9punkt - Die Debattenrundschau
Gläserne Hände
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
11.05.2026. Kläglich fiel Putins Militärparade auf dem Roten Platz zum 9. Mai aus, und das obwohl Wolodimir Selenski sie "aus humanitären Gründen" gestattet hatte, notiert die taz. Die Zeitungen arbeiten die britischen Kommunalwahlen auf - ein Triumph für Populisten und Separatisten. Christopher Clarks Börne-Preisrede liest sich als ein dringendes Plädoyer pro Börne, so FAZ und FR. Die FAZ druckt sie ab. Die taz beleuchtet die China-Liebe der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Und Holger Friedrich kann die Volksverpetzer nicht einschüchtern.
Efeu - Die Kulturrundschau
vom
11.05.2026
finden Sie hier
Europa
Bei der traditionellen Militärparade auf dem Roten Platz zum 9. Mai handelte es sich um eine eher klägliche Angelegenheit, berichtet unter anderem Vera Bessanova in der taz: Lange Zeit war unklar, ob sie überhaupt abgehalten werden konnte, man hatte Angst vor ukrainischen Drohnen. "Unter Trumps Vermittlung einigten sich Moskau und Kyjiw schließlich kurzfristig auf eine dreitägige Waffenruhe vom 9. bis 11. Mai. Auf seiner Online-Plattform Truth Social erläuterte Trump, dies stehe in Verbindung mit dem Tag des Sieges. Der werde nicht nur in Russland gefeiert, sondern auch in der Ukraine, die schließlich auch einen entscheidenden Beitrag im Zweiten Weltkrieg geleistet habe. Vereinbart wurde zudem ein weiterer Austausch von je tausend Kriegsgefangenen. Am Sonntag jedoch warfen sich beide Länder gegenseitig bereits den Bruch der Waffenruhe vor. Selenski erlaubte sich einen scherzhaften Seitenhieb gegen den Aggressorstaat Russland. In einem gesonderten Erlass erklärte er, dass er aus 'humanitären Gründen' beschlossen habe, 'die Durchführung einer Parade in Moskau am 9. Mai 2026 zu genehmigen'." Über die Gedenkfeierlichkeiten in Odessa berichtet Marco Zschieck.
Dominic Johnson blickt in der taz auf die Kommunalwahlen in Britannien zurück, bei denen vor allem die Rechtspopulisten von Reform UK und die linkspopulistischen Grünen gewannen. Beide Parteien sind nicht unbedingt gesellschaftsfähig: "In Lambeth, eine traditionelle Londoner Labour-Hochburg, gibt es nun mit Saiqa Ali eine grüne Kommunalrätin, die erst vor zwei Jahren ein Bild von der Erde im Würgegriff einer in die Flagge Israels gehüllten Schlange gepostet haben soll und während ihres Wahlkampfs unter dem Vorwurf von Rassenhass festgenommen wurde. Bei Reform UK finden sich unter den Wahlsiegern ebenfalls dubiose Figuren. Zu den neu gewählten Reform-Stadträten in Sunderland zählt Glenn Gibbins, der vor zwei Jahren auf X schrieb 'Unglaublich, die Anzahl von Nigerianern in der Stadt, sollte man alle einschmelzen und damit Schlaglöcher füllen.' Er wurde jetzt von der Partei suspendiert."
"Die Zeiten, in denen man die regionalen Nationalismen in London als vorübergehende Phänomene betrachten konnte, die verschwinden, wenn man nur lange genug die Augen verschließt" sind vorbei, kommentiert Niklaus Nuspliger in der NZZ: "Nach den jüngsten Wahlen werden nun erstmals in allen drei Regionen Parteien die Regierung führen, die entweder offen eine Abspaltung vom Vereinigten Königreich oder zumindest Distanz zu England propagieren. (...) Dass der Separatismus in den britischen Regionen erstarkt, hat mehrere Gründe. Die Engländer machen 84 Prozent der britischen Gesamtbevölkerung aus. Nicht zu Unrecht haben Schotten, Waliser und Nordiren den Eindruck, ihre Prioritäten seien in Westminster zweitrangig. Zudem stößt die Renaissance gälischer und walisischer Sprache und Kultur auf einen Zentralstaat, der zunehmend dysfunktional wirkt. Für immer mehr Nordiren erscheint das boomende Irland inzwischen attraktiver als das kriselnde Großbritannien."
