Die Buchmacher - Archiv

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281 Presseschau-Absätze - Seite 17 von 29

Die Buchmacher vom 21.09.2004 - buchreport.express

buchreport.express vom 16. September 2004

Heftige Reaktionen in der Branche hat der Bericht (siehe Archiv) über die geplante "Bild-Bestseller-Bibliothek" (BBB) hervorgerufen. DTV-Verleger Wolfgang Balk glaubt, dass Marketingaktionen wie die Reihen der Süddeutschen Zeitung und jetzt der Bild-Zeitung einigen Hardcover-Verlagen zu einem "schnellen Euro" verhelfen. Auf der anderen Seite, so Balk, torpedierten sie das Preisbewusstsein der Buchkäufer und seien deshalb eine große Gefahr für die Branche. Ilona Rehme, Vorsitzende des Arbeitskreises kleiner Sortimenter im Börsenverein, ist der Meinung, dass derartige Aktionen bereits die Systeme der Preisbildung und Preisbindung unterlaufen. Der Experte, Preisbindungstreuhänder Dieter Wallenfels, sieht in den Billigbuch-Reihen hingegen "keine direkte Gefahr" für die Preisbindung.

Weitere Einzelheiten zur BBB, die eigentlich erst zur Buchmesse öffentlich gemacht werden sollten, sind derweil bekannt: Beginn ist am 7. Oktober mit Mario Puzos "Der Pate". Fürs erste wurden 180.000 Exemplare in Auftrag gegeben, eine zweite Druckerei steht parat, um auf die Schnelle für Nachschub zu sorgen. Der Buchreport spricht angesichts des Umfangs des Start-Bandes (520 Seiten) sowie folgender Bände (zum Beispiel Ken Folletts "Die Nadel": 414 Seiten) und des Verkaufspreises von 4,90 Euro von einem "Kalkulationswunder". Von solchem Kaliber seien in der SZ-Bibliothek nur 5 unter 50 Titeln und die würden durch Titel mit wenig Umfang ausgeglichen. Eine Möglichkeit, die es bei der BBB mit ihren 25 Bänden nicht gibt.

Die SZ kontert auf die BBB mit einem neuen Projekt. Acht Tage später, am 15. Oktober, bringt sie eine 20 CDs umfassende Musikkollektion in den Handel: den "Klavier-Kaiser". Der Namensgeber, Musikkritiker Joachim Kaiser, hat die in der Sammlung vorgestellten 14 Pianisten ausgewählt. Mehr als zwei Millionen Euro stecke der Süddeutsche Verlag in den Marketing-Etat für das Folgeprojekt der SZ-Bibliothek, weiß der Buchreport. Im Gegensatz zum Vorgänger hat der "Klavier-Kaiser" keinen Sammelcharakter und unterliegt auch keiner Preisbindung (empfohlener Ladenpreis: 98 Euro). Eine Internetpräsenz erhält er auf sz-klassik.de.

Filialist Hugendubel fischt in fremden Gewässern. Vor kurzem hat er sein 460 Quadratmeter großes Münchener Stammhaus, das mit den Großflächen in der City nicht mehr mithalten konnte, in eine Buchhandlung mit rein englischsprachigem Sortiment umgestaltet. Ob das Konzept auch für andere Großstädte tragfähig ist, will Geschäftsführungsmitglied Nina Hugendubel abwarten. "Für Filialisten könnten Spezialbuchhandlungen möglicherweise zu einem zweiten Feld auf einem im allgemeinen Sortimentsbereich praktisch aufgeteilten Markt werden", kommentiert der Buchreport.

Mit dem Appell an die Ostdeutschen, sich mit ihrer wirtschaftlichen Situation zu arrangieren, hat Bundespräsident Horst Köhler den Nerv der Buchhändler getroffen. "Wir müssen mit den Gegebenheiten fertig werden", beschreibt Wilfried Bengsch, Vorsitzender des Börsenverein-Landesverbands SaSa-Thü, im Buchreport das Grundgefühl unter den Ostsortimentern. Trotz der Konsumflaute spürt Johanna Hahn, Geschäftsführerin des Landesverbands Berlin-Brandenburg, eine "erstaunlich positive Stimmung" vieler Buchhändler. Viele Ostbuchhändler haben in den letzten Jahren in die Modernisierung ihrer Geschäfte investiert. Die meisten kleinen Ost-Buchhandlungen seien - im Gegensatz zu mancher kleinen Westbuchhandlung - modern eingerichtet und mit neuer Computertechnik ausgestattet, heißt es im Buchreport, außerdem säßen die Ostbuchhändler nicht auf über Jahrzehnte hinweg aufgebauten Warenbeständen.

Branchenprimus Thalia (Douglas-Holding) steigt zum Monatsende mit 75 Prozent bei Kober-Löffler (Mannheim), mit fünf Buchhandlungen "unumstrittener Platzhirsch im Rhein-Neckar-Raum", ein. Welche Expansionsstrategie Thalia verfolgt und wie sich die Nachricht von der neuen Partnerschaft auf die Douglas-Aktie auswirkte, hier.

Meldungen: Die Preisträger 2004 des Internationalen Buchpreises "Corine" stehen fest (mehr). Nachdem Rowohlt vor einem Jahr mit einem eigenständigen Theater-Portal, wo erstmalig Rollenbücher zum Download angeboten wurden, online ging, zieht Holtzbrinck-Schwester Fischer jetzt mit einer eigenen Webseite für den Theaterbereich nach. Prominente österreichische Autoren wie Elfriede Jelinek, Josef Haslinger, Daniel Kehlmann und Marlene Streeruwitz distanzierten sich lautstark vom literarischen Großvorhaben "Austrokoffer" - zu den Föderern des Projekts gehört unter anderem die konservative Bundesregierung. Man kann nicht sagen, es täte sich nichts auf den Spiegel-Bestsellerlisten: Gleich sieben Neulinge schafften im "Sachbuch" den Sprung in die Top 50, der höchste Neueinsteiger, Wilhelm Dietls und Norbert Juretzkos Nähkästchengeplauder über den Geheimdienst, sogar auf Platz 2.

