
In seinem Blog mit dem schönen Titel "Philosophisches Durcheinander - Philosophie in all ihrem Chaos"
unterhält sich Le-Monde-Journalist Nicolas Weill mit
Florent Perrier über die
Aktualität Walter Benjamins. Perrier ist Herausgeber der umfangreichen
Benjamin-Biografie des Historikers und Germanisten
Jean-Michel Palmier, der daran bis zu seinem Tod 1998 gearbeitet hatte. Durch sein Exil in Frankreich und seinen tragischen Tod 1940 wurde Benjamin zu einem Mythos. In Frankreich wird er als der "
französischste"
deutsche Denker verehrt; aktuell ist in der Reihe "Cahiers de L'Herne" eine
Monografie über ihn erschienen. Perrier erklärt sich Benjamins ungebrochene Popularität auch bei nicht-akademischen Lesern damit, dass seine Schriften "
alles andere als schwierig" seien. "Dennoch stimmt es, dass Walter Benjamin gelegentlich absichtlich oder weil sein Gedankengang häufig kopmlex ist, schwierige Schriften hinterlassen hat. Die klären sich jedoch stets, sobald der Leser sich bemüht, den
Kontext herzustellen."

Auch im
Chronicle of Higher Education staunt man über das Nachleben Benjamins. Eric Banks, Direktor des New York Institute for the Humanities an der New York University, hat eine höchst interessante
Grafik erstellt die zeigt, dass die Benjamin-Rezeption erst
Mitte der Siebziger einsetzte und ihren - vorläufigen Peak 2007 hatte, als Benjamin 750 Mal in Büchern und Artikeln zitiert wurde. Dass Benjamin in den USA bekannt wurde, ist vor allem
Harvard und
Paul de Man zu verdanken,
schreibt Banks: "'Paul de Man sprach immer wieder stundenlang über ihn', sagt der Cheflektor der Harvard University Press,
Lindsay Waters, den Howard Eiland und Michael W. Jennings in der Danksagung in ihrer neuen Benjamin-Biografie
'Walter Benjamin: A Critical Life' als 'Vater dieses Buchs' preisen. 'Es war klar, wie sehr de Mans Lektüre des 'Trauerspiels' ihn
als Denker befreit hatte.' Waters' Zeit als Doktorand an der Universität von Chicago, wo er an seiner Dissertation über den italienischen Dichter des 15. Jahrhunderts Luigi Pulci arbeitete, fiel zusammen mit de Mans Gastprofessor dort. Der Theoretiker weckte in Waters ein Interesse nicht nur an Benjamin, sondern generell an
nicht übersetzter europäischer Kultur- und Literaturtheorie."

Der
New Yorker hat eine Geschichte der nigerianischen Autorin
Chimamanda Ngozi Adichie von 2008 online gestellt, "The Headstrong Historian".
Hier der Anfang: "Many years after her husband had died, Nwamgba still closed her eyes from time to time to
relive his nightly visits to her hut, and the mornings after, when she would walk to the stream humming a song, thinking of the
smoky scent of him and the firmness of his weight, and feeling as if she were surrounded by light. Other memories of Obierika also remained clear - his stubby fingers curled around his flute when he played in the evenings, his delight when she set down his bowls of food, his sweaty back when he brought baskets filled with fresh clay for her pottery. From the moment she had first seen him, at a wrestling match, both of them
staring and staring, both of them too young, her waist not yet wearing the menstruation cloth, she had believed with a quiet stubbornness that
her chi and his chi had destined their marriage, and so when he and his relatives came to her father a few years later with pots of palm wine she told her mother that this was the man she would marry. Her mother was aghast."