9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.04.2021 - Ideen

Auf der Gegenwart-Seite der FAZ erklärt der Soziologe Armin Pfahl-Traughber, warum er die Begriffe "Islamophobie" und "antimuslimischer Rassismus" zu ideologisch findet, als dass sie tatsächliche Diskriminierungen beschreiben könnten. Zwar seien sich die Anhänger des Begriffs "antimuslimischer Rassismus", bewusst, dass der Islam keine "Rasse" ist, aber die Beobachtung, dass sich der Streit aufs kulturelle Feld verschoben habe, reiche nicht aus. "Diese Beobachtung geht indessen mit einem Denkfehler einher: Ethnische Besonderheiten können nicht aus der Position einer Verteidigung von Menschenrechten kritisiert werden, was bei kulturellen Besonderheiten, die sich zum Beispiel in Antisemitismus, Frauendiskriminierung oder Homosexuellenfeindlichkeit äußern, sehr wohl möglich ist. Gerade diesen Unterschied verwischt jedoch der Begriff 'antimuslimischer Rassismus'." In der Folge warnt Armin Pfahl-Traughber vor jenem Schulterschluss, der in Frankreich mit dem Begriff "Islamogauchisme" belegt wird: "Die Identitätslinke und Islamisten und der von ihnen betriebene Diskurs sind von einem antiindividualistischen Menschenrechtsrelativismus geprägt."

In der NZZ antwortet der Politikwissenschaftler Felix Heidenreich auf seinen Kollegen Jan-Werner Müller, der kürzlich die Klagen über Cancel Culture als wehleidige Übertreibung beschrieben hatte, die Liberale und Konservative gerne nutzten, um nicht über die viel größere ökonomische Ungleichheit reden zu müssen. Auch Heidenreich findet die Konzentration auf Einzelfälle der Cancel Culture völlig übertrieben. Er glaubt aber, dass Konservative und Reaktionäre (die Liberalen fallen in diesem Teil seines Artikels unter den Tisch) sich vor allem darüber ärgern, dass ihnen die Moral aus den schwitzenden Händchen gewunden wird: "Aber war das Einklagen von 'korrektem Verhalten', von Höflichkeit, Anstand, Sitte, ja von Moral früher nicht genau die Kernkompetenz des Konservativismus? 'Das gehört sich nicht!', 'So etwas sagt man nicht!', 'Achte auf deine Ausdrucksweise!' - das waren Sätze, die man im Adenauer-Deutschland wohl recht oft zu hören bekam. Und nun soll das Einklagen moralischer Standards, der Appell an Höflichkeit und Rücksicht, ja 'Correctness' plötzlich eine schändliche Moralisierung sein? Eigentlich kann es doch für echte Konservative gar nicht genug Moral geben", spottet Heidenreich.

In der Welt wundert sich Tobias Käufer nach dem Abgang des gern als "Reformer" beschriebenen Raúl Castro, wie wenig sich die Linke für unterdrückte Minderheiten in Kuba wie Homosexuelle, Aktivisten, Künstler und Blogger interessiert: "Kubas Menschenrechtsverletzungen werden bis heute von der globalen Linken akzeptiert und toleriert. Das zum Beispiel unterscheidet Sozialdemokratie und Grüne von der Linkspartei: das kategorische Nein zum Schießbefehl-Sozialismus, in dem Mord, Folter, Repression und Massenvertreibung billigend mit eingepreist sind. Während im Mittelmeer Aktivisten afrikanische Bootsflüchtlinge zu retten versuchen, sind bis heute Tausende kubanische Bootsflüchtlinge auf offener See beim Versuch, in die USA zu fliehen, ertrunken. Einsam, anonym, vergessen, von den Castros auch mal als arbeitsscheues Gesindel diffamiert. Wie viele, das weiß niemand, und es interessiert auch niemanden."

