Magazinrundschau
Das Letzte, was man im Leben schreibt
Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag
22.06.2026. In Eurozine erklärt der ukrainische Autor und Soldat Artur Dron, was Literatur gerade im Krieg vermag. Zur heutigen Pantheonisierung bringt Le Grand Continent einen Text von Carlo Ginzburg über Marc Bloch. New Lines lernt aus einer Münzsammlung im British Museum von der glorreichen Geschichte Afghanistans. Der New Yorker kassiert mit einem Repo-Man unbezahlte Autos ein. Der indische Autor Amit Chaudhuri spürt in The Point dem Fremden in den Fotografien Ljubodrag Andrics nach.
Eurozine (Österreich), 22.06.2026
Welche Rolle können Literatur und Poesie im Krieg spielen? Als der Krieg begann, kam ihm seine Tätigkeit als Schriftsteller plötzlich völlig sinnlos vor, erzählt der fünfundzwanzigjährige ukrainische Autor und Soldat Artur Dron in einem Gespräch, das ursprünglich in The Ukrainian Media erschien. Dron hat für sein Buch "Hemingway hat keine Ahnung", das im Herbst 2026 auch auf Deutsch erscheinen wird, 2025 den Yuri Shevelov Preis erhalten. In der ersten Zeit des Krieges schrieb er gar nichts mehr, berichtet Dron, und gab allem Praktischen den Vorrang, dann jedoch merkte er, dass er die Literatur "unterschätzt" hatte und diese im Krieg ganz unterschiedliche Funktionen einnahm: Ein Gedicht "mag aus dem Wunsch heraus entstehen, etwas festzuhalten, das wir erlebt haben, damit es gegen die Zeit gefeit ist und für immer bleibt. Ein anderes entsteht, wenn einer meiner Kameraden etwas so Kraftvolles sagt, dass ich es nicht ertragen könnte, wenn es nur ausgesprochen würde und dann verginge - denn ich erkannte, dass er, ohne es selbst zu wissen, Literatur sprach. Manche Texte sind Abschiedsworte für Menschen, die nicht mehr unter uns sind, die gefallen sind. Ein Versuch, das Wesentliche, das man in ihnen gesehen hat, in eine andere Dimension zu übertragen. Wie in jenem Gedicht über meinen Kameraden Iwan und sein Fahrrad. Ich meine, ein Gedicht kann seinen Tod nicht wettmachen - wir sollten von der Lyrik nicht verlangen, irgendetwas auszugleichen -, aber es kann einen Bruchteil jener kindlichen Aufrichtigkeit dieses erwachsenen Mannes und seinen Traum von einem Fahrrad einfangen. Schließlich ist eines der Ziele dieses Buches, zu erzählen, was in uns vorgeht." Jedes Wort "in der Lyrik hat Gewicht, und beim Schreiben von Gedichten - besonders im Krieg - muss man jedes Wort so behandeln, als könnte es das letzte sein, das man je spricht. Man weiß nicht, was der nächste Tag bringt oder was in dreißig Sekunden geschehen wird. Wenn man sich jedem Text mit der Haltung nähert, es sei das Letzte, was man im Leben schreibt und sagt, garantiert das ein Höchstmaß an Offenheit und Wahrhaftigkeit. Dieser Existenzialismus, dieser Zustand des Dazwischenseins, verleiht den Worten mehr Gewicht und lässt alles Überflüssige abfallen."The Insider (Russland), 17.06.2026
Persuasion - Substack, Yascha Mounk (USA), 19.06.2026
Von Rechtsextremen bis hin zu Degrowth-Aktivisten: Nicht selten sind jene Stimmen, die behaupten, Autokratien seien effizienter als Demokratien, deren Nachteil es sei, kurzfristig und mit ständigem Blick auf Wähler zu agieren. Aber das ist ist ein Irrtum, argumentieren die Politikwissenschaftler (hier und hier) Jörgen Möller und Svend-Erik Skaaning in Yascha Mounks Blog Persuasion, sowohl was das Militärische betrifft - Demokratien haben achtzig Prozent ihrer Kriege gewonnen und nie gegeneinander Krieg geführt - als auch wirtschaftlich. Und Vorsicht: Auch China ist keine Ausnahme. "Zunächst einmal gehören Chinas offizielle