sie den Empfehlungen von Bücherfee Elke Heidenreich folgten. Die Konsequenzen der Orientierungslosigkeit träfen am härtesten die Kleinsortimenter, die mit dem Pfund der individuellen Kundenberatung wuchern, fürchtet Wengenroth. Verleger und Buchhändler seien in ihrer Fähigkeit gefordert, Menschen wieder für ihre Bücher zu begeistern. Der Schlüssel dazu: inhaltliche Qualität, offensives Marketing und konsequente Kundenorientierung.

Personalien: In Nachfolge von Rainer Moritz, der ins Literaturhaus Hamburg gewechselt hat, ist der ehemalige Suhrkamp-Geschäftsführer Günter Berg als Programmchef in die Führungsriege des Hoffmann und Campe Verlags eingestiegen. Den neu eingerichteten Job der kaufmännischen Verlagsleiterin bei HoCa bekam Babette Büssgen (früher: Spiegel Online).

Meldungen: Kunstbuchhändler Walther König erhöht mit vier Neueröffnungen in diesem Jahr die Zahl seiner Filialen auf 25. Der zum vierten Mal erstellte Bibliotheken-Index (BIX) hat eine im Durchschnitt rückläufige Zahl der zur Verfügung stehenden Medien pro Einwohner nachgewiesen - Grund sind die durch die defizitären Haushalte der Kommunen auferlegten Sparmaßnahmen.

Die Buchmacher vom 28.06.2004 - buchreport.express

Mit einem aktuellen Urteil des Bundesgerichtshofs im Fall der Übersetzerin Karin Krieger gegen den Piper Verlag sind die Rechte der Übersetzer gestärkt worden. "Nach der BGH-Entscheidung sind Übersetzungsverträge nicht als Bestell-, sondern als Verlagsverträge zu werten - was die Verlage verpflichtet, Übersetzungen auch tatsächlich zu verbreiten", erklärt der Buchreport. "Endlich müssen Verlage sorgsam mit unserem geistigen Eigentum umgehen", freute sich Klägerin Krieger. Jetzt stehe schwarz auf weiß fest, dass Übersetzer Urheber seien.

Die deutsche Bonnier Holding hat sich beim Bundeskartellamt über Random House beschwert. Im Zuge der Aufteilung von Ullstein Heyne List sind Bonnier die Taschenbuch-Reihen Heyne Fantasy und Heyne Esoterik zugesprochen worden. Bonnier wirft Random House nun vor, aus diesen Reihen erfolgreiche Titel rausgepickt und in der hauseigenen Allgemeinen Reihe des Heyne-Taschenbuchs platziert zu haben.

Joanne K. Rowling hat's mit "Harry Potter" vorgemacht, Bill Clinton (siehe auch Börsenblatt) tritt mit großer Wahrscheinlichkeit in ihre Fußstapfen: als Autor eines globalen Bestsellers. Im Falle des amerikanischen Ex-Präsidenten scheinen Zeitpunkt, Story und Vermarktung zu stimmen. Die deutschen Publikumsverlage, bemerkt der Buchreport, beobachten das Geschäft mit Argusaugen (Econ, heute zu Bonnier gehörend, soll 1,3 Mio Dollar für die Lizenz gezahlt haben) und warten auf die Chance, den nächsten Global-Seller ins eigene Programm zu hieven. Doch: "Wer auf den alleinigen Bestseller hofft, spielt russisches Roulette", gibt der Buchreport zu Bedenken.

Die Leipziger Buchmesse expandiert. Im kommenden Jahr werden den Ausstellern zwei weitere Hallen zur Verfügung stehen, berichtete Messedirektor Oliver Zille dem Buchreport. Die Schwerpunkte "Kinder, Jugend, Bildung", "Comic", "Hörbuch" und "Reisen" sollen ausgebaut und räumlich entzerrt werden. Mit Hilfe einer Hamburger Agentur hat die Buchmesse eine neue Werbelinie entwickelt, die schließlich auch mehr Besucher anziehen soll. Dass Potenzial für Besucherzuwächse vorhanden ist, bezweifelt Zille nicht.

Bodo Kirchhoff ("Schundroman", "Parlando") strebt nach Höherem und will es mit Elke Heidenreich und deren Büchersendung "Lesen!" (ZDF) aufnehmen. Im Buchreport-Interview kündigte er an, sich dafür einzusetzen, dass sein Literatur-Talk "Parlando" (früherer Titel: "cult.date") auf lange Sicht über die ARD (zur Zeit: Hessischer Rundfunk) ausgestrahlt werde. Bei seiner letzten Sendung konnte Kirchhoff rund 50.000 Zuschauer interessieren.

