Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag

Mehrgängig essen

17.11.2009. In Open Democracy verzweifelt die Moskauer Lyrikerin Tatiana Shcherbina an der russischen Stalin-Obsession. Polityka freut sich über einen Film, in dem es endlich mal keine Schande ist, kein Held gewesen zu sein. Die London Review of Books liest mit Vergnügen Roland Barthes. Im Espresso schlägt Umberto Eco vor, künftig nur das nackte Kreuz in die Klassenzimmer zu hängen. In der New York Review of Books überlegt Timothy Garton Ash, was die Samtene Revolution von anderen Revolutionen unterschied. Magyar Narancs will einmal ganz offen über die Roma zu reden. Der New Yorker begleitet eine Michelin-Testerin ins Jean Georges. In Letras Libres erklärt der Schriftsteller Cesar Aira, warum er nichts von offizieller Leseförderung hält: sie verstößt gegen die Freiheit. Mit den USA als Land der Erfindungen geht es bergab, glaubt Newsweek.

Homer der Huzulen

10.11.2009. In Open Democracy wünscht Neal Ascherson den Europäern etwas vom revolutionären Geist der Franzosen. Tygodnik dokumentiert, dass die polnische Dissidenten schon 1954 und auch noch in den Siebzigern auf die deutsche Wiedervereinigung hofften. In Newsweek findet Niall Ferguson 1989 welthistorisch nicht so bedeutend wie 1979. In Eurozine treibt Laszlo Borhi Österreichs Sozialdemokraten die Schamesröte ins Gesicht. Outlook India fährt nach Arunachal. Wired besucht den Henry Ford des Informationszeitalters. The New Republic pilgert zu den Bauten Peter Zumthors.

Fürchtet den Wandel nicht. Umarmt ihn!

03.11.2009. Open Democracy erzählt von russischen Störsignalen, die iranische Spatzen vertreiben. Die London Review liest neue Bücher über Ehrenmorde. Walrus weint auf das gedruckte Buch. The Nation sucht nach Dusan Makavejev. Der Guardian deutet Michael Hanekes Oeuvre. Polityka erklärt den Polen, dass Ethik auch ohne Katholizismus und sogar ohne Gott zu haben ist. In Dawn verteidigt Arundhati Roy die maoistische Guerilla in Indien. In Frontline plaudert der maoistische Guerillero Koteswar Rao über den Nutzen von Hinrichtungen für eine Revolution. In Le Monde wundert sich Vaclav Havel immer noch über seine Kritiker. HVG erklärt, warum der Kapitalismus für die Ungarn eine kommunistische Angelegenheit ist.

Der Roboter war gut in Form

27.10.2009. Mit Karadzic steht auch die Pest Ungarns vor Gericht, meint Magyar Narancs. Der New Yorker erklärt, warum Roboter besser sind als Ehemänner. Im New Republic fragt sich Enrique Krauze, warum Gabriel Garcia Marquez die Diktatoren so bewundert. Europa ist in der Türkei längst angekommen, erklärt Orhan Pamuk im Nouvel Obs. In der Geschichte finden wir keine Rezepte für die Zukunft, versichert der Historiker Karol Modzelewski in Tygodnik Powszechny. n+1 beobachtet den Aufstieg des Neuroromans. Das TLS liest neue Trotzki-Biografien.

Meine Kassen, meine Lieben

20.10.2009. In Sinn und Form erinnert sich Fritz Mierau an seine Reise nach Koktebel. Die London Review of Books liest ein Überlebens-Manual für Kassiererinnen. Im Nouvel Obs fragt Yasmina Reza nach der Legitimation der Polanski-Richter. In der New York Review of Books hat Timothy Garton Ash eine Aufgabe für einen brillanten jungen Historiker. Die Blätter berichten über die Blogosphäre in Afrika. Der New Statesman glaubt nicht, dass de Gaulle Nepal regieren könnte. In Nepszabadsag plädiert Andras Gerö für die Monarchie in Ungarn. In Eurozine bewältigt Arne Ruth die schwedische Vergangenheit im Vergleich zur schweizerischen.

