Die Buchmacher - Archiv

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281 Presseschau-Absätze - Seite 25 von 29

Die Buchmacher vom 13.01.2003 - buchreport.express

Der buchreport sorgt sich erneut um den allgemeinen Trend zum Schnäppchen, der sich auch auf den Buchhandel auswirkt. Weltbild und die Mayersche Buchhandlung etwa werben mit Rabatten und Sonderausgaben. Die "Billiglawine" im Buchhandel werde noch stärker sichtbar werden, wenn die Könemann-Bestände, Falken- und Mosaik-Titel und weitere Sonderausgaben auf den Markt schwemmen. "Umso schwerer werden es die Neuerscheinungen im Frühjahr haben. Auch wird es immer unmöglicher werden, die Berechtigung und Notwendigkeit der jetzt sogar gesetzlich verankerten Preisbindung den Aufsichtsbehörden zu erklären. Auf der anderen Seite: Die Billigbücher ziehen angesichts der anhaltenden Konjunkturschwäche Publikum an, das dringend gebraucht wird." Und so heißt es weiter: "Im Augenblick dürfte so mancher Buchhändler verfluchen, was ihn sonst schützt" - nämlich die Preisbindung.

Wie vor ihm bereits Gert Frederking und Monika Thaler sowie Martin Scheriau hat auch Friedrich-Karl Sandmann seinen Verlag von einem Konzern zurückgekauft. Die 74 Prozent am Zabert Sandmann Verlag, die 1991 zunächst an Heyne, dann an die Springer-Buchverlage gingen, gehören seit dem 1. Januar wieder dem Verlagsgründer. In der Zeit bei Ullstein Heyne List blieb Sandmann "in der Programmgestaltung autark, erweiterte das Programm um den Themenbereich Gesundheit und wurde auch hier schnell wieder Trendsetter [wie zuvor bei den Kochbüchern]. Doch wer ständig vorwärts will, tut sich schwer auf den langen Wegen eines Konzerns. Deshalb war Sandmann froh, als er an einem der letzten Arbeitstage des vergangenen Jahres in Hamburg gemeinsam mit Springer-Vorstand Hubertus Meyer-Burckhardt die Unterschriften unter das Papier gesetzt hatte, "das mich wieder zum freien Mann macht".

Bodo Harenberg kommentiert "die Rückkehr der unabhängigen Verleger", die "fast schon ein kleiner Trend" sei. "Die Konzerne sind mit ihrer Absicht, in die alles umfassende Verwertungskette auch die Buchverlage einzubeziehen, mehr oder weniger gescheitert. McKinsey hat in einigen Fällen das Schlimmste zwar verhindern können, aber Glückseligkeit ist in die Buchhäuser unter Konzerndächern nicht eingezogen." - "Als in den letzten Jahrzehnten viele kleine, mittlere und auch große Verleger in Deutschland die Anbindung an Medienkonzerne und gewichtigere Buchhäuser suchten, mögen sie gehofft haben, das amerikanische Vorbild [eines freien Verlegers innerhalb eines Konzerns] ließe sich auch in Buch-Germany verwirklichen. Doch die Strukturen waren nicht so: Trotz bester Vorsätze ist die Integration selten geglückt und Liquidation viel häufiger der Fall gewesen. Der Fortbestand einiger Namen beweist nicht das Gegenteil, denn oft sind die Namen nur Hülsen geblieben." Der unabhängige Verleger habe durchaus Chancen, so Harenberg. "Unter einer Voraussetzung: Er muss Verleger sein und alles, alles, was andere besser können, außer Haus erledigen lassen."

Weitere Meldungen: Eichborn-Vertriebschef Andreas Horn hat um die Aufhebung seines Vertrags gebeten. Und das Weihnachtsgeschäft in den USA und Großbritannien blieb unter den Erwartungen; in den USA lag "das Spektrum einer Blitzumfrage von Publishers Weekly (...) zwischen leichten Einbußen und Zuwächsen bis elf Prozent".

In einem Extra-Teil über den Buchfrühling 2003 stellt der buchreport potenzielle Bestseller vor sowie "Bücher, an die Verlage in diesem Frühjahr glauben", Neuerscheinungen für die Buchhandlung mit gebildeter Kundschaft, Krimi-Novitäten, Wiederentdeckungen, Biographien, Sachbücher, Titel zu Verlags- und anderen Jubiläen, Kinder- und Jugendbücher, Taschenbücher, Hörbücher und schließlich Bücher über die Buchbranche. Eine Auswahl aus der Auswahl: "Das sterbende Tier" von Philipp Roth (Hanser), "Schiffbruch mit Tiger" von Yann Martel (S. Fischer), "Nichts als Gespenster" von Judith Hermann (S. Fischer), "Über Zäune und Mauern" von Naomi Klein (Campus), "Alles ist erleuchtet" von Jonathan Safran Foer (Kiepenheuer & Witsch), "Das Haus der blauen Mangos" von David Davidar (Europa Verlag), "Die Tagebücher einer Nanny" von Emma McLaughlin und Nicola Kraus (Manhattan), "Frau ohne Begräbnis" von Assia Djebar (Unionsverlag), "In fremden Kleidern" von Paula Fox (C.H.Beck), "Philip und die Anderen" von Cees Nooteboom (eine Neuübersetzung von "Das Paradies ist nebenan", Suhrkamp), "Aller Ding" von Michael Lenz (S. Fischer), "Der Fänger im Roggen" von J. D. Salinger (die Neuübersetzung, endlich, Kiepenheuer & Witsch), "Christuslegenden" von Selma Lagerlöf (Nymphenburger), Autobiographien von Bob Dylan (HoCa), Hillary Rodham Clinton (Econ), Biographien über Saddam Hussein (List), Harald Schmidt (Ullstein) und Margot Honecker (Ueberreuter) und und und.

Hier der Link auf die Bestsellerlisten.

Die Buchmacher vom 23.12.2002 - buchreport.express

Eine Umfrage des buchreport hat für den dritten Adventssamstag ein Umsatzminus von sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr ergeben. Damit halte sich der Rückstand in Grenzen. Doch selbst ein sehr erfolgreicher vierter Adventssamstag könnte das Jahr nicht retten: "Mit einem Gesamtminus von voraussichtlich vier Prozent wird die Branche zum dritten Mal in Serie zu den Verlierern gehören und stößt damit an die Grenzen des Machbaren." In Bezug auf die Verkaufsschlager schreibt der buchreport: "Besonders die Spätstarter im Weihnachtsgeschäft - Crichton, Marquez, Scholl-Latour - gehen gut. Bohlen hat seinen Zenit überschritten, Mankell wird überall gut verkauft. Interessant: Die Klassiker sind im Kommen, Theodor Fontane und Co. stehen hoch in der Käufergunst."

Diese Ausgabe des buchreport ist die letzte für 2002. Sie enthält eine Vielzahl von Rückblicken, die hier nicht alle erwähnt werden. Zusammenfassend daher Bodo Harenbergs "Sechsundsechzig Wörter" des Jahres: "Amadeus-Kette, Baustelle Bertelsmann, Bohlen, Börsengang, Buchmesse-Führungswechsel, buchreport-Ranking, Club-Relaunch, Corine, Deutsche Bücherdatenbank, Deutscher Bücherpreis, Erstverkaufstag, Euro-Teuro, filetieren, Filialatlas, Flächenoffensive, Flutkatastrophe, Gebrauchtbücher, gefeuert, Generationswechsel, Gesamtverein, Herr der Ringe, Heyne-Boykott, Hugendubel-Kurzarbeit, Insolvenz, Kanon, Kernkompetenz, Kiepert, Konditionenmodell, Könemann, Konsumklima, Konzentration, Kostenbremse, Ladenöffnungszeiten, Lex Buchclub, Middelhoff, Liz Mohn, Nullrunde, Online-Antiquariat, Outsourcing, Pisa-Studie, Preisbindungsgesetz, Ratgeberkrise, Revirement, Rowling, Sparkurs, Tafelsilber, Übernahme, Umsatztrend, Unseld, Urhebervertragsrecht, Verlagsverkäufe, verschlanken, Vertreterbesuche, Walser-Debatte, Warenwirtschaftssystem, Weihnachtsgeschäft, Weltbild-Wachstum, Wertschöpfungskette, Zielgruppen."