Außerdem: In der NZZ stellt Hans Ulrich Gumbrecht Peter Sloterdijk als den "heitersten aller Philosophen" vor. Und im Interview mit Zeit online denkt die Technikphilosophin Jessica Heesen über Grundregeln für die KI nach.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.04.2021 - Ideen

Der Soziologe Armin Pfahl-Traughber erklärt bei hpd.de in trocken lexikonhaften Absätzen, wie sich die Diskurse der "Identitätslinken" definieren". Von der "identitätsrechten" grenze sie vor allem ab, dass sie nicht fremdenfeindlich sei und kein Territorium bereinigen wolle: "Gleichwohl gibt es auch formale Gemeinsamkeiten: Man denkt in den Dimensionen von Kollektiven, es gibt in den Gruppen eine reine Wesenheit, deren Identitäten haben einen herausragenden Stellenwert und die Separierung von Zugehörigkeiten soll wichtig sein."

In der FR verteidigt Micha Brumlik nochmal die "Jerusalem Declaration on Antisemitism", die Kritik an der Existenz Israels und BDS als "nicht per se antisemitisch" einstuft, und auch Achille Mbembe gegen einen Artikel Thomas Schmids in der Zeit (unser Resümee und Link): "Wir haben auf 800 Seiten Mbembe-Lektüre keine antisemitischen Stereotype finden können - wenngleich ihm gelegentlich antijudaistische Floskeln unterlaufen."

Außerdem: In der NZZ fordert der Philosoph Eduard Kaeser eine "neue Aufklärung", die sich gegen Cancel Culture und für die Trennung von Erkenntnis und Moral starkmacht.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.04.2021 - Ideen

Es werden Genozide kommen, noch schlimmer, als alle Genozide, die es je gegeben hat - durch die Klimakrise, warnt der postkoloniale Historiker Jürgen Zimmerer im Interview mit Petra Schellen von der taz-Nord. Zimmerer, der der westlichen Welteroberung die Schuld am Problem gibt, gehört zu den Unterzeichnern eines Appells, in dem Genozidforscher vor der Klimakrise warnen. "Und Europa wird sich nicht abschotten können. Damit stellt sich die Frage: Wird Europa bereit sein, seine Grenzen noch stärker mit Waffengewalt gegen Klimageflüchtete zu verteidigen, wird man auf Menschen schießen lassen? Und was macht das mit dem Liberalen, Freiheitlichen, Humanitären, auf das sich Europas Selbstverständnis gründet? Wird das autoritäre Tendenzen weiter stärken? Wir erleben schon jetzt einen Rechtsruck, eine Verteidigungsbewegung, um die Welt, wie man sie kennt, aufrecht zu erhalten. " Auch die Genozidforschung müsse ihren Blick ändern. Sie habe sich "bislang stark auf ideologische Ursachen konzentriert. Das liegt daran, dass sie aus der Holocaust-Forschung kommt." In dem Aufruf der Forscher ist gar von einem kommenden "Omnizid" die Rede.

Außerdem: Der Historiker Matthew Vollgraff antwortet in der FAZ auf Horst Bredekamp, der dem Humboldt-Forum unter postkolonialen Vorzeichen vorwarf, die liberale Tradition der Ethnologie unterzupflügen (unsere Resümees). Bredekamp, so Vollgraff , wolle "die Geschichte der Ethnologie zu einer rein geistigen Ideengeschichte zu erheben, ohne sich mit ihren konkreten Verstrickungen mit den Orten imperialer Expansion oder kolonialer Plünderung aufzuhalten." Jürgen Schloemann fasst in der SZ die Debatte um die "Classical Studies" und ihren angeblichen Rassismus zusammen, die zur Schließung der altphilologischen Institute an der schwarzen Howard University führten (unser Resümee). In der Zeit verteidigt der Politologe Thomas Biebricher die Postmoderne gegen aktuelle Kritik im Namen der Aufklärung.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.04.2021 - Ideen

"Wer die Emissionen innerhalb von neun Jahren ernsthaft um 70 Prozent senken will, der wird sehr radikal in die Landschaft eingreifen müssen", meint Alex Rühle in der SZ und sieht genau darin den bisher noch halbwegs zugedeckten, riesigen Konflikt zwischen Klimaschützern bei den Grünen einerseits und Naturschützern bei den Konservativen andererseits. Klimapolitik brauche "schlicht Anbaufläche: Windkrafträder muss man genauso irgendwo hinstellen wie Solarpanels - und diese Flächen sehen dann eben nicht mehr aus wie die Landschaften auf den Gemälden von Caspar David Friedrich (dass sie das vorher auch schon nicht taten, sei mal außen vor gelassen). Wenn dann auch noch eine seltene Vogelart wie der Rotmilan droht in Mitleidenschaft gezogen zu werden, können die Kritiker unter einem extrem medienwirksamen Wappentier in den Kampf gegen 'Vogelschredder' und 'Verspargelung' ziehen."

