Heute in den Feuilletons

Märchenton und Orgelschwall

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
30.10.2013. In Spiegel Online fordert Sascha Lobo die Abschaffung des Verfassungsschutzes. Der Guardian und faz.net versuchen aus den neuesten Äußerungen des NSA-Chefs Keith Alexander schlau zu werden. Die taz erklärt, wer alles von den Five Eyes eigentlich gar nichts wissen darf. Die NZZ besucht Stalins fernöstliches Jerusalem und Petros Markaris' Athen. Laut Telepolis will die VG Wort ihre von Gerichten als illegal befundenen Ausschüttungen an Verlage jetzt von der Politik legalisieren lassen.  Die FAZ recherchiert zur Lage der Billeteure im Burgtheater. Und sie rudert im Streit mit den Buchverlagen um Blurbs zurück, meldet Carta. Die Welt erliegt heute Neo Rauchs unironischem Zauber.

Spiegel Online, 30.10.2013

Sascha Lobo möchte aus einigen Erkenntnissen über die Spähaffäre auch einige Konsequenzen ziehen. Zum Beispiel Nummer 3 - "Erkenntnis: Zehn Jahre Handyüberwachung der Kanzlerin zeigen: Die Spionageabwehr der Bundesrepublik ist unfähig oder schlimmer, verschließt gezielt die Augen. Konsequenz: Für digitale Spähabwehr zuständig ist der Verfassungsschutz, der schon durch sein Radikalversagen in Sachen NSU-Terror auffiel. In seiner jetzigen Form schafft der Verfassungsschutz offenbar kaum mehr, als vor Punkbands zu warnen. Bestenfalls scheint er wirkungslos, schlechtestenfalls ist er selbst eine Gefahr. Abschaffen."

TAZ, 30.10.2013

Als "Selbstschutzmechanismus der USA gegen die eigene außenpolitische Unbedarftheit" schlossen sich im Kalten Krieg die amerikanischen Nachrichtendienste mit ihren engsten Verbündeten zu den "Five Eyes" zusammen, referiert Dominic Johnson: "Um Kräfte zu bündeln, entstand eine unverbindliche Arbeitsteilung: Die Briten beobachten Europa und Afrika, die USA Lateinamerika und Ostasien, Australien Südasien, Neuseeland den Westpazifik, Kanada schützt die Botschaftskommunikation. In den USA wurde damals für diese Zwecke die NSA gegründet und es wurden mit einigen verlässlichen Verbündeten Einzelabkommen geschlossen... Dennoch sind alle Länder der Welt außerhalb der fünf Kernländer 'Drittländer', denen laut UKUSA-Abkommen nicht einmal die Existenz des Abkommens enthüllt werden darf."

Weiteres: "In Kiel ist nicht weibliche Empfindsamkeit an männlicher Ignoranz gescheitert. Sondern eine Journalistin an eigener Hybris", kommentiert Stefan Reinecke den Rücktritt der Kieler Oberbürgermeisterin und ehemaligen Zeit-Redakteurin Susanne Gaschke. Jenni Zylka erzählt, wie Orson Welles' Hörspielfassung von "War of the Worlds" vor 75 Jahren in den USA eine Massenpanik auslöste (hier zum Anhören und Runterladen). Aus Anlass des fünfzigsten Geburtstags von Ronald McDonald denkt Jörn Kabisch über unheimliche Clowns nach. In den sechs Premieren, mit denen Armin Petras seine Intendanz am Stuttgarter Staatstheater beginnt, beweist er "Sensibilität für die Diversität von Gesellschaft und Theaterpublikum", meint Judith Engel.

Besprochen werden Bill Condons Film "Inside Wikileaks" und Bücher, darunter ein Bildband über "The Age of Collage" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Und Tom.