Und die Flächenoffensive im deutschen Buchhandel hält an. Seit November 2001 haben 14 Großbuchhandlungen mit einer Gesamtfläche von 28.790 Quadratmeter neu eröffnet, erweitert oder umgebaut, schreibt der buchreport. "Dies ist fast auf den Quadratmeter ebenso viel wie im Vergleichszeitraum des Vorjahrs. Damals waren es 28.760 Quadratmeter, die sich allerdings auf 17 Buchhäuser mit mindestens 1.000 Quadratmeter verteilt haben."

Nach dem Rausschmiss von Wulf Böttger beim Bertelsmann Buchclub meint der buchreport, ohnehin sei mit dem McKinsey-Mann vor zwei Jahren der falsche Mann "an Bord" geholt worden: "Ein Sanierer, der gleichzeitig Geld sparen und den Club zu neuer Blüte bringen sollte. Böttger verstand sich zwar aufs Sparen, mit seinen Innovationen hatte er jedoch wenig Erfolg". Eine Auswahl aus der vom buchreport zusammengestellten Negativliste: "Kataloge: Zahlreiche Relaunchs werden angekündigt, doch keiner fruchtet." - "Spezialclubs: Böttger verkündet die Übertragung des USA-Konzepts auf Deutschland, von 20 Special Interest Communities ist in der vollmundigen Ankündigung die Rede. Die erste, 'Moments', geht im Sommer 2001 an den Start, zwei Millionen Mitglieder werden anvisiert. Ein Jahr später sind es 10.000, 'Moments' wird in den großen Universalclub integriert." - "Clubbeirat: Von dem Gremium ist in der Öffentlichkeit kaum etwas zu vernehmen, die von Lea Rosh und Gaby Hauptmann geleitete Sendung 'Willkommen im Club' (XXP/VOX) kommt zuletzt auf 60.000 Zuschauer." - "Filialen: Die neue Boulevard-Kette (in Kooperation mit Buchhändler Grüttefien aus Varel) bleibt bei einer Filiale (Bielefeld) stecken. Böttger startet ein neues Marketingkonzept für die Club-Filialen, das mit Begriffen mit Cluster oder Shanghai-Gondeln protzt. Aber am Ergebnis ändert das nichts."

In einem weiteren Artikel geht es um die Umstrukturierung der Branche: Käufe, Verkäufe, Filettierungen. Dringender Sanierungsbedarf bestehe für Bertelsmann etwa bei den Verlagen Berlin und Siedler "sowie möglicherweise auch hier und da bei einigen anderen Imprints". Natürlich könnten auch die Springer-Buchverlage weiter zur Disposition stehen. Warum sollte nicht Bertelsmann Heyne Ullstein List übernehmen? "Was Sinn machen könnte: Springer weiß mit Büchern nicht viel anzufangen, Bertelsmann hingegen kommt von den Büchern und braucht eine Frischzellentherapie, um seine Verlagsgruppe Random House auch in Deutschland im Sinne der Konzernstrategie wieder salonfähig zu machen. (...) Allerdings gibt es da noch ein kleines Problem: Zum Nulltarif sind Ullstein Heyne List nicht zu haben, Bertelsmann jedoch steckt finanziell derart in der Klemme, dass selbst ein Entgegenkommen beim Kaufpreis noch immer mit Schwierigkeiten verbunden wäre."

Trotz allgemeiner Krise wächst der Hörbuchmarkt unaufhörlich (kein Wunder, Lesen ist ja out). Neben den Umsatzzahlen wachse auch das Titelangebot. So steigt etwa National Geographic Deutschland mit Reportagen in den Markt ein, Tessloff hat "Was ist Was" als Hörbuch auf den Markt gebracht und der Verlag Hörzeichen hat die Rundfunknachrichten des Jahres 2002 zusammengestellt.

Weitere Meldungen: 2002 war auch das Jahr der Insolvenzen (unter anderem Könemann, Libro, Petersen und Kiepert). Ein Rückblick widmet sich vor allem dem Verschwinden kleiner Unternehmen. Und in Großbritannien und den USA läuft das Weihnachtsgeschäft "solide" und ruhig (laut Börsenblatt läuft es in Großbritannien allerdings schwach).

Neben den aktuellen Bestsellern gibt es auch die Jahresendstatistiken: Diogenes war wieder einmal der erfolgreichste Belletristikverlag, Heyne steht wie im Vorjahr auf Platz zwei, Hanser und Carlsen haben die Plätze drei und vier getauscht. Auf den Plätzen fünf bis sieben keine Veränderung: Zsolnay, Goldmann, Blanvalet. Neu auf acht eingestiegen ist Lübbe, Suhrkamp konnte sich von 13 auf neun verbessern und liegt punktgleich mit Klett-Cotta. Von 15 auf elf: List; von zehn auf zwölf gefallen: Blessing, dann Eichborn, Wunderlich, Steidl. Steidl schaffte es mit nur einem Titel in die Top-15: mit "Im Krebsgang" von Günter Grass. Dieses Buch war zugleich der erfolgreichste Belletristik-Titel in der Hardcover-Fraktion. Danach folgen die üblichen Verdächtigen: "Harry Potter" auf den Plätzen zwei bis vier (nur "Harry Potter und der Stein der Weisen" landete auf Platz neun), dann Coelho ("Der Alchimist"), Mankell, Mankell, Leon ("Das Gesetz der Lagune"), Grisham. Auf Platz elf Jonathan Franzen, zwölf Diana Gabaldon ("Das flammende Kreuz"), 13 Martin Walser ("Tod eines Kritikers"), 14 John Irving ("Die vierte Hand"), 15 Ken Follett ("Die Leopardin"). Von den Sachbüchern sollte man lieber gar nicht sprechen: Platz eins Dieter Bohlen, Platz zwei "Warum Männer lügen und Frauen immer Schuhe kaufen", dann "Nomadentochter", "Simplify your life", der Dalai Lama, Hannelore Kohls Leben, Scholl-Latour, Stephen Hawking, Kathrin Finkes Buch über Regine Hildebrandt, "Die Glücksformel".


Die Buchmacher vom 16.12.2002 - buchreport.express

Das Weihnachtsgeschäft bleibt hinter dem Vorjahr zurück - am zweiten Adventssamstag nach einer Umfrage des buchreport um 9,4 Prozent. "Ich bin jetzt seit über 30 Jahren Buchhändlerin, aber sowas habe ich noch nie erlebt", zitiert das Blatt die Husumerin Annette von Hielmcrone. 80 Prozent der Buchhändler klagen über ein Umsatzminus. Da hilft nur eines: Hoffen auf das nächste Jahr. Meint jedenfalls der buchreport. Buchhändler und Verleger seien in Gedanken schon im Frühjahr. "Nach drei Jahren mit Minuswerten muss so schnell wie möglich der Umschwung kommen, wenn - ja, wenn es nicht für viele Betriebe in alle Größenordnungen eng werden soll." Etwas verwirrend heißt es weiter: "Wenn ausgerechnet der Buchhandel aus der Klemme herauskommen sollte, dann kann er nur von einer Rückbesinnung auf das alt angestammt Medium Buch profitieren. Es wäre wieder eine antizyklische Entwicklung, wie es sie in den letzten Jahrzehnten mehrfach gegeben hat. Es wäre allerdings auch ein Wunder."

Dem Einzelhandel geht es schlecht. Falsch: Dem stationären Handel geht es schlecht. Bei Amazon.de und Co. boomen die Geschäfte. "Im laufenden Jahr, so schätzt der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE), werden die Umsätze im Online-Handel in Deutschland gegenüber dem Vorjahr (fünf Milliarden Euro) um 60 Prozent auf acht Milliarden Euro steigen. Für 2003 rechnet der HDE immerhin noch mit einem weiteren Zuwachs von 38 Prozent auf elf Milliarden Euro."