Wachstumszahlen zu den am stärksten manipulierten aller großen Volkswirtschaften. Satellitengestützte Messungen der nächtlichen Lichtemissionen, die eng mit der tatsächlichen Wirtschaftstätigkeit korrelieren, deuten darauf hin, dass Pekings Statistiken sowohl das Tempo als auch das Ausmaß des Wachstums überbewerten … Auch Chinas Umweltbilanz stellt die These in Frage, dass autokratische Regime langfristige Herausforderungen besser bewältigen. Jahrzehntelanges Wachstum hat dazu geführt, dass Städte im Smog ersticken, Flüsse in weiten Teilen des Landes verschmutzt sind und das Grundwasser in einem Ausmaß erschöpft ist, das künftigen Generationen noch lange zu schaffen machen wird. Chinas Ausgaben für die innere Sicherheit übersteigen mittlerweile die Militärausgaben des Landes - ein eindrucksvoller Indikator für das mangelnde Vertrauen des Regimes in die eigene Bevölkerung. Auch der Umgang mit Covid-19 ist aufschlussreich. Chinas anfängliche Eindämmungsmaßnahmen, die durch den raschen Bau von Krankenhäusern, Massentests und strenge Lockdowns gekennzeichnet waren, beeindruckten viele westliche Beobachter. Weniger oft wird erwähnt, dass Chinas anfängliche Reaktion auch die aktive Unterdrückung von Frühwarnungen und die Bestrafung derjenigen umfasste, die versuchten, die Öffentlichkeit zu warnen - Verzögerungen, die nicht nur China, sondern die ganze Welt teuer zu stehen kamen. Und als Peking schließlich Anfang 2023, fast ein Jahr nachdem andere Länder die meisten ihrer Maßnahmen aufgehoben hatten, seine 'Zero-Covid'-Politik aufgab, geschah dies abrupt und ohne Vorbereitung, wodurch eine Bevölkerung mit minimaler erworbener Immunität einer Welle von Masseninfektionen ausgesetzt wurde."Le Grand Continent (Frankreich), 17.06.2026
New Lines Magazine (USA), 22.06.2026
"Wenn wir heute über Afghanistan sprechen, dann geht es um Terrorismus und Krieg, um die Taliban und Al-Qaida", hält Shabnam Nasimi fest. Fast vergessen ist die komplexe Geschichte des Landes, das einst eine "zentrale Rolle in der Weltgeschichte spielte". Vor Augen geführt wird ihr diese Geschichte bei der Betrachtung einer Münzsammlung im British Museum, die der politische Agent Sir Alexander Burnes zusammengetragen hat, der in den 1830er-Jahren durch Afghanistan reiste und im Auftrag der Ostindien-Kompanie Gebiete kartierte. Obwohl Burnes eine zwiespältige Figur war, da er die Eroberung durch die Briten vorantrieb (und zu deren Ende in Kabul grausam von einem Mob von Einheimischen ermordet wurde), ist Nasimi dankbar für die Münzen, mit denen sie die wenig bekannte Historie entdecken kann: "Das Kuschana-Reich markiert einen Höhepunkt in der Geschichte der Region, eine Zeit, in der Afghanistan tatsächlich das Zentrum der Welt bildete. Der Handel auf der Seidenstraße, die Rom mit China verband, erreichte seinen Zenit, und die Kuschana kontrollierten die entscheidenden Routen durch Zentralasien. An den Fundstätten der Kuschana haben Archäologen römisches Glas, chinesische Seide, indisches Elfenbein und griechische Skulpturen entdeckt - Belege für ein wahrhaft globales Handelsnetzwerk. Auf Münzen und Inschriften der Kuschana-Zeit finden sich Griechisch, Baktrisch, Sanskrit und Prakrit - ein Spiegelbild des mehrsprachigen Charakters dieses Reiches. Es handelte sich um eine hybride Kultur, die sich einer einfachen Kategorisierung entzog. Die Münzen selbst zeugen von dieser Synthese: griechische Buchstaben, die iranische Götternamen wiedergeben; buddhistische Bildmotive im hellenistischen Stil; zentralasiatische Herrscher, die indische Titel annahmen."New Yorker (USA), 29.06.2026