Wie schade, dass Debatten heute oft so humorlos und dogmatisch verkniffen geführt werden, wenn sie überhaupt noch geführt werden, bedauert Roman Bucheli in der NZZ. So haben der Schriftsteller Edouard Louis und der Soziologe Geoffroy de Lagasnerie bereits 2015 in einem Manifest in Le Monde erklärt, sie wollten mit bestimmten Leuten überhaupt nicht mehr über gewisse Themen reden. "Mit dem Ausschluss all jener, deren Meinungen per Dekret gerade nicht genehm sind, konterkarieren sie ihre Absichten. Den Widerspruch als Grundprinzip der pluralistisch verfassten Gesellschaft mögen manche als Ärgernis und als lästig empfinden, weil damit die Durchsetzungskraft von Partikularinteressen geschmälert wird. Aber was wäre die Alternative? Die Totenstille des totalen Konsenses etwa?"

Antifaschismus ist in den letzten Jahren recht populär geworden, schreibt der Politikwissenschaftler Eckhard Jesse in der NZZ. Dies führt auch dazu, dass die Partei Die Linke immer erfolgreicher ihr Ansinnen verfolgt, "eine antifaschistische Klausel in Verfassungen einzuweben. Auf diese Weise könnte die Partei ihre Deutungsmacht vergrößern und das Demonstrationsrecht für (tatsächliche oder vermeintliche) Rechtsextremisten (weiter) erschweren", meint Jessen, der eine solche Klausel für "überflüssig", "illiberal", "überfrachtet" und "missbrauchsanfällig" hält.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.04.2021 - Ideen

Wir sind das Volk? Und wo steht dann die Verfassung? Es lohnt sich durchaus, auch mal bis zur Antike zurückzublicken, selbst bei Verfassungsfragen, empfiehlt in der NZZ der Historiker Benjamin Straumann, der die amerikanischen Gründerväter als Vorbild sieht. Sie stützten sich bei der Formulierung der amerikanischen Verfassung auf Texte des griechischen Historikers Polybios, Montesquieus und Ciceros, dessen Begriff der Republik für John Adams zentral war, so Straumann: "Cicero hatte das Recht zur notwendigen Bedingung jeglicher Staatlichkeit erhoben. Die Zustimmung des Volks zum Recht war für ihn keine Bedingung, sondern die Folge der Gerechtigkeit der Rechtsordnung. Volkssouveränität setzte also eine minimale Verfassungsrechtsordnung immer bereits voraus. Wurde diese Ordnung nun zum Spielball von Gesetzesrecht, dann war der Staat in Gefahr - so Ciceros Diagnose für den von ihm miterlebten Zerfall der römischen Republik im ersten vorchristlichen Jahrhundert. Für die amerikanischen Verfassungsgeber war Cicero zentral, weil er eine befriedigende Interpretation der Volkssouveränität in Aussicht stellte."

Außerdem: Sina Arnold vom Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin und der Paderborner Historiker Sebastian Bischoff wenden sich in der taz gegen eine neue Vereinnahmung des Begriffs der Nation von linksliberaler Seite, wie er zum Beispiel von Aleida Assmann betrieben werde. In der NZZ grämt sich der Philosoph Alexander Grau über die wenigen Konservativen, die es noch gibt, die ihm viel zu lasch und spießig sind.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.04.2021 - Ideen

Helmut Ortner liest für hpd.de Gerd Schwerhoffs Studie "Verfluchte Götter - Die Geschichte der Blasphemie", die unter anderem zeigt, dass das Thema bizarrer Weise aktueller denn je ist. Der Terrorismus, so Ortner, ist nur "der blutige Begleitrahmen eines Prozesses, der seit einigen Jahren im Gange ist: die Einschüchterung des Denkens, die Bekämpfung des Rechts auf freie Meinung, einschließlich des Rechts auf Spott. Nein, Gotteslästerung ist kein Relikt von gestern. Ob die Punk-Gebete von Pussy Riot, die Satanischen Verse Salman Rushdies oder Mohammed-Karikaturen von Charlie Hebdo: sie alle wurden unter dem Etikett Blasphemie traktiert, verfolgt, bedroht - getötet."