Der ungarische Historiker Ferenc Laczó erklärt im Interview mit Claus Leggewie in der FR, was die Tisza-Partei jetzt tun muss, um Ungarn aus der Krise zu holen: "Alles auf einmal, ein rendszerváltás (Systemwechsel). Die Rechenschaftspflicht in einem korrupten System herstellen, führende staatsabhängige Oligarchen vor Gericht stellen, die Medien wieder unabhängig machen, das Wahlrecht verändern, eine Verfassungsreform einleiten, und vor allem die vergiftete politische Kultur des Landes umfassend demokratisieren. (...) Damit auch wieder die linken und liberalen Kräfte zum Ausdruck kommen. Außenpolitisch muss Magyar die russische Unterwanderung beenden und die Ukraine unterstützen. Und nicht zuletzt die junge Generation, die das Land massenhaft verlassen hat, zurückgewinnen. Nur eine neue Supermehrheit kann jetzt die große Gefahr politischer Übermacht eindämmen."
Die Erinnerung an die stalinistischen Verbrechen wird vom russischen Staat weitgehend unterdrückt. Ins Visier geraten auch Organisationen wie "Letzte Adresse", die Gedenktafeln an den Häusern von Opfern des Stalin-Regimes anbringen, erklärt Andrei Kolesnikow in der NZZ: "Vor etwa zehn Jahren entdeckte ich mithilfe von 'Memorial' und dessen damaligem Direktor Arseni Roginski - der in der späten Sowjetzeit selber politischer Gefangener gewesen war - in den Archiven des Schweigens die Akte meines Großvaters mütterlicherseits, David Traub. Im Jahr 1938, während des Großen Terrors, wurde er - ein bescheidener Architekt jüdischer Herkunft - ganz klassisch aufgrund einer erfundenen Anklage nach dem berüchtigten Artikel 58 von Stalins Strafgesetzbuch wegen 'konterrevolutionärer Äußerungen' verhaftet und deportiert. 1946 starb er im Alter von 53 Jahren in einem Lager nördlich des Polarkreises, wo er Zwangsarbeit verrichten musste. Im Jahr 2018 gelang es uns, im Rahmen der Aktion 'Letzte Adresse' eine Gedenktafel mit seinem Namen an dem Haus im Zentrum Moskaus anbringen zu lassen, aus dem er abgeführt worden war. Damals schien mir, nach ungezählt vielen Jahren, die Gerechtigkeit gesiegt zu haben."
Dominic Johnson blickt in der taz auf die Kommunalwahlen in Britannien zurück, bei denen vor allem die Rechtspopulisten von Reform UK und die linkspopulistischen Grünen gewannen. Beide Parteien sind nicht unbedingt gesellschaftsfähig: "In Lambeth, eine traditionelle Londoner Labour-Hochburg, gibt es nun mit Saiqa Ali eine grüne Kommunalrätin, die erst vor zwei Jahren ein Bild von der Erde im Würgegriff einer in die Flagge Israels gehüllten Schlange gepostet haben soll und während ihres Wahlkampfs unter dem Vorwurf von Rassenhass festgenommen wurde. Bei Reform UK finden sich unter den Wahlsiegern ebenfalls dubiose Figuren. Zu den neu gewählten Reform-Stadträten in Sunderland zählt Glenn Gibbins, der vor zwei Jahren auf X schrieb 'Unglaublich, die Anzahl von Nigerianern in der Stadt, sollte man alle einschmelzen und damit Schlaglöcher füllen.' Er wurde jetzt von der Partei suspendiert."
"Die Zeiten, in denen man die regionalen Nationalismen in London als vorübergehende Phänomene betrachten konnte, die verschwinden, wenn man nur lange genug die Augen verschließt" sind vorbei, kommentiert Niklaus Nuspliger in der NZZ: "Nach den jüngsten Wahlen werden nun erstmals in allen drei Regionen Parteien die Regierung führen, die entweder offen eine Abspaltung vom Vereinigten Königreich oder zumindest Distanz zu England propagieren. (...) Dass der Separatismus in den britischen Regionen erstarkt, hat mehrere Gründe. Die Engländer machen 84 Prozent der britischen Gesamtbevölkerung aus. Nicht zu Unrecht haben Schotten, Waliser und Nordiren den Eindruck, ihre Prioritäten seien in Westminster zweitrangig. Zudem stößt die Renaissance gälischer und walisischer Sprache und Kultur auf einen Zentralstaat, der zunehmend dysfunktional wirkt. Für immer mehr Nordiren erscheint das boomende Irland inzwischen attraktiver als das kriselnde Großbritannien."