"Jene 75 Prozent der Anteile, für die die Bertelsmann-Verwaltungsgesellschaft die Stimmrechte ausübt, gehen nicht an die Börse", hat die Frau des Patriarchen, Liz Mohn, dem Handelsblatt gesagt. Und über das Vorhaben der belgischen Groupe Bruxelles Lambert, Bertelsmann spätestens 2005 an die Börse zu bringen: "Das ist für alle Mitarbeiter ein wichtiger Ansporn. Ich persönlich begrüße die Anstrengungen, die mit dieser Vorbereitung verbunden sind, sehr." Der buchreport hat diese Aussage frei interpretiert: "Weil uns die Belgier keine andere Wahl lassen, als in 2005 an die Börse zu gehen, machen wir das Beste daraus und versuchen, dass wir beim Börsengang ein gutes Ergebnis erreichen, ansonsten jedoch bleibt alles in der Familie."

Zur Halbzeit des Weihnachtsgeschäfts werden in den USA die Gesichter länger, schreibt der buchreport. "Es fehlen die ganz großen Weihnachtshits, selbst Michael Crichtons neuer Roman 'Prey' bleibt angeblich deutlich hinter den Erwartungen zurück." Das Buch verkaufe sich gut, aber nicht so sensationell, wie es die Vorschlusslorbeeren hätten erwarten lassen.

Die Kooperation zwischen den Schweizer Buchhandlungen Lüthy, Rösslitor und Stocker ist zerbrochen. Als "Buchhaus Gruppe" wollten die drei Ex-Partner die drittstärkste Kraft im Schweizer Buchhandel werden, schreibt der buchreport, den beiden Marktführern Orell Füssli und Thalia vereint die Stirn bieten. Andrea Czepek kommentiert den Bruch: "Nicht der Wettbewerb zwischen den Sortimentern war der Grund - die Buchhandlungen sind in verschiedenen Städten ansässig und ergänzen ihre Einzugsgebiete eher, als dass sie sich überschneiden -, sondern unterschiedliche Vorstellungen über die Strategie, die sich offenbar als unvereinbar erwiesen haben. (...) Das Beispiel aus den Alpen zeigt, wie schwierig es ist, Kooperationen in der Buchbranche umzusetzen. (...) Die Konsequenz könnte sein, dass viele kleinere Unternehmen in der Branche ihre Eigenständigkeit ganz verlieren werden, denn die Konzentration wird weitergehen, aber sie wird nicht durch gleichberechtigte Kooperationen, sondern durch Übernahmen erreicht."

Weitere Meldungen: Der buchreport stellt die neue Führungsstruktur des Buchhandelsriesen Thalia (Douglas) vor. Die Libro-Gläubiger werden "praktisch leer" ausgehen. Und hier die Bestseller.

Die Buchmacher vom 09.12.2002 - buchreport.express

Anders als das Börsenblatt sieht der buchreport den Umsatz am ersten verkaufsoffenen Samstag vor Weihnachten düster: "Das Weihnachtsgeschäft kommt nur langsam in Schwung, die Läden werden zwar voller, noch aber halten die Kunden ihr Geld zurück." Im Vergleich zum ersten Adventssamstag 2001 seien die Umsätze um 6,2 Prozent zurück geblieben. Buchhändler Rudolf Winkelmann aus Recklinghausen sagte dem buchreport allerdings, das Geschäft sei ja noch gar nicht richtig losgegangen. "Wie wir wissen, kaufen die Leute Bücher sowieso immer erst zum Schluss." In einem zweiseitigen Artikel schreibt David Wengenroth über düstere Wirtschaftsprognosen, beispiellose Rabattschlachten und den gebeutelten Fachhandel. Sein Fazit: "Es ist ungewiss, ob das Weihnachtsgeschäft dem Einzelhandel aus der Krise helfen kann. Exzessive Preispolitik ist kein probates Mittel gegen das eisige Konsumklima. Doch viele Händler krempeln die Ärmel hoch und werben mit neuen Ideen um die Kunden."

Die Sutter-Gruppe sucht einen Käufer für ihre sieben Baedeker-Buchhandlungen. Geschäftsführer Christian Sutter sagte dem buchreport, die Gruppe stehe mit einem Interessenten in den letzten Verhandlungen. Wer dieser Interessent sei, werde, so das Blatt, streng geheim gehalten. "Baedeker wurde in der Vergangenheit aber wiederholt mit der expansionsfreudigen Buch & Kunst-Gruppe aus Sachsen in Verbindung gebracht, die seit Beteiligung des britischen Investors Barclays Private Equity (55 Prozent) bekanntlich aufs Tempo drücken will. In Zeiten der branchenübergreifenden wirtschaftlichen Krise passen die Aktivitäten im Buchhandel offenbar nicht länger ins strategische Gesamtkonzept der Sutter-Gruppe, die auf den Kernfeldern Messepublikation, Kommunikation und B2B-Bereich im Geschäftsjahr 2001 einen konsolidierten Umsatz in Höhe von 109,8 Millionen Euro erwirtschaftet hat." (Mehr hier.)

Die Eichborn AG weist in ihren aktuellen Zahlen einen Verlust von knapp 2,5 Millionen Euro aus. Im Verlagsbereich ging der Umsatz um 25,3 Prozent zurück, ohne die Harry-Potter-Merchandisingartikel bliebe ein Minus von 16,2 Prozent. Wegen der schlechten Zahlen hat sich Eichborn ein Notprogramm verordnet: "Bücher statt Kaffeetassen" - Abschied von den Potter-Produkten, Konzentration auf das "Kerngeschäft Verlag"; Rückzug aus den Aktivitäten und Beteiligungen in den Geschäftsfeldern Film und Musik (Double Fun GmbH, 41 Prozent) sowie Karrieretipps (Büro für Berufsstrategie, 100 Prozent); Abschied vom SMAX - Eichborn bleibt am geregelten Markt notiert. Schon im nächsten Jahr soll "ein erstes Licht am Ende des Tunnels aufscheinen". (Mehr hier.)

Zur Schließung der Dornier-Verlage Henschel, E.A. Seemann und Edition Leipzig schreibt der buchreport: "Der branchenfremde Investor Silvius Dornier, Sprössling der Familie um Luftfahrtpionier Claudius Dornier, hatte 1975 den buddhistischen Theseus Verlag gegründet und ihn in den 90er Jahren zur Holding mit insgesamt acht Verlagen ausgebaut. Sein Engagement für die ostdeutschen Verlage wurde ihm damals hoch angerechnet, doch das Konzept, so unterschiedliche Titel wie Hochzeitsplaner, spirituelle Bücher, Kunstbände und Theaterkritiken unter einem Dach zu vereinen, ist gescheitert. Die Schließung (der drei Verlage) steht symptomatisch für das Sterben ostdeutscher Verlage, das Leipzig besonders getroffen hat und dem im März 2001 mit dem Aus für Volk & Welt ein weiteres Kapitel hinzugefügt worden ist. Von den renommierten DDR-Häusern verbleiben nun Aufbau (Berlin), der Mitteldeutsche Verlag (Halle) und Hinstorff (Rostock, Heise-Gruppe). Luchterhand ist mit seinen einst in Ostberlin angesiedelten Imprints seit 2001 bei Random House zu Hause." Dornier beteuere zwar, Gespräche mit Interessenten zu führen, doch der buchreport ist skeptisch: Wer kaufe denn in der heutigen wirtschaftlichen Lage einen Kunstbuchverlag? "Mit Henschel und E.A. Seemann wird ein Stück deutscher Kulturgeschichte beerdigt. Henschel war Heimat für Autoren wie Heiner Müller, Volker Braun oder Ulrich Plenzdorf. Die 'Ost-Ausgabe' von 'Ästhetik des Widerstands' von Peter Weiss hat seinerzeit die DDR-Verlagslandschaft erschüttert. Seemann ist der älteste noch bestehende deutsche Kunstbuchverlag, dessen 'Allgemeines Lexikon der bildenden Künste' auf dem deutschen Markt konkurrenzlos ist."

