Ein alle zwei Jahre erscheinender Report des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB), des Statistischen Bundesamts und der Bundeszentrale für politische Bildung zeigt, dass es in Deutschland
starke soziale Unterschiede gibt und dass sich diese Unterschiede
in der Pandemie noch verschärfen,
berichtet Patricia Hecht in der
taz: "In der unteren Einkommensgruppe mit unter 1.000 Euro arbeiteten nur 13 Prozent im Homeoffice - in der oberen von mehr als 2.500 Euro dagegen mehr als 40. Von finanziellen Problemen infolge der Pandemie berichteten
neben Selbstständigen zudem vor allem Menschen mit
Migrationshintergrund, an- und ungelernte Arbeiter:innen sowie Personen mit niedrigen Einkommen." Der Bericht lässt sich
hier herunterladen.
Im
SZ-Feuilleton möchte Aurelie von Blazekovic
Geschlecht als Kategorie ganz fallen lassen und am liebsten aus dem Personalausweis streichen. Aber schon sprachlich gibt es viele Hürden, wie ihr
Lann Hornscheidt, tätig in den Gender Studies an der Berliner Humboldt Universität, im Gespräch erklärt: Misslich, "dass es für
geschlechtsneutrale Pronomen keine geläufige Form gibt. 'Mein Vorschlag im Moment wäre '
ens' zu nehmen', sagt Lann Hornscheidt. Der Mittelteil aus dem Wort Mensch, eine etwa sechs Monate alte Wortneuschöpfung Hornscheidts. 'En'' sei völlig genderfrei und auch als Endung verwendbar. Mit der Form '
Liebe Bürgens' wären demnach weniger Personen bestimmten Geschlechts angesprochen, sondern einfach: Menschen. 'Ens' ließe sich an Wörter wie 'jemandens' und 'diesens' anhängen und könnte als Artikel benutzt werden. Statt 'Der Erfinder' hieße es '
dens Erfindens'. Oder: Eine Person, die erfindet."
Der neugegründete Verlag
w_orten & meer, der laut viel retweetetem
Style Sheet "
diskriminierungskritische Wortungen zum Anliegen" hat, hat Hornscheidts Idee schon aufgegriffen (sie verlegen auch Hornscheidts Buch zum Thema). Ziel ist es, mit "
Autorens,
Übersetzens und anderen Menschen" neue Sprachformen zu finden. Die verlegten Texte sollen gut verständlich für alle Menschen, "insbesondere aber für Diskriminierte" bleiben, eine ganze Menge von Richtlinien ist dabei zu beachten: "Bei Übersetzungen wünschen wir uns, dass die Genderungen entweder explizit als Herstellungen benannt werden (
Frauisierte statt Frauen) oder auf exkludierende Genderungen explizit hingewiesen wird (zum Beispiel in einer vorangestellten Anmerkung, Fußnote, im Nachwort etc.). In Bezug auf antirassistische Schreibweisen wünschen wir uns, dass die aktuellen Selbstbenennungen von antirassistischen Initiativen verwendet werden. Dies bedeutet momentan Schwarz (immer großgeschrieben), People of Color - PoC(s), BPoC(s), Sinti*zze und Rom*nja, Indigene Gesellschaften usw.
Hautfarben sind immer Herstellungen und keine Substanz oder objektive Wahrnehmung."
In der
NZZ blickt Hoo Nam Seelmann in sprachliche Abgründe der anderen Art, wenn sie die
Kultur des Schimpfens im Allgemeinen und in
Korea im Besonderen erklärt. Im Kontrast zur höflich-distanzierten Fassade stehen die oft "derb-vulgären" Schimpfworte, die sie in fünf Cluster aufteilt: "Das vierte Cluster besteht aus Wendungen, die mit Krankheiten zu tun haben. Man wünscht den anderen
alle möglichen Krankheiten wie Pocken, Lepra und Typhus, besonders pikant in Zeiten von Covid-19. Inzwischen ist diese Variante rückläufig, da Epidemien seltener geworden sind. Das fünfte Cluster hat mit Dummheiten zu tun, die man den anderen unterstellt. Häufig verwendete Wörter hierbei sind 'Steinkopf', '
Kopf voll Tinte' oder 'Idiot'."
Die Medizinhistorikerin
Bettina Schöne-Seifert erteilt in der
FAZ eine Stunde "Nachhilfe aus dem ethischen Proseminar". Natürlich sollen
Geimpfte Privilegien haben, wenn sie nicht ansteckend sind, schreibt sie, und nimmt Argumente der Fraktion auseinander, die Maßnahmen bis ultimo verlängern will. Ein "Argument gegen 'Impf-Privilegien', das vermutlich in den internen politischen Debatten keine kleine Rolle spielt, fürchtet, dass die Normalisierung für Geimpfte als
indirekter Impfzwang wahrgenommen werden könnte. Damit könnte es dem Lager der Impfgegner oder Corona-Leugner in die Hände spielen. Ganz ausschließen lässt sich das wohl nicht. Aber warum sollte man
darauf Rücksicht nehmen?"