9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Ideen

2282 Presseschau-Absätze - Seite 166 von 229

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.01.2018 - Ideen

In der NZZ trauert der Literaturwissenschaftler Daniele Giglioli nicht um den Niedergang des Patriarchats. Doch gehen mit ihm leider auch einige Tugenden unter, meint er: "Die eigentliche Gefahr einer Dekonstruktion der patriarchalen Ideologie besteht darin, dass zusammen mit der Ideologie auch jene Tugenden langsam verschwinden, die der männlichen Dimension zugeschrieben wurden: Mut, Redlichkeit, Verantwortung, Sorge um das öffentliche Leben, Gemeinsinn. Niemand würde solche Werte kritisieren, so viel ist gewiss. In der Praxis schwinden sie aber, und wir sollten uns nichts vormachen: Dies ist die Kehrseite der an sich unumstrittenen Kritik am Patriarchat."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.01.2018 - Ideen

Am Wochenende fand in der Berliner Akademie der Künste eine internationale Tagung zum Thema "Koloniales Erbe. (Post-) Koloniales Unrecht und juristische Interventionen" statt. Arno Widmann berichtet darüber in der Berliner Zeitung. In der Frankfurter Rundschau erklärt einer der Hauptredner der Tagung, der australische Jurist Antony Anghie, im Interview, wie stark das Völkerrecht immer noch im Kolonialismus verhaftet ist: "Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Völkerbund gegründet. Er nahm deutsche und osmanische Kolonialgebiete in seine Obhut. Dieses Mandatssystem behauptete, die Rechte der Einheimischen zu schützen, aber es ermöglichte eine fortgesetzte Ausbeutung der Rohstoffe. Viele der Machttechnologien, die durch das Mandatssystem des Völkerbundes entstanden sind, sind auch in modernen Organisationen wie der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds sichtbar. ... es ist wirklich amüsant, dass sich sogar Europa jetzt Sorgen über Investitionsschutzabkommen macht. ... Viele der Probleme, die die Globalisierung in der Dritten Welt verursacht hat, erfährt jetzt der Westen am eigenen Leib. Die Globalisierung hat in vielen Entwicklungsländern zu massiven sozialen Verwerfungen geführt, was große soziale Spannungen erzeugt hat. Und sobald es diese sozialen Spannungen gibt, ist Nationalismus eine einfache Antwort."

"Das Rätsel der Willensfreiheit mag unauslotbar sein", dennoch sollten wir an ihr festhalten, meint der Philosoph Peter Strasser in der NZZ: "Es gibt keinen Grund, die sittlichen, werthaften Fundamente unseres Menschseins ständig infrage zu stellen, weil es Labors gibt, in denen Spezialisten die Angehörigen unserer Gattung auf Gehirne, Nervenbahnen und Hormone 'herabbringen'. Die Wissenschaft hat bisweilen eine Neigung, bei strenger Leugnung der Existenz Gottes dessen Stelle einzunehmen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.01.2018 - Ideen

Die taz erinnert mit einem Dossier an den Tunix-Kongress von 1978, jene schillernden Tage vom Januar 1978, mit denen nach dem Deutschen Herbst eine alternative Linke wieder etwas Buntheit in den Berliner Winter und das Land bringen wollte. Für Dirk Knipphals markierte der Kongress vor allem zehn Jahre nach 1968 den großen Farbwechsel im linken Spektrum: "Entscheidend war ein Paradigmenwechsel, der sich eben erst nach 68 vollzog und durch Tunix institutionalisiert wurde: der Wechsel vom Veränderungswillen des Ganzen dazu, die bestehenden Strukturen sozusagen links liegen zu lassen, die in ihnen entstandenen Nischen kreativ zu nutzen und so eine alternative Infrastruktur aufzubauen. Politisch war 68 noch getragen von prinzipieller Revolutionshoffnung, man glaubte an eine Allianz der Studenten mit der Arbeiterschaft, es ging darum, das System als Ganzes zum Umsturz zu bringen. Zehn Jahre später hatten sich diese Illusionen erledigt. Den Initiativgruppen von 78 ging es um die Durchsetzung konkreter Projekte. Alternative Parteien, alternatives Leben, alternative Zeitungen."