Weitere Meldungen: Bei der Bonner Buchhandelsgruppe Bouvier-Gonski gibt Mehrheitsgesellschafter Thomas Grundmann "das operative Geschäft, das Herumwuseln in den Filialen" in jüngere Hände, nämlich in die von Ralph Erbstösser und Richard Feldmann. Mit Anzeigen versucht Booxtra, buch.de die Kunden von BOL abspenstig zu machen; dabei wirbt Booxtra damit, ohne Mindestbestellwert versandkostenfrei zu liefern. Wegen des vor einem Jahr geplatzten Fachzeitschriften-Deals verklagt die Weka-Firmengruppe die Tochter des Süddeutschen Verlags, SV Hüthig, auf 76,3 Millionen Euro. Der Süddeutsche Verlag will 30 Millionen Euro durch Abbau von Personal einsparen: "Konzernweit stehen bis Ende 2004 insgesamt 950 Stellen auf der Streichliste, ins Visier ist auch der Verlag Moderne Industrie (Landsberg) gerückt." Und für Bücher und Zeitschriften soll künftig der volle Mehrwertsteuersatz gelten, wenn CDs, CD-ROMs oder DVDs beiliegen.

Hier die Bestseller.

Die Buchmacher vom 02.12.2002 - buchreport.express

Mehr als 40 Prozent der Buchhändler rechnen damit, im laufenden Weihnachtsgeschäft unter den Vorjahresumsätzen zu bleiben. Das ergab eine Umfrage des buchreport. Nur 23,8 Prozent der Sortimenter glauben, ihren Umsatz steigern zu können. Pessimismus hat das Blatt vor allem "in Berlin und im Osten des Landes" ausgemacht. Im Norden und im Süden seien die Erwartungen in der Regel eher positiv. Im Westen sei die Stimmung dagegen gedrückt.

Buch.de hat Kundenstamm und Internet-Auftritt der deutschsprachigen BOL-Shops erworben, Bertelsmann hat dafür 800.000 Euro und eine Sperrminorität von 25,1 Prozent an Buch.de bekommen. Das Aktienpaket habe derzeit einen Marktwert von etwa 3,1 Millionen Euro, schreibt der buchreport. Der Anteil des größten Buch.de-Aktionärs, der Douglas Holding, sei von 40 auf 32 Prozent zusammengeschmolzen.

Angeregt durch das Vorbild Amazon stellt der buchreport die Frage: "Könnte nicht auch das stationäre Sortiment mit gebrauchten Büchern das Geschäft beleben? Es wäre eine Möglichkeit, preisbewussten Kunden Sonderangebote zu machen." Claudia Toelle vom Berliner KulturKaufhaus Dussmann meint allerdings, Kosten und Aufwand für ein solches Angebot rechne sich nur für den "hochfrequentierten Internetbuchhandel". (Amazon ist mit seinem Markt für gebrauchte Bücher nur Dienstleister; Kosten für Lager und Versand fallen nicht an.) So ganz will sich der buchreport von seiner Idee jedoch nicht verabschieden: "Das stationäre Sortiment könnte (...) den Vorzug nutzen, gebrauchte Bücher zur Begutachtung vorrätig zu haben. Das Risiko bei der Lieferung bzw. bei der Rechnungsabwicklung würde entfallen. Der Unterschied zum Antiquariat läge in der Präsentation der Bücher als Ergänzung des Sortiments."

Die insolvente Berliner Buchhandlung Kiepert kann nur einen Bruchteil der ausstehenden Forderungen begleichen. Das habe Insolvenzverwalterin Petra Hilgers auf der ersten Gläubigerversammlung angedeutet, schreibt der buchreport. Bislang seien sechs Millionen Euro als Forderung angemeldet. Das Volumen der Gesamtforderungen werde auf rund neun Millionen geschätzt. Vor allem die ehemaligen Mitarbeiter seien verbittert, weil auch ausstehende Löhne und Gehälter nicht im vollen Umfang beglichen werden sollen.

Ernst Piper gibt die Leitung des Pendo Verlages ab. Der buchreport erinnert daran, dass Piper vor zwei Jahren die Eichborn AG als 51-prozentigen Mehrheitsgesellschafter "ins Boot" geholt habe. "Der Gesellschaftervertrag 'sichert meine Position in einer sehr guten Art und Weise', erklärte er seinerzeit. Welch ein Irrtum." Eichborn wolle Pendo nun enger an sich binden und den Standort München aufgeben. Einen Nachfolger für Piper soll es nicht geben. "Geschäftsführer bleiben Eichborn-Marketingprokurist Andreas Horn und der Zürcher Pendo-Minderheitsgesellschafter Max Kürz. Auf die Frage nach der verlegerischen Verantwortung spricht Horn von 'mehreren Schultern' und 'Synergien im Hause Eichborn'."

In der Belletristik-Bestsellerliste erscheinen die Bücher nicht, und dennoch sind sie erfolgreicher als "Harry Potter": die "Pettersson und Findus"-Bilderbücher von Sven Nordqvist. Der im Frühjahr erschienene Titel "Wie Findus zu Pettersson kam" hat sich nach Verlagsangaben 440.000 Mal verkauft. Gepusht wurden die Bücher zuletzt durch den Petterson-und-Findus-Zeichentrickfilm, der im Oktober in die Kinos kam. Insgesamt seien bislang allein in den deutschsprachigen Ländern 4,38 Millionen Exemplare der neun Folgen verkauft worden.

"In einer krassen Fehleinschätzung sowohl der Nachfragekraft des spanischen Sprachmarktes in den USA als auch der Popularität des kolumbianischen Literaturnobelpreisträgers Gabriel Garcia Marquez ist Knopf nur knapp an einem teuren Eigentor vorbeigeschrammt", berichtet der buchreport. Eigentlich habe die Random-House-Tochter die spanische Ausgabe von "Vivir para Contarla" erst im Herbst 2003, parallel zur englischen Ausgabe, auf den Markt bringen wollen. "Weil jedoch vom spanischen Original seit Anfang Oktober Zehntausende Bücher über den Schwarzmarkt ins Land gelangt sind, hat die Verlagsspitze blitzschnell umdisponiert". Die deutsche Übersetzung "Leben, um davon zu erzählen" erscheint dieser Tage bei Kiepenheuer & Witsch.

Ausgerechnet im "Heimathafen Hamburg" hat die Buchhandelskette Thalia "zwei Liegeplätze" aufgeben müssen, metaphert der buchreport so maritim wie ein alter Matrose. "Zum Jahreswechsel werden bei Boysen & Maasch sowie in der Fachbuchhandlung für Wirtschaft, Recht und Steuern die Leinen losgemacht. Die beiden Buchhandlungen in der Hermannstraße ziehen um, weil die Stadtväter für das Hamburger Prestige-Projekt 'Europapassage' Platz brauchen." Boysen & Maasch zieht in die Thalia-Filiale in der Spitaler Straße, die RWS-Buchhandlung in die Große Bleichen. Ahoi.

Weitere Meldungen: Die österreichische Styria Medien AG legt den Buchverlag Styria mit dem Pichler Verlag zusammen. Auch der buchreport berichtet nun, dass Paulo Coelho auf seiner Homepage zehn seiner Bücher zum kostenlosen Download anbietet. Bislang gibt es die Titel allerdings nur im portugiesischen Original. Lediglich "Der Alchimist" ist auf Spanisch und Russisch zu haben.

Und natürlich die Bestseller.

Die Buchmacher vom 25.11.2002 - buchreport.express

Nach Darstellung des buchreport nutzt der Billigbuch-Anbieter Weltbild die Vorweihnachtszeit für die "einmalige" Chance, "durch die nachhaltige Positionierung der eigenen Geschäftsidee den Handel mit Büchern in Deutschland weiter zu polarisieren" - nach dem Motto: "Bei uns gibt es Bücher zu Niedrigstpreisen, im Buchhandel dagegen sind Bücher teuer." Dies sei der Grund, warum Weltbild nun auch Billigcomputer in seine Angebotspalette aufgenommen habe. Soweit Seite 1 des buchreport. Auf Seite 6 erfahren wir, was wirklich "einmalig" am Computerverkauf ist: "Weltbild bleibt Weltbild. Solche Vorstöße werden einmalig bleiben", sagt Weltbild-Geschäftsführer Klaus Driever. Allerdings sollen Zusatzangebote auch künftig gemacht werden: "Dazu gehören bereits Zeitschriften und die Vermittlung von Reisen, technische Geräte wie ein Computer oder zum Beispiel auch ein DVD-Player könnten hinzukommen."