Die Buchmacher vom 13.09.2004 - buchreport.express

Den Buchhandel erwartet die zweite große Niedrigpreisaktion dieses Jahres: Die Bild-Zeitung startet im Oktober eine eigene Bestseller-Bibliothek. "Geplant sind 25 Romane aus dem 20. Jahrhundert, für die Lothar Menne derzeit in Verbindung mit Weltbild bei den Verlagen nach Lizenzen fragt", berichtet der Buchreport in seiner Titel-Geschichte. Weltbild sei für die Logistik zuständig. Wie bei der SZ-Bibliothek werde jeder Band 4,90 Euro kosten. Für die Auswahl der Bücher steht eine Jury bereit, zu der dem Vernehmen nach Nina Ruge, Brigitte Blobel und Hellmuth Karasek gehören. Hier der vollständige Artikel.
Für die Branchenkultur wird die "Bild-Bestseller-Bibliothek" nicht ohne Folgen bleiben, prognostiziert Buchreport-Redakteur David Wengenroth. "Eine Beeinträchtigung des kommenden Weihnachtsgeschäfts durch ein machtvoll beworbenes Überangebot an Billig-Titeln wäre angesichts der herrschenden Branchenkrise schlimm genug", schreibt er in seinem Kommentar. "Darüber hinaus könnte ein Siegeszug der 4,90-Euro-Bücher das Preisgefüge des Buchmarktes vielleicht nicht aus den Angeln haben, aber beschädigen." Doch, so Wengenroth weiter, den Buchhändlern bleibe nichts anderes übrig, als mit Bild zu kollaborieren.

Gelingt es den beiden "Goliaths" ihrer Branche - Bild als Riese auf dem Zeitungs-, Weltbild auf dem Buchsektor -, mit ihrer Marketingaktion den Erfolg der SZ-Bibliothek zu kopieren, gar zu toppen? Die Süddeutschen haben gut vorgelegt: Die bisher erschienenen 25 Bände sind, laut Buchreport-Informationen, im Schnitt 150.000 Mal abgesetzt worden. Das entspricht, hochgerechnet mit den noch kommenden 25 Bänden, einer Gesamtauflage von 7,5 Millionen Exemplaren. Am besten hat sich in der Buchreihe der SZ übrigens der erste Band, Milan Kunderas "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" (mehr im Perlentaucher-Archiv), verkauft, vor Umberto Ecos "Der Name der Rose" und Paul Austers "Stadt aus Glas".

Der kränkelnde Bahnhofsbuchhandel, dessen Umsatz in 2003 um 3,5 Prozent zurückging, konzentriert sich immer stärker auf wenige Player. "75 Prozent des Gesamtumsatzes, den die Mitglieder des Verbands Deutscher Bahnhofsbuchhändler (VDBB) erwirtschaften, gehen auf das Konto der vier großen Bahnhofsbuchhändler", schreibt der Buchreport. Grund dafür seien Expansions- und Konzentrationsprozesse in den vergangenen Jahren. Die Deutsche Bahn scheint daran nicht ganz unbeteiligt. Die von der Bahn erhobenen umsatzabhängigen Mietkosten machten besonders den kleinen Bahnhofsbuchhändlern zu schaffen, erklärt Götz Grauert, Vorsitzender des VDBB. Bei der Wahl ihrer Mieter halte sie sich außerdem bevorzugt an die großen Namen - nach dem Motto "Je weniger Partner zu handhaben, desto besser".

Eine "konzentrierte Arbeitsmesse" erwartet Buchmesse-Direktor Volker Neumann dieses Jahr in Frankfurt. Die Zahl der Aussteller habe sich mit 6.638 (davon Aussteller aus Deutschland: 2.600) im Vergleich zum Vorjahr leicht verbessert, gab Neumann auf der Programm-Konferenz zur Frankfurter Buchmesse bekannt. Der Messe-Direktor geht von 290.000 Besuchern aus, das wäre Rekord. 3.000 Veranstaltungen sollen das Publikum bei Laune halten. Neu ist der gestrichene Messemontag und die Möglichkeit für die Aussteller, ihre Bücher am Sonntag zu verkaufen (zum gebundenen Ladenpreis, versteht sich). 250 Autoren werden auf 400 Veranstaltungen des Begleitfestivals "Leseland Hessen" an 21 Orten des Bundeslandes lesen. (Volker Neumanns ganze Rede).

Der nach der letzten Gala im Herbst 2003 in doppelter Hinsicht in die Krise geratene Internationale Buchpreis "Corine" - nicht geklärt war, wer die Auszeichnung künftig sponsert, die Zuschauerresonanz auf die Ausstrahlung im Fernsehen fiel enttäuschend aus - hat, wie's aussieht, einen Weg für sich gefunden. Geld kommt künftig von vielen Seiten: Neben Random House, Weltbild und Collection Rolf Heyne buhlen die branchenfremden Unternehmen O2, Volkswagen und Hypovereinsbank als Sponsoren ums buchaffine Publikum, außerdem die Ursula Lübbe Stiftung, die Porzellan-Manufaktur Nymphenburger und die Bayerische Staatskanzlei. Neue Impulse soll der Kultursender 3sat geben, der den Bayerischen Rundfunk als Produktionspartner ablöst. Und auch die Internetseiten des Buchpreises sind überarbeitet worden.

Personalien: Literaturnobelpreisträger Günter Grass half mit, das Günter Grass-Haus in Lübeck auf ein tragfähiges finanzielles Fundament zu stellen. Der Stadt hatten 430.000 Euro für den Ankauf von Grafiken, Zeichnungen und Skulpturen des Schriftstellers gefehlt. Grass stellte ein Drittel der Geldsumme zur Verfügung.

