Im Kino
Sonderbar belebt
Die Filmkolumne. Von Nicolai Bühnemann
18.02.2026. Sonderbar entrückt ist die Welt, in der Bryan Fullers "Dust Bunny" spielt, von unserer Wirklichkeit. Viele interessante Ideen hat der Film, ein bisschen ratlos bleibt man trotzdem zurück.
Alles beginnt mit einem Monster unter dem Bett. Das seien nur Staubflusen, auf Englisch dust bunnies, sagen die Eltern der kleinen Aurora (Sophie Sloan). Doch das Mädchen beharrt darauf, dass das das Gleiche sei, Flusen und Monster. Die erste Einstellung des Films, in der die Kamera dem wirbelnden Staub folgt, der sich auf seinem Weg durchs komplett computeranimierte Zimmer an allerlei Plüschtieren vorbei bewegt, um schließlich unter dem Bett Hasengestalt anzunehmen, scheint ihr recht zu geben.
Wenig später verschlingt das Monster die Eltern der Zehnjährigen. Später erfahren wir, dass es ihre Adoptiveltern waren - und nicht die erste Familie, die Aurora bei sich aufnahm und dann ums Leben kam. Nun sucht sie Hilfe bei ihrem Nachbarn (Mads Mikkelsen), der namenlos bleibt, aber wegen des Appartements, in dem er lebt, Resident 5B genannt wird. Nachdem sie ihm auf seinem nächtlichen Weg durch die Stadt folgt, ist sie überzeugt, dass er Erfahrungen darin hat, Monster zu töten. In den Kampf von Mann, Mädchen und Monster ist auch die geheimnisvolle Laverne (Sigourney Weaver) verwickelt.

Dass die stereotype Kinderangst nicht gegenstandslos ist, sondern als großes Staubflusenhasenmonster tödliche Gestalt annimmt, gibt einen Hinweis darauf, wie die Welt des Films der Realität, in der wir leben, sonderbar entrückt ist. Technologische Gegenwartsmarker, wie etwa Smartphones, fehlen in ihr komplett, gleichzeitig gibt es keine Hinweise darauf, dass der Film in einer historisch definierbaren Vergangenheit spielen würde. Vielmehr scheint zwischen Außen- und Innenräumen ein seltsamer Bruch zu verlaufen: Vor Auroras Fenster leuchten die Lichter der New Yorker Skyline, im nahe ihrer Wohnung gelegenen China Town blinken die Leuchtreklamen. Die Interieurs hingegen, farblich in matten Rosa-, Sepia- und Pastelltönen gehalten, sind übersät mit jugenstilartigen floralen Ornamenten. Im ungewöhnlichen Breitbildformat 3:1 entwirft der Film eine wuchernde Phantasiewelt, in der Gebrauchsgegenstände die Form von Pandabären, Nilpferden und allerlei anderen Tieren annehmen und die dadurch sonderbar belebt erscheint.
Demgegenüber bewegen sich die Figuren, jedenfalls nach dem Tod von Auroras Eltern, reichlich unterkühlt, fast mechanisch durch eine Handlung, in der es nominell um Essentielles, um Generationenkonflikte und die Suche nach Geborgenheit geht. Regisseur Bryan Fuller, der seit langem für Fernseh- und Internetserien arbeitete, und hier sein Kinodebüt vorlegt, tut wenig dafür, das Rätselhafte, schwer Greifbare dieser Welt zu erklären; vielmehr hält gerade die Tatsache, dass wir nie ganz genau wissen, woran wir sind, die Aufmerksamkeit aufrecht; während auf der Handlungsebene über weite Strecken eher wenig passiert.
Das funktioniert alles erst einmal leidlich, aber letztlich verlässt sich der Film doch zu sehr auf sein Set Design, auf die genaue Konstruktion seiner auf Symmetrie bedachten Einstellungen; auf die Cleverness, mit der die Schauplätze das Geschehen bestimmen oder ironisch kommentieren, etwa die kreisförmigen weißen Lampen in dem Club, in dem Resident 5B zum ersten Mal Laverne besucht, die wie ein Heiligenschein über den Köpfen der Figuren hängen, während es in ihrem alles andere als unschuldigen Gespräch um Menschen, Monster und das Töten geht. Die Beziehung Auroras zu Resident 5B, der zunehmend in die Rolle eines Ersatzvaters hineinwächst, bleibt im Ungefähren. Gleiches gilt für die Genremechanik, die auf einen finalen Kampf zwischen den beiden und einer FBI-Agentin auf der einen Seite, Laverne und ihren bewaffneten Schergen auf der anderen Seite zusteuert, während das gefräßige Monster unterm Parkett alle gleichermaßen bedroht. Es bleibt eine Fülle skurriler Details und eigenwilliger Einfälle; eine vage Faszination, aber schon auch die Frage, was das alles soll.
Nicolai Bühnemann
Dust Bunny - USA 2025 - Regie: Bryan Fuller - Darsteller: Mads Mikkelsen, Sophie Sloan, Sigourney Weaver, Sheila Atim - Laufzeit: 106 Minuten.
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