In Österreich sind die 216 Libro-Filialen "aus der Insolvenzmasse des einstmaligen Marktführers" verkauft worden. Der Kaufpreis liegt "nach einigen Verrechnungen" bei 4,9 Millionen Euro, Käufer ist ein Konsortium um den Industriellen und Ex-ÖVP-Politiker Josef Taus. "Für Taus wird es nicht bei den 5 Millionen Euro bleiben, die er als Kaufpreis vor der Versteigerung hinterlegen musste. Mindestens 40 Millionen Euro, so schätzen Experten, werden notwendig sein, die heruntergekommenen Libro-Filialen wieder auf Vordermann zu bringen." Anderen Buchhändlern komme die Libro-Schwäche zu Gute: "Wir konnten dadurch einige Kunden zurückgewinnen", zitiert der buchreport Karl Hintermayer, der sieben Buchhandlungen in Wien, St. Pölten und Salzburg führt.

Die Anzeichen "verdichten" sich, dass BOL nicht einfach dicht gemacht, sondern verkauft wird, meldet der buchreport. Als Käufer sei buch.de im Gespräch. Über ein Dementi von Bertelsmann schreibt das Blatt, das müsse kein Widerspruch sein: "An den 50 Mitarbeitern in München, dem Lager in Hagen und der Logistik von BOL hat buch.de kein Interesse, weil buch.de selbst durch die Zusammenarbeit mit den Thalia-Filialen und den Barsortimenten über ein gut ausgebautes Netz verfügt. Einen Wert könnten aber die Marke und die Kundendaten von BOL haben, mit denen buch.de im nächsten Jahr zum zweitgrößten deutschen Internet-Buchhändler hinter Amazon.de aufsteigen würde." Der anstehende Verkauf erkläre auch, warum BOL im Weihnachtsgeschäft kurz vor dem Ende noch einmal eine Werbekampagne gestartet habe. Nach Redaktionsschluss des buchreport kam der Deal tatsächlich zu Stande.

Ullstein Heyne List wird nicht an Bertelsmann verkauft. Eine Focus-Meldung sorgte dafür, dass Verlagsgruppenchef Christian Strasser schwarz auf weiß die Bestätigung dafür bekam, "dass die 22 Verlage aus der Paul-Heyse-Straße auch zukünftig Unternehmensbestandteil der Axel Springer AG bleiben werden". Signale für die Elefantenhochzeit habe es in letzter Zeit mehrfach gegeben, so der buchreport - das Blatt hatte selbst mehrfach entsprechend berichtet. Doch sei der Focus mit seiner Meldung zu spät gekommen: "Strasser bleibt hartnäckig dabei, dass er in 2002 zumindest eine rosagefärbte, vielleicht sogar schwärzlich schimmernde Null als Ergebnis allen Mühens vorweisen werde", und bei Bertelsmann sei in Anbetracht bevorstehender Finanzschulden in Höhe von vier Milliarden Euro die Kassenklappe heruntergefallen. Allerdings dürfe "Strasser nicht patzen", denn inzwischen habe Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner verlauten lassen, dass ein Teil der Springer-Aktien demnächst an die Börse soll - "und für einen solchen Fall müssen alle Standbeine des Konzerns auf sicherem Boden stehen, sonst könnte noch werden, wovon diesmal nur die Rede war".

Gute Zeiten für maritime Metaphern: Die Fachverlage des Süddeutschen Verlags haben einen neuen Geschäftsführer. Nach dem Abgang von Bernhard von Minckwitz hat der Verlag "den vakanten Platz des Kapitäns auf der Kommandobrücke der Fachinformationssparte" wieder besetzt, neuer Chef der Süddeutscher Verlag Hüthig Fachinformationen ist Johannes Gözalan. "Kein leichter Job für den frisch gebackenen SVHFI-Boss, der zuvor u.a. als Vice President Continental Europe bei Universal International (früher Polygram) für den guten Ton sorgte. Dramatische Anzeigeneinbrüche haben dem Süddeutschen Verlag, der Mutter des SVHFI, derart hart zugesetzt, dass mittlerweile auch die Trennung von Tafelsilber auf dem Tapet steht." Wohin die Fachverlagsgruppe steuere, sei ungewiss. "Undementiert blieben zuletzt Berichte, nach denen die Medizinsparte von SVHFI separat zu Markte getragen wird. Der britische Investorenverbund Triton soll Interesse an der Medical-Tribune-Gruppe signalisiert haben und bereits konkrete Verhandlungen führen."

Der Random-House-Verlag Blessing bastelt bereits daran, dass Michael Crichtons neuer Roman "Prey" ein Bestseller wird. In Deutschland erscheint er bereits am 2. Dezember, zwei Wochen nach dem US-Start. "Für eine Lesereise hatte Crichton zwar keine Zeit, weil er sein Buch erst einmal in den USA bewerben muss. Der Buchstart wird aber auch hier von Interviews u.a. in stern, Max, und der Süddeutschen Zeitung begleitet."

Seit der zweiten Novemberwoche, so schreibt der buchreport, kursiere eine illegale Kopie des Bohlen-Buchs im Internet (von informierter Seite erfuhr der Perlentaucher allerdings, dass die PDF-Datei schon früher verschickt wurde). "Da Bücher noch nicht oft am Bildschirm gelesen werden und die Herstellung von elektronischen Kopien aufwändiger ist als bei Musikstücken, ist das Problem in der Buchbranche noch nicht eklatant. Doch bei besonders populären Büchern scheint sich der Aufwand zu lohnen. (...) Der Clou: Die PDF-Datei ist indiziert, deshalb lassen sich im Netz die Details herauspicken, die von Interesse sind." Bohlens Verlag Heyne versuche nun "den 'Urheber' der Raubkopien zu ermitteln". Außerdem prüfe der Verlag, welche zivil- und strafrechtlichen Schritte eingeleitet werden sollen. "Der Verlag sieht sich zum ersten Mal mit diesem Problem konfrontiert und will eine illegale Verbreitung 'nicht durchgehen lassen'."

Der Lübbe Verlag will mit einem Jugendbuch "in die Potter-Lücke" springen. "Laura und das Geheimnis von Aventerra" wurde vom Frühjahr auf das Weihnachtsgeschäft vorgezogen. Eine Zusatzreise der Vertreter und eine Anzeigenkampagne sollen dabei helfen, die "mutige Startauflage" von 100.000 Exemplaren zu verkaufen. Der buchreport beschreibt das Buch von Peter Freund als magisches Gebräu aus ein bisschen "Unendliche Geschichte", einem Stück Wolfgang Hohlbein und einer Prise "Hanni und Nanni".

Die britische Schriftstellerin Zadie Smith "hat genug von der Schriftstellerei und denkt im hohen Alter von 27 Jahren nach nur zwei Büchern bereits ernsthaft über den Rückzug aus dem Geschäft nach". Die Gründe seien "mannigfaltig, haben aber wohl in erster Linie damit zu tun, dass Smith sich dem Druck von Medien und Kritikern nicht gewachsen" fühle.

In Großbritannien haben "Celebrity Books" Hochkonjunktur: Ex-Gesundheitsministerin Edwina Curry schrieb über ihre Affäre mit Ex-Premier John Major (für die Vorabgeschichten bekam sie 150.000 Pfund von der Times); Ulrika Jonsson, "eine blonde TV-Persönlichkeit aus der zweiten Reihe", schrieb über ihre Affäre mit Nationaltrainer Sven Eriksson (700.000 Pfund von der Daily Mail). "Das Promi-Buch aller Promi-Bücher ist allerdings noch nicht geschrieben: Mehr als zwei Millionen Pfund sollen Verlage Paul Burrell, dem ehemaligen Butler von Prinzessin Diana, bereits für seine Geschichte geboten haben. Doch der ziert sich noch und erzählt vorerst nur dem Mirror, wie alles wirklich war."

