Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag

Idee von einem neuen Leben

15.03.2022. Der New Yorker lernt in Kiew Diversanten und Saboteure aufzuspüren. Putin ist nicht Stalin, stellt Simon Sebag Montefiore im New Steatesman klar. Im Guardian erkennt Keith Gessen die Schönheit der radikalen Demokratie, die der Ukraine von den Kosaken überliefert wurde. HVG blickt mit György Palfi auf ein Europa, in dem der Humanismus verloren geht. The Nation fragt nach dem Sinn der Museen. Der Filmdienst erkennt, dass es beim Sammeln nicht um Besitz, sondern um Austausch geht.

Fertig in der Schublade

08.03.2022. Atlantic hört mit Grausen, wie sich der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman aus der Ermordung des Jounalisten Jamal Khashoggi herausredet. Der New Yorker reist in die ecuadorianische Hafenstadt Guayaquil, wo erst die Corona-Pandemie, dann die Gewalt wütete. Die LRB lernt, warum britische Offiziere keine Kritik einstecken können. Die NYRB beschreibt, wie Anne Hidalgo Paris zu einer grünen Stadt gemacht hat, mit French-Tech und schlechtem Essen. Pitchfork erzählt, wie Stevie Wonder mit dem Tonto-Synthesizer das Wah-Riff erschuf. Und Elet es Irodalom  verordnet täglich eine Stunde Lesen.

Zu groß und zu mächtig

01.03.2022. Slate fürchtet, dass nicht mal mehr die russischen Oligarchen Wladimir Putin ins einer paranoiden Isolation erreichen. Der Neue Kalte Krieg ist der neue Realismus, erklärt The Atlantic. Die Atomwaffenbestände sind jedenfalls in allen Lagern modernisiert und gut gefüllt, weiß die LRB. Das Atomzeitalter begreift The Nation bestens im Horrorcomic. Abseits der Ukraine: Im Merkur zweifelt Steffen Mau an der Spaltung der Gesellschaft in Somewheres und Anywheres. In der NYRB warnt Ariel Dorfman davor, den Aufbruch in Chile aufs Spiel zu setzen. Und der New Yorker berichtet vom Haftprüfungstermin für Elefant Happy in der Bronx.

Holz für Ikea

22.02.2022. New Republic beobachtet die Rodung des letzten europäischen Urwalds für billige schwedische Möbel. The Atlantic erinnert daran, dass Latinos nicht automatisch links sind. Die LRB prallt an der eisigen Schönheit und Verachtung von Nico ab. Der Guardian erfährt, woran die afghanische Armee gescheitert ist: An der Korruption ihrer Vorgesetzten. Vanity Fair France beobachtet Marguerite Dumas und Yann Andréa, einen Caddie voller Weinflaschen hinter sich her ziehend, in Trouville.

Die Fähigkeit, Liebe zu geben

15.02.2022. Im New Statesman denkt John Gray über die Rückkehr der Eugenik nach. Die LRB fragt, ob der Antirassismusdiskurs in westlichen Ländern nicht den Blick auf die globale Ungleichheit verstellt. En attendant Nadeau lernt aus der "Afrikanischen Reise" von 1940 der afroamerikanischen Anthropologin Eslanda Goode Robeson, dass es auch innerafrikanische Ungleichheit gibt. Intercept warnt vor der Überwachungstechnik fürs traute Heim von Bosch.

Wenn du high bist

08.02.2022. Die London Review liest erschüttert die Erinnerungen Aziz BineBines an seine Haft in dem marokkanischen Foltergefängnis "Tazmamart". Im Guardian erklärt der amerikanische Historiker Daniel Immerwahr, warum wir trotz Klimakrise weniger Waldbrände haben als je zuvor in der Geschichte. Das Comics Journal würdigt den verstorbenen Zeichner Jean-Claude Mézières. Der New Yorker porträtiert das brasilianische Musikgenie Caetano Veloso.

Die Gnadenlosigkeit sozialer Determinismen

01.02.2022. En attendant Nadeau liest die Schriften des japanischen Historikers Masao Maruyama über den japanischen Faschismus. Respekt findet den Versuch einer Ehrenrettung Chamberlains in dem Netflixfilm "München" geschichtsverfälschend. Der Film-Dienst widmet sich dem Werk Jean Eustaches, das er mit den Büchern Annie Ernaux' vergleicht. La regle du jeux erinnert an die heute völlig vergessene Künstlerin Sonia Mossé, die mit 27 Jahren in Sobibor ermordet wurde. Der New Yorker will wissen, wie die Deutschen den Ausstieg aus der Kohle schaffen, und besucht die Bergleute der Lausitz.

Die Sprache der Eier

25.01.2022. Eurozine lässt sich von Slavenka Drakulic die antifeministische Mudologija erklären. Die London Review liest sich durch zwei Geschichten der Impfgegner. A2larm protestiert gegen den Abriss von Architekturikonen aus der Zeit des Sozialismus. In Osteuropa schildert der Anwalt Andrej Močalov die Willkür der belarussischen Justiz. Harper's begibt sich ins schwer bewaffnete Texas.

Ein seltsamer organischer Prozess

18.01.2022. Eurozine erzählt, wie regimetreue Intellektuelle in Russland Europa als Quelle der Innovation abschreiben - der neue Bezugsraum heißt "Eurasien" und reicht von Dublin bis Tokio. Desk Russie erinnert an den "Ascharschylyk" - so bezeichnen die Kasachen den stalinistischen Hungermord, der noch vor dem ukrainischen Holodomor verübt wurde. Anderthalb Millionen Kasachen sind verhungert, Russland fühlt sich durch die Erinnerung daran gestört. Der New Yorker fragt, passiert, wenn der Permafrostboden Sibiriens seine anderthalb Billionen Tonnen CO2 und Methan freisetzt.

Komplizenschaft zwischen Kontrahenten

11.01.2022. In Areo fragt Richard Dawkins, warum es einfacher sein soll, sein Geschlecht als seine Rasse zu wechseln, obwohl Rasse ein Spektrum ist und Geschlecht so verdammt binär. In der LA Review of Books grübelt Peter Pomeranzev über die Logik des Wahnsinns von Putin. Der Guardian versucht sich über KI klar zu werden, die umso genauere Vorhersagen macht, je weniger sie interpretierbar ist. Bloomberg erzählt, welchen Rückschlag die Coronamaßnahmen für viele Mädchen in Afrika bedeuten. Wired stellt neue und sehr schräge Methoden zur Energiegewinnung vor. The Critic fragt: Stirbt die Reisereportage aus?