Putins neuestes Kriegsverbrechen, der Raketenangriff auf das ukrainische
Dorf Hroza, schaffte es in den deutschen Medien kaum noch in die Meldungen. Juri Larin
schickt für die
taz eine Reportage aus dem Dorf bei Charkiw: "Ein großer Mann schafft es gerade noch bis zu dem fast zerstörten Zaun des Cafés, lehnt sich daran und bleibt fast eine Viertelstunde regungslos dort stehen. Der Mann lehnt jede Hilfe ab, will weder Tee noch Wasser. Als ich ihn anspreche, beginnt er zu schluchzen und versucht mühsam, die Tränen zurückzuhalten. Das Schrecklichste an der ganzen Situation ist, dass
neben den meisten Leichensäcken keine Angehörigen oder Freunde stehen. Tatjana Lukaschowa erklärt, dass hier
ganze Familien umgekommen sind, ganze Häuser entlang der Dorfstraße sind jetzt leer. Der Polizeichef des Gebietes Charkiw, Wolodymyr Tymoschko, sagt, dass bis zum Donnerstagmorgen 330 Menschen in Hroza gelebt haben. Eine einzige Rakete habe auf einen Schlag 51 von ihnen getötet."
Boris Kagarlizki ist der "wohl bekannteste linke Dissident Russlands", heißt es in der
taz, wo Jan Schroeder seine Tochter Xenia
interviewt, denn Kagarlizki ist, wie es sich für russische Dissidenten gehört, im
Gefängnis. Auf die Frage, ob Putins Methoden sie an die Sojetunion erinnere, antwortet sie: "Seine Methoden sind anders. Es ist nicht mehr so schlimm wie unter Stalin, andererseits hatte Stalin nicht die
modernen Technologien, die Putin zur Verfügung stehen. Heute sind in Russland alle Großstädte videoüberwacht. Wenn man an einem Protest teilnimmt, wird man mit Glück vielleicht nicht direkt festgenommen, aber dann holen sie einen anschließend von zu Hause ab.
Die Angst wächst. Darum geht es in Putins Diktatur."
Ab übermorgen wird der Rest der deutschen Bevölkerung endlich mit den
Bayern in Ruhe gelassen (die Hessen wählen auch, haben folkloristisch aber weniger Farbe). Es ging im bayerischen Wahlkampf
um fast nichts, aber dafür in scharfer Polarisierung, meint Claudius Seidl in der
FAZ. Er hofft, dass die bayerische Spitzenindustrie, die anderweitig doch eher für ihr Kuschen vor den Autokraten bekannt ist, dem Provinzialismus den Garaus macht: "Seit der verdrucksten Reaktion
Hubert Aiwangers auf die Geschichte mit dem Flugblatt in seinem Ranzen ist es ohnehin unwahrscheinlich, dass sich die Chefs Münchner Weltkonzerne mit diesem Wirtschaftsminister noch einmal fotografieren lassen." Über Hessen schreibt im
FAZ-Feuilleton Matthias Alexander.
Auch die Historikerin
Hedwig Richter hat jetzt offenbar eine Kolumne in der
SZ. Sie attackiert heute das "
linksbürgerliche Verdrängen", das im Blick auf AfD und Co. mit Faschismus-Vergleichen kommt, während man den eigenen Anteil an der
Klimakatastrophe verdrängt. "Die Weimarer Republik und ihr Untergang sind 90 Jahre entfernt, die Klimakrise erst zehn. Die Nazis damals hatten andere Teufeleien im Sack und die Wähler andere Gründe für ihre Wahl. In Weimar herrschten absolute Armut, Hunger, Mord und Totschlag.
Auch die Ideologie ist anders. Giorgia Meloni schindet Minderheiten, aber sie wird keinen Führerinnen-Staat errichten. Neu ist: Die Rechtsextremen werden nicht zuletzt deswegen immer attraktiver, weil sie die
aktuellen Krisen leugnen, ganz offen auch den Klimawandel, und die Notwendigkeit, radikal zu handeln."
Außerdem: Georg Mascolo macht in der
SZ auf die Absurdität aufmerksam, dass die Bundesregierung eine Millionenstrafe an die EU zahlen muss, weil sie es nicht schafft, eine verbindliche Vorgabe der EU zum
Schutz von Whistleblowern zu erfüllen.
Das ist an Absurdität wirklich nicht zu überbieten. Die postkommunistische Postille
Junge Welt darf
Wladimir Putin bei einer Pressekonferenz eine Frage stellen und präsentiert stolz Putins Antwort, in der dieser
die AfD zu Antifaschisten erklärt. Rotbrauner Sumpf in action.