Die Berliner Verkehrsbetriebe benennen die
U-Bahnstion Mohrenstraße um - auch die Straße selbst dürfte nicht mehr lange so heißen. Ein
Akt der Einfalt,
meint Welt-Autor Thomas Schmid, denn der heute nicht mehr gebrauchte Begriff des Mohren sollte nie herabsetzen: "Seit der Renaissance tauchten sie auch nördlich der Alpen in der Malerei auf. Einer der Heiligen drei Könige war ein Mohr, was zweifellos nicht abwertend gemeint war. Es gab die Schwarze Madonna und den hl. Mauritius, der als Schwarzer dargestellt wurde. Das waren sicher Ausnahmen, aber hier bezeugte das Christentum seinen
universalistischen Strang: Vor Gott sind auch die, die anders sind, uns gleich." (Die
taz titelt zum Thema: "Aus M*straße wird Glinkastraße".)

Eine wenig beachtete Krise der
amerikanischen Mittelschicht konstatieren
laut Benjamin Bidder in
Spiegel online die Ökonomen
Anne Case und
Angus Deaton in ihrem
Buch "Deaths of Despair". In Amerika sinkt im Gegensatz zu den anderen westlichen Ländern inzwischen die Lebenserwartung wegen vieler
vorzeitiger Tode im Alter von etwa 50 Jahren: "Die höhere Mortalität lässt sich fast vollständig zurückführen auf drei Ursachen: die stark wachsende Zahl der
Suizide,
Alkoholismus und seine Folgeerkrankungen sowie
Drogen-Überdosen. Am stärksten davon betroffen ist eine Bevölkerungsgruppe, Case und Deaton nennen sie
white working class: weiße Beschäftigte ohne akademischen Abschluss."
Juden in Deutschland sind
von Antisemitismus umstellt, und das auch seit 1945,
sagt Ronen Steinke, Autor des
Buchs "Terror gegen Juden" in der FR im Gespräch mit Hanning Voigts. Dass es rechtsextremen Judenhass gibt, liegt auf der Hand. Aber "der erste versuchte und zum Glück gescheiterte Bombenanschlag
auf eine Synagoge nach 1945 wurde 1969 von der linken Gruppe '
Tupamaros Westberlin' verübt. Und die standen nicht irgendwo am Rande, sondern im Rampenlicht der Spontiszene. Der geistige Drahtzieher des Attentats, Dieter Kunzelmann aus der 'Kommune 1', wurde noch in den Achtzigern
von den Grünen hofiert und konnte auf ihrer Liste ins Berliner Abgeordnetenhaus einziehen. An dieser Gewalt waren damals nur wenige Menschen beteiligt. Aber wie man das hinterher in der linken Szene bagatellisiert hat, das war die Schuld von sehr vielen."
Angesichts des Aufstands um
J.
K.
Rowlings Auffassung, Geschlecht sei auch biologisch bestimmt (gerade wurde der Kinderbuchautorin Gillian Phillip von ihrem Verlag
gekündigt, weil sie Rowling unterstützt hatte),
warnt Suzanne Moore im
Guardian vor einer immer radikaler werdenen
Cancel Culture, die zu einem "weiteren Machtinstrument der
Frauenfeindlichkeit geworden ist. Ich kann nicht tatenlos zusehen, wie immer mehr Frauen im Grunde genommen auf den Scheiterhaufen geworfen werden, während zuckende Mobs die Fackeln bereit halten." Nach J.K. Rowling habe jetzt Damian Barr dafür sorgt, dass "
Emma Nicholson, die eine Ehrenposition im Booker Prize Committee innehatte, wegen ihrer Ansichten über die
gleichgeschlechtliche Ehe und einiger schrecklicher Tweets über
Transsexuelle abgesetzt wird. ... Dies wird zu einem weiteren Streit, bei dem jemanden ausgelöscht werden soll, mit dem man nicht einverstanden ist. Dies ist kein Dialog. Es ist ein
prahlerischer Monolog der Reinheit, der unendlich fortgeführt wird. Es ist möglich, dass Nicholson eine Homophobe ist, die auch etwas Gutes in der Welt getan hat: Sie rettete rumänische Waisenkinder; 1991 gründete sie als Reaktion auf Saddam Husseins systematische Verfolgung der Marsch-Araber eine Wohltätigkeitsorganisation namens AMAR; sie setzte sich viele Jahre lang für die Jesiden ein, die nach wie vor schrecklich leiden. Kann ein Mensch Gutes tun und Falsches denken? Wie können wir uns weiterentwickeln, wenn dies nicht anerkannt werden kann?"
Außerdem: Die antirassistische Soziologin
Vanessa E. Thompson plädiert im Gespräch mit Simon Sales Prado von der
taz für die Abschaffung der Polizei und benennt diese Idee allen Ernstes als "
Abolitionismus". Ebenfalls in der
taz meditiert der Schriftsteller
Michael Wildenhain nochmal über die
Stuttgarter Krawalle. Im Gespräch mit Verena Lueken von der
FAZ erklärt der Philosoph
Frank Wilderson, was er unter "Anti-Blackness" und "Afropessimismus" versteht.
Schleswig-Holstein entwickelt eine beeindruckende
Diversity, jedenfalls im Filmwesen,
meldet der
Deutschlandfunk. Als erstes Bundesland entwickle es "eine
verpflichtende Checkliste rund um das Thema Diversität.
Alle Filmemacher müssen den Fragebogen für die Beantragung von Fördermitteln ausfüllen." So sieht der Fragebogen aus (und
hier weitere Checklists):
