Warum eigentlich
schweigen die muslimischen Staaten, die einen
Salman Rushdie jagten, die gegen
dänische Karikaturisten und
Charlie Hebdo hetzten, gegen die grausame Behandlung der
Uiguren in China,
fragt Nick Cohen im
Observer: "Im Juli 2019 halfen Pakistan, Saudi-Arabien, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate, Algerien und andere mehrheitlich muslimische Staaten, die sich als Verteidiger des Glaubens ausgeben, eine westliche Bewegung bei den Vereinten Nationen zu
blockieren, in der China aufgefordert wurde, '
unabhängige internationale Beobachter' in die Region Xinjiang zuzulassen. Die Heuchelei ist fast schon komisch, wenn man seinen Humor schwarz nimmt. Iran, Ägypten, Syrien und Dutzende anderer Länder, die einen magisch-realistischen Roman nicht tolerieren konnten, können mit der
Massensterilisierung muslimischer Frauen leben. Sie werden den Konzentrationslagern mit einem
hinterhältigen Augenzwinkern zustimmen, aber bei Karikaturen in einer dänischen Zeitung die Grenze ziehen. ... Die chinesische Weltordnung passt gut zur Freimaurerei
öffentlichkeitsscheuer Sadisten. Sie sagen nichts dazu, was wir unseren Untertanen antun, und wir werden nichts dazu sagen, was sie ihren Untertanen antun."
Die Chinesen meinen das mit "Ein Land, zwei Systeme" in Bezug auf
Hongkong durchaus noch so, nur betrachten sie Hongkong nicht mehr als ein Einfallstor
westlicher Einflüsse in China, sondern umgekehrt als Vehikel für die eigene Ausstrahlung auf den Westen,
schreibt Mark Siemons in der
FAS. Er bezieht sich auf den stark von Carl Schmitt beeinflussten Verfassungsrechtler
Jiang Shigong, der die neue Doktrin formulierte: "Kaum verhüllt wird da die Erwartung eines globalen chinesischen Imperiums ausgedrückt, das von Hongkong seinen Ausgang nehmen werde. Jiang hält die Stadt daher für ein 'Zentralthema bei der Wiedergeburt der
chinesischen Kultur', dem Leitmotiv der Ära Xi Jinping. Dass dies zugleich auch die Ablösung und Neutralisierung des bisherigen Weltimperiums bedeutet, deutet Jiang in einem Aufsatz vom August vergangenen Jahres an: 'Wenn man mit Hongkong richtig umgeht, wenn man mit dem Handel, mit der Bürgergesellschaft und der Kultur richtig umgeht, dann ist Hongkong der
Dreh- und Angelpunkt, von dem her man die ganze westliche Welt bewegen kann.' Es ließe sich auch übersetzen mit: aushebeln kann." Auch der ehemalige China-Korrespondent der
taz, Felix Lee,
sieht das neue Sicherheitsgesetz als "Schlag ins Gesicht der Weltgemeinschaft" und kritisiert besonders die
deutsche Passivität gegenüber China.
Putins aggressive Geschichtslügen sind "Bestandteil seiner hybriden Kriegsführung gegen die westlichen liberalen Demokratien",
schreibt Richard Herzinger bei
cicero.de. "Um sie zu unterminieren, glorifiziert das Putin-Regime Russland als wahren Retter der Menschheit vor der NS-Barbarei und instrumentalisiert die Erinnerung an den opferreichen Kampf der
Völker der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg zur Legitimierung seiner aktuellen
neoimperialen Gewaltpolitik."