Personalien: Der ehemalige Präsident Jugoslawiens, Slobodan Milosevic, möchte sich von Autor Peter Handke (mehr im Perlentaucher-Archiv) vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag entlasten lassen. Handke ist nach Medienberichten "nicht abgeneigt", in den Zeugenstand zu treten.

Meldungen: Band 15 der SZ-Bibliothek ist gerade frisch ausgeliefert, das Konzept längst aufgegangen. Der Süddeutsche Verlag kann sich für, nach eigenen Angaben, 6,5 Millionen verkaufte oder vorbestellte Exemplare im Rahmen der Werbeaktion feiern. Wer Donna Leons neuen "Brunetti" von Platz 1 der Belletristik-Bestsellerliste verdrängt hat, hier.

Die Buchmacher vom 21.06.2004 - buchreport.express

Der Buchreport hat die Vorschauen durchgeblättert und orakelt, was der Buchherbst 2004 bringen wird: "Die Programme formieren sich um große Namen, die mit viel Aufwand im Buchhandel inszeniert werden. Im Vergleich zum schwachen Frühjahr glänzen insbesondere die Perlen der nationalen und internationalen Literatur: führend sind im Herbst Rowohlt und S. Fischer." Im Schatten der Autoren-Riesen bleibe im Gegenzug wenig Licht für den Nachwuchs.

Den Verlagsvorschauen selbst sagt der Buchreport keine große Zukunft voraus. Sie überforderten in ihrer pompösen Aufmachung immer mehr Buchhändler. Der mit den Vorschauen betriebene Aufwand gehe somit ins Leere. Einer Umfrage zufolge haben weit mehr als die Hälfte der Empfänger die Pakete, Päckchen und Umschläge mit den Programmankündigungen für den Herbst noch nicht geöffnet, weitere rund 20 Prozent der Buchhändler haben sie zwar ausgepackt, wissen aber nicht, ob und wann sie zur Lektüre kommen. Eine Alternative zum Papierwust könnten Online-Vorschauen sein. Sie sind zudem kostengünstiger für die Verlage und können aktualisiert werden. Die britische Penguin-Group macht's in diesem Herbst vor.

Die städtischen Bibliotheken sind ob der Sparzwänge der Kommunen unter Druck. Eine Bücherei, die Stadtbibliothek Gütersloh, hat bereits einen Ausweg aus der Misere gefunden. Sie wurde mit Unterstützung der Bertelsmann Stiftung privatisiert und in eine GmbH verwandelt. In Dresden soll, als Pilotprojekt, eine solche Privatisierung in Partnerschaft mit regionalen Bildungsbetrieben vonstatten gehen.

S. Fischer hat sich von seiner Berliner Tochter, der Nicolaischen Verlagsbuchhandlung, getrennt. Laut S. Fischer-Geschäftsführer Lothar Kleiner habe Nicolai mit seinem spezifischen Programm nicht mehr ins Portfolio gepasst. Der 300 Jahre alte Verlag - 1995 wechselte er in den Hand der Holtzbrinck-Gruppe, 1997 wurde er den S. Fischer Verlagen zugeordnet - befindet sich ab sofort im Besitz von Andreas von Stedmann, gleichzeitig Geschäftsführer des DuMont Reiseverlags. Den Verlagskauf bewerte Stedmann als rein privates Engagement, heißt es im Buchreport. Als Geschäftsführer setzt der neue Verlagsbesitzer Dieter Castenow ein, Programmchef bleibt Hans von Trotha.

Thorsten Ahrend, bisher Lektor für deutschsprachige Literatur bei Suhrkamp, geht als Programmleiter zum Göttinger Wallstein Verlag. "Fünf Autoren gehören zu seinem Tross", erzählt der Buchreport. "Andreas Maier, Heinz Ludwig Arnold, Adolf Endler, Martina Hefter und Fred Wander bilden den Stamm für die neue literarische Ausrichtung bei Wallstein." Die Tageszeitung Die Welt traut Ahrend zu, aus Wallstein "eine erste Adresse" machen zu können.

Personalien: Bill Bryson ist für seinen populärwissenschaftlichen Abriss "Eine kurze Geschichte von fast allem" (mehr) mit dem mit 10.000 Pfund dotierten Aventis Preis, dem einzigen Literaturpreis für wissenschaftliche Bücher auf der Insel, ausgezeichnet worden.

Zum Schluss: die Bestsellerlisten.