Der ungarische Historiker Ferenc Laczó erklärt im Interview mit Claus Leggewie in der FR, was die Tisza-Partei jetzt tun muss, um Ungarn aus der Krise zu holen: "Alles auf einmal, ein rendszerváltás (Systemwechsel). Die Rechenschaftspflicht in einem korrupten System herstellen, führende staatsabhängige Oligarchen vor Gericht stellen, die Medien wieder unabhängig machen, das Wahlrecht verändern, eine Verfassungsreform einleiten, und vor allem die vergiftete politische Kultur des Landes umfassend demokratisieren. (...) Damit auch wieder die linken und liberalen Kräfte zum Ausdruck kommen. Außenpolitisch muss Magyar die russische Unterwanderung beenden und die Ukraine unterstützen. Und nicht zuletzt die junge Generation, die das Land massenhaft verlassen hat, zurückgewinnen. Nur eine neue Supermehrheit kann jetzt die große Gefahr politischer Übermacht eindämmen."
Die Erinnerung an die stalinistischen Verbrechen wird vom russischen Staat weitgehend unterdrückt. Ins Visier geraten auch Organisationen wie "Letzte Adresse", die Gedenktafeln an den Häusern von Opfern des Stalin-Regimes anbringen, erklärt Andrei Kolesnikow in der NZZ: "Vor etwa zehn Jahren entdeckte ich mithilfe von 'Memorial' und dessen damaligem Direktor Arseni Roginski - der in der späten Sowjetzeit selber politischer Gefangener gewesen war - in den Archiven des Schweigens die Akte meines Großvaters mütterlicherseits, David Traub. Im Jahr 1938, während des Großen Terrors, wurde er - ein bescheidener Architekt jüdischer Herkunft - ganz klassisch aufgrund einer erfundenen Anklage nach dem berüchtigten Artikel 58 von Stalins Strafgesetzbuch wegen 'konterrevolutionärer Äußerungen' verhaftet und deportiert. 1946 starb er im Alter von 53 Jahren in einem Lager nördlich des Polarkreises, wo er Zwangsarbeit verrichten musste. Im Jahr 2018 gelang es uns, im Rahmen der Aktion 'Letzte Adresse' eine Gedenktafel mit seinem Namen an dem Haus im Zentrum Moskaus anbringen zu lassen, aus dem er abgeführt worden war. Damals schien mir, nach ungezählt vielen Jahren, die Gerechtigkeit gesiegt zu haben."
Ideen
Maxim Biller hatte neulich in seiner Zeit-Kolumne den deutschen Literaturhistoriker Steffen Martus gefragt, warum in seiner viel gepriesenen Studie "Erzählte Welt - Eine Literaturgeschichte der Gegenwart, 1989 bis heute" jüdische Autoren so gut wie gar nicht vorkommen. Für diese Kolumne wurde er gescholten. Genauer besehen ergibt die Frage allerdings Sinn - denn diese "jüdische Lücke" in der deutschen Literatur klafft seit längerem. Ist es ein Zufall, dass in der höchst renommierten "Deutschen Klassikerbibliothek" jüdische Autoren ganz fehlen? Neben Heinrich Heine und Rahel Varnhagen von Ense gilt das für Ludwig Börne. Nun hat der Historiker Christopher Clark den nach Börne benannten Preis erhalten, und Patrick Bahners freut sich in der FAZ, dass sich Clarke "seiner Pflicht, das Festpublikum mit Börne bekannt zu machen, indem er ihn als Kollegen vorstellte, ohne das auszusprechen, glänzend entledigte: als Historiker, aber nicht als Mann vom Fach. Das von Börne erfundene Feuilleton ist Zeitgeschichtsschreibung in Fortsetzungen und Neuansätzen. Clark trug die literatursoziologische Hypothese vor, dass die Herkunft aus einem Judenviertel Börnes Blick für die 'nicht-linearen' Momente des Revolutionszeitalters schärfte. Er benannte damit eine Eigenschaft der Zeit, die auch seine Charakterisierung von Börnes Stil durchzog."
