Heute ist ein Freitag für die Zukunft. Die
taz kommt als "Klima-
taz". Unternehmen wie Lidl und EnBW haben brav Anzeigen geschaltet. Es sind zu viele Interviews und Analysen um sie zu zitieren. Immerhin
versucht Bernhard Pötter zu klären, warum "seit 14 Jahren
eine Klimaschützerin das Land regiert" und "trotzdem
alle Ziele zur CO2-Reduktion verfehlt" werden. Vielleicht hat es damit zu tun: "2011 nutzt Merkel eine akute Krise für einen grünen Schwenk: Nach der Atomkatastrophe von
Fukushima und der Wahlkatastrophe von Stuttgart, wo die CDU das Schaffer-Ländle ausgerechnet an die Grünen verliert, ruft sie die '
Energiewende' aus." Die nur fürs Klima nicht so gut ist. Und dann das: "'2013 war eine gute Chance, beim Klimaschutz voranzukommen', sagt einer, der an vielen Entscheidungen eng beteiligt war. Aber daraus wird nichts. Die SPD stellt in der zweiten Groko
die Kohle unter Artenschutz..."
In der selben Ausgabe
spricht Naomi Klein mit Natalie Hanman über ihr
neues Buch "On Fire".
"Die globale
Erderwärmung ist nicht das zentrale Problem unserer Welt", sagt der dänische Politikwissenschaftler und Statistiker
Björn Lomborg im
Welt-Gespräch mit Andrea Seibel und fährt fort: "Die Klimafokussierung frisst alle Empathie für die wirklich großen Menschheitsprobleme wie
Armut,
Seuchen und
Unterernährung". Eine "religiöse Fixierung" auf das Klima helfe nicht weiter, stattdessen sollten Statistiken in Relation betrachtet und neue Technologien geschaffen werden: "Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der Tran der
Wale als Lichtquelle genutzt. Das führte dazu, dass die Wale fast ausgerottet wurden. Die richtige Lösung war dann doch nicht, zu sagen: 'Entschuldigen Sie bitte, könnten Sie die Lampe etwas dimmen, damit wir Energie sparen?', sondern man fand Öl in Pennsylvania und musste nicht mehr auf die Ozeane rausfahren und diese wunderbaren großen Säugetiere töten. Das war ein
technologischer Durchbruch und kein moralischer Impetus."
RedakteurInnen der
Berliner Zeitung haben sich
angeschaut, wie es weltweit um den
Klimaschutz steht, etwa in
Russland: "Russische Offizielle verweisen immer wieder darauf, man habe schon jetzt das Versprechen erfüllt, den Ausstoß von Treibhausgasen
bis 2030 auf 70 Prozent zu reduzieren. Aber nach Ansicht von Ökologen ist diese Rechnung
Heuchelei. Denn sie geht von den Werten des Jahres 1990 aus. Ein Großteil der Industrie von damals arbeitet nicht mehr, die Emissionen sanken deshalb von selbst um mehr als 45 Prozent. Aber auch so bleibt Russland viertgrößter CO2-Emittent weltweit."
Wer den
politischen Islam oder die
Identitätspolitik kritisiert, wird sofort als Rechter etikettiert,
ärgert sich der marokkanische Schriftsteller
Kacem El Ghazzali in der
NZZ.
Islamisten freuen sich natürlich, helfen die angeblich Progressiven doch, religiösen Fundamentalismus zu festigen, etwa wenn sie das "Tragen der Burka im Westen als Ausdruck von persönlicher Freiheit" verklären. "Der syrische Publizist
Sami Alkayial erklärt diese
Fetischisierung des islamischen Schleiers treffend: 'Der verschleierte weibliche Körper ist das auffälligste und wirkmächtigste Symbol des von Linken angestrebten Pluralismus.' Das heißt: Der Schleier ist für sie das leicht erkennbare Zeichen dafür, dass 'der Muslim' anders ist und anders bleiben muss - und nur so darf er auf die Anerkennung durch die Multikulturalisten hoffen."
Völliges Unverständnis löst ein Urteil des Berliner Landgerichts gegen die Grünen-Politikerin
Renate Künast aus, die
Facebook auf die
Herausgabe von Nutzerdaten verklagt hat - und abschlägig beschieden wurde. In der
Berliner Morgenpost berichtet Philipp Siebert: "Äußerungen wie 'Knatter sie doch mal so richtig durch, bis sie wieder normal wird' wurde als 'mit dem
Stilmittel der Polemik geäußerte Kritik' gewertet. Die Unterstellung, dass Künast 'vielleicht als Kind ein wenig zu viel gef…' wurde, ist laut Beschluss '
überspitzt, aber nicht unzulässig'. Die Forderung, sie als 'Sondermüll' zu entsorgen, habe 'Sachbezug'. Attribute wie 'Stück Scheiße', 'Schlampe' sowie 'Geisteskranke' wurden als '
Auseinandersetzung in der Sache' gewertet."
Bei
Netzpolitik kommentiert Chris Köver dieses Urteil und bringt die Rechtslage in Erinnerung: "Seit einem Jahr soll eigentlich das
Netzwerkdurchsetzungsgesetz Abhilfe dagegen leisten. Strafbare Äußerungen müssen von den großen Plattformen wie Twitter und Facebook seitdem binnen 24 Stunden
aus dem Netz gelöscht werden. Ein gängiger Kritikpunkt am Gesetz: Nicht das Löschen, sondern
die Strafverfolgung muss das Ziel sein. Nur so werde man im Netz für mehr Affektkontrolle sorgen und Betroffene schützen."