Die Buchmacher vom 14.06.2004 - buchreport.express

Der Wettbewerb im Taschenbuch zieht an. Das hat zwei Gründe: Zum einen verschafft der Preisanstieg im Hardcover, dem die "latente Schnäppchenjäger-Mentalität des Publikums" gegenüber steht, dem preiswerteren Paperback zusätzliche Chancen. Zum anderen seien durch die Heyne-Übernahme von Random House und die Übernahme der Taschenbuchverlage Ullstein, Econ und List von Bonnier neue Machtstrukturen entstanden, schreibt der Buchreport.

Am 25. Juni erfahren die deutschen Buchhändler, wie's um ihre Kundschaft bestellt ist. Dann veröffentlicht die Agentur Freising & Partner die Ergebnisse der Erhebung "Bücherkauf 2004", für die 1500 Käufer in Sortimentsbuchhandlungen befragt wurden. Ein erstes Fazit zieht der Buchreport in seiner aktuellen Ausgabe: Nur noch jeder dritte Leser lasse sich im Buchhandel über Neuerscheinungen informieren (1992 waren's immerhin 54 Prozent). An Einfluss auf Kaufentscheidungen gewonnen hätten das Internet, Print-Medien sowie Empfehlungen durch Freunde. Die absolute Mehrheit der Befragten würde auch einen höheren als den aktuellen Preis eines Buches bezahlen - so das Buch den Preis wert sei.

Nicht nur die Musik- und Filmbranche sind nunmehr Opfer von Produktpiraterie. Auch Buchverlage beklagen die zunehmende Verbreitung illegaler Buch- und Hörbuchkopien im Internet. "Im Hörbuchbereich treten sogar Phänomene auf, die wir nicht einmal aus der Musikbranche kennen", erzählte Rechtsanwalt Björn Frommer dem Buchreport. So würden nicht nur einzelne Titel, sondern ganze Werksammlungen sowie komplette Serien zu Schleuderpreisen feilgeboten - bis hin zu Festplatten voller illegal kopierter Hörbücher.

Die einzige Buchhandels-Warengruppe, die in 2003 neben der Belletristik ein Wachstum verzeichnete, ist das Hörbuch. Dass der Hörbuchmarkt überschätzt wird, behauptet Martin Pfaff, Betreiber der Internetdatenbank hoergold.de. Falls etwas in diesem Markt boome, dann nur die Anzahl der Hörbuchverlage, erklärt er im Buchreport. Inzwischen gebe es zwar eine Menge Titel, doch nur die wenigsten verkauften sich gut. Branchenprimus HörVerlag schätzt den Gesamtumsatz, den die rund 500 Hörbücher produzierenden Verlage im letzten Jahr machten, auf magere 35 Mio. Euro. Der Marktanteil der Hörbücher am gesamten Buchmarkt bleibt mit unter drei Prozent marginal.

Die FAZ-Gruppe hat das vergangene Jahr mit Verlusten abgeschlossen. Der Umsatz sank um satte 19 Prozent auf 458 Mio. Euro, wie aus dem kürzlich veröffentlichten Geschäftsbericht hervorgeht. Neben dem schwächelnden Anzeigengeschäft im Zeitungsbereich hätten auch die Buchtöchter des Medienkonzerns zu den Einbußen beigetragen, fasst der Buchreport, den das Ergebnis nicht überrascht, zusammen. Das Unternehmen - u.a. hält es Beteiligungen am Manesse, Prestel und Kösel Verlag - hat sich im Zuge des seit zwei Jahren gefahrenen Konsolidierungskurses bereits von der Buchhandelskette Habel getrennt. Der darüber hinaus geplante Verkauf der ebenfalls zur FAZ-Gruppe gehörenden Deutschen Verlags-Anstalt ist an fehlendem Käuferinteresse gescheitert.

Ray Bradbury (mehr) ist sauer auf seinen Landsmann und Autoren-Kollegen Michael Moore (mehr). Der habe für den in Cannes preisgekrönten Film "Fahrenheit 9/11" den Titel seines Romans "Fahrenheit 451" geklaut und die Zahlen ausgewechselt, ohne jemals um Erlaubnis zu fragen, ärgert sich Bradbury und schimpfte Moore in einem Interview mit einer schwedischen Zeitung einen "dämlichen Drecksack".

Personalien: Wilhelm Genazino (Buchbesprechungen im Perlentaucher-Archiv) wird am 23. Oktober die höchste Auszeichnung im deutschen Literaturbetrieb, der Büchner-Preis, zuteil. Hier eine Auflistung aller Büchner-Preisträger.

Meldungen: Großbritanniens prestigeträchtigste literarische Auszeichnung, der Man Booker Prize, wird allen Widerständen auf der Insel zum Trotz in 2005 international. Zum zehnjährigen Bestehen hat das Online-Archiv Gutenberg-DE die ersten beiden Titel einer Taschenbuch-Reihe veröffentlicht, in der künftig vergessene oder vergriffene Klassiker erscheinen sollen. Der designierte Bundespräsident und der ehemalige Sicherheitsberater des Weißen Hauses sind mit ihren Büchern neu auf den vorderen Rängen der Spiegel-Bestsellerliste. Was sich sonst noch in den Top 50 getan hat, hier.