"Es waren gefährliche Jahre für den politischen Journalismus" erinnert Clark in seiner Börne-Hommage, die in der FAZ abgedruckt ist. "Nach der Ermordung von August von Kotzebue gab es eine bundesweite, von Metternich in Wien koordinierte Aktion, um die oppositionellen Netzwerke der Patrioten und Studenten sowie ihrer literarischen Förderer zu zerschlagen. Börne war 1819 nach Paris gereist und wurde bei seiner Rückkehr nach Frankfurt im Frühling 1820 verhaftet."
Für die FR war Michael Hesse bei der Preisverleihung und beeindruckt von Clarks Rede. In deren Zentrum "stand Börnes Text 'Ferienreise eines deutschen Journalisten' aus dem Jahr 1820. Dieser Text beginnt, wie Clark ausführte, mit einer irritierenden, fast komischen Selbstdiagnose. Börne erklärt sich zum Hypochonder und beschreibt allerlei geistige und körperliche Verstörungen: Er bilde sich ein, gläserne Hände zu haben, und fürchte, sich beim Schreiben die Finger zu zerbrechen. Dann wiederum könne er angeblich die Zahl 13 nicht aussprechen. Schließlich träume er, Napoleon sei von St. Helena entkommen und frage ihn in Frankfurt nach dem Weg zur Eschenheimer Gasse. Was zunächst wie eine bizarre Folge privater Marotten klingt, liest Clark als politische Chiffre: Die gläsernen Hände verweisen auf die Zerbrechlichkeit des Schreibens in einem Zeitalter der Zensur. Die Zahl 13 führt zurück ins Jahr 1813, in die Befreiungskriege gegen Napoleon, aus deren patriotischer Energie sich später nicht nur Freiheitsbewegungen, sondern auch nationalistische und antisemitische Strömungen speisten."
"Es waren gefährliche Jahre für den politischen Journalismus" erinnert Clark in seiner Börne-Hommage, die in der FAZ abgedruckt ist. "Nach der Ermordung von August von Kotzebue gab es eine bundesweite, von Metternich in Wien koordinierte Aktion, um die oppositionellen Netzwerke der Patrioten und Studenten sowie ihrer literarischen Förderer zu zerschlagen. Börne war 1819 nach Paris gereist und wurde bei seiner Rückkehr nach Frankfurt im Frühling 1820 verhaftet."
Für die FR war Michael Hesse bei der Preisverleihung und beeindruckt von Clarks Rede. In deren Zentrum "stand Börnes Text 'Ferienreise eines deutschen Journalisten' aus dem Jahr 1820. Dieser Text beginnt, wie Clark ausführte, mit einer irritierenden, fast komischen Selbstdiagnose. Börne erklärt sich zum Hypochonder und beschreibt allerlei geistige und körperliche Verstörungen: Er bilde sich ein, gläserne Hände zu haben, und fürchte, sich beim Schreiben die Finger zu zerbrechen. Dann wiederum könne er angeblich die Zahl 13 nicht aussprechen. Schließlich träume er, Napoleon sei von St. Helena entkommen und frage ihn in Frankfurt nach dem Weg zur Eschenheimer Gasse. Was zunächst wie eine bizarre Folge privater Marotten klingt, liest Clark als politische Chiffre: Die gläsernen Hände verweisen auf die Zerbrechlichkeit des Schreibens in einem Zeitalter der Zensur. Die Zahl 13 führt zurück ins Jahr 1813, in die Befreiungskriege gegen Napoleon, aus deren patriotischer Energie sich später nicht nur Freiheitsbewegungen, sondern auch nationalistische und antisemitische Strömungen speisten."
