
Der Schwerpunkt des Juni-Hefts von
Literaturen ist dem Thema "Italienische Reise" gewidmet. Online ist dazu ein
Interview mit dem Literaturwissenschaftler Dieter Richter zu lesen, in dem er über die Wahrnehmung der
Großstadt Neapel bei Italienreisenden des 18. und 19. Jahrhunderts spricht: "Neapel war immer die schönste Stadt Italiens, einige hielten sie sogar für die schönste Stadt der Welt; gleichzeitig hatte sie eine unheimliche und dämonische Seite. Die
Kurtisanen in Neapel galten als die verführerischsten, noch in Reiseberichten des 19. Jahrhunderts kann man lesen, die Frauen seien den Fremden gegenüber 'geneigter'. In Marquis de Sades 'Juliette' reist eine kleine Gruppe durch Kampanien, und eine der Damen setzt die langweiligen Landschaften des Nordens gegen die 'wunderwürdige' und '
verbrecherische'
Natur der Vesuv-Gegend. Die kampanische Natur evoziert die Leidenschaften, das gesellschaftlich Verdrängte.
August von Platen hat es sehr genossen, dass er in Neapel Knaben und Männer finden konnte, ohne bestraft zu werden."
Franz Schuh
liest für seine
Kriminal-Kolumne
Max Bronskis "München Blues" - und auch wenn der Rezensent München nicht mag, "Bronski ist ein
witziger Autor. Er hat Einfälle, die nicht mit sich selbst protzen, sondern tatsächlich ein Licht auf Sachverhalte und Lebensumstände werfen". Der Schriftsteller
Feridun Zaimoglu berichtet auf der Beiseite enthusiasmiert von
Roberto Bolanos Roman "Chilenisches Nachtstück", ein Buch, das er so sehr liebt, dass er es "
beißen möchte, um es zu schmecken und zu spüren". Manuela Reichart
stellt die erst sehr schöne, dann etwas ermüdende Literaturverfilmung "Valley of Flowers" vor. In seiner
Netzkarte hat sich Aram Lintzel mit der
Wikipedia-Parodie stupidipedia.org nicht sonderlich amüsiert. Hilal Sezgin
bespricht die von Christina von Braun und Bettina Mathes verfasste kulturwissenschaftliche
Studie über das Kopftuch mit dem Titel "Verschleierte Wirklichkeit". In seiner
Kritik zu zwei neuen Büchern über die Gegenwartskunst bedauert Wolfgang Ullrich, dass deren Autoren Jörg Heiser und Piroschka Dossi nicht kapiert haben, dass der
Preis längst konstitutiver Bestandteil des Gegenwartskunstwerks ist.