Weitere Meldungen: Das Buchhaus Campe in Nürnberg hat die Weihnachtssaison mit seinem schon traditionellen "Weihnachts-Richtfest" eröffnet. Die Bücherwagendienste von KNO/KV sind ins Netz gegangen. Die Hannoveraner Buchhandlung Decius eröffnet am 30. November eine Filiale in Delmenhorst. "Was ist was" gibt es nun auch als Zeitschrift. Und zur ersten Auflage der Buch- und Medienmesse Basel (2. bis 4. Mai 2003) haben sich in den ersten zwei Monaten seit Beginn der Ausschreibung mehr als 100 Verlage angemeldet.

Dann berichtet der buchreport noch über eine 3,5-Milliarden-Dollar-Klage gegen Bertelsmann, über die die Süddeutsche am 17. November berichtet hatte. Kläger sind die beiden AOL-Deutschland-Gründer und Ex-Bertelsmänner Jan Henric Buettner und Andreas von Blottnitz. Die Summe ist "ungefähr die Hälfte jenes wunderbaren Erlöses, den der ostwestfälische Medienkonzern für den Verkauf seiner Anteile an AOL Europe von dem amerikanischen Medienkonzern AOL Time Warner bekommen hat. Buettner behauptet, dass ihm dieses Hälfte (genau will er 49 %) zustehe, weil er es gewesen sei, der den Deal eingefädelt habe. Er und nicht Thomas Middelhoff (49) habe 1994 mit Steve Case den Joint Venture zwischen AOL und Bertelsmann angestiftet und könne demzufolge nun Lohn für gute Leistung verlangen." Der Prozess soll im April nächsten Jahres beginnen.

Und natürlich die Bestseller.

Die Buchmacher vom 18.11.2002 - buchreport.express

Gewohnt kritisch hat der buchreport den Bertelsmann-Quartalsbericht beäugt. Unter der Überschrift "Bertelsmann wird zur Dauerbaustelle" heißt es, die Gewinnmeldung von 102 Millionen Euro sei "nur die halbe Wahrheit". Unterm Strich stehe erstmals ein Verlust von 384 Millionen Euro. "Wie das? Tatsächlich hat Bertelsmann nach dem Strategiewechsel, der mit dem Rausschmiss von Thomas Middelhoff (49) als Vorstandsvorsitzendem und der Berufung von Gunter Thielen (60) verbunden war, von Januar bis Oktober einen operativen Gewinn von 259 Mio Euro bei einem kumulierten Umsatz von 12,991 Mrd Euro gemacht; dem stehen jedoch Abschreibungen von 1,7 Mrd Euro und Vorsorgerückstellungen von einer Mrd Euro gegenüber." Noch in diesem Jahre müsse Bertelsmann neue Schulden machen. Der buchreport zählt die Unglücke des Unternehmens auf und fährt dann fort: Selbst wenn Thielen mit Herkuleskräften ausgestattet wäre, könnte er einen solchen Aufgabenberg nicht kurz-, wahrscheinlich auch nicht mittelfristig und "vielleicht sogar überhaupt nicht" abtragen: "Bertelsmann muss verkaufen, was sich verkaufen lässt", "Bertelsmann muss sparen, wo immer es nur möglich ist" und "Bertelsmann muss sich auf alte Tugenden besinnen und das operative Geschäft stärken". Zu allem Überfluss steht der Strategiewechsel unter zeitlichem Druck: der 25,1-prozentige Bertelsmann-Teilhaber Albert Frere kann und will 2005 mit seinen Anteilen an die Börse gehen. Zwar könnte Familie Mohn Frere seine 25,1 Prozent abkaufen. Doch das würde rund fünf Milliarden Euro kosten. "Woher die kommen sollten, weiß im Augenblick niemand." Fazit des buchreport: "Bertelsmann steht vor der schwersten Zerreißprobe seiner Geschichte."

Als "einer der wenigen Konzernbereiche mit positivem Ergebnis" (buchreport) steht die Bertelsmann-Tochter BertelsmannSpringer zum Verkauf. Der Grund: "Bertelsmann braucht Geld" beziehungsweise "BertelsmannSpringer passt nicht zu den Kernkompetenzen des Konzerns, die hauptsächlich auf das Endkundengeschäft ausgerichtet sind". Der Zeitplan für den Verkauf steht bereits: Ende November erhalten Interessenten die Zahlen, Mitte bis Ende Januar soll es mit sechs bis acht Bewerbern Gespräche geben, dann folgt eine zweite Angebotsrunde, in der nur noch die zwei oder drei meistbietenden Konzerne dabei sind.

Der Einzelhandel erwartet laut einer Prognose des Handelsverbands BAG für das kommende Weihnachtsgeschäft ein Minus von 2,5 bis drei Prozent. "Die Buchbranche hofft noch auf ein Weihnachtswunder: 'Sollte das Weihnachtsgeschäft außerordentlich gut verlaufen, könnte der Buchhandel das Jahr 2002 zumindest mit einer schwarzen Null abschließen', träumt Börsenvereins-Vorsteher Dieter Schormann tapfer-optimistisch." Zu erwarten sei das allerdings nicht, so der buchreport.

Im Internet herrsche dagegen Festtagsstimmung: Rund ein Viertel des Jahresumsatzes werde bei Online-Händler allein im Weihnachtsgeschäft gemacht. Amazon.de erwarte ein fettes Plus von 30 Prozent für das Weihnachtsquartal.

Weitere Meldungen: In dieser Woche sollen die ersten Bücher des insolventen Könemann Verlags verramscht werden. Bohlen zum Trotz verzeichnet der deutsche Buchhandel ein vierprozentiges Umsatzminus. Anders die Douglas-Tochter Thalia: Die 80 Filialen der größten deutschen Buchkette steigerten ihren Umsatz um 4,9 Prozent auf 145 Millionen Euro, flächenbereinigt um 1,6 Prozent. Die Douglas Holding meldet ein Plus von zwei Prozent, flächenbereinigt allerdings ein Minus von 0,7 Prozent. Davon unabhängig hat die Douglas-Tochter buch.de nach Ansicht von Preisbindungstreuhänder Dieter Wallenfels mit ihrer Miles & More-Aktion "die Grenzen der zulässigen Zugaben überschritten": Mit den gesammelten Punkten könnten auch Bücher gekauft werden; dies komme einem Payback-System gleich und sei damit nicht zulässig. Auch in Österreich soll eine Douglas-Tochter gegen die Preisbindung verstoßen haben: Die Buchkette Amadeus bietet eine Bonuscard an, mit der Preisnachlässe zwischen zwei und vier Prozent verbunden sind; die Preisnachlässe sind nach dem österreichischen Preisbindungsgesetz in Ordnung - allerdings darf der Nachlass in der Werbung nicht angekündigt werden. Dies habe Amadeus getan.

Aus den USA meldet der buchreport, am 25. November werde Michael Crichtons neuer Thriller "Prey" ausgeliefert. Aus Großbritannien kommt die Nachricht, dass das Weihnachtsgeschäft dort bereits frühzeitiger als sonst angefangen habe. "Bei der Belletristik sollen Erfolgsautoren wie Ruth Rendell, Ben Elton, James Patterson, Marian Keyes, Terry Pratchett und Bernard Cornwell die Sache richten. Auf dem Sachbuchkonto verkaufen sich neben Biografien insbesondere Begleitbücher zu populären TV-Dokumentationen wie geschnitten Brot, an der Spitze Sir David Attenborough mit 'Life of Mammals' (BBC) und Michael Palin mit 'Sarah' (Weidenfeld). Vor allem aber werden unter den Weihnachtsbäumen Kochbücher angelsächsischer Couleur liegen", also Titel von Jamie Oliver, Delia Smith, Gary Rhodes, Rick Stein und Nigella Lawson.

Und hier die deutschen Bestseller.

