Natürlich war die
DDR ein Unrechtsstaat, und selbst die Idylle, in die sich manche zurücksehen, war Ausdruck des Zwangs,
sagt der Historiker
Stefan Wolle im Interview mit Marc von Lüpke bei
t-online.de: "Die DDR konnte
ohne Gewalt nicht existieren. Etwa indem sie ab dem 13. August 1961 den Stacheldraht auspackte und Minenfelder anlegte. Sonst wäre der Staat regelrecht ausgeblutet. Danach war es
ruhig und friedlich, die Leute haben sich irgendwie mit den Verhältnissen abgefunden. Aber wirklich akzeptiert hat die Bevölkerung die DDR nie. Das begann dann erst ab 1990:
Im Rückblick wird der Sozialismus mit jedem Jahr schöner."
Dass
Anetta Kahane, heute Expertin für Rechtsextremismus, einst langjährige Stasi-Mitarbeiterin (
Unser Resümee), von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Berlin-Brandenburg eingeladen wurde, um über das
Verhältnis der DDR zu Israel zu sprechen,
findet Hubertus Knabe in der
NZZ absurd. Er erinnert in diesem Zusammenhang an die
Israelfeindlichkeit der DDR: "Schon Anfang der 1950er Jahre verhaftete die Stasi eine Reihe hochrangiger Funktionäre, die beschuldigt wurden, als 'zionistische Agenten' an der 'Ausplünderung Deutschlands' und der 'Verschiebung von deutschem Volksvermögen' mitgewirkt zu haben. Auch später gehörte antiisraelische Hetze, oft
mit antisemitischem Unterton, zum Alltag in der DDR. Gern wurde der jüdische Staat dabei mit Hitler-Deutschland verglichen - etwa wenn das 'Neue Deutschland' 1982 titelte: 'Israel betreibt die Endlösung der Palästina-Frage.' Die Stasi schrieb sogar
Drohbriefe an Überlebende des Holocausts in der Bundesrepublik. Und sie kooperierte mit westdeutschen Rechtsterroristen, die sie in der DDR untertauchen ließ. Sie sorgte schließlich auch dafür, dass die zahlreichen antisemitischen Vorfälle in Ostdeutschland geheim blieben."
In der
SZ blickt auch der Historiker
Norbert frei in die Geschichte der DDR - und geht nicht von einem langfristigen Erfolg der
AfD in Ostdeutschland aus. Der Ostdeutsche sei ein
Wechselwähler, schreibt er, denn: "Anders als seit 1945 im Westen gab es in der Sowjetischen Besatzungszone keine ernst zu nehmenden Möglichkeiten, an das Parteiensystem der
Weimarer Republik anzuknüpfen. Zwar wurden neben den Kommunisten und den Sozialdemokraten auch 'bürgerliche' Parteien zugelassen, doch die entpuppten sich rasch als
Marionetten der aus der Zwangsvereinigung von KPD und SPD hervorgegangenen SED. Im Osten vermochten sich jene traditionellen
sozialmoralischen Milieus kaum mehr zu erholen, die - vor allem in Gestalt der Arbeiterbewegung und des politischen Katholizismus - während der NS-Zeit schwer gelitten hatten."