Ausgerechnet in der NZZ bricht Peter Sloterdijk gegen Universalismus und Kosmopolitismus eine Lanze für den Tribalismus, den er dann allerdings recht ungefähr mal als Hang zur Hordenbildung, mal als Gemeinschaft und mal als Netzwerk beschreibt: "Nicht freiwilligen Stammesbildungen sind das Problem, sondern umgekehrt: Wo solche spontanen Stammesbildungen fehlen, kommt es zu sozial und politisch problematischen Situationen. In ihnen werden desorientierte und entwurzelte Einzelne von absorbierenden Massenbewegungen angezogen, die eine Heimat in abstrakten Engagements versprechen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.01.2018 - Ideen

Muslimische Männer haben ein Imageproblem - und das nicht nur im Westen, weiß die kanadische Immunologin und Publizistin Shereen el-Feki, die zusammen mit der Washingtoner NGO Promundo  fast 10 000 Männer und Frauen zwischen 18 und 59 Jahren in Ägypten, Libanon, Marokko und Palästina zur Situation des arabischen Mannes befragt hat. 90 Prozent der Befragten gaben an, sich Sorgen um die Familie zu machen, schreibt sie in der Süddeutschen. Der Hauptgrund ist die hohe Arbeitslosigkeit: "Die Hälfte der befragten Männer in Ägypten und Palästina gab an, dass sie sich häufig gestresst oder depressiv fühlen oder sich vor ihren Familien schämen. Über 60 Prozent der Männer fürchten, dass sie ihre Familie nicht ernähren können. Viele Studien auch aus anderen Regionen der Welt zeigen einen Zusammenhang zwischen Männlichkeit und Broterwerb. Und wie überall hat er tief greifende Konsequenzen für die männliche Gemütsverfassung. In Ägypten sprachen die Männer davon, dass sie nur mit Schmerztabletten durch den Tag kommen. Syrische Flüchtlinge berichten, dass sie sich in doppelter Hinsicht entmannt fühlen - durch den Mangel an Arbeit und die staatliche Überwachung. Beides führt dazu, dass ihre Frauen und Töchter mobiler sind und mehr Geld verdienen, sei es durch humanitäre Hilfe oder Kleinjobs." (mehr von El-Feki zum Thema bei CNN)

"Schrill" finden die Islamwissenschaftler Anke von Kügelgen und Ulrich Rudolph die Kritik an ihrem Fach, die Bassam Tibi kürzlich in der NZZ übte (unsere Zusammenfassung). Schon der Vorwurf, "die deutschsprachige Islamwissenschaft sei zu Beginn des 20. Jahrhunderts von 'Orientalismus' und 'Rassismus' gekennzeichnet gewesen", ist ihnen zu pauschal: Das sei einerseits richtig und werde aufgearbeitet. "Irreführend ist es dagegen, diese Problematik allein in der Islamwissenschaft zu verorten, denn sie betraf ebenso viele andere universitäre Fächer (in Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften einschliesslich der Politologie). Noch irreführender ist es, sie speziell deutschsprachigen Akademikern anzulasten. Orientalismus und Rassismus waren damals überall in Europa an Universitäten, aber auch in der Literatur, der Kunst usw. verbreitet."