Sehr freundlich, aber deutlich in der Sache kommentiert der Historiker Peter Longerich im Gespräch mit Klaus Wiegrefe vom Spiegel die "Jerusalem Declaration" als "etwas naiv": "Die BDS-Bewegung ist doch Teil des palästinensischen Kampfes gegen Israel mit dem Ziel der Beseitigung dieses Staates. Wie muss man sich eine Abschaffung Israels vorstellen? Doch wohl kaum als einen menschenrechtskonformen friedlichen Transformationsprozess. Es gibt eine Grauzone, in der Israel-Feindschaft nicht mehr von Antisemitismus unterschieden werden kann."

Kürzlich hatte der Historiker Michael Wolff die unter dem Titel "Kant - ein Rassist?" stattfindende Diskussions-Reihe der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in der NZZ scharf kritisiert. (Unser Resümee). Kant war aber "Rassist, Semi-Rassist, Ethnizist und Kulturchauvinist, und zwar in allen Phasen seines Denkens", entgegnet ihm heute der Philosoph und Mitveranstalter der Reihe, Dieter Schönecker, ebenfalls in der NZZ: "Rassistisch ist Kants Rassenthese dadurch, dass er menschliche Rassen in Bezug auf ihre, wie er sagt, 'unausbleiblichen' erblichen Merkmale abwertet oder sogar hierarchisiert. Semi-rassistisch sind Kants abwertenden Bemerkungen über Völker (die keine Rassen sind, sondern Varietäten), sofern er sie mit seiner Rassentheorie verknüpft oder aus ihr ableitet. Die diskriminierende Abwertung von nicht-unausbleiblich erblichen Eigenschaften von Völkern - etwa der Haarfarbe -, ist ethnizistisch. Und dort, wo Kant Völker, Nationen und Kulturen in Bezug auf nicht-erblich fundierte kulturelle Leistungen und Ausprägungen herabsetzt, bietet sich der Begriff des Kulturchauvinismus an."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.04.2021 - Ideen

Neue autoritäre Politik braucht nicht mehr das Militär und Gewalt um sich durchzusetzen, schreibt  Sozialanthropologin Shalini Randeria in der Zeit. Sie nennt Polen und Ungarn, aber auch Brasilien als Beispiele: "Sanft autoritäre Politiker legitimieren sich durch klare Wahlsiege bei formal demokratischen Wahlen. Sie setzen ihre Macht dann jedoch dazu ein, die Institutionen von innen heraus auszuhöhlen. Wesentliche Eckpfeiler liberaler Demokratien wie die Prinzipien der Gewaltenteilung, der Rechtsstaatlichkeit und des Schutzes von Minderheiten werden dadurch untergraben. Weil diese Verschiebungen fast unmerklich und schleichend vor sich gehen, lässt sich dieser Autoritarismus als 'sanft' bezeichnen. Doch die Folgen für die Zukunft liberaler Demokratien sind nicht minder schwerwiegend."

Außerdem: Herfried Münkler fragt ebenfalls in der Zeit, ob Armin Laschet oder Markus Söder dem Wort "konservativ" heute noch einen Sinn geben können. Mathias Brodkorb berichtet in der FAZ von einem Protest des Asta der Uni Osnabrück gegen einen Auftritt des Altphilologen Egon Flaig, der ein Rechter sei.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.04.2021 - Ideen

In Indien hat sich längst eine neue Elite gebildet, die sich nicht mehr an westlichen Standards orientiert, schreibt der Genetiker Razib Khan in einem kleinen Essay für das Magazin Unherd. Diese neue gebildete Klasse ist es, die auf den Hindunationalismus Narendra Modis anspricht: "Sie sind oft Hindus mit einer sehr traditionalistischen Gesinnung, unberührt von Nehrus theosophischen Neigungen und kosmopolitischen Erfahrungen. So wie Salafismus und islamischer Fundamentalismus Reaktionen auf die Moderne sind, so ist der Hindu-Nationalismus weniger ein Atavismus als eine neue Bewegung, die aus einer Synthese der traditionellen indischen Religion mit der modernen Welt und ihren Anforderungen hervorgeht. So wie das einstige Dorfleben kaum mehr prägend ist, so weicht auch der an der von dieser Lebensweise bestimmte Hinduismus zurück. An seine Stelle ist etwas Muskulöseres, Universelleres und Monochromeres getreten."