Die Buchmacher vom 07.06.2004 - buchreport.express

Auch der Buchreport beschäftigt sich mit dem Bertelsmann Club. Die Verträge mit den zurzeit noch rund 80 Partner-Buchhandlungen - sie präsentieren das Club-Programm in ihren Verkaufsräumen und erhalten dafür eine verkaufsabhängige Provision - sollten zu Ungunsten der Sortimenter neu gefasst werden, heißt es in der Titelgeschichte. Geplant sei das Zurückfahren der Provision, die Umlage zentraler Marketingkosten und die Einführung einer Lizenzgebühr.

Diogenes hat mit seiner Amazon-Auslistung (siehe Archiv) an einem Thema gerührt, über das in der Branche geschwiegen wird: die Superrabatte. Fakt ist, dass Verlagsrabatte an Buchhändler, die 50 Prozent übersteigen, gegen die Preisbindung verstoßen. Ob die Schallmauer der Preisbindung in den letzten Jahren nicht längst - wenn auch unbemerkt - durchbrochen worden sei, fragt sich der Buchreport. Aufträge von Amazon, Weltbild oder anderen ganz Großen müssten nämlich nicht öffentlich ausgeschrieben werden, sondern würden von Fall zu Fall und ohne Zeugen ausgehandelt. Selbst im Diogenes-Fall, bleibt offen, was Amazon gefordert hat.

Das Gebrauchtbuch-Geschäft wächst rasant. Wichtiger Umschlagplatz ist das Internet: Über dreistellige Wachstumsraten freut sich das Dresdner Elbeteam, das 1,1 Mio. gebrauchte Bücher online anbietet. Alle 13 Sekunden wird beim deutschen Ebay-Ableger ein Roman ersteigert, alle zwei Minuten ein Hörbuch - Tendenz steigend. "Mittelfristig wird ein Angebot an antiquarischen bzw. gebrauchten Büchern das Neubuchangebot jeder Buchhandlung ergänzen", prognostiziert ZVAB-Chef Rolf von Rheinbaben im Buchreport.

Die EU-Kommission will mehr Geld (bislang jährlich zwischen einer und 1,3 Mio. Euro) für Übersetzer ausgeben. Ob deutsche Übersetzer in den Genuss der Fördermittel kommen würden, daran zweifelt der Buchreport unter Berufung auf einen dpa-Bericht. Darin erklären die Brüsseler Diplomaten, dass gerade die kleineren EU-Länder nicht genügend qualifizierte Übersetzer hätten, um gute Literatur gut zu übersetzen.

Für die Verfilmung von Patrick Süskinds "Parfum", mit der der designierte Regisseur Tom Tykwer schon im vergangenen Jahr anfangen wollte, fehlen immer noch die Hauptdarsteller. An der Gage kann's nicht liegen: Produzent Bernd Eichinger will sich das Projekt 50 Mio. Euro kosten lassen.

Meldungen: Die Buchhandelsumsätze von Mai 2004 sind im Vergleich zum Vorjahresmonat um 8,77 Prozent gesunken, allerdings fehlten in diesem Jahr gegenüber 2003 zwei volle Verkaufstage (hier der vollständige Artikel). In der Warengruppen-Statistik für Mai 2004 hat, verglichen mit dem Vorjahres-Mai, nur das Hörbuch zugelegt, und zwar bemerkenswerte 13,35 Prozent. Thomas Anz hat bei dtv die "erste durchgeschriebene Biografie" von Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki (mehr im Perlentaucher-Archiv) vorgelegt. Die Autobiografie von Johannes Paul II hält sich auf der Bestsellerliste weit oben. Welche Titel es außerdem in die aktuellen "Top 50" geschafft haben, hier.

Die Buchmacher vom 01.06.2004 - buchreport.express

Schon länger ärgern sich die Verlage über Amazon. Stein des Anstoßes ist, dass der Marktführer immer bessere Konditionen verlangt. Eine bevorzugte Behandlung müssen sich Verlage über hohe Werbekostenzuschüsse selbst erkaufen. Jetzt ist es zum Eklat gekommen: Weil Diogenes (derzeit mit sieben Titeln in den Spiegel-Bestsellerlisten vertreten) den Vorstellungen von Amazon nicht mehr folgen mochte, hat der Online-Händler alle Titel des schweizerischen Verlags aus dem Programm genommen. In Zürich wolle man die Amazon-Auslistung durchstehen, auch wenn es weh tut, kommentierte Diogenes-Geschäftsführer Stefan Fritsch. So konsequent dürften nur wenige Verlage denken, vermutet der Buchreport. Den Verlagen sollte bewusst sein, dass solche Vorstöße der Branchen-Riesen (siehe auch Archiv: Weltbild und die Papst-Memoiren) andeuten, wie der Wind künftig wehen könnte.