Im Aufmacher des Zeit-Feuilletons kritisiert Gero von Randow den Neonationalismus vieler Linker: "Wer sich mit Anhängern der Linken unterhält, hört bisweilen Orbánsche Argumente: Dann ist die Einwanderung eine Waffe von Ultraliberalen gegen die deutsche Arbeiterklasse. In den Worten Sahra Wagenknechts: 'Jetzt wollen sie auch noch in größerem Umfang als bisher billige Arbeitskräfte für den deutschen Arbeitsmarkt rekrutieren. Deshalb trommeln sie für ein Einwanderungsgesetz, es soll den Druck auf die Löhne weiter verstärken.'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.01.2018 - Ideen

Über die Frage, ob man "mit Rechten reden" soll, ist man in Österreich hinaus, schreibt Isolde Charim in der taz. Ohnehin liegt in der Annahme, dass das Reden was bringt, in den Augen der "Rechten" ein nützliches Missverständnis, meint sie, denn ihnen geht es "nicht ums Austauschen, Diskutieren, sondern um Deutungshoheit. Um die 'Revision des Sichergeglaubten', wie sie es nennen. Es geht darum, das 'linksliberale Dauerfeuer' zu torpedieren. Was aber ist das Medium des Liberalismus? Das öffentliche Gespräch. Deshalb ist es für die Rechten so wichtig, ihr Personal durchzusetzen. Relevant ist: Wer spricht? Etwa im TV. Und relevant ist: Wo spricht man? Deshalb zählen die Orte: Je repräsentativer desto besser."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.01.2018 - Ideen

In der NZZ erklärt Ulrich M. Schmid, wie drei Kreml-Polittechnologen - der Chefideologe der Regierungspartei Einiges Russland Wladislaw Surkow, Außenminister Sergei Lawrow und der rechtsnationalistische Philosoph Alexander Dugin - versuchen, in Russland eine vom Westen unabhängige Zivilisation aufzubauen, indem sie die Geschichte umschreiben: "Grundsätzlich lassen sich drei staatstragende Geschichtskonzeptionen unterscheiden, die in die Öffentlichkeit eingespeist werden: das 'ultranormale' Ende der Geschichte, die zivilisatorische Dividende der Revolution und das Imperium als 'Katechon'. Alle drei machtpolitischen Geschichtsverwertungen bauen auf einem hegelianischen Staatsverständnis auf."

Außerdem: Im Freitag denkt Georg Seeßlen in einem ausführlichen Essay über Fortschritt als Ideologie nach.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.01.2018 - Ideen

Schwerpunkt #MeToo-Debatte

Dunja Bialas stellt bei artechock den "Aufruf der Catherines" (Catherine Millet, Catherine Deneuve, Catherine Robbe-Grillet) gegen #MeToo in den Zusammenhang der französischen Geistesgeschichte. Die Autorinnen seien weder klassische noch neumodisch genderistische Feministinnen: "Im Gegenteil halten sie eine Tradition hoch, die als Kulturgut in Frankreich eingeschrieben ist. Die Kunst zu gefallen und zu verführen, der 'libertinage' als sexuelle Freizügigkeit, das alles gab es bereits in der höfischen Gesellschaft unter dem angeödeten, weil funktionslos gewordenen Adel von Versailles. Allenthalben wird für diese Zeit (und für herausgehobene Schichten) ein gleichberechtigtes Geschlechterverhältnis festgestellt, in dem die Frauen stilgebend (die Mode der Männer effeminierte sich zusehends), aber auch intellektuell äußerst einflussreich waren." Gleichzeitig wirft Bialas den Catherines vor, "absichtlich #Metoo und die daraus resultierende neue feministische Bewegung misszuverstehen".

Als Transmann (Ex-Frau) hat der französische Philosoph Paul B. Preciado, dessen Libération-Artikel von Zeit online übersetzt wird, noch ganz andere Einsichten zur Angelegenheit: Heterosexualität sei eine Regierungsform, das Bestehen der Catherines auf Verführung, ja nervender Anmache sei vorgestrig. "Die Verführung wird ästhetisiert, das Begehren stilisiert. Eine historische, konstruierte Form der Herrschaft stabilisiert das Machtgefälle durch erotische Aufladung. Diese Politik des Begehrens hält das geschlechtliche Ancien Régime am Leben, allen Versuchen der Gleichstellung und des Empowerments von Frauen zum Trotz. Das nekropolitische, heterosexuelle Regime ist genauso erniedrigend und zerstörerisch, wie es das Lehnswesen und die Sklaverei im Zeitalter der Aufklärung waren." Queerer Gott, erlöse uns von allem Übel!

