Auf der Gegenwart-Seite der
FAZ erklärt der Soziologe
Armin Pfahl-Traughber, warum er die Begriffe "
Islamophobie" und "
antimuslimischer Rassismus" zu ideologisch findet, als dass sie tatsächliche Diskriminierungen beschreiben könnten. Zwar seien sich die Anhänger des Begriffs "antimuslimischer Rassismus", bewusst, dass der Islam keine "Rasse" ist, aber die Beobachtung, dass sich der Streit aufs
kulturelle Feld verschoben habe, reiche nicht aus. "Diese Beobachtung geht indessen mit einem Denkfehler einher:
Ethnische Besonderheiten können nicht aus der Position einer Verteidigung von Menschenrechten kritisiert werden, was bei
kulturellen Besonderheiten, die sich zum Beispiel in Antisemitismus, Frauendiskriminierung oder Homosexuellenfeindlichkeit äußern, sehr wohl möglich ist. Gerade diesen Unterschied verwischt jedoch der Begriff 'antimuslimischer Rassismus'." In der Folge warnt Armin Pfahl-Traughber vor jenem Schulterschluss, der in Frankreich mit dem Begriff "
Islamogauchisme" belegt wird: "Die Identitätslinke und Islamisten und der von ihnen betriebene Diskurs sind von einem antiindividualistischen
Menschenrechtsrelativismus geprägt."
In der
NZZ antwortet der Politikwissenschaftler
Felix Heidenreich auf seinen Kollegen
Jan-
Werner Müller, der kürzlich die Klagen über
Cancel Culture als wehleidige Übertreibung
beschrieben hatte, die Liberale und Konservative gerne nutzten, um nicht über die viel größere
ökonomische Ungleichheit reden zu müssen. Auch Heidenreich findet die Konzentration auf Einzelfälle der Cancel Culture völlig übertrieben. Er glaubt aber, dass Konservative und Reaktionäre (die Liberalen fallen in diesem Teil seines Artikels unter den Tisch) sich vor allem darüber ärgern, dass ihnen
die Moral aus den schwitzenden Händchen gewunden wird: "Aber war das Einklagen von 'korrektem Verhalten', von Höflichkeit, Anstand, Sitte, ja von Moral früher nicht genau die Kernkompetenz des Konservativismus? '
Das gehört sich nicht!', 'So etwas sagt man nicht!', 'Achte auf deine Ausdrucksweise!' - das waren Sätze, die man
im Adenauer-
Deutschland wohl recht oft zu hören bekam. Und nun soll das Einklagen moralischer Standards, der Appell an Höflichkeit und Rücksicht, ja 'Correctness' plötzlich eine schändliche Moralisierung sein? Eigentlich kann es doch für echte Konservative
gar nicht genug Moral geben", spottet Heidenreich.
In der
Welt wundert sich Tobias Käufer nach dem Abgang des gern als "Reformer" beschriebenen
Raúl Castro, wie wenig sich die Linke für
unterdrückte Minderheiten in Kuba wie Homosexuelle, Aktivisten, Künstler und Blogger interessiert: "Kubas Menschenrechtsverletzungen werden bis heute von der globalen Linken akzeptiert und toleriert. Das zum Beispiel unterscheidet Sozialdemokratie und Grüne von der Linkspartei: das kategorische Nein zum Schießbefehl-Sozialismus, in dem Mord, Folter, Repression und Massenvertreibung billigend mit eingepreist sind. Während im Mittelmeer Aktivisten
afrikanische Bootsflüchtlinge zu retten versuchen, sind bis heute
Tausende kubanische Bootsflüchtlinge auf offener See beim Versuch, in die USA zu fliehen, ertrunken. Einsam, anonym, vergessen, von den Castros auch mal als
arbeitsscheues Gesindel diffamiert. Wie viele, das weiß niemand, und es interessiert auch niemanden."
Außerdem: In der
NZZ stellt Hans Ulrich Gumbrecht
Peter Sloterdijk als den "heitersten aller Philosophen" vor. Und im
Interview mit
Zeit online denkt die Technikphilosophin
Jessica Heesen über
Grundregeln für die KI nach.