Charlie Kirk kam über das Internet in die Kinderzimmer vieler junger Amerikaner, die während der Covid-Pandemie nach Orientierung gesucht haben. Vielerorts bildeten sich Jugendabteilungen seiner "Turning Point"-Organisation, lernt Eliza Griswold, die für ihre Reportage u.a. die 16-jährige Joyce besucht hat, die in der Zoohandlung ihrer Eltern jobbt und "unschooled" ist, das heißt, keine Schule besucht und auch zu Hause nicht unterrichtet wird. Seit Kirks Tod schwächelt die Organisation, aber Joyce bleibt dabei: "'Ich habe gesagt, Gott, wenn das hier nicht für mich gedacht ist, gib mir ein Zeichen.' Sie hat aber keins erhalten. Joyce bewegt sich von MAGA weg, richtig begeistert war sie nie: 'Ich habe einen Hut und einen Anstecker bei der Wahl bekommen, sie aber nie getragen', erzählt sie. Auch die verschiedenen Stimmen, die in Kirks Abwesenheit um Macht kämpfen, haben sie schnell ermüdet. 'Jeder hasst Nick Fuentes', sagt sie über den weißen Nationalisten. 'Ich halte nichts von Nick Fuentes, aber Taylor Swift stimme ich ebenso wenig zu.' Neuerdings betet Joyce für die Zoohandlung (…), um sicherzustellen, dass 'alle gesund und munter sind'. Sie bittet um Gottes Beistand für den Tag und um seinen Schutz. Das Geschäft hatte in der Vergangenheit schon seltsame Besucher: ein Mann, dem ein Kaninchen verwehrt wurde, zückte eine Feuerwaffe, die sich als Spielzeug herausstellte. Seit Joyce im Geschäft betet, 'habe ich bemerkt, dass es weniger Chaos gibt'. Sie hat mit Turning Point darüber gesprochen, eine explizit glaubensbasierte Ortsgruppe zu gründen. 'Ich will das wirklich, wirklich, wirklich, wirklich machen', sagt sie. 'Aber am Ende des Tages, egal, was mit Turning Point passiert, ich bin hier, es sei denn, sie werfen mich raus."Die Repossession-Industrie in den USA boomt, weil immer mehr Amerikaner sich die Kreditraten für ihr Auto nicht mehr leisten können. Die Repo-Man (eine Art Inkassoeintreiber für die Banken, die bei einem Zahlungsrückstand der Schuldner die Autos einkassieren), bewegen sich dabei häufig auf semilegalem und weitestgehend unreglementiertem Terrain, wie Paige Williams berichtet. Ihre Reportage ist im wesentlichen ein Porträt des Repo-Man Matthew Pitmans, der unter dem Namen "RepoNut" Videos seiner Rückholaktionen auf Youtube hochgeladen hat. "Pitman handelte nach der Grundüberzeugung: 'Wenn die Leute dich mögen, tun sie dir nichts an.' Mit freundlichem Geplänkel brachte er die Schuldner aus der Fassung. 'Schöner Jeep!', pflegte er zu sagen. 'Hast du den selbst umgebaut?' Auf RepoNut erklärte er einmal: 'Wenn ein Pfändungsbeamter bei jemandem zu Hause auftaucht, um sein Fahrzeug abzuholen, steckt die Person oft in der Insolvenz, in einer Scheidung oder in ständigen Streitigkeiten mit dem Ehepartner. Manchmal sogar am finanziellen Ruin. Ihr Leben bricht auseinander.' Er filmte und veröffentlichte die Videos trotzdem. RepoNut entstand während der Großen Rezession. Zwischen Dezember 2007 und Anfang 2010 gingen fast neun Millionen Arbeitsplätze verloren. Da sie gezwungen waren, harte Sparentscheidungen zu treffen, räumten viele Amerikaner ihren Ratenzahlungen für das Auto Vorrang vor der Hypothek ein und wägten den dringenden Bedarf an einem eigenen Fahrzeug - für Arbeit und Einkäufe, den Weg zur Kirche und Arzttermine - gegen den relativ langwierigen Prozess einer Zwangsvollstreckung ab. Dennoch wurden laut Cox Automotive auf dem Höhepunkt der Rezession im Jahr 2009 1,8 Millionen Autos gepfändet - eine beispiellose Zahl. Pitman war das Gesicht, das Tausende von Verbrauchern sahen - oder auch nicht -, als das Finanzsystem sie einholte."
