In der Türkei gibt es drei deutsche Schulen. Da erscheint das Projekt, in Deutschland
drei türkische Schulen zu eröffnen, nur logisch. Die
taz-Kolumnistinnen Ronya Othmann und Cemile Sahin
sind trotzdem dagegen. Schulen könnten zwar nicht so gleichgeschaltet werden wie Ditib-Moscheen: Aber "von den
Zehntausenden Lehrerin*innen, die in der Türkei gefeuert wurden, weil sie nicht staatstreu genug sind, wird sicher keine*r einen neuen Job in einer türkischen Schule in Deutschland bekommen. Ganz im Gegenteil: Die Türkei wird dafür sorgen, dass die 'richtigen' türkischen Lehrer*innen in den türkischen Schulen in Deutschland unterrichten werden. Diese Lehrer*innen werden dann - davon ist auszugehen - direkt und
gezielt ausgewählt. Die Auswahlkriterien werden sein: Pro-AKP und Pro-Erdoğan."
Angeklagte gelten als unschuldig, bis sie von einem Gericht schuldig gesprochen sind - das galt bisher für alle, für Mörder, Diebe und sogar für Vergewaltiger. Heute nicht mehr,
bedauert Sarah Pines, die offenbar den
Weinstein-Prozess beobachtet, in der
NZZ. Weinstein ist das Monster,
unstimmige Details in den Geschichten der Klägerinnen würden verschwiegen. Aber warum? "
Frauen können lügen, kalkulieren, eiskalte Rache üben, genau wie Männer. Ist diese Vorstellung derart unerträglich? Die mediale Berichterstattung jedenfalls begnügt sich mit
Bildern weiblicher Schwäche. Überschriften und Prozessberichte, tausendfach von Autoren verfasst, die nicht eine Minute im Gerichtssaal verbracht haben, dann millionenfach auf Social Media verbreitet, zeigen das schwache Geschlecht in der Totalinszenierung:
weinend und verwirrt."
Im Interview mit
Zeit online beklagt die Anwältin
Asha Hedayati, dass für die
Opfer häuslicher Gewalt immer noch zu wenig getan wird: "Auf dem Papier ist Deutschland, was den Schutz von Frauen vor häuslicher Gewalt angeht, gut aufgestellt. 2018 ist hier die
Istanbul-
Konvention in Kraft getreten. ... Darin ist zum Beispiel festgehalten, dass es
genug Zufluchtsorte für betroffene Frauen geben muss, oder wie Prävention und Opferschutz aussehen sollen. Das Problem ist nur: Das Übereinkommen wird immer noch nicht konsequent umgesetzt. Es
fehlen viel zu viele Frauenhausplätze. Und nicht einmal Richterinnen und Richter am Familiengericht kennen die Istanbul-Konvention überhaupt.
Es gebe zwar keinen genuin
muslimischen Antisemitismus,
schreibt Malte Lehming vom
Tagesspiegel an die Adresse einiger Autoren, die diese Spielart des Antisemitismus ausgerechnet am
Auschwitz-Gedenktag thematisierten, aber er muss zugeben, dass es in
vielen arabischen Ländern sehr wohl eine extrem judenfeindliche Einstellung gibt. In Deutschland bezieht er sich auf eine Studie
Lamya Kaddors, um den muslimischen Antisemitismus zu kontextualisieren: "Mitverantwortlich für den Antisemitismus junger muslimischer Migranten ist aber offenbar auch eine
zunehmende Islamfeindlichkeit. Das ist das Ergebnis einer im April 2019 von der Bundeszentrale für politische Bildung veröffentlichen Dokumentation eines Schulprojektes. In dessen Rahmen rechtfertigten viele Jugendliche muslimischen Glaubens ihre antisemitischen Einstellungen damit, 'dass sie durch die zunehmende Islamfeindlichkeit
selbst abgewertet und diskriminiert werden'. Die Verfasser der Dokumentation warnen vor diesem '
höchst bedenklichen Mechanismus'." (Zu Kaddors Bericht gab es schon Debatten, unsere
Resümees.)
Lässt sich die
Hysterisierung der aktuellen Gesellschaften mit narzisstischen Kränkungen erklären,
fragt Robert Misik in einem kleinen Essay für
Zeit online und konstatiert, dass wir in einer
Enttäuschungsgesellschaft leben: "Der Individualismus hat jedem Einzelnen das Ziel eingeimpft,
etwas Besonderes zu sein, aber auch, von anderen in dieser Besonderheit anerkannt zu werden. Das Kollektiv gilt wenig, das Ich alles. Aber ein solcher Wettbewerb produziert viel weniger Sieger als Verlierer. Selbst wenn man in diesem Bedeutungs-, Wichtigkeits- und Besonderheits-Contest einigermaßen passabel abschneidet, wird es fast immer noch andere geben, die noch mehr Erfolg haben."