Kulturmarkt
Solche Geschichten werden in den Feuilletons eher doch nicht erzählt: Tchibo steigt bei Hugendubel ein. Tillmann Neuscheler erzählt auf den Wirtschaftsseiten der FAZ vom schwierigen Buchmarkt und den Erfolgen und Nöten der Hugendubel-Kette, die nach wir vor im wesentlichen in Familienbesitz ist, geleitet von Nina und Maximilian Hugendubel. "Im November gaben die Geschwister bekannt, dass die Tchibo-Eigentümerfamilie Herz bei Hugendubel einsteigt. 'Wir kennen die Familie Herz schon lange, schon unser Vater hat mit ihr zusammengearbeitet', sagt Nina Hugendubel, denn die Herzens sind auch Eigentümer des Buchgroßhändlers Libri, der Hugendubel seit Jahrzehnten beliefert. 'Deshalb haben wir uns bei der Suche nach einem langfristigen Investor an die Familie Herz gewendet', sagt Nina Hugendubel. Die Hamburger Unternehmerfamilie beteiligt sich im Rahmen einer Kapitalerhöhung an Hugendubel - welchen Anteil sie genau hält, wird nicht verraten; nur, dass es um eine Minderheitsbeteiligung geht."
Politik
Die parteinahen Stiftungen sind mächtige Apparate, die unter anderem viele Büros im Ausland unterhalten. Nicholas Potter und Vivien Chang beleuchten in der taz die China-Aktivitäten der Rosa-Luxemburg-Stiftung (Budget im Jahr 2024: 71,2 Millionen Euro, mehr hier), und es fällt ihnen auf, dass die Stiftung seit gut zwanzig Jahren kein kritisches Wort zu China veröffentlicht hat. Wer als eine solche Stiftung in China arbeitet, kann das offenbar auch gar nicht: "Andreas Fulda, China-Experte an der University of Nottingham, kritisiert die Rolle aller Stiftungen in China, von der Heinrich-Böll- bis zur Konrad-Adenauer-Stiftung, die ihm zufolge nicht unabhängig arbeiten können. 'Ihre Büros in Peking sind erpressbar und das führt zu einer Selbstzensur, auch in Deutschland', sagt er. 'Und das ist nicht der originäre Auftrag der Demokratieförderung dieser Stiftungen, sondern das schadet schließlich dem Diskurs über China.' Ausnahme sei die Friedrich-Naumann-Stiftung, die in den Neunzigern nach einer Tibet-Veranstaltung in Bonn aus Peking rausgeflogen ist. Doch Fulda bemängelt mehrere Veröffentlichungen der Rosa-Luxemburg-Stiftung zu China als einseitig und methodisch fragwürdig. 'Das ist mehr Ideologie als öffentliche Bildungsarbeit.' (…) Ohlberg sagt: 'Es fällt auf, dass die Rosa-Luxemburg-Stiftung China viel unkritischer einordnet als andere politische Stiftungen.' In einem Online-Beitrag der Stiftung werden Regime-Vertreter etwa als 'Freund*innen aus der Ferne' bezeichnet."
Religion
Die Historikerin Stefanie Coché erzählt auf der "Gegenwart"-Seite der FAZ die Geschichte der Evangelikalen in den USA, die sich im Kontext eines reaktionären Rollback ab den siebziger Jahren entscheidend politisierten: "Seit 1972 regelte ein Bundesgesetz (Title IX), dass Schulen und andere Bildungseinrichtungen nur noch dann Bundesgelder erhalten konnten, wenn sie Chancengleichheit der Geschlechter garantierten. Nur ein Jahr später begründete der Supreme Court mit dem Urteil im Fall Roe v. Wade eine liberale Abtreibungsregelung. Erst das führte dazu, dass die Evangelikalen begannen, Abtreibung zu einem ihrer Kernthemen zu machen. Zuvor taugte Abtreibung vor allem in katholischen Kreisen zur Politisierung. Nun trug das Thema maßgeblich zu einem überkonfessionellen Schulterschluss konservativer Christen bei."