Ganz anders sieht es der (bekennend schwule) Großessayist Andrew Sullivan im New York Magazine. Er erzählt, wie er einmal eine Testosteron-Therapie erhielt und die zweiwöchentliche Injektion fast wie einen  Drogenrausch der Männlichkeit erlebte. "Diese Baucherfahrung öffnete mir die Augen für die schiere, immense  natürliche Differenz zwischen Mann- und Frausein und half mir, besser zu verstehen, dass Natur uns  weit mehr im Griff hat, als wir glauben. Ich erzähle das, weil diese natürliche Realität - die in Chrosomen und Genen, die kein Wissenschaftler bestreitet, festgeschrieben ist - in unserer immer hitzigeren Debatte um Geschlechterbeziehungen und #MeToo kaum erwähnt wird. Sie scheint geradezu tabu zu sein. Man kann ein Leben mit Gender Studies verbringen, und sie wird nicht einmal erwähnt. Alle Unterschiede zwischen den Geschlechtern, so sagt man uns heute, sind eine Funktion der ewigen Unterdrückung der Frauen durch Männer, des 'Patriarchats', das diese Unterjochung  verlangt und der Machtstrukturen, die zu Frauenfeindlichkeit führen."

Außerdem: Die Grünen-Politikerin Tabea Rößner betont im Tagesspiegel, dass es in der #MeToo-Debatte keinen Genie-Vorbehalt für die Kunstwelt geben darf.

=====================


Die Philosophin Donata Schoeller preist in der NZZ den Wert des Geplauders, weil sich manchmal Gedanken erst beim Sprechen herausbilden: "Nicht nur Dichter des 18., auch Wissenschafter des 20. Jahrhunderts setzen auf diese Methode, wenn sie, wie etwa Werner Heisenberg, ein Sich-Heranreden zur Technik im Umgang mit einer noch diffusen Idee machen. In dieser Phase lehnte Heisenberg die Sprache der Mathematik ab. Man tastete sich vor, versuchte sich gegenseitig zu verstehen, wobei es vor allem darum ging, 'den Ball im Spiel zu halten', nämlich diejenige Idee, um die es noch unklar ging. Währenddessen wurden die Vorstellungen und Begriffe schärfer." 

Außerdem: Rolf Dobelli denkt in der NZZ über den Wert der Allgemeinbildung im Zeitalter der Spezialisten nach.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.01.2018 - Ideen

Die heute modische Linke überträgt gern Begriffe aus der amerikanischen Diskussion auf die deutsche Situation. Aber das ist manchmal fahrlässig, erkennt die taz-Autorin Amna Franzke bei der Lektüre des Buchs "We Were Eight Years in Power" von Ta-Nehisi Coates: "Einen Blick auf den US-amerikanischen Diskurs zu werfen, um über Rassismus hier zu sprechen, ist gar nicht so leicht. Es fängt schon mit dem Begriff Race an. Man kann ihn nicht einfach mit 'Rasse' übersetzen. Wenn in den USA von Race die Rede ist, geht es nicht nur um biologische Merkmale. Der Begriff hat einen ganz anderen Bedeutungszusammenhang als im Deutschen. Race ist eine politische Kategorie, keine biologische. Es geht nicht nur um Hautfarbe, es geht um Kultur, um Nationalität. Aber wie dann?"