Meldungen: Beim Buchreport-Umsatztrend kam der Buchhandel im traditionell schwachen August mit einem Plus von 2,06 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gut weg, ohne Schulbücher wären es + 0,34 Prozent. Am 14. September startet Schriftsteller Bodo Kirchhoff mit vier weiteren Ausgaben seiner Literatur-Sendung "Parlando", früher "cult.date", im Hessischen Rundfunk; kommenden Dienstag strahlt das ZDF ein "Lesen!"-Magazin mit Elke Heidenreich und Gast Roger Willemsen aus (die Bücherliste). Der "Kölner Bücherherbst" wird in seinem 16. Jahr eingestellt. Die Stadt Köln hat ihre Finanzspritze gestrichen, allein über die Ausstellergebühren können die Veranstalter die nötigen 50.000 bis 80.000 Euro nicht aufbringen. Nicht viel getan hat sich diese Woche auf den Bestsellerlisten.

Die Buchmacher vom 06.09.2004 - buchreport.express

In verschiedenen Ausstattungen, zu verschiedenen Preisen bietet das BMG-Label Gun seit letzter Woche einige seiner Musikalben an. Wäre solch ein Ausstattungs-/Preis-Modell denkbar für die Buchbranche? will der Buchreport in seiner Titelgeschichte wissen. Befragte Verlagsmitarbeiter sind unterschiedlicher Meinung. Während es beispielsweise für Hans Jürgen Balmes, Programmleiter internationale Literatur bei S. Fischer, durchaus vorstellbar ist, verschiedene Ausgaben eines Buches zeitgleich zu veröffentlichen, unter der Voraussetzung, dass sich "Mehrpreis und Exklusivität durch einen deutlichen Benefit rechtfertigen lassen", gibt Armin Gontermann, Verlagsleiter Ullstein Taschenbuch, der bisherigen Erscheinungsweise - erst Hardcover, dann Taschenbuch - den Vorzug. Bei gleichzeitigem Erscheinen würde der Großteil der Kunden zum preisgünstigeren Format greifen, fürchtet Gontermann. Hier der vollständige Artikel.

Kaum ist die Flamme des Olympischen Feuers erloschen, hat das Rennen um das schnellste Olympia-Buch begonnen. Ins Ziel gekommen sind der Deutsche Sportverlag mit "Olympische Spiele Athen 2004" (erschienen am 2. September) sowie - eine halbe Nasenlänge später - Südwest und Das Neue Berlin mit "Athen - das Olympiabuch 2004" und "Athen 2004 - Unser Olympiabuch" (beide am 3. September). Für die Bücher auf Platz 2 und 3 zeichnen ehemalige Hochleistungssportler, die heute als Journalisten tätig sind, als Herausgeber verantwortlich: Rudi Cerne und Kristin Otto. Auch der Bertelsmann Club profitiert vom Olympia-Fieber. Da sich die Bücher auf ein aktuelles Ereignis beziehen, dürfen sie zeitgleich mit der Sortimentsausgabe preiswerter im Club erscheinen.

Eine Neuauflage des öffentlichen Streits um unverschämte Hotels bei der Frankfurter Buchmesse wird es voraussichtlich nicht geben. Günter Hampel, Chef der Frankfurter Tourismus und Congress GmbH (FTC), und Buchmesse-Sprecher Holger Ehling glauben, dass sich die Situation entspannt hat. Gründe seien die jährlich größer werdende Zahl der Hotelbetten, die Transparenz der Preise durch das Internet und die wach gewordenen Hoteliers der Umgebung, die mit Sonderangeboten und Shuttle-Bussen um Gäste werben. Besonders ausländische Aussteller hätten sich aber auch in diesem Jahr schon über hohe Preise und Durchbuchungszwang beschwert, muss Ehling einräumen. Die Hotels nahe dem Messegelände langen zu wie eh und je.

Der Spiegel Verlag ist mit dem Erwerb eines 25 Prozent-Anteils am 1999 gegründeten Audio Verlag ins Hörbuchgeschäft eingestiegen. Damit verdichte er seine mittelbaren und unmittelbaren Aktivitäten im Buchbereich, schreibt der Buchreport. Der Spiegel veröffentlicht unter anderem seit 1961 die Bestsellerlisten, an der Onlinebuchhandlung Libri.de ist er über seine Tochter SpiegelNet GmbH beteiligt, die DVA bringt in Kooperation mehrere Spiegel-Bücher pro Jahr heraus. Die Frage, ob sich der Spiegel eines Tages auch einen eigenen Buchverlag oder eine Beteiligung an einem bestehenden Verlag vorstellen könne, stehe aber derzeit nicht auf der Tagesordnung, sagte Spiegel-Verlagsleiter Matthias Schmolz auf Buchreport-Anfrage.

Den bestehenden Downloadportalen für Hörbücher, etwa Hoergold.de und Diderot-Verlag.de, droht mächtige Konkurrenz: Ab dem vierten Quartal will US-Marktführer Audible, Inc. - gemeinsam mit Random House und Holtzbrinck Networxs als Content-Partner - in Deutschland starten. "Im Spätherbst sollen neben 5.000 englischsprachigen Hörbüchern auch deutsche Titel auf der Seite Audible.de angeboten werden", berichtet der Buchreport. Audible plant, außer Hörbüchern auch Audio-Zeitungen, Radio- und Fernsehfeatures zum Download ins Netz zu stellen.

Weltbild handelt mit Büchern, die es noch nicht gibt. Obwohl der sechste "Harry Potter"-Band, "Harry Potter and the Half Blood Prince", nicht mal im Original erschienen und in absehbarer Zeit nicht zu erwarten ist, kann er bei den Augsburgern "zum garantierten Weltbild-Bestpreis" von 19,95 Euro vorbestellt werden. Preisbindungsrechtlich kein Problem, da britische Bücher keine festen Preise haben.

Personalien: Chefstratege Carel Halff scheint es zu wurmen, dass er mit Weltbild zwar einen höchst gewichtigen Buchkonzern hat, der ihm aber keine Bestseller beschert. Lothar Menne, zuletzt Verlagsleiter von Ullstein, soll Abhilfe schaffen und kümmert sich künftig um den Einkauf der Lizenzen bei Weltbild.

