Eine Umfrage des
buchreport hat für den dritten Adventssamstag ein
Umsatzminus von sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr ergeben. Damit halte sich der Rückstand
in Grenzen. Doch selbst ein sehr erfolgreicher vierter Adventssamstag könnte das Jahr nicht retten: "Mit einem
Gesamtminus von voraussichtlich vier Prozent wird die Branche zum dritten Mal in Serie zu den Verlierern gehören und stößt damit an
die Grenzen des Machbaren." In Bezug auf die Verkaufsschlager schreibt der
buchreport: "Besonders die Spätstarter im Weihnachtsgeschäft - Crichton,
Marquez,
Scholl-Latour - gehen gut.
Bohlen hat seinen Zenit überschritten,
Mankell wird überall gut verkauft. Interessant: Die
Klassiker sind im Kommen, Theodor Fontane und Co. stehen hoch in der Käufergunst."
Diese Ausgabe des
buchreport ist die letzte für 2002. Sie enthält eine Vielzahl von Rückblicken, die hier nicht alle erwähnt werden. Zusammenfassend daher
Bodo Harenbergs "Sechsundsechzig Wörter" des Jahres: "Amadeus-Kette,
Baustelle Bertelsmann, Bohlen, Börsengang, Buchmesse-Führungswechsel, buchreport-Ranking, Club-Relaunch,
Corine, Deutsche Bücherdatenbank,
Deutscher Bücherpreis, Erstverkaufstag, Euro-Teuro, filetieren, Filialatlas, Flächenoffensive,
Flutkatastrophe, Gebrauchtbücher, gefeuert, Generationswechsel, Gesamtverein, Herr der Ringe, Heyne-Boykott,
Hugendubel-Kurzarbeit, Insolvenz,
Kanon,
Kernkompetenz,
Kiepert, Konditionenmodell,
Könemann, Konsumklima, Konzentration, Kostenbremse, Ladenöffnungszeiten, Lex Buchclub, Middelhoff, Liz Mohn, Nullrunde, Online-Antiquariat, Outsourcing,
Pisa-Studie, Preisbindungsgesetz, Ratgeberkrise, Revirement, Rowling, Sparkurs, Tafelsilber, Übernahme, Umsatztrend,
Unseld, Urhebervertragsrecht, Verlagsverkäufe, verschlanken, Vertreterbesuche, Walser-Debatte, Warenwirtschaftssystem, Weihnachtsgeschäft, Weltbild-Wachstum,
Wertschöpfungskette, Zielgruppen."
Und die
Flächenoffensive im deutschen Buchhandel hält an. Seit November 2001 haben
14 Großbuchhandlungen mit einer Gesamtfläche von
28.790 Quadratmeter neu eröffnet, erweitert oder umgebaut, schreibt der
buchreport. "Dies ist fast auf den Quadratmeter ebenso viel wie im Vergleichszeitraum des Vorjahrs. Damals waren es
28.760 Quadratmeter, die sich allerdings auf
17 Buchhäuser mit mindestens 1.000 Quadratmeter verteilt haben."
Nach dem Rausschmiss von
Wulf Böttger beim
Bertelsmann Buchclub meint der
buchreport, ohnehin sei mit dem McKinsey-Mann vor zwei Jahren der falsche Mann "an Bord" geholt worden: "
Ein Sanierer, der gleichzeitig Geld sparen und den Club zu neuer Blüte bringen sollte. Böttger verstand sich zwar aufs Sparen, mit seinen
Innovationen hatte er jedoch
wenig Erfolg". Eine Auswahl aus der vom
buchreport zusammengestellten Negativliste: "
Kataloge: Zahlreiche Relaunchs werden angekündigt, doch keiner fruchtet." - "
Spezialclubs: Böttger verkündet die Übertragung des USA-Konzepts auf Deutschland, von 20 Special Interest Communities ist in der vollmundigen Ankündigung die Rede. Die erste,
'Moments', geht im Sommer 2001 an den Start, zwei Millionen Mitglieder werden anvisiert. Ein Jahr später sind es 10.000, 'Moments' wird in den großen Universalclub integriert." - "
Clubbeirat: Von dem Gremium ist in der Öffentlichkeit kaum etwas zu vernehmen, die von
Lea Rosh und
Gaby Hauptmann geleitete Sendung
'Willkommen im Club' (XXP/VOX) kommt zuletzt auf 60.000 Zuschauer." - "
Filialen: Die neue Boulevard-Kette (in Kooperation mit Buchhändler Grüttefien aus Varel) bleibt bei einer Filiale (Bielefeld) stecken. Böttger startet ein neues Marketingkonzept für die Club-Filialen, das mit Begriffen mit Cluster oder Shanghai-Gondeln protzt. Aber am Ergebnis ändert das nichts."