Außerdem: War Kant ein Rassist? Das fragt die Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) auf ihrer Internetseite, aber die Frage ist wohl nur rhetorisch gemeint, denn schon im Ankündigungstext ist die Rede von den "rassistischen Äußerungen Kants", ärgert sich der Philosoph Michael Wolff in der NZZ und nimmt im Detail die Vorträge, die als Videos zu sehen sind, auseinander.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.04.2021 - Ideen

Cancel Culture gibt es eigentlich kaum, oder wenn, ist sie ganz unbedeutend, hatte Jan-Werner Müller kürzlich in der NZZ behauptet. Dagegen kommt heute scharfer Widerspruch von dem Philosophen Dieter Schönecker, ebenfalls in der NZZ, der das "polemische Verharmlosung" nennt: "Der Vorwurf der akademischen Cancel-Culture kann kaum nur an den Haaren herangezogen sein, wenn prominente amerikanische Intellektuelle 2015 die Heterodox Academy mit mittlerweile 4000 Mitgliedern gründen, um der politischen Einseitigkeit an amerikanischen Universitäten entgegenzuwirken. Und es passt auch schlecht zu der These Müllers, die Lehrenden an den Colleges und Universitäten wollten 'immer möglichst alle Gesichtspunkte darlegen'. ... Nicht nur beträgt das Verhältnis registrierter Demokraten zu registrierten Republikanern 8,5:1, an den geisteswissenschaftlichen Departments ist das Verhältnis noch viel unausgewogener: Anthropologie 42,2:1, Englisch 26,8:1, Soziologie 27:1. Und zählen die von der Foundation for Individual Rights in Education (FIRE) in sehr großer Zahl dokumentierten Fälle akademischer Freiheitseinschränkungen nichts (siehe auch hier)?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.04.2021 - Ideen

Drei Antisemitismus-ForscherInnen, nämlich Julia Bernstein, Lars Rensmann und Monika Schwarz-Friesel kritisieren in der Jüdischen Allgemeinen die pompös auftretende neue Antisemitismus-Definition der "Jerusalem Declaration" der sie vorwerfen, israelbezogenen Antisemitismus als "nicht per se" antisemitisch kleinzureden und Antisemitismus als bloßen Rassismus zu behandeln: "Die konturiert rassistische Variante der NS-Zeit findet sich heute noch bei Rechtsextremisten und Neonazis, nicht jedoch im linken, muslimischen und Mitte-Antisemitismus. So erfasst diese 'Definition' nicht die Vielfalt der Ausdrucksformen von Antisemitismus im 20. und 21. Jahrhundert."

Der Soziologe Armin Pfahl-Traughber wirft Anhängern linker Identitätspolitik in der NZZ "Menschenrechtsrelativismus" vor, der sich unter anderem dadurch äußere, dass ein als diskriminiert geltendes Kollektiv nicht kritisiert werden darf. "So erklärt sich, warum die Diskriminierung von Frauen in islamischen Gesellschaften kein Thema sein soll. Wenn Feministinnen so etwas doch kritisieren, gelten sie in dieser Perspektive rasch als 'antimuslimische Rassistinnen'. Einwände im Namen universeller Menschenrechte können somit einen Rassismusverdacht auslösen."

Außerdem: Gegen Stefan Rebenich (unser Resümee) plädiert der Altphilologe Daniel Wendt in der FAZ sehr wohl dafür, dem schwarzen Altertumsforscher Padilla Peralta zu folgen und "die Altertumswissenschaften als Studienfach und Forschungsgebiet zu 'dekolonisieren', das heißt der historischen und gegenwärtigen Marginalisierung von people of color entgegenzuwirken."