Medien
Der Verleger Holger Friedrich beziehungsweise seine Ostdeutsche Allgemeine Zeitung gehen rechtlich gegen das Blog Volksverpetzer vor, wie man ebendort von Thomas Laschyk lesen kann. Nachdem das Blog mehrere kritische Artikel über die Russlandnähe der Zeitung veröffentlichte und einen Faktencheck durchführte, erreichte die Verfasser eine anwaltliche Abmahnung. Auch andere Medien hatten kritisch über die OAZ berichtet, warum gerade ein ehes kleines Blog? "Mit denen allen legt sich Holger Friedrich nicht öffentlich an. Er schickt seine Kanzlei nicht zum Spiegel. Sein Chefredakteur schickt keine Rundmails an die Verbündeten der Heinrich-Böll-Stiftung wegen der Blätter. Er attackiert auch Matthias Meisner nicht stellvertretend in dessen ausführlicher Analyse für Journalist. Er sucht sich uns aus. Ich denke, aus einem ganz simplen Grund: Wir sind das kleinste Medium in dieser Reihe. Wir sind komplett spendenfinanziert, wir haben vierzehn Leute, davon die meisten in Teilzeit, und wir sitzen nicht in einem großen Verlagshaus mit Rechtsabteilung. Wir haben keinen Millionär hinter uns, der uns mit viel Geld hochgezogen hat. Wer hier zuschlägt, trifft den Punkt mit dem geringsten Widerstand und hat zugleich die Möglichkeit, ein Exempel zu statuieren, das alle anderen einschüchtert." Der Volksverpetzer wird sich gegen die Abmahnung zur Wehr setzen, so Laschyk.
Kulturpolitik
Das Deutsche Historische Museum thematisiert sich in der Ausstellung "Objekte, Geschichte, Geschichten" selbst - hier geht es um die Sammlungen des Zeughauses. Andreas Kilb bespricht die im Ergänzungsbau von I.M. Pei präsentierte Ausstellung für die FAZ. Das Zeughaus selbst ist wegen Renovierung auf lange Zeit geschlossen: "Das bedeutet eine ganze Dekade ohne museumsdidaktischen Überblick zur deutschen Geschichte, ohne Anschauung für jene 'historische Urteilskraft', die der Direktor des Hauses, Raphael Gross, zum Leitmotiv seiner Amtsführung erklärt hat - ein Debakel für den Museumsstandort und die Bundeshauptstadt Berlin, das nur deshalb nicht in den Vordergrund rückt, weil es derzeit so viele andere Debakel zu beschreien gibt."
Jan Brachmann (FAZ) gestattet am Beispiel der Kronberg Academy im Taunus einen Einblick in den Irrsinn nach Art von Passierschein A38, der sich bei der Finanzierung durch öffentliche Mittel bietet. Vor drei Jahren wurde das Haus fertiggestellt, nun hat es auch seine letzten Kredite dafür getilgt. Diese "wurden nötig, um die Wartezeit bis zum Eingang bereits zugesagter öffentlicher Mittel zu überbrücken, an deren Zahlung die Überweisung privater Mittel im Sinne einer Public-private-Partnership geknüpft war." Doch "bei der öffentlichen Hand seien Finanzierungszusagen nicht gleichbedeutend mit Geldüberweisungen, sagt Intendant Raimund Trenkler. ... 'Das lange Warten, bis schließlich der Zuwendungsbescheid vorlag und die Gelder überwiesen wurden, hat bei uns trotz der vorherigen politischen Zusagen selbstverständlich für Nervosität gesorgt.'" Ähnlich absurd sind auch die Regularien bei Ausschreibungen, die Kosten senken sollen, aber oft zu erheblichen Verzögerungen und damit zu massiven Kostensteigerungen führen.
Jan Brachmann (FAZ) gestattet am Beispiel der Kronberg Academy im Taunus einen Einblick in den Irrsinn nach Art von Passierschein A38, der sich bei der Finanzierung durch öffentliche Mittel bietet. Vor drei Jahren wurde das Haus fertiggestellt, nun hat es auch seine letzten Kredite dafür getilgt. Diese "wurden nötig, um die Wartezeit bis zum Eingang bereits zugesagter öffentlicher Mittel zu überbrücken, an deren Zahlung die Überweisung privater Mittel im Sinne einer Public-private-Partnership geknüpft war." Doch "bei der öffentlichen Hand seien Finanzierungszusagen nicht gleichbedeutend mit Geldüberweisungen, sagt Intendant Raimund Trenkler. ... 'Das lange Warten, bis schließlich der Zuwendungsbescheid vorlag und die Gelder überwiesen wurden, hat bei uns trotz der vorherigen politischen Zusagen selbstverständlich für Nervosität gesorgt.'" Ähnlich absurd sind auch die Regularien bei Ausschreibungen, die Kosten senken sollen, aber oft zu erheblichen Verzögerungen und damit zu massiven Kostensteigerungen führen.
Kommentieren



