Thea Dorn wendet sich in der
Zeit gegen die radikalen
No-Covid- beziehungsweise
Zero Covid-Strategien, die im Zeichen einer verabsolutierten "
Fürsorge" nicht enden wollende Einschränkungen verlangen. "Um Missverständnisse zu vermeiden: Ich halte sowohl den Klimawandel als auch die Covid-19-Pandemie für
dramatische Herausforderungen, denen wir uns mit Klugheit und Tatkraft stellen müssen. Dennoch halte ich es für gefährlich, zwischen dramatischen Herausforderungen und Katastrophen keinen Unterschied mehr zu machen. Dramatische Herausforderungen lassen abwägende Überlegungen und differenziertes Handeln nicht nur zu: Sie verlangen danach. Katastrophen hingegen kennen nur noch
Gebote der Not."
A propos Fürsorge. Für
Männer gilt sie in der Coronakrise generell weniger. Jens Jessen findet es in der
Zeit schon interessant, "dass in dem neuen Corona-Wertesystem, das Menschen
nach ihrer Vulnerabilität sortiert, Männer nicht eigens aufgeführt werden, obwohl sie statistisch vulnerabler als gleich alte Frauen sind - jedenfalls wenn man darunter das Infektionsrisiko versteht. Wer als vulnerabel bezeichnet wird, ist nicht einfach nur medizinisch besonders 'gefährdet', sondern hat auch besonderen Anspruch auf Anteilnahme, Fürsorge, öffentliche Zuwendung. Vulnerabilität ist eine Art
Bezugsschein für Sympathie." Laut Robert-Koch-Institut sterben knapp
doppelt so viele Männer wie Frauen an Covid 19, mehr
hier. Jens Jessen rät den Männern aber,
ritterlich zu sein, und in der Impfschlange nicht zu drängeln.
Ein Positives mag die Pandemie haben. Historische Erfahrungen zeigen, dass Seuchen zu
zivilisatorischen Fortschritten führen können, schreiben der Altphiloge Tobias Bulang und der Arzt Falk Kiefer in der
FAZ: "Man bedenke beispielsweise, dass erst nach der
Choleraepidemie im 19. Jahrhundert die Städte Europas konsequent mit
Kanalisationen für Abwasser und Fäkalmaterie versehen wurden, eine
städtebauliche Revolution unterirdischer Klinkerbauten, die enorme Folgen für die Lebensdauer der Menschen und die Verminderung der Kindersterblichkeit hatte."
Ebenfalls in der
Zeit führen mehrere Redakteure ein Gespräch mit
Bill Gates über seine Visionen zur Klimakrise. Er rät den ängstlichen Deutschen zu
Atomkraft: "Das Einzige, was ich den Deutschen sagen würde, ist dies: Falls es eine komplett
neue Generation von Kernkraftwerken geben sollte, deren Wirtschaftlichkeit, Sicherheit und Müllbilanz dramatisch besser sind, dann solltet ihr angesichts des Klimawandels vielleicht dafür offen sein, zu schauen, ob sie Teil der Lösung sein könnten."
"
Rassismus ist kein Gefühl, sondern etwas das man analysieren kann", sagt die Kulturwissenschaftlerin und Romanautorin (
"Identitti")
Mithu Sanyal im
SZ-Gespräch mit Nadja Schlüter. Sie hält es für falsch, dass nur von Rassismus Betroffene über Rassismus reden dürfen - zumal dann auch Weiße von Rassismus betroffen sein können, meint sie: "Weil man privilegiert ist und man
auf der Seite der Schuldigen steht. Da muss man doch darüber nachdenken dürfen, was das mit einem selbst und mit dem eigenen Verhältnis zur Welt macht! Die Forderung 'Ihr müsst den Mund halten und euch schämen!' finde ich politisch absurd. Obwohl ich natürlich auch Menschen kenne, bei denen ich mir denke: 'Halt bitte den Mund.'"