In der
FR antwortet der Philosoph
Rainer Forst, einer der Unterzeichner des Habermas-Briefes, auf die Kritik des im
Guardian veröffentlichten Briefes (
Unser Resümee): "Die Kritik, die an uns gerichtet wird, leidet an der
Einseitigkeit, die sie uns vorwirft. Wir drücken klar unsere Sorge um die palästinensische Bevölkerung im Lichte der von uns genannten Prinzipien, zu denen Verhältnismäßigkeit und die Vermeidung ziviler Opfer gehören, aus. Falsch ist es zumal, wie die Erwiderung auf uns es tut, diese Prinzipien nicht als
Grundsätze des humanitären Völkerrechts anzusehen. Ebenso falsch ist es, mit der fatalen Logik zu operieren, dass, wer Antisemitismus kritisiert, damit
Muslimfeindlichkeit ignoriert oder toleriert. Wir machen klar, dass die Rechte auf Freiheit vor Diskriminierung für alle gelten, und wir schreiben schon gar nicht den Antisemitismus pauschal Muslimen zu."
In der
Welt kommentiert Andreas Rosenfelder: "Dass führende Geisteswissenschaftler, darunter auch Deutsche wie
Diedrich Diederichsen und die Philosophin
Beate Roessler, sich nun dafür einsetzen, den auch von der Hamas propagierten
Genozid-
Vorwurf gegen Israel salonfähig und damit die Opfer zu Tätern zu machen, und das nur wenige Wochen nach dem schlimmsten Massenmord an Juden seit dem Zweiten Weltkrieg - es wird immer unfassbarer, je öfter man diesen beschämenden, ja sogar
schändlichen Brief liest. Denn hinter seiner scheinbar besorgten Rhetorik versteckt sich die ungeheuerliche Botschaft, dass es die Juden selbst sind, die einen
neuen Holocaust planen."
Und in der
FAZ sekundiert Miguel de la Riva: "Mit dem Statement berühmter Intellektueller wird sich
eine antisemitische Propaganda schmücken können, die hart daran arbeitet, die Opfer der Schoa als
Akteure eines neuen Genozids darzustellen und so perverserweise den Staat Israel zum Nachfolger des nationalsozialistischen Gewaltregimes umzudeuten. Vor diesem Hintergrund trägt das Statement nicht bloß zur weiteren Verwässerung, sondern zur
Verkehrung der Bedeutung eines Begriffs bei, der bis heute eine unverzichtbare Orientierungsfunktion ausübt."
Der
Angriff der Hamas "war nicht nur ein antisemitischer, sondern auch ein
frauenfeindlicher, der sich gegen sexuelle Freiheit, Emanzipation und das Leben richtete",
schreibt Erica Zingher in der
taz: "Israelische Frauen wurden vergewaltigt, missbraucht,
verbrannt,
enthauptet,
ermordet - zum Teil vor ihren Kindern". Und doch
schweigen Frauenrechtsorganisationen weltweit und
UN Women im Besonderen, notiert Zingher: "Dass sich UN Women nur selektiv für Frauenrechte einsetzt, offenbart, dass ihr bestimmte Frauen egal sind: israelische Frauen und Jüdinnen zählen nicht. Angesichts der israelfeindlichen Positionierung der Vereinten Nationen, die Alex Feuerherdt und Florian Markl in ihrem Buch 'Vereinte Nationen gegen Israel' bereits 2019 dargelegt haben, überrascht das kaum. Schon 2015 wurde Israel als einziger Staat als weltweit
größter Frauenrechtsverletzer verurteilt. Nicht etwa Länder wie
Afghanistan, der
Iran, Pakistan oder Saudi-Arabien. Israelische Frauen wurden durch die Hamas entmenschlicht. Wer es nicht schafft, diesen geschlechtsspezifischen Terror zu skandalisieren, macht sich unglaubwürdig und lässt Betroffene im Stich."
Im
taz-Feuilleton
sendet Julia Hubernagel eine vom European Jewish Congress unterstützte
Reportage aus Israel. Einig scheinen die Israelis in ihrer
Kritik an Netanjahu, schreibt sie. Aber: "Was auf den Krieg gegen die Hamas folgt, da gehen die Meinungen auseinander. Es gibt Vorschläge,
Gaza zu entmilitarisieren und eine
Art Marshall-
Plan unter Führung Saudi-Arabiens oder der Vereinigten Arabischen Emirate aufzustellen. Unter den Liberalen in Israel ist die
Zweistaatenlösung dieser Tage wieder in aller Munde. Palästinenser und Israelis gemeinsam unter einer Flagge leben zu lassen, hält der Journalist Dan Perry für unrealistisch. Aufgrund der Bevölkerungszusammensetzung wäre es dann kein jüdischer Staat mehr, sagt er. Für die 600.000 jüdischen Siedler, die im Westjordanland leben, hat er kein Verständnis."
Der
Deal mit der Hamas ist schlecht, meint Alan Posener auf
ZeitOnline: "Er ist ein
Sieg für die Terroristen der Hamas und ihre Hinterleute im Iran und in Katar. Er ist eine Niederlage für Israel. Die Deals, die ihm folgen sollen, werden den Krieg um Gaza verlängern, um Wochen, Monate, vielleicht Jahre, möglicherweise auf unbestimmte Zeit. Er signalisiert allen Judenhassern in der Region, und nicht nur dort, dass die israelische Regierung durch Geiselnahme erpressbar ist; Israelis sind nun in ihrem eigenen Land - etwa in Jerusalem, oder in Galiläa, an der Grenze zum Libanon - und
in der ganzen Welt noch unsicherer, als sie es schon vor dem 7. Oktober waren." Wenn alle Geiseln frei sind, müsse, "so schwer das sein wird, und gegen den zu erwartenden
Aufschrei in aller Welt und vielleicht im kriegsmüden Israel selbst, der Krieg wiederaufgenommen und bis zum Sieg weitergeführt werden."
"Es ist ein Fehler, in
Javier Mileis Erfolg den Sieg der Ultrarechten zu sehen, das Aufbegehren antidemokratischer Kräfte, die aus den dunkelsten Zeiten hervorkriechen", meint die argentinische
Schriftstellerin Pola Oloixarac, die in der
FAS das
Versagen der Peronistischen Partei nachzeichnet: "Die progressiven Kräfte täten gut daran, wenn sie der Niederlage ins Auge blicken würden, anstatt sich
als Opfer darzustellen. Oder sie vor Europas Unverständnis zu verstecken, vor einem Europa, das unfähig ist, sich die argentinische Armut vorzustellen, das Massa auf einen virtuosen Führer der linken Mitte reduziert und Milei für einen
Éric Zemmour mit Perücke hält. Was bedeutet der Progressivismus, wenn er nicht mehr tut, als noch mehr Arme zu produzieren und diesen zudem
ihre Würde zu nehmen? Was bedeutet es, Rechte zu wahren, wenn diese Rechte unerreichbare Abstraktionen bleiben? Wie klingt es für jemanden, der arbeitet und der gerade genug verdient, um im Land mit der größten Steuerlast des Planeten zu überleben? Was bedeutet die Aussicht, alles zu verlieren, für jene, die ohnehin nichts mehr haben? Der argentinische Wähler denunziert mit seiner Stimme das
brutale Debakel des Kirchnerismus. In einem Land mit 143 Prozent Inflation und
mehr als 40 Prozent Armut ist die Litanei von der Verteidigung der Bürgerrechte und dem Schatten einer Diktatur, die fünf Jahrzehnte zurückliegt: ein Luxusproblem."