The Point (USA), 23.06.2026

Der indische Schriftsteller Amit Chaudhuri denkt in einem Essay über Kunstwerke nach, die bewusst auf sämtliche Marker - etwa zu Nationalität oder Zeitlichkeit - verzichten. Ihnen geht es laut Chaudhuri darum, dass wir uns dem Fremden öffnen. Er macht das an den Fotografien des in Belgrad geborenen und in Toronto lebenden Fotografen Ljubodrag Andric deutlich, der vergangenes Jahr im Palazzo Cini in Venedig ausstellte: "Da sich die Fotos von Venedig mit denen von Jaipur und die von Jaipur mit denen von Lucknow (und so weiter) austauschen lassen, sind die Unterschiede zwischen Orten, Oberflächen und Texturen zugleich auffallend offensichtlich und unsichtbar. Was ist es, das in einem Foto von Andric eine Tür oder einen Bogen in Jaipur von einem Fenster, einer Decke oder einer Wand in Venedig unterscheidet? Es ist der Name des Fotos: 'Jaipur'; 'Lucknow'; 'Venedig'. Diese sind ebenso wandlungsfähig wie die Bilder selbst. 'Jaipur' ist nicht der Name eines Ortes; es ist nicht einmal der Titel eines Fotos. Es ist ein Foto. ... Da Namen und Titel in dieser von mir beschriebenen Tradition weder einer identifizierenden Funktion dienen noch Eigentumsansprüche geltend machen und da die Werke selbst auf Merkmale verzichten, die Nationalität oder Wesen bestätigen, werden wir in ihrer Gegenwart - ob sie nun von Borges, Verma, Picasso oder Andric stammen - dazu bewegt, uns mit einem anderen Weg auseinanderzusetzen, auf dem Tradition und Besonderheit sich entfalten. ... Eine Fotografie von Andric zu betrachten bedeutet nicht, ein Objekt zu sehen, sondern den Fokus neu auf das zu richten, was wir wissen, und auf all das, was von den überlieferten, institutionellen Arten der Erkennung eines 'westlichen', 'nicht-westlichen', 'modernen' oder 'antiken' Objekts unberücksichtigt bleibt."