Meldungen: Einige Mitglieder der Arabischen Liga, nämlich Irak, Kuwait, Algerien, Libyen und Marokko, werden beim Gastlandauftritt in Frankfurt nicht mit vertreten sein. Joanne K. Rowling ließ bei einer Lesung in Edinburgh durchblicken, dass Harry Potter seine Abenteuer möglicherweise nicht überleben könnte.13 Wochen nach der Auslistung des Diogenes Verlags auf den Amazon-Seiten bekam der Buchreport von den Parteien keine Stellungnahme zum Stand der Dinge. In der Sachbuch-Liste der Spiegel-Bestseller schaffte diese Woche ein Dichter den höchsten Neueinstieg: Sigrid Damms Biografie mit dem schlichten Titel "Das Leben des Friedrich Schiller" (Insel). Welche Bücher sich wo platziert haben, hier.

Die Buchmacher vom 30.08.2004 - buchreport.express

"Die Konzentration erfasst den Jura-Fachbuchhandel", titelt der Buchreport. Der Carl Heymanns Verlag trennt sich von seinen neun juristischen Fachbuchhandlungen, mit denen er 1999 ins Rennen gegangen war. "Das bedeutet nicht nur einen Strategiewechsel für die Kölner", erkennt der Buchreport, "sondern ist zugleich auch ein Machtzuwachs für Branchenführer C.H. Beck mit seiner Schweitzer-Filialkette." Bisher sei der juristische Fachbuchhandel von Schweitzer (100 Mio. Euro), Sack (32,5 Mio. Euro) und Heymanns (20,9 Mio. Euro) dominiert worden. Schweitzer soll dem Vernehmen nach vier der ehemaligen Heymanns-Buchhandlungen übernehmen. Das Bundeskartellamt muss noch zustimmen. Warum Heymanns sich wieder auf seine verlegerischen Kernkompetenzen konzentrieren will, hier.

Der Verband der Literaturübersetzer, VdÜ (mehr), verhandelt über eine bessere Vergütung für seine mehr als 1.000 Mitglieder mehrgleisig. Während das Mediationsverfahren beim Bundesjustizministerium (siehe Archiv) noch aussteht, spricht die Interessenvertretung der Übersetzer derzeit mit Random House, Gespräche mit Holtzbrinck und ein paar kleinen und mittleren Verlagen folgen. "Sollte man sich mit diesen Verlagen einig werden, könnte das eine Wirkung für die gesamte Branche haben", erläuterte VdÜ-Vorstandsmitglied Gerlinde Schermer-Rauwolf dem Buchreport die Strategie.

Immer weniger Jugendliche werden Buchhändler. Der drastische Rückgang von Ausbildungsplätzen im Buchhandel gefährde sogar die Existenz mehrerer Bezirksfachklassen, berichtet der Buchreport. Auf der einen Seite wollten sich auf Grund der schlechten konjunkturellen Lage immer weniger Buchhändler an die Kosten einer Ausbildung binden, vermutet Peter Engelhardt, Referent für Aus- und Fortbildung beim Börsenverein NRW, außerdem werde es schwieriger, qualifizierte Auszubildende zu finden. Die Zahl der Ausbildungsverhältnisse (Buchhändler) sank von 3.299 im Jahr 1992 auf 2.328 im vergangenen Jahr.

Der Durchschnittspreis für Taschenbuch-Romane kratzt an der Zehn-Euro-Marke. Im September steigen die Preise um 14,2 Prozent (im Vergleich zum Vorjahresmonat) auf 9,49 Euro. Die Zahl der Novitäten sinkt im gleichen Zeitraum von 342 auf 318. Bei den Taschenbuch-Sachtiteln bietet sich das umgekehrte Bild: Der Durchschnittspreis sinkt im September um zwölf Prozent (verglichen mit September 2003) auf 8,87 Euro, und die Sparte hat mit 268 Neuerscheinungen einen Rekord innerhalb der letzten fünf Jahre erreicht (plus 59,52 Prozent gegenüber den Sachbuch-Novitäten des Vorjahresmonats). Die meisten Taschenbücher, 48 Titel, bringt im kommenden Monat Rowohlt/Wunderlich heraus.

Mit dem "Jahrbuch der Lyrik" ist kein schneller Euro zu verdienen. Dennoch griff S. Fischer sofort zu, als es eine neue verlegerische Heimat suchte. "Das 'Jahrbuch' ist die wichtigste Publikation im Bereich der deutschen Lyrik, und wir können es uns leisten", sagte S. Fischer-Lektorin Petra Gropp selbstbewusst dem Buchreport. "Jahrbuch"-Herausgeber Christoph Buchwald freut sich über die idealen Voraussetzungen, die S. Fischer durch seine "große lyrische Tradition" und den "hervorragenden Vertrieb" bietet. Die letzten fünf Jahre war das Jahrbuch beim C.H. Beck Verlag erschienen.

Meldungen: Amazon-Unternehmenssprecherin Christine Höger widersprach letzte Woche auf Anfrage des Buchreports jeglichen sich um Amazon.de und Amazon.fr rankenden Liquidationsgerüchten. DTV bietet laut "Publikumsverlage im Internet", einer Studie der Hamburger Unternehmenberatung Heinold, Spiller & Partner, mit seinem Internetauftritt den besten Service für Branchenkunden, dahinter rangieren Diogenes und der Random House Verlag auf den Plätzen zwei und drei. Die sechs aktuellen Neuzugänge der Spiegel Bestsellerliste HC Belletristik (mehr) zeugen von der anhaltenden Begeisterung des deutschen Lesepublikums für Krimis aus Amerika und Skandinavien.

Die Buchmacher vom 25.08.2004 - buchreport.express

Weltbild hat neues Terrain betreten und im bayerischen Weilheim sein erstes Vollsortiment inklusive Schulbüchern eröffnet. In den bisherigen Weltbildplus-Filialen (50 Prozent Weltbild, 50 Prozent Hugendubel) seien ausschließlich Bücher und andere Angebote aus den aktuellen Versandkatalogen, einige Bestseller sowie aktueller Ramsch zu haben gewesen, erläutert der Buchreport und folgert: "Der Konzern baut mit Hilfe von Hugendubel seine Vormachtstellung am Buchmarkt weiter aus und perfektioniert sein Geschäftsmodell: Jeder Kunde und jede Zielgruppe soll von Weltbild bedient werden."