In einem weiteren Artikel geht es um die
Umstrukturierung der Branche: Käufe, Verkäufe, Filettierungen. Dringender Sanierungsbedarf bestehe für
Bertelsmann etwa bei den Verlagen
Berlin und
Siedler "sowie möglicherweise auch
hier und da bei einigen anderen Imprints". Natürlich könnten auch die
Springer-Buchverlage weiter zur Disposition stehen. Warum sollte nicht Bertelsmann
Heyne Ullstein List übernehmen? "Was Sinn machen könnte: Springer weiß mit Büchern nicht viel anzufangen, Bertelsmann hingegen kommt von den Büchern und braucht eine
Frischzellentherapie, um seine Verlagsgruppe
Random House auch in Deutschland im Sinne der Konzernstrategie
wieder salonfähig zu machen. (...) Allerdings gibt es da noch
ein kleines Problem: Zum Nulltarif sind
Ullstein Heyne List nicht zu haben, Bertelsmann jedoch steckt finanziell derart in der Klemme, dass selbst ein Entgegenkommen beim Kaufpreis noch immer mit
Schwierigkeiten verbunden wäre."
Trotz allgemeiner Krise wächst der
Hörbuchmarkt unaufhörlich (kein Wunder, Lesen ist ja
out). Neben den Umsatzzahlen wachse auch das
Titelangebot. So steigt etwa
National Geographic Deutschland mit Reportagen in den Markt ein,
Tessloff hat
"Was ist Was" als Hörbuch auf den Markt gebracht und der Verlag
Hörzeichen hat die
Rundfunknachrichten des Jahres 2002 zusammengestellt.
Weitere Meldungen: 2002 war auch das
Jahr der Insolvenzen (unter anderem Könemann, Libro, Petersen und Kiepert). Ein Rückblick widmet sich vor allem dem Verschwinden
kleiner Unternehmen. Und in Großbritannien und den USA läuft das Weihnachtsgeschäft "solide" und ruhig (laut
Börsenblatt läuft es in Großbritannien allerdings
schwach).
Neben den
aktuellen Bestsellern gibt es auch
die Jahresendstatistiken:
Diogenes war wieder einmal der erfolgreichste Belletristikverlag,
Heyne steht wie im Vorjahr auf Platz zwei,
Hanser und
Carlsen haben die Plätze drei und vier getauscht. Auf den Plätzen fünf bis sieben keine Veränderung:
Zsolnay, Goldmann, Blanvalet. Neu auf acht eingestiegen ist
Lübbe,
Suhrkamp konnte sich von 13 auf neun verbessern und liegt punktgleich mit
Klett-Cotta. Von 15 auf elf:
List; von zehn auf zwölf gefallen:
Blessing, dann
Eichborn, Wunderlich, Steidl. Steidl schaffte es mit nur einem Titel in die Top-15: mit
"Im Krebsgang" von Günter Grass. Dieses Buch war zugleich der erfolgreichste Belletristik-Titel in der Hardcover-Fraktion. Danach folgen
die üblichen Verdächtigen: "Harry Potter" auf den Plätzen zwei bis vier (nur "Harry Potter und der Stein der Weisen" landete auf Platz neun), dann Coelho ("Der Alchimist"),
Mankell,
Mankell, Leon ("Das Gesetz der Lagune"), Grisham. Auf Platz elf
Jonathan Franzen, zwölf Diana Gabaldon ("Das flammende Kreuz"), 13 Martin Walser (
"Tod eines Kritikers"), 14 John Irving (
"Die vierte Hand"), 15 Ken Follett ("Die Leopardin"). Von den Sachbüchern sollte man lieber gar nicht sprechen: Platz eins Dieter Bohlen, Platz zwei "Warum Männer lügen und Frauen immer Schuhe kaufen", dann "Nomadentochter", "Simplify your life", der Dalai Lama,
Hannelore Kohls Leben, Scholl-Latour,
Stephen Hawking, Kathrin Finkes Buch über Regine Hildebrandt,
"Die Glücksformel".