Der
Antirassismus ist eine ethnozentrische Ideologie. Der Rassismus in
muslimischen Gesellschaften wird dagegen kaum thematisiert,
schreibt der schwarze Araber Malcolm Ohanwe bei
bento.de: "Fast jeder nicht-schwarze Muslim und/oder Araber hat schon mal mitbekommen, dass die Tochter
bloß keinen Schwarzen Freund nach Hause bringen darf, weil das unsittlich wäre. Was aber viel zu wenige Leute mitbekommen: Wie grausam der 1.300 Jahre lang andauernde
muslimische Sklavenhandel war. Wie im Libanon oder den arabischen Emiraten
noch heute Menschen mit dunklerer Haut auf widerlichste Art für ihre Arbeit als Kindermädchen oder Bauarbeiter ausgebeutet und ihrer Menschenrechte beraubt werden. Oder wie verschwiegen wird, dass viele bedeutsame Errungenschaften in der 'Islamischen Welt' auf Schwarze Personen zurückgehen."
Das sieht Mohamed Amjahid, Autor des
Buchs "Unter Weißen - Was es heißt, privilegiert zu sein" und selbst marokkanischer Herkunft, anders. Selbst
arabischer Rassismus ist für ihn nur ein abgeschwächter Reflex des weißen,
schreibt er in der
taz: "Die Kehrseite von Rassismus sind ..
weiße Privilegien. Sie gelten überall auf der Welt. Denn der Kolonialismus und die postkoloniale Weltordnung danach haben eine konstruierte Hautfarbenskala
global etabliert: weiß = privilegiert, nichtweiß = weniger oder gar nicht privilegiert. Deswegen versuchen viele Nichtweiße,
Weißsein zu performen. Zum Beispiel beim antischwarzen Rassismus in nordafrikanischen Gesellschaften, die sich angesichts Schwarzer Geflüchteter als 'weißer' konstruieren."
Aber Diskriminierung ist schließlich überall, selbst in den
wohlgeordneten nordischen Ländern, erzählt der estnische Komponist
Jüri Reinvere in der
FAZ: "Die Liste ist endlos; man kann ein amüsantes Scherzo daraus machen oder eine Valse triste..." Und schreibt über ein paar Erfahrungen, die er in
Finnland,
Schweden und auch
Deutschalnd machte. "Ich kann die Beispiele sprudeln lassen wie die Fontäne im Genfer See: Zu einer Zeit, da es in Schweden niemand für etwas Skurriles hielt, dass
Liv Ullmann mit norwegischem Akzent in den Filmen von
Ingmar Bergman spielte, untersagte man mir, im finnischen Radio zu sprechen - wegen meines
estnischen Akzents. Das wurde mir offen mitgeteilt, das blieb nicht im Geheimen. Ich will damit keinesfalls behaupten, dass der
Rassismus einseitig gewesen wäre. Umgekehrt nämlich haben die Esten ein durch und durch zynisches Verhältnis zu den Finnen. Sie sehen sie nur als
kulturlos-prollige cash cows, die über den Tourismus - und den Alkoholkonsum - Riesenmengen an Geld ins Land bringen."
Yascha Mounk hat sein Online-Magazin
Persuasion gegründet, um mit Vernunft auf
kommunitaristische Diskurse antworten zu können. Drei Mediziner
wehren sich heute gegen die Behauptung, der "
Body Mass Index" sei eine rassistische Erfindung, die der Demütigung einer Gruppe diene. Gerade bei Schwarzen in Amerika werde die Diagnose der
Adipositas für rassistische Schlussfolgerungen missbraucht. Dies sei zwar nicht zu bestreiten, so die Autorinnen. "Wie die meisten medizinischen Messgrößen ist der BMI ein unvollkommener Indikator für das Risiko einer schweren Erkrankung oder Sterblichkeit und muss mit anderen Informationen kombiniert werden, um eine individuelle Beurteilung zu ermöglichen. Aber die Behauptung, der BMI solle auf den
Müllhaufen der Medizingeschichte geworfen werden, ist dennoch gefährlich falsch. Weit davon entfernt, den Schwächsten zu schaden, ist er ein entscheidendes Instrument zum Schutz der Gesundheit der schwarzen Bevölkerung und anderer Minderheiten."