Die Mitglieder des Börsenvereins fühlen sich hintergangen. Der Vorstand des Verbands habe sich, glauben die Teilnehmer des Branchentreffens "Buchhändlertage", bei der Suche nach einer Lösung seiner Immobilienprobleme an der Basis vorbeigeschlichen. Dabei sollen Umzug, Umbau oder Neubau des Vereinssitzes mit Mitgliedsbeiträgen finanziert werden. "Auch wenn offiziell bisher sechs verschiedene Modelle geprüft werden, scheint der Vorstand intern eindeutige Präferenzen entwickelt zu haben", hat der Buchreport herausgefunden. Für einen Neubau in Frankfurt sei bereits ein teurer Architekten-Wettbewerb ausgeschrieben worden. Das Geld fressende Haus des Buches Leipzig, das dem Börsenverein gehört, wird wohl weiterhin auf eine sinnvolle Nutzung warten müssen.

Nach dem Motto "Alle Filme waren Bücher" will die Frankfurter Buchmesse (hier erste Informationen) diesmal Filmemacher und Verleger an einen Tisch bringen. Rund 30 Produzenten aus den USA, Asien sowie Mittel- und Osteuropa hätten sich bereits zum Branchentreff am Main angesagt, meldet der Buchreport.

Der vor fünf Monaten vom Niederösterreichischen Pressehaus aufgekaufte, ehemals staatliche Residenz Verlag (Salzburg) hat mit einem Zwischenprogramm - ausschließlich neu gestaltete Backlist-Titel - überwintert. Verlagsleiter Herwig Bitsche erklärte dem Buchreport, dass man Zeit gewinnen müsse, um den Verlag neu zu strukturieren. Die bisherigen Programmprofile (Literatur, Sachbuch) sollten weitgehend Bestand haben. Bleibt die Aufgabe des Verlegers, bald zugkräftige Autoren zu etablieren.

Im Sommer 2005 läuft in Österreich das auf fünf Jahre befristete Preisbindungsgesetz aus und es deutet sich an, dass es auch darüber hinaus gelten wird. In der aktuellen Ausgabe des Branchenblatts "Anzeiger" erklärt Kunststaatssekretär Franz Morak, er wolle die unbefristete Weiterführung des Gesetzes vorschlagen und noch in diesem Sommer einen Initiativantrag zur Definitivstellung der Buchpreisbindung ins Parlament einbringen.

Personalien: Der schottische Krimiautor Ian Rankin erhält für "Tore der Finsternis" (Manhattan) den Edgar-Allan-Poe-Award 2004. Taz-Korrespondentin Bettina Gaus wird die Memoiren ihres im Mai verstorbenen Vaters Günter Gaus mit einem persönlichen Rückblick zu Ende schreiben. "Widersprüche - Erinnerungen eines linken Konservativen" soll im Herbst bei Propyläen erscheinen.

Meldungen: Die deutschen Buchclubs haben das vergangene Jahr mit einem Umsatz von 298 Mio. Euro (minus 4,8 Prozent) abgeschlossen. Oscar-Preisträger Roman Polanski plant eine Kinoversion des Dickens-Klassikers "Oliver Twist", die Dreharbeiten für das 45-Mio.-Euro-Projekt sollen am 12. Juli beginnen. Billy Joel tut's Show-Star Madonna nach und schreibt an zwei Kinderbüchern.

Die Buchmacher vom 24.05.2004 - buchreport.express

Weltbild geht in die Offensive und verärgert die Konkurrenz mit dem Papst. "Auf, lasst uns gehen", die Memoiren von Johannes Paul II, deren Rechte Weltbild hält, waren am Erstverkaufstag "entgegen aller Branchen-Usancen" (Buchreport) für alle anderen Buchhändler nicht zu Verlagskonditionen, sondern nur mit verkürztem Rabatt - über die Barsortimente - erhältlich. "Gefährlich und bedenklich", findet Buchhändler Ernst Angerer den einmaligen Vorstoß. Die Barsortimente hätten schon genügend Macht, Verlage sollten diese Macht nicht zusätzlich fördern, argumentierte Angerer im Buchreport. Parallel zur Sondervermarktung der Papst-Memoiren ("lieferbar bei Weltbild und in allen gut sortierten Buchhandlungen", so der Weltbild-Slogan) warben die Augsburger übrigens Neukunden mit einem Folder in Millionenauflage an.

