Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag

Radikal traditionell

18.11.2025. In New Lines erklärt der Politologe Mohamed Kheir Omer den schwelenden Konflikt zwischen Äthiopien und Eritrea. In HVG denkt Laszlo Darvasi über den Unterschied zwischen Fiktion und Autofiktion nach. Die London Review wiegt die Bösewichteigenschaften von Google und OpenAI gegeneinander ab. Der Guardian lernt die Rachegedanken in Syrien zu lesen. Hussein Aboubakr Mansour analysiert moralischen Sadismus am Beispiel der Filme Quentin Tarantinos. In Equator erklärt Amitav Ghosh, warum er dystopische Romane nie bis zum Schluss liest.

Teils Bruegel, teils Goya

11.11.2025. Granta vermisst den indischen Literaturkontinent. HVG trauert um Peter György. Der New Yorker ist jetzt schon frustriert beim Gedanken an das 250-Jahr-Jubiläum der amerikanischen Unabhängigkeit. New Lines betrachtet fasziniert Fotos der jesidischen Bevölkerung Iraks in den 1930ern. In Eurozine erklärt der Historiker Gary Gerstle, wo sich Donald Trump und Bernie Sanders ähneln. Die New York Times vermisst die Golden Hour auf den Schlachtfeldern in der Ukraine.

Ein moralisches Laboratorium

04.11.2025. Asterisk beschreibt die erstaunliche geistige Beweglichkeit chinesischer Tech-Entrepreneure. Überhaupt keine Bewunderung hat Eurozine für die gewaltsame Russifizierung ukrainischer Kultur. New Lines lernt einiges über Giftgaseinsätze in Syrien aus den laxen Memoiren des russischen Generals Alexander Zorin. Die London Review berichtet von Scam-Camps in Südostasien, in denen Horden von Arbeitssklaven abgerichtet werden, Chinesen und Westler abzuzocken. Die New York Times erkennt die konkrete Absicht hinter Donald Trumps Vagheitsdoktrin.

Flucht vor Persönlichkeit

28.10.2025. Im New Statesman wischt John Gray den Postliberalismus vom Tisch. Und Amit Chaudhuri erklärt, warum Autofiktion nichts mit Bekenntnisliteratur zu tun hat. New Lines sieht den Libanon am Scheideweg. Elet es Irodalom unterhält sich mit den Jazzbois. n+1 erinnert sich an den Musiker, Tramp und Freak Michael Hurley. Der New Yorker denkt über Monster nach, die London Review über den Zusammenhang zwischen Serienkillern und Umweltverschmutzung.

Die Ordnung des Sternenhimmels

21.10.2025. Atlantic sah in der Ukraine auch ein paar fröhliche Kindergesichter: in einer unterirdischen Schule. Die London Review berichtet über den Bürgerkrieg im Sudan. Elet es Irodalom feiert László Krasznahorkai. In Itvar liefert die Schriftstellerin Ljuba Arnautović die bis dato einleuchtendste Erklärung für die Putintreue der Russen. Pitchfork wundert sich über die Zeitschleife, in der die Elektro-Szene feststeckt. Die New York Times blickt auf die Ultraorthodoxen, die in Israel den Wehrdienst verweigern.

Schatz, sie haben Dynamit entdeckt

14.10.2025. Der Guardian untersucht die Beziehung von Twitter bzw. X zum saudischen Königshaus, das überraschend erfolgreich anonym auf Twitter postende Oppositionelle enttarnt. New Lines erzählt die Geschichte der Armenier in Äthiopien. Der New Yorker fühlt den Luftzug, wenn die Verse der Dichterin Violet Ranney Lang an ihm vorbeizischen. Die Public Domain Review freut sich über die Übersetzung von Jozef Ignác Bajzas "René, oder: Die Abenteuer und Erfahrungen eines jungen Mannes" (1783-85), dem ersten slowakischen Romans überhaupt. Die New York Times berichtet von einem handschriftlichen Dokument des Hamasführers Yahya Sinwar zur Planung des Massakers vom 7. Oktober.

Unbequemes Restproblem

07.10.2025. Der Guardian erzählt am Beispiel der Insel Vava'u, was ausfällt, wenn das Internet ausfällt. In Eurozine beschreibt der walisische Autor Simon Brooks die Vor- und Nachteile von Wokeness für Minderheiten. In HVG erklärt der Schriftsteller Andrei Dósa, warum Autofiktion eher hinderlich ist beim Versuch, sich in die Lage anderer zu versetzen. Ob man die Chance oder die Risiken von KI betont - am Ende ist alles nur Werbung dafür, erkennt die London Review. Im Philosophie Magazin staunt Marko Martin über eine europäische Linke, die den eigenen Kolonialismus verdrängt, um sich lieber über Israel zu empören. Vanity Fair porträtiert Zohran Mamdani.

Ohne Sündenböcke überleben?

30.09.2025. René Girard ist der Denker der Stunde, insistieren Salmagundi und The Point - aber nicht weil Peter Thiel ihn liest. Die London Review, HVG, Respekt, Elet es Irodalom, der New Statesman und der New Yorker machen sich alle Sorgen um die Meinungsfreiheit, fragen sich aber auch, wo ihre Grenzen sind. New Lines stellt das Musiklabel "Baidaphon" vor, das zwischen den Weltkriegen in Berlin hunderte Platten von Musikern aus dem Nahen und Mittleren Osten produzierte. Der Rolling Stone porträtiert den Rasputin am Trumpschen Hof. La Regle du jeu lernt Emmanuel Carreres Mutter kennen, Frankreichs berühmteste Russlandexpertin und Putin-Freundin Hélène Carrère d'Encausse.

Entgrenzt und losgelassen

23.09.2025. In Atlantic erklärt Jill Lepore die Rechtsidee des Originalismus, der die US-Verfassung für unveränderbar erklärt - ähnlich wie Islamisten den Koran. Die LRB findet die intellektuellen Wurzeln des Trumpismus im Paläolibertarismus eines Murray Rothbard. Le Grand Continent entdeckt das neueste Instrument des Priestertrugs. In Irozhlas spricht Agnieza Holland über ihren neuen Film "Franz" (Kafka). In Public Books erklärt der Südamerika-Historiker Greg Grandin einen wesentlichen Unterschied zwischen den USA und Lateinamerika. Quietus huldigt Kate Bush.

Ein Funke der Form

15.09.2025. Périphéria gewinnt derzeit gegen Metropolia - und das ist auch gut so, meint im New Statesman der französische Geograf Christophe Guilluy. Wir erleben gerade die letzten Tage der sozialen Medien, prophezeit Noema. The Atlantic nimmt die Antisemiten im Trumplager unter die Lupe. New Lines erklärt, warum es so schwierig ist, den sambischen Präsidenten Edgar Lungu zu beerdigen. Der New Yorker kann sich nicht entschließen, ob er Uniqlo billigen soll. Das Comic Journal erzählt, wie sich japanische und europäische Künstler gegenseitig beeinflussten.