Die Buchmacher vom 11.11.2002 - buchreport.express

Nie zuvor seien in Deutschland so viele Verlage zu kaufen gewesen wie heute, noch nie seien sie auf offener Bühne zum Verkauf ausgestellt worden, stellt der buchreport fest: Bertelsmann will BertelsmannSpringer verkaufen, der Süddeutsche Verlag hat mit dem Teilverkauf seiner Fachverlage begonnen, Holtzbrinck trennt sich von seinen Schulbuch- und Wissenschaftsverlagen, und die FAZ sucht Käufer für die DVA-Gruppe. Auslöser für die Verkaufsbereitschaft seien "erhebliche Verwerfungen in der Medienbranche, von der die großen Konzerne teilweise lebensgefährlich betroffen sind". Die Ankündigung, dass Holtzbrinck für zehn Prozent der Gesellschafteranteile an der Süddeutschen Zeitung 100 Millionen Euro aufbringen und gleichzeitig in das Wachstum der internationalen Buchverlage investieren will, kann der buchreport nur schwer nachvollziehen. Zwei weitere Fragen stellen sich dem Blatt: "Warum reißt Holtzbrinck mit den Schulbuchverlagen, die er erst im Februar 2001 unter dem Dach der Holding Das Bildungshaus konzentriert hat, (...) Perlen aus dem Unternehmens-Collier? Wie ist die Ankündigung, Holtzbrinck werde im laufenden Geschäftsjahr 'einen hohen achtstelligen Gewinn erzielen' mit den Meldungen in Einklang zu bringen, die der Spiegel erst im Juli unter der Überschrift 'Dokument des Grauens' unter Berufung auf interne Papiere veröffentlicht hat und in denen von 65,5 Mio Euro Verlust bis Mai die Rede war?" Der Verkauf der Schulbuch- und Wissenschaftsverlage könne nur eine "Geldbeschaffungsmaßnahme" sein, "denn Bildungshaus wie Urban & Fischer und auch der Spektrum Akademischer Verlag gehörten bisher nicht zu den Sorgenkindern, sondern lieferten Gewinne ab".

Beim Fall des geplanten DVA-Verkaufs durch die FAZ stellt der buchreport Spekulationen an. Es gebe "Hürden von erheblicher Höhe": Die DVA soll zusammen mit Imprints verkauft werden, ihr Programm sei nicht deutlich genug profiliert, der Umsatz der DVA-Gruppe sei seit 1998 kontinuierlich zurückgegangen und angesichts der wirtschaftlichen Situation seien Ausgaben für nicht dringend notwendigen Akquisitionen derzeit kein Thema. Aber: Interesse an der DVA könne Hoffmann und Campe haben, weil der Hamburger Verlag mit der DVA die absolute Mehrheit der dtv-Anteile erlangen würde (die DVA hält zurzeit knapp 25, HoCa 27 Prozent).

Das Schweizer Bundesgericht hat seine Begründung zum Preisbindungsurteil veröffentlicht. Im August hatte das Gericht das von der staatlichen Wettbewerbskommission verhängte Verbot der Preisbindung vorläufig aufgehoben; es befand, dass die Preisbindung für Bücher den Wettbewerb nicht völlig ausschalte, weil ein Wettbewerb in Bezug auf die Qualität der Dienstleistungen und die Auswahl zwischen den Buchhandlungen durchaus noch stattfinde. "Mit dieser Argumentation lehnt sich das Gericht weit aus dem Fenster", schreibt Andrea Czepek in einem Kommentar, "denn ein Wettbewerb der Dienstleistungen könnte auch in fast allen anderen Branchen geltend gemacht werden. Ein generelles Verbot 'harter Kartelle' wäre damit faktisch ausgeschlossen. Für die Buchbranche hieße das außerdem, dass sich die Preisbindung nur so lange halten lässt, wie sie tatsächlich zu einer größeren Vielfalt des Angebots und einer Erleichterung des Marktzutritts für kleinere Buchhandlungen führt. Die Filialisierung und die massive Konzentration des Schweizer Buchhandels stehen dem entgegen: Wenn überall das gleiche Sortiment und der gleiche Service geboten werden, hat sich dieses Argument für die Preisbindung erübrigt."

Und hier die Spiegel-Bestsellerliste.

Die Buchmacher vom 04.11.2002 - buchreport.express

Nach dem Tod von Siegfried Unseld geht der Suhrkamp Verlag in seine "dritte Ära". Der buchreport erklärt die "komplizierte Struktur" der künftigen Verlagsleitung: "In Zukunft müssen Entscheidungen zwischen drei Gremien abgestimmt werden: Der Siegfried und Ulla Unseld Familienstiftung als Mehrheitsgesellschafterin, dem Beirat der Verlagsholding sowie der Geschäftsführung." Die Stiftung wurde erst im vergangenen April gegründet; ihr hat Unseld seine 51-prozentigen Suhrkamp-Anteile und sein Privatvermögen vermacht. (Die restlichen Anteile an den Suhrkamp-Verlagen liegen bei Joachim Unseld sowie bei der Schweizer Gebrüder Volkart Holding.) Stiftungsvorsitzende ist Ulla Unseld-Berkewicz, dem Stiftungsrat gehören Hans Magnus Enzensberger, Adolf Muschg, Jürgen Habermas, Wolf Singer und Alexander Kluge an. Die Verlagsholding wird zu 55 Prozent von der Stiftung, zu 45 Prozent von der Volkart-Holding kontrolliert. Im Beirat der Verlagsholding sitzen Unseld-Berkewicz und der Suhrkamp-Anwalt Heinrich Lübbert als Vertreter der Stiftung sowie Andreas Reinhart und Joachim Unseld als Vertreter der Gebrüder Volkart. Joachim Unseld scheiterte erst kurz vor dem Tod seines Vaters mit dem Versuch, einen eigenen Sitz im Beirat zu erhalten. Das Tagesgeschäft schließlich liegt in den Händen von Verlagsleiter Günter Berg, Geschäftsführer Philip Roeder und Programmleiter Rainer Weiss. "Sie stehen vor der Aufgabe, das Programm wieder attraktiver zu machen, denn der Umsatz der Suhrkamp Verlage stagniert seit etwa fünf Jahren. Von Martin Walser abgesehen verkaufen sich die Bücher von Hermann Hesse derzeit besser als die meisten aktuellen Titel."

Bodo Harenberg würdigt Siegfried Unseld in einem Nachruf als den wichtigsten Verleger der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. "Er war Samuel Fischer gefolgt, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts seinen S. Fischer Verlag zum Leitstern gemacht hatte. Zwischen beiden wirkte Peter Suhrkamp wie eine Art Scharnier. Er hatte sich nach dem Zweiten Weltkrieg vom Fischer Verlag (unter Gottfried Bermann Fischer) gelöst, einen Teil der Autoren mitgenommen und für sie unter seinem Namen eine neue Verlagsheimat geschaffen." Für die Zukunft erwartet Harenberg keine Verleger dieses Formats: "Gäbe es einen Mann oder eine Frau, die mit ihren Fähigkeiten gleichzusetzen wären, so hätten sie den Nachteil, nicht (mehr) zur rechten Zeit geboren worden zu sein. Denn inzwischen hat die Wirtschaft ihre Größenordnung verändert: Auch der Einzigartige ist nicht mehr (ein) Unabhängiger, sondern auch er ist abhängig geworden von Zwängen im globalen Getriebe."

Die Kollegen vom buchreport haben das Börsenblatt vom 22. Oktober aufmerksam gelesen. Darin wies Christian Preuss Neudorf vom Sortimenterausschuss des Börsenvereins darauf hin, dass das neue Preisbindungsgesetz dem Händler für seine Leistung einen Anspruch auf "angemessene Verkaufspreise und Verkaufskonditionen" gebe. Preuss Neudorf sieht darin eine juristische Handhabe im Konditionenstreit der Sortimenter mit den Verlagen. Der buchreport: "In einem Gerichtsverfahren dürfte es vor allem für jene viel zitierten 'schwarzen Schafe' unter den Verlagen ungemütlich werden, die Buchhändler mit Kleinstrabatten abspeisen. Der Sortimenterausschuss des Börsenvereins führt eine 'Gelbe Liste' solcher Unternehmen: Sie sind heiße Kandidaten für einen Musterprozess über Mindestrabatte." Eine allgemeine Anhebung der marktüblichen Konditionen durch die Gerichte erwartet das Blatt allerdings nicht: "Das neue Gesetz kann schließlich auch nichts daran ändern, dass auch vielen Verlagen das Wasser bis zum Hals steht. Angesichts der wachsenden Schwierigkeiten kleiner und mittelständischer Buchmacher wird auch unter ihnen die Forderung nach einer Revision der Konditionen laut - allerdings unter umgekehrten Vorzeichen."