Die diesjährigen Buchhändlertage (18. und 19. Mai in Bonn) waren, nach Einschätzung des Buchreports, weit von einem echten Arbeitstreffen entfernt: "Die zahlreichen, oftmals herzlichen Gespräche am Rande der offiziellen Termine mögen für die jeweiligen Gesprächspartner zwar fruchtbar und konstruktiv gewesen sein. Doch in der Hauptsache hat Bonn keine neuen Erkenntnisse gebracht." Obwohl es durchaus Diskussionsstoff gegeben hätte, seien die Sitzungen friedlich, fast schläfrig verlaufen. Hier der vollständige Artikel.

Buchhändler Dieter Schormann wurde in seinem Amt als Börsenvereins-Vorsteher erwartungsgemäß bestätigt. Von 397 registrierten Teilnehmern der Buchhändlertage gaben 174 ihre Stimme ab. 145 Stimmen entfielen auf Schormann, den einzigen Kandidaten für das höchste Amt im Börsenverein.

Das Zentrale Verzeichnis Antiquarischer Bücher hat sein im Rahmen der Frankfurter Buchmesse erstmals geplantes Antiquariatsquartier gestoppt. Begründung: Es hätte gegenüber dem Messe-Management nicht durchsetzen können, den Verkauf antiquarischer Bücher während der gesamten Messe-Zeit, statt nur an einem Tag, anzubieten. Messe-Sprecher Holger Ehling äußerte sich im Buchreport erstaunt über die Absage: "Das Thema Buchverkauf ist bislang nicht ausdiskutiert worden, wenngleich sich Probleme abgezeichnet haben."

Ein Forscherstreit gefährdet die Marburger Georg Büchner-Edition. Der Literaturwissenschaftler und Büchner-Experte Thomas Michael Mayer wird die historisch-kritische Ausgabe sämtlicher Werke und Schriften Georg Büchners (mehr im Perlentaucher-Archiv) nicht vollenden. Mayer sei der Herausgeberschaft nach heftigem Streit mit Burghard Dedner, Leiter der Büchner-Forschungsstelle (mehr) an der Uni Marburg, enthoben worden, berichtet der Buchreport. In Forschungskreisen waren Vorwürfe wegen Mayers "sich im Detail verlierender Arbeitsweise" laut geworden.

Der Diogenes Verlag startet im Herbst mit den ersten sechs Titeln der "Diogenes Bibliothek": günstige Hardcover (Preise zwischen 12,90 Euro und 15,90 Euro sind angepeilt) im "Manesse-Format" - mit Bestands-Garantie. Erfolge mit außergewöhnlichen Reihen feierte Diogenes-Verleger Daniel Keel in der Vergangenheit mit der Jubiläumsedition zum 50-jährigen Verlagsbestehen und der SZ-Bibliothek, zu der Diogenes ein Fünftel der Lizenzen beigesteuert hat.

Personalien: Jürgen Diessl, derzeit Chef von Redline Wirtschaft, übernimmt die Verlagsleitung bei Econ. Johano Strasser, Präsident des deutschen PEN-Zentrums, ist bei der Jahrestagung mit großer Mehrheit in seinem Amt bestätigt worden. Die Schriftstellerin und Malerin Barbara Honigmann (mehr), deren Bücher seit 1999 bei Hanser erscheinen, bekommt den mit 20.000 Euro dotierten Solothurner Literaturpreis 2004.

Meldungen: Am 6. Juli, 22.15 Uhr, wird Elke Heidenreich mit einer 60-minütigen "Lesen!"-Sondersendung den Startschuss für die ZDF-Aktion "Unsere Besten - Das große Lesen" geben. Die Eichborn AG verordnet dem Pendo Verlag eine "kreative Pause": Im Herbst schickt das 2000 per Mehrheitsbeteiligung angeheiratete Schweizer Unternehmen nur zwei Novitäten ins Rennen. Egmont verkauft die Restbestände seines stillgelegten Pestalozzi-Verlags an die VEMAG Verlags und Medien AG. Zum Schluss: die Bestsellerlisten.

Die Buchmacher vom 10.05.2004 - buchreport.express

Bei der Besetzung von Spitzenpositionen kocht die Branche weiterhin im eigenen Saft. Als Grund nennt der Buchreport die kritische wirtschaftliche Lage, in der selbst die großen Unternehmen keine Risiken eingehen wollten. Die Buchbranche lasse auf Grund der Preisbindung selbst für findige Köpfe wenig Spielraum bei der Umsetzung revolutionärer Konzepte. Außerdem biete die Branche, von wenigen Ausnahmen abgesehen, kaum finanzelle Anreize für wechselwillige Manager.

