
Muss man heute noch
Johann Georg Hamann lesen? Sarah Schuster
versucht auf
faust-kultur eine Antwort. Sie verweist auf die grundlegenden Forschungen des dänischen Germanisten
Sven-Aage Jørgensen, die auf Deutsch in dem Band "Querdenker der Aufklärung - Studien zu Johann Georg Hamann" vorliegen: "Der Kern, der dem Denken Johann Georg Hamanns zugrunde liegt und in Hamanns Schriften seine Fruchtbarkeit offenbart, ist
die Liebe, und zwar die Liebe zu Gottes Schöpfung. Diese Liebe ist sowohl eine Liebe zum Wort Gottes als auch eine Liebe zu Gott als Wort, denn das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort (Joh. 1,1). Sie ist als philia zum logos oder in Friedrich Schlegels Worten als logischer Affekt (Athenäums-Fragment 404) Philologie in ihrer ursprünglichsten Bedeutung."
Nett gemeint ist das nicht unbedingt, wie aus Schusters letztem Satz hervorgeht: "Im Gegensatz zum grausamen Weib Jael, die um der Grausamkeit willen freundlich ist, spricht Johann Georg Hamann um der Freundschaft willen eine
mörderische Sprache."

Stefan Niggemeier
beleuchtet im
SZ-Magazin die harten Bedingungen, denen das
Live-Publikum von Fernsehshows ausgesetzt ist. Bis spät in die Nacht müssen die Zuschauer - oft ohne Getränke und Toilette - manchmal ausharren: "Bei der RTL-Geburtstagsshow beschließt eine Gruppe, sich das große Finale und damit auch den Stau an der Garderobe zu sparen, und nutzt die letzte Werbepause zur Flucht. So was löst
hektische Betriebsamkeit im Studio aus. Leere Reihen gehen gar nicht. Helferinnen weisen die Leute an, die in ihren Reihen sitzen, rüberzurutschen und sich jeweils mittig auf zwei Stühle zu setzen, sodass man die Lücken nicht sieht. Die verbliebenen leeren Plätze füllen sie selbst. Im Fernsehen wird es später fast so aussehen, als gäbe es ganz zum Schluss, zum Gruppenbild mit Thomas Gottschalk und allen Gästen, noch einmal
begeisterte Standing Ovations."
In einem Blog des
New Yorker lernt Benjamin Moser, der gerade an einer
Biografie Susan Sontags arbeitet, von der Bibliothekarin Gloria Gonzalez in Los Angeles, wie man künftig
Mails archiviert. Und er stellt fest, dass es nicht nur beim Archivieren einen großen Unterschied gibt zwischen Mails und Briefen, sondern auch beim Lesen: "Eins der faszinierendsten Tools, die Gonzalez anwendet, ist ein Programm namens MUSE, das hilft, email-Datenbanken zu durchsuchen und die
Gefühle des Autors mit unheimlicher Akuratesse abzubilden. Man kann Kategorien wie 'medizinisch', 'wütend' und 'Glückwünsche' durchforsten, man kann an einer Grafik ablesen,
wie oft Sontag zum Beispiel im Mai 2001 prozentual gesehen glücklich oder traurig oder aufgeregt war. Während ich diese Technik bestaunte, fragte ich mich, wie ich mich fühlen würde, wenn jemand meine Mails durchsuchen und enthüllen würde, dass ich im Durchschnitt
321 bissige Kommentare im Monat abgebe und dass mein wöchentlicher Geilheits-Index von 34,492 Prozent bis 56,297 reicht."