Nach wochenlanger Auszählerei und Heimlichtuerei liegen dem Buchreport die 50 erstplatzierten Titel der ZDF-Aktion "Unsere Besten - Das große Lesen" vor. Keine Donna Leon, kein Henning Mankell, kein Stephen King hat es auf die Liste geschafft, kein Schiller, kein Hemingway, kein Dürrenmatt. Stattdessen sind Erich Maria Remarque, Lee Harper und Marlen Haushofer unter den Lieblingsautoren der insgesamt 220.000 Heidenreich-Jünger, die eine Stimme abgegeben haben. Ein "Ranking des Herzens", bei dem "Alibi-Nennungen keine Rolle spielen" sieht Projektleiter Peter Ahrens in der Top 50-Liste (bisher nicht nummeriert, endgültige Auflösung im Oktober).

Preisbindungstreuhänder Dieter Wallenfels sieht die Branche vor einem Rechtsstreit um Konditionen. "Zwischen einigen Verlagen und Barsortimenten gärt es", weiß Wallenfels. Rechtliche Gutachten seien bereits erstellt worden bzw. in Vorbereitung. Hintergrund ist der Paragraf im Preisbindungsgesetz, der den Zwischenbuchhändlern das Privileg einräumt, von den Verlagen in keinem Fall schlechtere Konditionen als andere Buchhändler zu erhalten. Das daraus resultierende Dilemma der Verlage: Verlangen große Buchhandelsketten oder eifrige Sortimenter für die Abnahme besonders günstige Bedingungen und sie gehen darauf ein, werden die Barsortimente auf jeden Fall nachziehen.

Düster sieht die vorläufige Bilanz vieler Verlage nach der Herbstreise ihrer Vertreter aus. Die Versteifung der Buchhändler auf Bestseller-Kandidaten bringt die Verlagskalkulationen ins Wanken. "Vor allem in den großen Ketten fallen nicht nur Neulinge, sondern immer häufiger auch Autoren der so genannten Midlist und literarisch anspruchsvolle Titel durch Sieb", berichtet der Buchreport. Längerfristig könnte ein solches Einkaufsverhalten der Buchhändler eine "Ausdünnung der Verlagsprogramme" und damit eine "spürbare Verringerung der literarischen Vielfalt" zur Folge haben.

Im Buchreport-Ranking der "Top-Seller Hörbuch 2003" rangierte bereits die Hälfte der Titel unter / gleich zehn Euro. Die daraus erkennbare Richtung, der Trend zum Billig-Hörbuch, bleibt. "Vergleichbar mit dem Taschenbuch oder dem MA im Buchbereich entsteht ein zweiter Markt, auf dem Inhalte ein weiteres Mal preiswert angeboten werden", schreibt der Buchreport. Obwohl die Verlage selbst davor warnten, zu sehr an der Preisschraube zu drehen, erfüllten sie die zunehmenden Anfragen des Handels nach günstigen Sonderausgaben.

Internethändler und stationäre Händler können sich gegenseitig befruchten. Laut einer Studie des Kölner Instituts für Handelsforschung ging rund 15 Prozent der Ladenumsätze eine Online-Recherche des Kunden voraus, vor dem Online-Kauf sahen sich 22 Prozent der Befragten im stationären Handel um.

Personalien: Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki gehört zu den Trägern des diesjährigen Europäischen Kulturpreises, den die Kulturstiftung Basel am 4. September verleiht.

Meldungen: Der britische Schriftsteller Salman Rushdie scheut die Provokation islamischer Fundamentalisten weiterhin nicht. Wie aus einem Vorabdruck der Sunday Times hervorgeht, behauptet Rushdie in einem Beitrag für das Buch "Porno Star", dass Pornografie besonders in islamischen Ländern verbreitet sei. Das kulturpolitische Magazin Cicero hat mit "9/11 Commission Report" eine Buchreihe gestartet - sie soll die Zeitschrift thematisch begleiten. Die walisische Stadt Swansea schafft den Dylan Thomas International Prize und stellt dafür die gleiche Summe zur Verfügung, die es für den bisher wichtigsten britischen Literaturpreis, den Man Booker International Prize, gibt: 60.000 Pfund. Auf der Spiegel-Bestsellerliste HC Belletristik ist so viel los wie seit langem nicht: Zehn Neuzugänge - der höchste: "Vollidiot" - und zwei Wiedereinsteiger verzeichnet das Bestsellerranking diese Woche.

Die Buchmacher vom 17.08.2004 - buchreport.express

Eine "Flächenexplosion" von Buchhandlungen sieht der Buchreport nicht mehr nur in Groß-, sondern auch in Mittelstädten (60.000 bis 150.000 Einwohner). Grund dafür sei, dass Filialisten, in Großstädten an ihre Grenzen gestoßen, zunehmend in Mittelstädten expandierten. Als Reaktion darauf vergrößerten die Platzhirsche ihre Buchhandlungen, um ihr Revier zu verteidigen. Die Vorteile von Mittelstädten laut Kemper's, Düsseldorfer Fachmann für Einzelhandelsimmobilien: Mittelstädte verfügen oftmals noch über eine gut funktionierende Einzelhandelsstruktur, üben eine hohe Anziehungskraft auf Konsumenten im Einzugsgebiet aus und können auf einen überdurchschnittlichen Umsatz pro Kopf der Bevölkerung bauen.