Außerdem: Isolde Charim schreibt in der taz einen Nachruf auf die Zeitschrift Transit des Wiener Instituts für die Wissenschaften vom Menschen, deren letzte Ausgabe mit Beiträgen von Ivan Krastev, Karl Schlögel, Claus Offe und Timothy Garton Ash gerade erschienen ist.In der SZ sucht der Politikwissenschaftler und Ideenhistoriker Jan-Werner Müller nach Erklärungen für den fehlenden zivilen Ungehorsam in den USA unter Trump. Im Laufe des ersten Amtsjahres seien Standards nach unten revidiert worden, Würde- und Schamlosigkeit habe eine neue Normalität geschaffen, meint er.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.01.2018 - Ideen

In der deutschen Islamwissenschaft herrschen Schriftgläubigkeit, Vorurteile über die Ahistorizität des Islams, Relativismus und häufig auch ein umgekehrter Rassismus, schreibt Bassam Tibi in einem Essay für die NZZ: "Die kulturrelativistische deutsche Islamwissenschaft ..  eskamotiert alle Probleme und Sachlagen. Dies geschieht zugespitzt durch den Islamwissenschafter Frank Griffel, der in der Süddeutschen Zeitung ernsthaft schrieb: 'Der Islam kannte keine Reformation und keine Aufklärung. […] Dabei hatte der Islam beides gar nicht nötig. Sein Unglück war der Westen.' Empörender und für Muslime beleidigender geht es wohl kaum in der Umkehrung des Orientalismus."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.01.2018 - Ideen

Ein Gutes hat der Streit um Simon Strauß, dem die taz vorwarf, eine "rechte" Agenda zu bedienen (unsere Resümees hier und hier) - nun wurde daraus ein Streit mit Simon Strauß, ausgetragen im Organ der Romantiker des 21. Jahrhunderts, Facebook. Eine literarische Gruppe um den Korbinian Verlag, dessen Autor Leonhard Hieronymi Strauß schätzt, nahm vor einigen Tagen die Vorwürfe des taz-Artikels auf und versuchte eine Trennlinie zwischen dem Romantizismus Hieronymis und Strauß' zu definieren, der eine Ästhetisierung der Politik betreibe: "Tatsächlich erscheint fast jede Woche ein neuer Text von Strauß, in dem dieser es sich nicht verkneifen kann, wieder und wieder von heldenhaften Männern und von einer Literatur zu träumen, die sich nur der Ästhetik verpflichtet fühlt. Dieses Gefasel und sein Rückgriff auf den ohnehin problematischen und sehr deutschen Geniekult-Begriff scheint vor allem notdürftig verschleiern zu wollen, dass Strauß in beinahe jedem dieser Texte eine nach allen Seiten offene Gesellschaft kritisiert."

Strauß antwortet auf Facebook: "Liberalismus und Romantik sind genauso wenig Gegensätze wie man einfach sagen kann, dass die postmoderne Erkenntnistheorie nichts von der romantischen Wahrnehmungsweise gelernt hätte. Und übrigens wird auch Maren Ade als romantisch beschrieben, die kennt ihr doch wenigstens, oder? Ernst Jünger - ich kann da nur lachen. Wer allen Ernstes glaubt, diesen Autor allein durch Verweis auf sein 'Männlichkeitsbild' denunzieren zu können, der muss in der gesamten Literatur kräftig aufräumen."

In der taz nimmt Nora Bossong Strauß, mit dem sie befreundet ist, in Schutz: "Ob man mit Rechten reden soll oder nicht, darüber wurde in den letzten Monaten viel debattiert. Es gibt gute und weniger gute Argumente dafür und dagegen. Dass allerdings, wer einmal mit einem Neurechten redet, gleich selbst einer ist, ist kein Argument, sondern reine Angstmache und Unterstellung."

Kenan Malik
spricht im Interview mit Hansjörg Müller von der Basler Zeitung über seine Kritik an der Ideologie des Multikulturalismus und am Begriff der "Islamophobie": "Von diesem Begriff halte ich überhaupt nichts. Wer von Islamophobie redet, verwechselt zwei Dinge: Kritik am Islam und Hass auf Muslime. Die Kritik am Islam sollte keine Grenzen kennen, er sollte hinterfragt werden dürfen wie jede andere Religion oder jede politische Bewegung. Diskriminierung und Hass gegen Muslime gibt es natürlich, aber im Zuge von deren Bekämpfung sollten wir nicht Religionskritik unmöglich machen. Wer da nicht sauber unterscheidet, erlaubt es Rassisten, sich zu verstecken."