Schweren Zeiten sehen die Bahnhofsbuchhändler entgegen. "Die Umsätze sind in 2003 um 3,5 Prozent zurückgegangen, in absoluten Zahlen fehten damit an den Kassen rund vier Millionen Kunden", berichtete Götz Grauert, Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Bahnhofsbuchhändler, dem Buchreport. Rund 70 Prozent des Umsatzes werden in den Bahnhöfen derzeit mit Presseprodukten erwirtschaftet, Bücher steuern 25 Prozent bei. Um den Herausforderungen des schwierigen Marktes zu begegnen, beschlossen die Bahnhofsbuchhändler, sich "noch deutlicher als beste Pressefachverkaufsstellen zu profilieren."

Der erste Schritt zu einer erheblichen Vereinfachung der Bibliothekenausleihe ist getan. Nach dem Vorbild US-amerikanischer Bibliotheken hat die Unibibliothek München in dieser Woche begonnen, elektronische Bücher über das Internet zu verleihen. In Kooperation mit ciando.de, Deutschlands größtem E-Book-Händler, biete die Bibliothek rund 600 Fachbuch-Titel an, die in einem kopiergeschützten PDF-Format heruntergeladen und mit eier Leihfrist von sieben Tagen gelesen werden könnten, berichtet der Buchreport.

Neues vom US-Buchmarkt: Der Second-Hand-Buchhandel boomt in den Staaten, rund 14 Prozent aller verkauften Bücher sind dort mittlerweile gebraucht. Dabei floriere der Markt beim Online-Händler Amazon ebenso wie im stationären Buchhandel. Im Wahljahr sind Anti-Bush-Bücher der Renner - aktueller Star ist Bob Woodward, dessen "Plan of Attack" (erscheint in Deutschland Ende Juli) aus dem Stand an die Spitze der US-Bestsellerlisten geschossen ist.

Meldungen: Der Buchhandelsumsatz stieg laut buchreport-Umsatztrend im April um plus 1,68 Prozent. In der buchreport-Warengruppenstatistik sind haben die Romane auf dem ersten Rang zu alter Stärke zurückgefunden (mehr). Der per Haftbefehl gesuchte und weiterhin untergetauchte Ex-Libro-AG-Vorstand Andre Rettberg soll gemeinsam mit dem ehemaligen Mitvorstand Johann Knöbl fünf Millionen Euro Schadenersatz für das in den Konkurs gebrachte Unternehmen zahlen. Oetinger kauft den internationalen Lizenzknüller "Die Kinder des Tschinn", das Kinderbuch-Debüt des britischen Autors Philip Kerr - 1,7 Millionen US-Dollar waren dem amerikanischen Verlag die englischsprachigen Rechte wert, über Zahlen aus Deutschland wird geschwiegen. Zum Schluss: die Spiegel-Bestsellerlisten.

Die Buchmacher vom 03.05.2004 - buchreport.express

Die EU-Osterweiterung könnte zur Internationalisierung der Buchmärkte beitragen, prognostiziert der Buchreport vorsichtig. Darauf setzen vor allem deutsche Schulbuch- und Sprachenverlage, das hoffen aber auch Fach- wie Publikumsverlage, deren Exporte in die Beitrittsländer bisher nur marginal gewesen sind (Gesamtvolumen des Exports in 2003: unter 50 Millionen Euro). Ihre Fühler gen Osten ausgestreckt haben bereits der Bertelsmann Club mit Ablegern in Tschechien und der Slowakei und Versender Weltbild, der nach seiner deutschen Geschäftsphilosophie rund eine halbe Million Kataloge in Polen verschickt.

Zeitgenössische Literaten aus den großen Beitrittsländern, etwa der Ungar Peter Esterhazy oder der Tscheche Pavel Kohout, werden in den deutschen Feuilletons geschätzt. Auf den Bestsellerlisten seien sie aber, bemerkt der Buchreport, seltene Zaungäste. Seit 1999 hätten es nur vier Titel von Autoren aus den EU-Neulingen in die Jahresrankings geschafft, am besten habe sich die Autobiografie des polnischen Juden Roma Ligocka, "Das Mädchen im roten Mantel" (Droemer), platziert (Rang 42).

Preisbindung
ist für das Gros der neuen EU-Staaten ein Fremdwort, nur in Ungarn gelten feste Preise für Bücher. In Deutschland werden Preisbindungsverstöße immer geschickter getarnt, deckt der Buchreport auf. Ein Blick auf den Marktplatz Ebay offenbare tausende Auktionen, bei denen Bücher als "ungelesen", nicht jedoch als "neu" bezeichnet würden. Kein Wunder, dass die Zahl der Verstöße bei Ebay, wie Rechtsanwalt Dr. Christian Russ feststellt, abnimmt. Nicht auszuschließen ist nämlich, dass sie schlicht unentdeckt bleiben.

