
Wenn
Evgeny Morozov den Typus des permanenten Technotrolls verkörpert, der jeden Elan herunterredet, dann ist
Kevin Kelly der Typus des permanenten Technovisionärs, der den Fortschritt stets auf
dem Weg zum Gutem sieht - und ehrlich gesagt: Er liest sich weit anregender. In
Edge antwortet er ausführlich auf eine ganze Menge Fragen und weicht auch der großen, von
Sascha Lobo benannten narzisstischen Kränkung durchs Netz nicht aus. Das Netz will
kopieren, sagt Kelly, und das Netz will
beobachten. Beides gehört zu seinen innersten Regungen und lässt sich nicht abstellen, also muss man damit arbeiten: "Das ist es, was die NSA und andere Geheimdienste gerade erleben. Sie versuchen, geheim zu sein, aber du kannst nicht geheim sein, denn das Internet will das Zeug kopieren." Als Antwort auf Überwachung schlägt Kelly
Symmetrie vor. Die NSA solle mit Wikileaks kooperieren. "Wir wollen gegenseitige Beobachtung statt Überwachung. Wir wollen unsere Beobachter beobachten, tracken, wer uns trackt." Und der NSA will er sagen: "Ok, du trackst uns, aber du musst
Rechenschaft ablegen. Es kann nicht geheim und außerhalb jeder Rechenschaftspflicht stattfinden."

"Wenn einer von uns an einer Überdosis stirbt, hält er wahrscheinlich zehn andere davon ab",
zitiert der Drehbuchautor
Aaron Sorkin den an einer Heroin-Überdosis gestorbenen Schauspieler
Philip Seymour Hoffman. Ob sich Hoffmans Prognose bewahrheitet, hängt davon ab, welche Schlüsse aus seinem Tod gezogen werden,
schreibt Christopher Glazek in
n+1. Um den gegenwärtigen
Heroin-Boom - die Zahl der Konsumenten hat sich in den USA seit 2007 fast verdoppelt und ist so hoch wie nie zuvor - in den Griff zu kriegen, plädiert Glazek gegen eine härtere Drohenpolitik und für die Betreuung von Heroinsüchtigen mit geeigneten Ersatzstoffen: "Viele betreute Opiatabhängige erfahren eine
geringere Zerrüttung ihres täglichen Lebens als Konsumenten von Chemikalien wie Crack und Meth, die zwar weniger tödlich sind, aber stärker verrückt machen. Selbst mit unkontrollierter Abhängigkeit und schwankender Versorgung mit Opiaten gelang es Hoffman, einen Zeitplan einzuhalten und eine Produktivität an den Tag zu legen, die für viele nüchterne Menschen eine Herausforderung wäre. Darin liegt jedoch das
große Paradox von Heroin: Wer es einnimmt, geht im Vergleich zu anderen Drogen ein geringeres Risiko ein, sich durch unberechenbares Verhalten als Süchtiger zu stigmatiseren. Aber er geht ein höheres Risiko ein, von der Droge getötet zu werden."