Entspannen Sie sich

13.10.2009. El Pais Semanal dokumentiert die Aussage des zum Tode verurteilten Amerikaners Romell Broom, dessen Hinrichtung nach 18 vergeblichen Injektionsversuchen erst mal ausgesetzt wurde. Ungarische und polnische Magazine stimmen ein in den inzwischen fast einstimmigen Chor, der da singt: Roman Polanski kann man nicht verteidigen. Nicht Rassismus ist das Problem in Großbritannien, sondern das Zusammenglucken von Milieus, meint der Spectator. In The New Republic erklärt Lawrence Lessig die Gefahren von zuviel Transparenz für die Demokratie. In der Le Monde diplomatique beschreibt Shi Ming die hermeneutische Akrobatik von Chinas Kulturindustrie.

Superschnelle Gewaltprosa

06.10.2009. In Open Democracy erinnert Alexander Podrabinek die Sowjets an die wahren Helden Russlands: die Antisowjets. Im Espresso erinnert Umberto Eco Berlusconi daran, dass es auch rechte Intellektuelle gibt. Die New York Review of Books feiert James Ellroy. Der Guardian liest einen Comic über Bertrand Russells "Principia Mathematica". In ADN cultura beschreibt Juan Villoro ein ganz neues altes Lesegefühl. Vanity Fair berichtet von der Front in Rupert Murdochs Krieg gegen das Netz. Newsweek sieht die Zukunft des Journalismus: sie ist hyperlokal. Thomas Jefferson hätte das Google Book Settlement nicht unterschrieben, ahnt Lewis Hyde in der New York Times.

So viel mehr Sterne

29.09.2009. Mother Jones erzählt, warum kein Grüner sich mit Fiji-Mineralwasser erwischen lassen sollte. Zeitungen mögen im Netz ihren Markenwert verlieren, Journalisten könnten ihn dort erst gewinnen, überlegt Le Monde. Nicht die Zukunft, die Gegenwart ist heute die eigentliche Inspiration, meint der französische Soziologen Michel Maffesoli in Clarin. Im Espresso erzählt der Mafioso Francesco Fonti, warum die Entführung Aldo Moros die Mafia nervös machte. In Poets and Writers erklärt der Literaturagent Georges Borchardt, was die größte Veränderung im Verlagsgeschäft war: befristete Verträge.

Fast werde ich ohnmächtig

22.09.2009. Die New York Times liest das "Rote Buch" Carl Jungs, schaudernd. Wired weiß, warum Craig Newmark so erfolgreich ist: Er beantwortet Emails. In La vie des idees überlegt Eric Hobsbawm, wie man heute eine Revolution auslösen könnte. Mehr Helden!, fordert der Merkur. Walrus erzählt von einem ganz gewöhnlichen Tag bei Al Dschasira. In Nepszabadsag hat der Politologe Csaba Gombar die Nase voll von "post"-irgendwas. Polityka feiert den Dichter Juliusz Slowacki. Al Ahram überlegt, warum so viele arabische Staaten scheitern.

Hexenkessel der Debatte

15.09.2009. In The Atlantic erklärt Robert D. Kaplan, warum er lieber Al Dschasira sieht als CNN oder BBC. Und Mark Bowden läutet das Zeitalter des Postjournalismus ein. In Tygodnik Powszechny erklärt der Theaterregisseur Jan Klata den Raubtierkapitalismus mit einem hundert Jahre alten Roman. Im Espresso schwingt sich John Berger aufs Motorrad. In Elet es Irodalom wünscht sich der Historiker Miklos Mitrovits, die Russen würden aufhören, den Zweiten Weltkrieg zur imperialen Machtdemonstration zu nutzen. In der New York Times versteht Leon Wieseltier nicht, warum Juden wie Episkopale wählen sollen.