Genervt ist der Buchreport vom Börsenverein, der die Aktion "Leseköpfe" (zur Erinnerung: mehr) zum Welttag des Buches, als "vollen Erfolg" gerühmt hat: "Mittlerweile wird es langweilig, immer wieder auf das nächste Jahr zu hoffen und schließlich doch nur zu registrieren, dass außer Selbstlob der Frankfurter Kreativen kein Ergebnis zu registrieren ist." Statt der betonierten Leseköpfe müssten kluge Köpfe her, die neue Ideen realisierten. Vorbildlich seien in dieser Hinsicht die Organisatoren der lit.Cologne.

Wer keine Lust mehr hat, die Wochen des Stillstandes auf der Spiegel-Bestsellerliste Hardcover Belletristik zu zählen, der sei auf nächste Woche vertröstet. Der neue Commissario Brunetti-Roman von Donna Leon, eingestiegen auf Platz 46, wird sich in der kommenden Woche "wesentlich weiter oben" platzieren, glaubt der Buchreport. Welche Titel derzeit noch auf den ersten Rängen mauern, hier.

Die Buchmacher vom 26.04.2004 - buchreport.express

Bedrohliche Signale sieht der Buchreport für den Buchhandel in den neuen Bundesländern: "Insbesondere in Sachsen-Anhalt und Brandenburg, aber auch - sieht man von den Großstädten einmal ab - in Sachsen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern brechen die Umsätze weg." Gründe könnten der starke Kaufkraftverlust und das Abwandern potenzieller Buchkäufer in den Westen sein. Dass es nicht zu einem "epidemieartigen Buchhandelssterben" gekommen ist, führen die Landesverbände auf die "Selbstausbeutung der Buchhändler", etwa wegen unablösbarer Kredite, zurück.

Mit A9 ist die Testversion einer eigenen Suchmaschine von Amazon online gegangen. Sie präsentiert auf derselben Oberfläche Ergebnisse aus dem Netz und dem Amazon-Buchangebot - inklusive der passenden Textstellen aus der integrierten "Search Inside the Book"-Funktion (siehe Archiv). Künftig buhlt der neue Amazon-Service nicht nur mit Konkurrenz-Suchmaschinen um die Gunst der Surfer. Internet-Buchhändler wie buch.de, buecher.de und booxtra.de müssten auf lange Sicht um Marktanteile bangen, prognostiziert der Buchreport.

Die SZ-Bibliothek (mehr) hat ihr Umsatzziel - acht bis zehn Millionen Euro - bereits nach fünf Wochen erreicht. Allein vom Handel seien rund drei Millionen SZ-Bücher vorbestellt worden, berichtet der Buchreport. Aufgrund der positiven Eröffnungsbilanz sollen die Bände 6 bis 50 mit einer Auflage von mindestens je 150.000 Exemplaren starten. Der Erfolg lässt den Süddeutsche Verlag an Nachfolgeprojekte denken. "Eines kommt wahrscheinlich vor Weihnachten", kündigte Verlagsgeschäftsführer Klaus Josef Lutz in einem Branchenmagazin an.

Die Spielregeln sind schleierhaft, Risiken nicht einschätzbar: Dennoch drängen immer mehr Publikumsverlage mit eigenen TV-Büchern auf den Markt. Die Zahl der Begleitveröffentlichungen dürfte derzeit pro Jahr bei über 150 Titeln liegen. "Sender wie das ZDF fordern in der Regel eine Absatzbeteiligung von den Verlagen: mindestens vier Prozent", klärt der Buchreport auf. "Da Begleitbücher meist lange vor Ausstrahlung der Serien geplant werden, sind Erfolgsprognosen für Verlage heikel." Beim Lizenzkauf sei außerdem oft noch nicht klar, wie viele Serienteile der Sender plane.

Kommt die Ausbildungsabgabe, dann könnte es den Buchhandel doppelt treffen. Zu Ausbildungsplätzen zählen, hat der Buchreport herausgefunden, keine Volontärsstellen, in die private Medienunternehmen und Verlage - zum Teil auch Buchhandlungen - investieren, um ihren Nachwuchs auszubilden.

Meldungen: Die Kölner Staatsanwaltschaft hat beim Amtsgericht Köln Anklage gegen Ludwig Könemann erhoben, weil er den Konkurs seines ehemaligen Verlags verschleppt haben soll. Und: die Bestsellerlisten.