Im Kino

Die Rückkehr von allem und jedem

Die Filmkolumne. Von Robert Wagner
26.02.2026. Ein reinigendes Feuer und dennoch kein frisches Blut: Der von Serien-Erfinder Kevin Williamson höchstpersönlich inszenierte "Scream 7" mag sich einfach nicht von der eigenen Vergangenheit lösen.

Es beginnt, wie es beginnen muss: Nacht, junge Leute allein in einem Haus, ein Anruf: "Magst du Horrorfilme?", Ghostface, die ikonische Gestalt der "Scream"-Reihe, tötet mal wieder. Der neue Teil, "Scream 7", entspricht der Tradition und folgt dem Muster fast aller Vorgänger. Nur ist das Haus nicht irgendeines, sondern der Schauplatz des Finales des ersten Teils. Das Haus Stu Machers also, der sich damals hinter der Ghostface-Maske versteckte. Inzwischen wurde es zum Museum umgestaltet, in dem Fans von "Stab", der Filmreihe in der sich selbst kommentierenden Filmreihe, einen Abend in ihrem liebsten Horrorhaus verbringen können. Überall hängen die Plakate der fiktiven Filme, alles ist mit Devotionalien der Opfer und Mörder vollgestellt. Das soll den Filmbesessenen Tränen des Glücks in die Augen treiben, vor allem ist es erstarrte Selbstbeweihräucherung.

Zum Auftakt belässt es Ghostface nicht beim Morden. Er steckt zusätzlich das Haus an, während es niederbrennt, sehen wir, wie ein "Stab"-Plakat von den Flammen verzehrt wird. Die klare Botschaft: Schluss mit der Rücksicht auf die Vorgänger, Schluss mit den Regeln und dem Kreisen um die Referenzen auf den ersten Film. Mit dem siebten Teil des Franchise befinden wir uns schließlich in Gefilden, in denen Freddy (Star der "A Nightmare on Elmstreet"-Reihe) den Dreh eines seiner Filme heimsuchte oder in denen Jason (Star der "Freitag der 13"-Reihe) nach Manhattan ging; in denen mithin neue Wege jenseits der altbekannten Erzählung beschritten werden.

Doch kaum ist in "Scream 7" das Feuer aus dem Bild, steigt wieder ein Junge bei seiner Freundin zum Fenster herein. Genau wie im ersten "Scream" und seither immer wieder. Selbstreferenziell geht es abermals um Horrorfilme. Alte Bekannte kommen zurück - von Courtney Cox als Gale Weathers, die bisher in jedem Teil mitspielte, bis hin zu Mason Gooding und Jasmin Savoy Brown als die aus Teil 5 und 6 herübergespülten Meeks-Martin-Zwillinge. Der neue Ghostface mordet sich wie gehabt durch eine Clique von Jugendlichen. Wieder ist alles ein Spiegel von Teil eins. Dem vermeintlich reinigenden Feuer zum Trotz also: kein frisches Blut, sondern wie im siebten Eintrag der "Halloween"-Reihe schlicht die Rückkehr des ursprünglichen Final Girls - hier: die in den letzten beiden Teilen größtenteils abwesende Neve Campbell als Sidney Prescott.


Die Vorgänger folgten einem klaren Konzept: "Scream" war ein Slasher, dessen Figuren wussten, dass sie sich in einem Horrorfilm befinden; in Teil 2 ging es darum, dass es sich um eine Fortsetzung, in Teil 5 darum, dass es sich um ein Reboot handelt und wo weiter. Diesmal findet sich auf den ersten Blick nicht viel in dieser Richtung. Selbst die metatextuellen Gespräche ("Er kann nicht Ghostface sein, das wäre zu offensichtlich." - "Macht ihn das nicht schon wieder verdächtig?") sind kaum noch von Belang und scheinen eher nostalgische Reminiszenz als zielführend. Einzig die Rückkehr von allem und jedem, gegen jede Chance, gegen jeden Impuls, sich vom Vergangenen zu lösen, zieht sich wie eine rote Linie durch den Film.

Vor allem steht Stu Macher (Matthew Lillard) wieder auf der Matte. Per Videoanruf meldet er sich bei Sidney und offenbart ihr, dass er hinter der Maske Ghostfaces steckt, dass er sie endlich töten werde und ihre Tochter Tatum (Isabel May) gleich mit, die als Wiedergängerin ihrer Mutter die Szenen durchleben muss, in denen sich ihre Mutter in vorherigen Teilen befand. Auch "Scream 7" ist also wieder besessen von seiner Vergangenheit. Nur zeigt diese Besessenheit diesmal lediglich an, dass Fortsetzungen es im Vergleich zu originären Filmen oft schwer haben, dass sie nur verlieren können und oft nur ein Schatten des Ausgangsmaterials sind. All das wurde freilich bereits seit "Scream 2" in jeder der Fortsetzungen thematisiert.

So gesehen passt es ins Bild, dass dieser lediglich solide Slasher selten zu glänzen weiß. Dramaturgisch ist er unrund: Der Aufbau zieht sich lange, Ghostfaces darf lediglich vereinzelt töten, nur damit später in einem Schlachtfest mit einem Mal einfach alle blass bleibenden Nebenfiguren abgemetzelt werden. Vereinzelt geht es in "Scream 7" durchaus saftig zu - Eingeweide regnen, ein Kopf wird zum Bierzapfhahn umfunktioniert -, aber derartige Effekte erscheinen stets wie angehängt. Als wäre jemandem aufgefallen, dass die Gore-Fans auch etwas brauchen, weshalb ihnen eher lustlos ein Knochen hingeworfen wird. Die effektivste Szene - Sidney und Tochter Tatum sind in eine Zwischenwand gequetscht, von wo aus sie Ghostfaces Messerstichen kaum ausweichen können - war de facto bereits komplett im Trailer zu sehen. Und das Mutterdrama - soll ich meine Tochter vor dem schützen, was ich erlebt habe, oder erziehe ich sie damit zur Schwäche? - ist ebenso leblos wie die Diskussionen über Filmregeln.

Gegen Ende legitimiert sich der Film makaber selbst, indem er Sidney zu verstehen gibt, dass sie all diese aufgekochten Traumata nicht hätte erleben müssen, hätte sie einfach bei den letzten beiden Filmen mitgemacht. Es ist durchaus amüsant, dass die Reihe damit die Existenzberechtigung der beiden vorangegangenen, nur bedingt gelungenen Teile in Zweifel zieht. Vor allem macht es Hoffnung, da die Rückholaktion nun abgehakt ist. Dieses verdammte Haus kann gern ein weiteres Mal Feuer fangen und endlich Platz schaffen für frischen Wind.

Robert Wagner

Scream 7 - USA 2026 - Regie: Kevin Williamsin - Darsteller: Neve Campbell, Isabel May, Jasmin Savoy Brown, Mason Gooding, Courteney Cox - Laufzeit: 114 Minuten.