Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag

Verbannt das Grün!

19.07.2022. Der New Yorker schippert auf einer Superjacht über die Untiefen des faustischen Kapitalismus. In Lidove noviny blickt Miloš Urban auf das von der russischen Highsociety verlassene Karlsbad. Republik erzählt die Geschichte der russischen Suchmaschine Yandex. In Elet es Irodalom fragt sich Gáspár Miklós Tamás, von welcher Plattform wir heute noch auf Kapitalismus blicken können.  Die LRB erzählt, wie der Lockdown an den Nerven der Shanghaier zehrte. Und Filmdienst würdigt den Filmemacher Shinji Aoyama, der sich konsequent Japans Schönheit verweigerte.

Sie lieben das Meer nicht?

12.07.2022. The Atavist recherchiert die Geschichte des berüchtigten Neonazis Michael Kühnen und seines Dresdner Führungsoffiziers Wladimir Putin. Desk Russie betrachtet die Beziehung zwischen Russland und der Türkei: Eine gewalttätige Ehe ist nichts dagegen. Die NYRB fragt, wann eine Literatur unlesbar wird, die sich nicht mit dem Klimawandel auseinandersetzt. The Nation beklagt den neuen Konformismus einer Kunst, die in der Öffentlichkeit nur noch saubere Wäsche wäscht. Der Spectator huldigt dem bengalischen Regisseur und Renaissancemenschen Satyajit Ray.

Gute und schöne Häuser

05.07.2022. Die New York Times beobachtet das Verschwinden der gemäßigten Demokraten. Die LRB blickt auf die trostlose Lage der afghanischen Bevölkerung. Deník Referendum verteidigt russische Filme auf dem Filmfestival von Karlovy Vary. INews bewundert die Opferbereitschaft regierungskritischer Russen. In Magyar Narancs weigert sich Anna T. Szabo, ihre Vergangenheit zu bereinigen. Der Guardian erkundet die intellektuellen Kampftechniken von Janet Malcolm und Joan Didion.

Bettfedern aus dem Off

28.06.2022. Der New Yorker lernt auf einem Schrottplatz, wie man das Geräusch eines Kusses nachmacht. Die Deutschen sind in ihrer Ukrainepolitik so berechenbar wie ein Betrunkener, ätzt Tablet. The Nation vermisst die Zeit als schwules Begehren noch verboten war. Eurozine skizziert die strafbewehrte russische Erinnerungspolitik. Die New York Times wirft einen Blick auf das amerikanische Verlagswesen, das diverser werden soll.

Flussschlamm und Fischschleim

21.06.2022. Der nächste Krieg könnte im ehemaligen Jugolsawien losgehen, prophezeit die New York Times mit Blick auf Milorad Dodik, Herrscher der Republika Srpska in Bosnien-Herzegowina. Mayar Narancs versteht die Ankündigung der totalen Überwachung regierungsunabhängiger Medien in Ungarn als Warnung, brav zu sein. La vie des idees empfiehlt die japanische Netflixserie "The Journalist". In Novinky antwortet der tschechische Rechtsphilosoph Jiří Přibáň auf Étienne Balibar, Jürgen Habermas und Noam Chomsky, die dem Westen im Ukrainekrieg Scheinheiligkeit vorwarfen. Im Guardian singt Orhan Pamuk ein Liebeslied auf die Fotos von Dayanita Singh.

Sie waren alle meine Freunde

14.06.2022. Eurozine erzählt die Geschichte ethnischer Minderheiten in der Ukraine. Im Interview mit Wired stellt Ukraines Präsident Selenski die dritte Armee seines Landes vor. In Pritomnost denkt Jacques Rupnik darüber nach, was Mittel- und was Osteuropa ist. Die New York Times erklärt die Arbeitsweise von Ruangrupa. In Words without Borders betrachtet Olga Tokarczuk die Entwicklung des neuen Menschen. Der New Yorker porträtiert die neue Hoffnung der lateinamerikanischen Linken: Chiles 36-jährigen Präsidenten Gabriel Boric. Die kalifornische Linke dagegen verspielt gerade jede Hoffnung, die in sie gesetzt wurde, beobachtet The Atlantic.

Von pervers zu produktiv pervers

31.05.2022. In Granta erkundet Jason Allen-Paisant den Rhythmus von Port-au-Prince. Artforum erkundet mit Che Onejoon den Einfluss nordkoreanischer Kunst in Afrika. Ungarn ist heute die lustigste Baracke von Gazprom, seufzt Elet es Irodalom. In Eurozine beschreibt Rumena Filipova, wie Bulgarien seinen Platz zwischen Westeuropa und Russland sucht. Im New Statesman wünschte John Gray, jemand hätte einen Plan für das postglobale Zeitalter. Himal würdigt die Ästhetik des Exzesses in der Punjabi-Tradition des südostasiatischen Kinos.

Nach der Musik wollen wir Sinn

24.05.2022. Warum der Kosovo-Krieg Wladimir Putin keine Legitimation für seinen Angriff auf die Ukraine gibt, erklärt in Osteuropa die Völkerrechtlerin Angelika Nussberger. Desk Russie staunt über den Papst, der sich lieber mit dem russischen Patriarchen verbündet als mit dem ukrainischen. Der American Spectator erinnert an sehr abfällige Verse Brodskys und Puschkins über die Ukraine. Elet es Irodalom und iLiteratura beschäftigen sich mit der Frage, wie frei ein Dichter sein muss und wie ehrlich man damit umgehen muss. Auf Nonsite kritisiert Soziologin Zine Magubane die Critical Race Theory aus marxistischer Perspektive. Die New York Times erzählt die Geschichte der Ausbeutung Haitis.

Penny an der Tür

17.05.2022. The Atlantic staunt: Die Rechte hat den Frauen den Krieg erklärt, und die Linke will in der Abtreibungsdebatte das Wort "Frauen" nicht benutzen. Chinesische Studenten sind oft alte Seelen, lernt der New Yorker. Russische Studenten sind oft Kinder, lernt Deník Referendum. Die LRB macht die kaum regulierten Rohstoffmärkte verantwortlich für den globalen Hunger. Die New York Times erzählt, wie man seinen Körper nur mit dem Hirn und ein paar Elektroden im Cortex steuert. Wired untersucht das blockchainbasierte Web3.

Mehr als dreißigtausend Reden

10.05.2022. Der New Yorker begibt sich ins Kriegsgebiet Ukraine, wo vor allem zivile Einrichtungen bombardiert werden. In Soziopolis erklärt Osteuropa-Experte Manfred Sapper, wie sehr Putins Weltbild in den Siebzigern verankert ist. New Lines findet die Verantwortlichen für ein Massaker in Syrien. Wired porträtiert den größten Konkurrenten von Zara, H&M und bald vielleicht sogar Amazon: den chinesischen Onlinehändler Shein. Die London Review lässt sich von Richard Butterwick in die Welt der herrlich streitsüchtigen und exzentrischen Szlachta führen.