Neben dem Staat trägt vor allem eine Bevölkerungsgruppe die Kosten der Corona-Pandemie - die
Selbständigen,
schreibt der Filmregisseur
Achim Michael Hasenberg in der
taz. Den Festangestellten wurde dagegen kein Haar gekrümmt. Anders als im ersten Lockdown gibt es auch sehr viel weniger Kurzarbeit. Der
öffentliche Dienst gönnte sich mit Hinweis auf seine Systemrelevanz sogar eine Gehaltserhöhung von fünf Prozent. Hasenberg schlägt einen
Soli für Selbständige vor: "Gerechter wäre es, wenn jede und jeder Erwerbstätige, egal ob Angestellte oder Selbstständiger, sich prozentual gleich an den Kosten der Pandemie beteiligen und einen
niedrigen einstelligen Prozentsatz vom Einkommen abgeben würde. Dieser Pandemiebeitrag würde über die Steuererklärung abgerechnet. Wer starke Verluste während der Pandemie erlitten hat, zahlt einen geringen Prozentbetrag, bekäme aber aus dem gemeinsamen Topf einen größeren Anteil zurück, bis in einer Höhe von 90 Prozent des Einkommens aus dem Jahr 2019 und bis zum Erreichen eines gewissen Gesamteinkommens. So würde verhindert, dass ein gering verdienender Angestellter eine sehr gut verdienende Selbstständige finanziert."
Das islamische
Kopftuch ist nicht neutral, darauf
besteht Ahmad Mansour im
Tagesspiegel: "Nicht immer verbirgt sich ein drohender Vater, Bruder oder Ehemann hinter der Entscheidung für die Verhüllung. Aber immer ein
strafender,
patriarchaler Gott. Sollte eine Frau bewusst entscheiden, ihr Kopftuch abzulegen, drohen Ausgrenzung und manches Mal der Kontaktabbruch. Dass Religionsfreiheit auch die
Freiheit von Religion bedeutet, wird in diesem Kontext häufig vergessen. Das ist mit den Grundprinzipien einer aufgeklärten Gesellschaft, mit dem Recht auf Selbstentfaltung nicht vereinbar."
Der
Tagesspiegel hat kürzlich ganze
vier Reporter angesetzt für eine lange, aber niemanden wirklich dinghaft machen könnende
Recherche in alten Twitterfeeds und Facebookeintragungen der "Hintermänner" und Beteiligten von #
allesdichtmachen. Am Sonntag hat er mit einem
zweiten, fast ebenso langen Artikel über "
Verwerfungen innerhalb der Filmbranche und einen
ominösen Drahtzieher aus dem Querdenker-Milieu" nachgelegt. Geschrieben haben das Andreas Busche, Hannes Soltau und "Journalist:innen des Recherchenetzwerk
Antischwurbler". Mit dem "Drahtzieher" ist wohl
Paul Brandenburg gemeint, der am 20. März bei "Kaiser TV" saß, "einem YouTube-Talkformat des Autors Gunnar Kaiser. Unter dem Sendungstitel 'Es ist eine Katastrophe!' sprechen sie über die 'Lust an Grundrechtseinschränkung' in der Pandemie. Was wie ein netter Plausch unter Gleichgesinnten wirkt, ist ein weiteres Indiz dafür, dass die Aktion #allesdichtmachen
von langer Hand geplant war und von Beginn an eine politische Agenda verfolgte. Brandenburg ist Notfallmediziner, Unternehmer und Begründer der Initiative '1bis19', zu deren Hunderten von Unterstützer:innen auch der Schauspieler Volker Bruch und Regisseur Dietrich Brüggemann gehören. Sein Gesprächspartner Kaiser gibt auf Facebook mit Suggestivfragen schon mal einen
scharfen Ton vor: 'Haben ältere Menschen, die das (Anm.: die Corona-Maßnahmen) hinnehmen und freudig akzeptieren für ein paar eigene Lebensjahre mehr, diese Lebensjahre dann verdient?' Auf diesen Punkt läuft es bei Kaiser und Brandenburg oft hinaus:
Menschenleben werden gegen
Freiheitsrechte ausgespielt."
In der
Welt ist Regisseur
Thomas Bohn sichtlich angewidert von dieser Art der Berichterstattung, die ihn an die McCarthy-Ära erinnert: In dem Artikel reihe sich "
eine Vermutung an die andere. Von 'Verwerfungen' in der Branche ist die Rede, von '
munkeln' über 'größere Namen', die beteiligt seien, wird berichtet. Aber 'niemand möchte namentlich genannt werden', weil sich eben 'niemand traut'. Dafür traut sich aber der
Tagesspiegel. Um Moritz Bleibtreu '
verdichten sich die Hinweise', dass er 'zu einem frühen Zeitpunkt in die Aktion eingebunden war'. Und dann erzählt eine geheime 'Quelle' dem
Tagesspiegel wirklich Böses: Nämlich dass es niemand in der Szene wagen würde, Bleibtreu als 'aktiven Rekrutierer' der Aktion zu nennen. Begründung: 'Der lässt dich dann
eventuell aus dem nächsten Projekt kicken, wo er besetzt ist.' So etwas nennt man im Volksmund
Rufmord."
In
netzpolitik meldet Daniel Laufer: Babylon-Star
Volker Bruch habe einen Mitgliedsantrag bei der Querdenkerpartei "Die Basis" gestellt. "
netzpolitik.org konnte eine auf Mitte April datierte
Mitgliederliste einsehen, die vorläufige Mitgliedsnummer des Schauspielers endet auf '967'. Als Eintrittsdatum wird der 13. März 2021 genannt. Laut dem Medienbeauftragten der Partei David Claudio Siber ist Bruchs Eintrittsverfahren noch nicht abgeschlossen, da
seine Identität noch entsprechend einem parteiinternen Prozess verifiziert werden müsse. Neumitglieder müssten demnach zunächst ihren Personalausweis vor einer Webcam zeigen. Es klingt, als sei das bei Bruch aber eher eine Formalie. Siber sagt, man könne bereits
mit Gewissheit sagen, dass es sich bei dem Antragsteller tatsächlich um den Schauspieler handele. Die Mitgliederliste stammt aus einem
massiven Leck, das im vergangenen Monat bekannt wurde."
In der
Welt unterhalten sich außerdem der Beamte Gunnar Kaiser und seine Schwester, die Unternehmerin Heike-Melba Fendel auf einer ganzen Seite über die
Corona-
Maßnahmen (sie sind da geteilter Meinung) und auch über #allesdichtmachen. Fendel sagt in wenigen Sätzen alles, was dazu gesagt werden muss: "Ich halte die Aktion für eitel und dumm und in ihrer verunsichernden Wirkung für
äußerst destruktiv. Nicht allein für meine ohnehin hysterieaffine Branche, sondern auch für eine Gesellschaft, die bereit ist,
Prominente ernster zu nehmen, als es deren intellektuelles Format erlaubt."