Irritiert haben viele Antiquare die vergangene Woche veröffentlichten Umfrageergebnisse über die Befindlichkeit ihrer Sparte (siehe Perlentaucher-Archiv). Von einem "Umsatzplus von 2,6 Prozent im ersten Quartal 2004" und einer "stabilen Käuferschicht" war in der vom Börsenverein finanzierten Erhebung des Instituts für Handelsforschung die Rede. "Viele der insgesamt 1.200 Antiquariate sind anderer Meinung, was Stimmung und Umsatzentwicklung angeht", berichtet der Buchreport. Tatsächlich sollen an der Umfrage nur 40 Antiquariate teilgenommen haben, die Umsätze von Messen und Auktionen seien teils nicht berücksichtigt worden.

Die Onlinehändler Buecher.de und Booxtra.de verbessern ihren Service. Nach dem Vorbild von Konkurrent Amazon.com bieten die Weltbild-Töchter bei 30.000 Sach- und Fachbüchern einen "Blick ins Buch" an: eine Einsicht in Titelblätter, Inhaltsverzeichnisse, Register und Vorworte. "Bis Jahresende soll das Angebot auf 50.000 Titel und fortan auch auf andere Genres ausgeweitet werden", meldet der Buchreport. Der Erfolg der Suchfunktion des Vorreiters verspricht eine lohnende Investition: In den ersten Tagen nach dem Start von "Search Inside the Book" bei Amazon.de im Oktober 2003 stieg der Umsatz mit den entsprechenden Titeln um neun Prozent.

Personalien: Der Journalist und Rowohlt-Autor Wieland Freund erhält den mit 5.000 Euro dotierten Bayerischen Kunstförderpreis in der Sparte Literatur.

Meldungen: An der Spitze des Rankings "Die 100 größten Medienunternehmen", ermittelt von der Branchenzeitschrift Horizont, steht nach wie vor die Bertelsmann AG (Umsatz in 2003: ca. 16,8 Mrd. Euro), gefolgt von der Axel Springer AG (2,44 Mrd. Euro) und der WAZ Mediengruppe (1,95 Mrd. Euro). Peter Handke und Tad Williams sind mit ihren aktuellen schöngeistigen Titeln in die Spiegel-Bestsellerliste eingetreten. Was sich sonst unter "den Besten" getan hat, hier.

Die Buchmacher vom 09.08.2004 - buchreport.express

Die "SZ"-Bibliothek (mehr) bejubelt kurz vor der Halbzeit (bisher erschienen: 20 von insgesamt 50 Bänden) 65.000 Gesamtbesteller. Von keinem Titel seien weniger als 150.000 Exemplare verkauft, in mehreren Fällen sogar die 200.000er Grenze geknackt worden, resümiert Klaus Füreder, als Business-Manager für die "SZ"-Bibliothek zuständig. Besonders wichtig findet Füreder, beim Publikum einen Sammlereffekt erzielt zu haben. Die Zugkraft des Projekts beim Kunden lasse den Süddeutschen Verlag intensiv über neue Buchprojekte nachdenken. Welche das sein könnten, darüber schweigt Füreder vorerst.

Joanne K. Rowlings Webseite scheint nach ihrem Relaunch rekordverdächtig: 220 Millionen Fans weltweit lockte die "Potter"-Mutter in den ersten acht Wochen auf die Homepage. "Die Seite zeigt sich auf dem neuesten Stand des Internetdesigns, bleibt spielerisch genug für ihre Fans und wirkt persönlich", schreibt der Buchreport. Alle Texte stammten aus Rowlings eigener Hand. Neues aus der "Potter"-Welt werde künftig nur noch über die Internetseite kommuniziert.

Die Streichung des Messemontags in Frankfurt lockt mehr ausländische Verlage. Vor allem bei US-amerikanischen und britischen Verlagen, für die im Vorjahr die Nutzen-Kosten-Relation nicht mehr gestimmt hätte, habe das Messemanagement verlorenen Boden gutgemacht, berichtet der Buchreport.

Bis zum 6. August hatten die Deutschen Gelegenheit, im Rahmen der ZDF-Aktion "Unsere Besten - Das große Lesen" ihr Lieblingsbuch zu nominieren. Einen Tag zuvor waren in Mainz 140.000 Stimmen registriert. Während sich ZDF-Redakteur Werner von Bergen über die "riesige Wahlbeteiligung" freute, ist der Buchhandel mäßig beschwingt. Grundsätzlich halte die Branche die Aktion für löblich, von einem Umsatzmotor, wie beim britischen Pendant "The Big Read", könne jedoch (noch) nicht die Rede sein, hat der Buchreport erfahren. Hier die erste Reaktion des Projektleiters Peter Arens nach dem Ablauf der Wahlphase.

Rowohlt Berlin trennt sich Mitte 2005 von der Zeitschrift "Kursbuch". Rowohlt-Verleger Alexander Fest begründete diesen Schritt damit, dass die Zeitschrift inzwischen zu wenig Leser finde. Für das 1965 von Hans Magnus Enzensberger bei Suhrkamp gegründete Heft bedeutet das den vierten Verlagswechsel, den ersten "ökonomisch motivierten" seiner Geschichte. Mitherausgeber Tilman Spengler kommentierte die Entscheidung mit: "Der Neoliberalismus zieht ins Verlagswesen ein." Freuen kann Spengler, dass sich, trotz des vermeintlich neoliberalen Trends, bereits erste Interessenten gemeldet haben.

Personalien: Der schwedische Bestsellerautor Henning Mankell ist nach seinem brasilianischen Schriftstellerkollegen Paolo Coelho zum Botschafter für die internationale Initiative "Mondialogo" (mehr) ernannt worden. Sie soll den weltweiten kulturellen Austausch Jugendlicher ankurbeln.

Meldungen: Die Sabine Groenewold Verlage (Europäische Verlagsanstalt, Rotbuch und Die Hanse) strukturieren aus wirtschaftlichen Gründen um - drei von acht Mitarbeitern werden entlassen, die Lektorate künftig extern gelenkt. Mit -5,87 Prozent verzeichnet das Sortiment, laut aktuellem Umsatztrend des Buchreports, im Juli den zweitschlechtesten Monat in 2004. Die Belletristik schwächelt weiter und rutschte im siebten Monat des Jahres mit 14,35 Prozent zweistellig ins Minus, zweites Sorgenkind der Branche war im Vormonat mit -14,14 Prozent das Kinder- und Jugendbuch. Und: die Bestseller.