Die Mayersche Buchhandlung will ihr Engagement in den Real Supermärkten verstärken. Dort betreibt sie als Mehrheitsgesellschafter der Best of Books GmbH Shop-im-Shop-Filialen. Bislang gibt es 48 BOB-Shops. "Zwei Konzepte setzt BOB in den SB-Märkten um: Zum einen gibt es Shops, die auf einer Fläche von 80 bis 100 qm ein Grundsortiment von 2.000 Titeln anbieten. Nun sollen verstärkt Shops auf einer Fläche von 50 bis 60 qm mit einem Grundstock von rund 1.000 Titeln realisiert werden." 30 bis 40 dieser kleineren BOB-Shops sollen im kommenden Jahr eröffnet werden.

In zehn Jahren wird sich kaum noch jemand daran erinnern, dass Halloween in Deutschland eine reine Marketing-Erfindung ist. Allerdings kamen bislang nicht alle Branchen über die Halloween-Schiene ans Geld der Kunden: Im Buchhandel blieb der Absatz hinter den Erwartungen zurück. "Unsere Kunden haben den Halloween-Tisch zwar gern umlagert, doch die Bücherstapel haben nicht sehr stark abgenommen", zitiert der buchreport eine Buchhändlerin aus Erfurt. Eine Kollegin aus Saarbrücken bestätigt: "Von den zusammengestellten Büchern haben wir relativ wenig verkauft. Die Nonbook-Artikel waren hingegen ein Erfolg."

Die Bertelsmann Kalender & Promotion Service GmbH streicht 64 von 300 Stellen. Hintergrund ist laut buchreport das schlechte Kalendergeschäft mit Firmenkunden. Im Buchhandel seien die Absatzzahlen im Kalendergeschäft dagegen gut.

Der Wagenbach Verlag leidet unter dem Buchhandelssterben. "In den ersten drei Quartalen 2001 ist unser Umsatz deutlich gestiegen, im vierten Quartal dann eingebrochen", sagt Verlagsleiterin Susanne Schüssler. "Uns macht auch zu schaffen, dass von den Buchhandelsschließungen viele Wagenbach-Buchhandlungen betroffen sind." Der Verlag spart daher, schreibt der buchreport: "Statt 30 Titel erscheinen künftig nur noch 25 pro Halbjahr, Etats werden gekürzt und auch Personalabbau will die Verlegerin nicht ausschließen."

Weitere Themen: Für den österreichischen Insolvenz-Filialisten Libro ist "aller Voraussicht nach am 31. Dezember Schluss". Und das Internet-Portal Hoergold.de will Buchhändlern und Kunden einen Überblick über Hörbücher verschaffen.

Und hier die Bestseller.

Die Buchmacher vom 28.10.2002 - buchreport.express

In Folge der Spar- und Steuerpläne der Bundesregierung rechnet der buchreport - noch nie ein Freund von Rot und Grün - im Weihnachtsgeschäft mit einem Preiskrieg im Einzel- und miesen Umsätzen im Buchhandel: "Die rot-grünen Steuerpläne dürften den erhofften Kauflust-Aufschwung im Keim ersticken. (...) Der Einzelhandel stellt sich auf einen beispiellosen Preiskrieg ein. In der Werbung der Handelsriesen ist der Preis fast flächendeckend als einziges Argument übrig geblieben." Viele Buchhändler beobachteten den Schnäppchen-Wettlauf mit Sorge. "Unverhohlene Freude herrscht dagegen beim Billig-Buchversender Weltbild. 'Teuro-Debatte, Rezessionsangst, Talfahrt der Börsen - all das hilft uns', jubilierte Weltbild-Chef Carel Halff vor kurzem im einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung." Sehr einfallsreich und immer wieder gern gelesen: "In dieser Situation könnte der Buchhandel einen neuen Harry Potter sehr gut brauchen." Statt dessen heiße der Hoffnungsträger Bohlen. Leider werde der auch in "Verbrauchermärkten wie Real" verkauft. Und als Weihnachtsgeschenk für Kinder eigne sich das Buch auch nur begrenzt.

Ausverkauf beim Süddeutschen Verlag: Die Medical-Tribune-Gruppe, die Medizinsparte der SV Hüthig Fachinformation, steht zum Verkauf. "Dem Vernehmen nach" verhandele der Süddeutsche Verlag mit der britischen Investorengruppe Triton. "Damit setzen die SV-Manager das Filetiermesser in einem Verlagsbereich an, der als durchaus profitabel gelten darf: SV-Hüthig belegte mit einem Umsatz von 275,6 Millionen Euro im buchreport-Ranking 'Die 100 größten deutschsprachigen Verlage 2001' mit einem Plus von 11,6 Prozent gegenüber Vorjahr den 3. Platz."

"Vivir para contarla" von Gabriel Garcia Marquez kommt in Deutschland wahrscheinlich Ende November auf den Markt. "Wir haben das Manuskript zwar als erster Lizenznehmer überhaupt erhalten, doch es will auch gut übersetzt sein", zitiert der buchreport Gaby Callenberg von Kiepenheuer & Witsch. In der spanischsprachigen Welt erschien das Buch am 9. Oktober. "Marquez hatte bis zum letzten Moment Korrekturen an dem 579 Seiten umfassenden Werk (ursprünglich waren es 900) vorgenommen und den Titel von 'Vivir para contarlo' ('Leben, um es zu erzählen') in 'Vivir para contarla' ('Leben, um davon zu erzählen') geändert. Es umspannt die ersten 30 Jahre seines Lebens, zwei weitere Bände sollen folgen." Mehr hier und hier.

Am 31. Oktober feiert das Berliner KulturKaufhaus Dussmann sein fünfjähriges Jubiläum. Trotz guten Erfolgs kommt Expansion nicht in Frage: "Das Konzept KulturKaufhaus funktioniert nur auf 5000 qm in einer Großstadt. Die Branchensituation und die Besetzung der Standorte durch Mitbewerber lässt solche Gedanken nicht aufkommen", sagt Geschäftsführerin Martina Tittel.

Nach dem Ende von BOL.de bleiben in Deutschland nur drei reine Online-Buchhändler mit Vollsortiment übrig, schreibt der buchreport: Marktführer Amazon.de, immerhin drittgrößter deutscher Buchhändler (Umsatz 2001 laut buchreport: 150 Millionen Euro), Booxtra (35 Millionen) und buch.de (zehn Millionen). Anders als Amazon.de und Booxtra setzt buch.de mit den Thalia-Filialen auf eine "Multichannel-Strategie".

Die Büchersendung "Solo" von Marcel Reich-Ranicki verliert Zuschauer: Nur noch 490.000 schalteten am 1. Oktober ein, berichtet der buchreport. Kein Grund zur Häme: Gegen die anderen Buchsendungen ist "Solo" noch immer sehr erfolgreich. "Willkommen im Club" lockte am 29. September gerade einmal 60.000 Zuschauer vor den Fernseher, "Bücher, Bücher" "krebst seit Monaten in kaum noch messbaren Bereichen herum" - 30.000 Zuschauer am 19. Oktober. "Trotzdem lassen sich die Öffentlich-Rechtlichen nicht entmutigen: Ab Anfang nächsten Jahres wird Literaturkritiker Denis Scheck jeden Sonntag nach den 'Tagesthemen' über Neuerscheinungen und Bestsellerlisten plaudern."

Weitere Meldungen: Der ADAC-Verlag macht seine Reiseführer billiger. Ullstein Heyne List legt seine Hörbuch-Labels zusammen. In Trier zieht die Akademische Buchhandlung Interbook im kommenden Jahr an den Kornmarkt. Den diesjährigen Booker-Preis hat der kanadische Schriftsteller Yann Martel für seinen Roman "The Life of Pi" erhalten.

Hier die Bestseller.