HVG (Ungarn), 23.06.2026
Die Debatte darüber, wie die zukünftige Medienfinanzierung in Ungarn aufgebaut werden und wie die Kontrollmechanismen der zukünftigen öffentlich-rechtlichen Medien aussehen soll, ist voll im Gange. Es liegt ein Gesetzesentwurf bereits zur Diskussion vor, nachdem selbstverwaltete Fachgremien die letzte Entscheidung bei der Förderungsvergabe aus einem staatlichen Pressefonds erhalten sollen. Der Publizist Árpád W. Tóta äußert Bedenken gegen dieses Modell und macht in der Wochenzeitschrift HVG einen Gegenvorschlag: "Aus dem Entwurf geht hervor, dass der Pressefonds Ausschreibungen veröffentlicht, über die dann 'die Fachgremien entscheiden'. Darin liegt das Problem. Unvermeidlich, zwangsläufig. Wer sitzt wohl in diesen Fachgremien? Offensichtlich Fachleute aus der Branche. Nun, die Journalistengemeinschaft ist voll von großartigen Menschen, hervorragenden Stilisten, großartigen Redakteuren, einfühlsamen Reportern, klugen Mädchen und Jungen. Wenn man jedoch mit Eifersucht einen Turbinenantrieb betreiben könnte, wäre die Presse eine CO₂-neutrale Branche. Persönliche Kränkungen, Sympathien, Cliquen, Kameradschaftsbündnisse und jahrzehntelange Gegensätze prägen den Berufsstand. Hinzu kommt eine unausweichliche, sogar vom Mond aus sichtbare Trennlinie: die Fidesz-Anhänger und die anderen. Die Vertreter der freien Presse sagen nicht ohne Grund, dass die Fidesz-Propagandisten für sie keine Kollegen sind - aber dennoch sind auch sie Teil der Öffentlichkeit. (…) Die neue Regierung gründete eine komplette Organisation für den gesellschaftlichen Dialog mit dem Ziel, die öffentliche Meinung bei politischen Entscheidungen kontinuierlich zu sondieren und einzubeziehen. Welche Medien Unterstützung verdienen, ist genau das Thema, zu dem man den lieben Wähler befragen sollte. Und dann können die Mitglieder der Fachausschüsse wieder in ihre Redaktionen zurückkehren. Dort können sie dann mit ihrer Arbeit das gottgegebene Volk davon überzeugen, für sie zu stimmen. Anstatt dass sie über deren Köpfe hinweg abstimmen."
New York Times (USA), 16.06.2026
Es ist eine dieser charakteristischen New-York-Times-Recherchen. Die Reporter der Zeitung haben mit Dutzenden Zeugen gesprochen, haben die Haftbedingungen im Metropolitan Correctional Center in Lower Manhattan untersucht und haben herausgefunden, dass suizidgefährdete Insassen dort nicht ausreichend beobachtet werden. Das alles, um die nach sieben Jahren immer noch im Raum schwebende und Verschwörungstheorien nährende Frage zu klären, ob Jeffrey Epstein womöglich ermordet wurde. Eine endgültige Antwort gibt es auf diese Frage nicht, aber die Indizien weisen eindeutig in Richtung Suizid: "Eine Fülle neuer Belege deutet darauf hin, dass Epstein entschlossen war, sich das Leben zu nehmen. Zwar bleiben bestimmte kritische Elemente seiner letzten Tage unklar oder rätselhaft, doch das Fehlen von Informationen ist keine Theorie. Unsere Bewertung der Sicherheits- und Personalsituation im Gefängnis zeigt, dass ein potenzieller Angreifer für den Zugang zu seiner Zelle ein komplexes Schema mit mehreren Personen benötigt hätte, die über detaillierte Kenntnisse der spezifischen Sicherheitssysteme, ihrer Schwachstellen und etablierten Protokolle verfügten. In zahlreichen Interviews und in der Sichtung der Dokumente fanden wir keine Anzeichen für eine solche Verschwörung. Im Gegenteil haben wir erhebliche - zum Teil bisher nicht offengelegte - Beweise dafür gefunden, dass Epstein in den Wochen vor seinem Tod wiederholt über Suizid schrieb und ihn plante, möglicherweise sogar drei Suizidversuche unternahm." In einem zweiten Artikel bekräftigen die Autoren ihre These noch: "Vor seinem Tod war Epstein aufgrund seines Selbstmordrisikos zweimal in eine Sonderbeobachtungszelle verlegt worden. Es war bekannt, dass er möglicherweise einmal einen Selbstmordversuch unternommen hatte."Novaja Gazeta Europe (Russland / Lettland), 08.06.2026