Die Buchmacher vom 02.08.2004 - buchreport.express

Mit dem Schulbuchgeschäft - die Marge liegt hier bei circa 25 Prozent - ist im Vergleich zu anderen Sparten nicht der schnelle Euro zu machen. "Trotzdem wird der Kreis der Händler, die sich daran beteiligen immer größer", meldet der Buchreport in seiner Titelgeschichte. Mit von der Partie sind jetzt auch die Online-Tochter von Weltbild, Amazon, Buecher.de und Buch.de. Zwar ärgerten sich die Internetversender über die "dürftigen" Rabatte, doch wollten sie im Marketing punkten und sich als Buchhändler mit Vollsortiment profilieren. Jeder neue Mitbewerber bedeutet übrigens einen Umsatzverlust der bisher beteiligten Händler.

Vor fünf Jahren lehnte die Branche bei den Buchhändlertagen einen flächendeckenden Schlussverkauf - mit MA- und antiquarischen Titeln, versteht sich - ab. Die Buchbranche bleibt bei ihrem Entschluss und beteiligt sich auch nach der Aufhebung des Schlussverkaufs im EInzelhandel nicht am ersten Pseudo-SSV. "Weil an den MA-Tischen jederzeit günstige Bücher zu finden sind, schätzt das Gros der Sortimenter die möglichen Umsatzpotenziale im Schlussverkauf seit jeher gering ein", schreibt der Buchreport. Als einziger stationärer Buchhändler organisiert die Mayersche derzeit ihre so genannten Weißen Buchwochen als Marketing-Aktion. Anders sieht's bei den österreichischen Nachbarn aus, wo der Schlussverkauf der Buchhändler seit 23 Jahren fest im Terminkalender steht.

Trotz aller Warnungen, dass die Kundschaft noch orientierungsloser wird: Die Zahl der Neuerscheinungen ist im letzten Jahr gestiegen. Die Verlage fürchten, dass bei einer Reduzierung ihres Novitätenausstoßes ihre Präsenz im Buchhandel leiden und sie eine Verringerung der Titelzahl Marktanteile kosten könnte, vermutet der Buchreport und warnt: "Häufig führt solches Sicherheitsdenken in die Irre, denn die meisten Neuerscheinungen verschwinden in der Versenkung, ohne am Markt einen nennenswerten Effekt zu hinterlassen."

Harry Potter macht die Buchhandelsstatistiken kaputt. Zwar sei die Freude über 500.000 verkaufte Exemplare der englischen Ausgabe von HP V, die im vergangenen Juni auf den Markt kam, erst mal groß gewesen, erinnert sich der Buchreport. Doch warte der Buchhandel in diesem Jahr auf einen vergleichbaren Selbstläufer. Folge: Seit Anfang Juli verzeichnet die Belletristik ein dickes Minus im Vergleich zum Vorjahr. Weitere unerfreuliche Überraschung: Auf den überschwänglich georderten deutschen Übersetzungen des fünften Potter-Bandes blieben viele Buchhändler sitzen. Mittlerweile hat der Carlsen Verlag trotz seiner offiziellen Verweigerung von Remissionen begonnen, überzählige Exemplare zumindest teilweise zurückzunehmen.

Zum Schluss: die Bestsellerlisten.
Stichwörter: Carlsen Verlag, Einzelhandel

Die Buchmacher vom 26.07.2004 - buchreport.express

Empört sind die Sortimenter über einen Zeit-Artikel aus der Feder von Jochen Jung. Der hatte den Buchhändlern mangelnde Service-Bereitschaft unterstellt. "Vor allem die kleinen und mittelständischen Buchhandlungen sehen es nach wie vor als ihre oberste Pflicht an, dem Kunden jeden Wunsch von den Augen abzulesen", hat der Buchreport in einer Umfrage herausgehört. Zwar wird der Kunde in kaum einer anderen Einzelhandelsbranche mit soviel Service wie im Buchhandel umgarnt, doch liegen die Probleme auf der Hand: In 2003 ist die Zahl der Buchhandlungs-Mitarbeiter um 4,1 Prozent zurückgegangen - bei weiter wachsender Verkaufsfläche. Hier der vollständige Artikel.

Preisbindungstreuhänder Dieter Wallenfels triumphiert nach monatelangem Streit um Bonus-Systeme über die Internetbuchhändler Amazon und Buch.de. In zwei Grundsatzurteilen begrenzte das OLG Frankfurt die Möglichkeiten der Rabattgewährung erheblich. Verboten sind von nun an Amazons 5-Euro-Start-Gutscheine, die Neukunden für den Kauf preisgebundener Bücher einsetzen konnten. Buch.de darf zwar weiter am "Miles & More"-Programm der Lufthansa teilnehmen, die bisherige Praxis wurde jedoch für rechtswidrig erklärt. Grundsätzlich gilt jetzt: Vergeben Buchhändler selbst Bonus-Punkte, kommen als Prämien nur nicht-preisgebundene Waren in Frage.

Dass die Einigung zwischen Börsenverein und Bertelsmann Club (siehe Börsenblatt) in erster Line einen Erfolg für den Club bedeutet, ist der Tenor eines Meinungsbeitrags im Buchreport. Der Erfolg liege darin, dass die Bertelsmänner überhaupt eine Anpassung an veränderte Marktbedingungen erreicht hätten. "Als wäre die Preisbindung unter den aktuellen Marktbedingungen weniger gefährdet als früher", wundert sich der Kommentierende und bezweifelt, dass der Club mit den neuen Regeln seine wirtschaftlichen Probleme in den Griff bekommt. Wenn "ja", werde Konkurrent Weltbild animiert, wenn "nein", werde der Club abermals an der gezwungenermaßen angelegten Kette zerren. "Einen dauerhaften Frieden dürfte der Börsenverein nicht erreicht haben."

