
Im
Schwerpunkt "Ich ist ein Roman" nimmt
Literaturen drei jüngst erschienene Autobiografien (
Günter Grass'
"Beim Häuten der Zwiebel",
Imre Kertesz' "
Dossier K. Eine Ermittlung" -
Leseprobe - und
Joachim Fests "Ich nicht") zum Anlass, sich dem Genre als Ganzes zu nähern. Online lesen dürfen wir Jens Biskys
Besprechung der
Fest-Erinnerungen. Wie schon andere Rezensenten ist Jens Bisky tief beeindruckt vom Vater Joachim Fests, Mitglied der Zentrumspartei und Rektor einer Berliner Volksschule, der
1933 entlassen wurde, weil er die Weimarer Republik verteidigte. "Anfang 1936 belauschten Joachim Fest und sein älterer Bruder Wolfgang einen Streit ihrer Eltern. Die Mutter, von Jahren der Einschränkung und Aussichtslosigkeit zermürbt, bat ihren Mann, über einen
Eintritt in die NSDAP nachzudenken: Dies würde doch nichts ändern. Verstellung und Unwahrheit seien 'immer das Mittel der kleinen Leute gegen die Mächtigen gewesen'. Der Vater beharrte auf seinem Trotz, seiner Verweigerung listiger Anpassung: 'Wir sind
keine kleinen Leute. Nicht in solchen Fragen!' Das ist ein elitärer Anspruch alten Zuschnitts, dessen Spitze nach einem Jahrhundert unter dem Diktat der Gleichheitsideologien fast unverständlich geworden ist."
Rene Aguigah
stellt Heimatkunde vor, wie sie im Buche steht: bei
Florian Illies,
Adam Soboczynski,
Nicol Ljubic und
Wolfgang Büscher. "Indem sie recherchieren und erleben und fabulieren, bezeugen sie selbst eine eigentümliche
Lust auf Deutschland: eine vergessen geglaubte Sehnsucht nach Landschaft und Natur; ein teils atemberaubend naives Verlangen, den Charakter einer Nation zu ergründen; ein kaum stillbares Begehren, das Verhältnis zu Heimat und Vaterland in der Sprache der
Intimkommunikation auszudrücken, in Begriffen von Liebe, Enttäuschung und Trauer."
Weitere Artikel: Während andere über die anstehende
Frankfurter Buchmesse reden,
blickt Paul Ingendaay bereits amüsiert ins Jahr 2007, zur nächsten Ausgabe, bei der nicht ein Land, sondern "
die katalanische Kultur" in Frankfurt zu Gast sein wird, was
Definitionsschwierigkeiten hinsichtlich der zu ladenden Gäste erwarten lässt. Zuviel Moschus
diagnostiziert Daniel Kothenschulte in der Verfilmung von
Patrick Süskinds Roman "Das Parfum". Und in der Netzkarte
erregt sich Aram Lintzel über die Webseite
Wörterbuch des Krieges und deren
moralfreies Gefasel über das Wesen des Krieges.