London Review of Books (UK), 25.06.2026
Seit fast hundert Jahren gibt es nun schon Fußballweltmeisterschaften. Eine lange Zeit, der Jonathan Wilson ein dickes Buch gewidmet hat. "The Power and the Glory" umfasst 608 Seiten und widmet sich der gesamten wechselhaften Geschichte des Wettbewerbs. Simon Skinners Besprechung des Buches ist auch ziemlich ausführlich geraten und geht auf alle entscheidenden Wegmarken der WM-Geschichte ein. Wie aber steht es um die aktuelle WM? Sie "wird für immer mit einem neuen, geradezu obszönen Ausmaß der Ausbeutung von Fans verbunden bleiben. Die erbarmungslose Kommerzialisierung des Volkssports durch die FIFA droht in einem abgeschotteten Turnier zu münden, das nur den wenigen zugänglich ist, die über das nötige Einkommen, den passenden Visastatus und die entsprechende Social-Media-Vergangenheit verfügen. Bei früheren Weltmeisterschaften waren Wiederverkaufspreise auf den ursprünglichen Ticketpreis begrenzt. Für 2026 jedoch hat die FIFA diese Beschränkung aufgehoben und unter dem Vorwand der 'marktüblichen Praktiken' in Nordamerika eine dynamische Preisgestaltung eingeführt. Gleichzeitig ist sie selbst in den Zweitmarkt eingestiegen und hat eine Wiederverkaufsplattform gestartet, die sowohl vom Verkäufer als auch vom Käufer jeweils 15 Prozent Provision einbehält - also insgesamt ein schwindelerregendes Drittel jedes Verkaufs. Damit schafft sie einen direkten Anreiz für mehrfache Weiterverkäufe. Nur die FIFA konnte es schaffen, Ticketmaster und StubHub im Vergleich geradezu philanthropisch erscheinen zu lassen. Ein Ticket für das Finale in der niedrigsten Preiskategorie, ursprünglich für 2.030 US-Dollar angeboten, wurde bereits am folgenden Tag für 25.000 US-Dollar erneut eingestellt."Roby Hamilton denkt darüber nach, was den auch heute noch nachfühlbaren Reiz der Screwball-Komödie ausmacht; also jener Form des Kinolustspiels, die im Hollywoodkino der 1930er und 1940er ihre Blütezeit erlebte und von maschienengewehrschnellen Dialogen sowie einer Vorliebe für abstruse Liebesgeschichten geprägt war: "'Some Like It Hot' funktioniert nicht nur deshalb, weil Tony Curtis und Jack Lemmon Männer sind, die sich als Frauen ausgeben (auch wenn sie dabei stets urkomisch sind), sondern weil eben das niemandem auffällt oder niemanden interessiert. Lüge und Wahrheit haben dieselben Auswirkungen - also warum der ganze Aufruhr? Screwball-Komödien sind keine melancholisch-humanistischen Komödien darüber, wie man lernt, menschliche Unvollkommenheit zu akzeptieren und zu feiern. Sie sind Komödien der Fantasie und der Willenskraft. Mit genügend innerer Überzeugung beginnt selbst der Wahnsinn Sinn zu ergeben. Man denke an Cary Grant, der sich in 'Bringing Up Baby' Katherine Hepburns Verrücktheit ergibt; oder an Barbra Streisand, die in 'What's Up, Doc?' über Ryan O'Neal triumphiert; oder an Carole Lombard - die wohl schrägste aller Screwball-Heldinnen, für die der Begriff ursprünglich geprägt wurde -, die am Ende von 'My Man Godfrey' sagt: 'Es hat keinen Sinn, gegen etwas anzukämpfen, wenn es einen bereits gepackt hat. Es hat dich gepackt, und damit hat es sich - es hat dich gepackt!' Genau darin liegt der Kern dieser Komödien: Nicht die Vernunft siegt über das Chaos, sondern das Chaos wird mit solcher Entschlossenheit gelebt, dass es seine eigene Logik entwickelt."
Schnallen Sie sich an, hier kommt ein Beispiel:
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