Vor einem Jahr hatte Random House die Sortimenter mit der Ankündigung geschockt, Teile seines Programms künftig unter eigenem Label auch in Supermärkten und SB-Warenhäusern anzubieten. Das Konzept scheint nicht aufgegangen zu sein, denn die Verlagsgruppe zieht sich im August von ihrer Probefläche in einem Toom-Markt zurück. Dass das Ende des ersten Tests auch das Ende des gesamten Vertriebs-Ansatzes ist, wollte die Verantwortliche, Random House-Vertriebschefin Claudia Reitter, dem Buchreport nicht bestätigen. Das Projekt liege auf Eis, sagte Reitter.

Georg Reuchlein und Regina Kammerer treten zum Jahresanfang gemeinsam die Nachfolge des Luchterhand-Verlegers Gerald J. Trageiser an. Daneben bleibt Reuchlein Verleger von Goldmann, Manhattan und btb, Kammerer Programmleiterin bei btb. Andreas von Stedmann, seit wenigen Wochen Chef des Nicolai Verlags, hängt seinen zweiten Job als Geschäftsführer des DuMont Reiseverlags an den Nagel. Mohn-Tochter Brigitte soll im Januar 2005 ins Präsidium der Bertelsmann Stiftung aufrücken (das Präsidium hat die Funktion eines Vorstands, das Kuratorium die eines Aufsichtsrats), Gunther Thielen im September 2007 seinen Sessel als Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann AG gegen den Vorsitz im Präsidium der Stiftung tauschen. Damit sei die Stiftung als entscheidendes Instrument im Machtgefüge des Medienkonzerns vor Überraschungen sicher, kommentiert der Buchreport die Personalien.

Meldungen: Die Verhandlungen im Verkauf der Filmrechte des Bestsellers "Der Schwarm" (Kiepenheuer & Witsch) sind weit fortgeschritten, bestätigte Autor Frank Schätzing im Interview mit dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Im Rahmen einer Studie des Meinungsforschungsinstituts inter polis gaben 36 Prozent der Befragten an, heute seltener Bücher zu kaufen als früher, darunter 22 Prozent, weil sie sich inzwischen "weniger für Bücher interessieren", 14 Prozent aus Spargründen. Die im Zuge der Ullstein Heyne List-Filetierung Bonnier zugesprochenen Taschenbuch-Reihen Heyne Fantasy und Heyne Esoterik wandern in die Backlists der Bonnier-Töchter Piper bzw. Ullstein - ob die Bonnier-Beschwerde, Random House habe lukrative Fantasy- und Esoterik-Titel zurückgehalten und in die Allgemeine TB-Reihe eingegliedert, weiter verfolgt wird, entscheidet das Kartellamt diese Woche. Und: Konnte Bill Clinton mit seiner Autobiografie Diät-Queen Susanne Fröhlich von Platz 1 der Sachbuch-Bestsellerliste verdrängen?

Die Buchmacher vom 19.07.2004 - buchreport.express

Querelen um die Schulbuchaufträge stellen die pünktliche Auslieferung der Schulbücher in zwölf Bundesländern in Frage - das Titelthema im Buchreport. Schuld seien zahlreiche Verfahren, in denen derzeit die Rechtmäßigkeit von Vergabe- oder Losverfahren geprüft würden. Hier die Hintergründe.

Zwei (wohl schon hinlänglich bekannte) Statements bringt der Buchreport zur Negativentwicklung im Buchhandel von der Branchenpressekonferenz (siehe auch Börsenblatt) mit: Weil Bücher immer teurer werden, werden weniger gekauft und weil immer mehr Titel erscheinen (plus 2,7 Prozent, 61.000 Novitäten), finden sich Käufer immer weniger zurecht.

"Das große Lesen" (siehe auch Börsenblatt) stößt bei den Buchhändlern auf ein geteiltes Echo. Die Idee wird allgemein für gut befunden, Schwächen offenbart jedoch die Umsetzung, so der Tenor. Am meisten bemängeln die Sortimenter die "wenig üppige" Zuteilung des Werbematerials. "Trotz des positiven Rücklaufs ist die Messlatte des britischen Vorläufers der ZDF-Aktion noch weit entfernt. Innerhalb von fünf Wochen beteiligten sich dort 140.000 Leser an der BBC-Abstimmung für 'The Big Read' und schlugen insgesamt 7000 Titel vor", vergleicht der Buchreport.

Weniger als die Hälfte, 46,7 Prozent, aller US-Amerikaner haben in 2002 einen Roman gelesen, besagt eine Studie des National Endowment for the Arts. Dass dem "erfolgreichsten Literaturbetrieb der Welt" die Leser davonlaufen, wertet David Wengenroth in seinem Kommentar im Buchreport als Warnzeichen: "Die Erfahrung lehrt, dass gesellschaftliche Entwicklungen aus den USA mit einigen Jahren Verspätung in Europa ankommen." Zwar sei in Amerika die gesellschaftliche Akzeptanz des Fernsehens weit größer als hierzulande, dafür verfüge das Land über ein wesentlich dichteres Netz an Bibliotheken als Deutschland.

Personalien: Das Kartellamt hat Thalia grünes Licht für die Übernahme der insolventen Buchhandelskette Bouvier-Gonski gegeben. Für Richard Feldmann, alleinvertretungsberechtigter Geschäftsführer bei Bouvier, wird es keine Zukunft in dem Unternehmen geben.

Meldungen: Die DVA, seit 2001 zu 50 Prozent am österreichischen Haymon Literaturverlag beteiligt, wird ihren Anteil voraussichtlich zum 1. Oktober an die Innsbrucker Studienverlags GmbH abtreten - das gemeinsame Ziel, Haymon auf dem deutschen Buchmarkt zu etablieren, wurde nicht erreicht. Zwei ehemalige Ammann-Mitarbeiter haben das Literaturportal bluetenleser.de gestartet. Die Verlagsgruppe Weltbild hat ihren Gesamtumsatz in 2003 - gegen den allgemeinen Trend in der Branche - um 18 Prozent gesteigert. Zum Schluss: die Bestsellerlisten.