Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag

Ehrenwerte Ziel

15.08.2023. Das russische Investigativmagazin Projekt deckt in einer umfassenden Recherche auf, welche Oligarchen welche Waffen für Russland im Ukrainekrieg herstellen und liefern. Im New Yorker schreibt Masha Gessen über die illegale Zwangsumsiedlung vieler Ukrainer durch russische Soldaten. Himal stellt das tamilische Gegenwartskino vor. New Lines porträtiert einige der Silberschmiedinnen in Oman. Quillette erzählt die Geschichte des Pelzhandels in Kanada. Die London Review wägt die Vor- und Nachteile der Affirmative Action in den USA ab.

Die Normalitätsdefinierer

08.08.2023. Die London Review of Books versucht einem kriegsversehrten Kiew ins Gesicht zu sehen. Der Merkur fragt sich, ob nicht auch mal die Demokratiefähigkeit der überaus sendungsbewussten Mittelklassen in Deutschland untersucht werden sollte. In Novinki vergleicht der Historiker Miloš Řezník die polnische mit der tschechischen Geschichtspolitik. Die New York Times porträtiert den chinesischen Bestseller-Autor Hao Qun.

Für Kinder, nicht für die Liebe

01.08.2023. Liebe unter dem Schatten einer drohenden Sichelzellenanämie - davon erzählt Harper's in einer Reportage aus Nigeria. Eurozine ruft zur Dekolonisierung Osteuropas auf, auch wenn Habermas und Derrida das so nie gemeint hatten. So entblößt hat der New Yorker den männlichen Blick auf weibliche Körper noch nie gesehen, wie auf den Bildern der amerikanischen Malerin Lisa Yuskavage. Das Smithsonian Magazine amüsiert sich mit den Exzentrikern unter den englischen Gartenbesitzern. Susan Neiman erklärt, warum Links nicht gleich woke ist. Sudanesische Geschichte mal anders erzählt Africa is a Country.

Ein Spritzer Mondlicht

25.07.2023. Im tschechischen A2 erklärt Serhij Zhadan das Imperialistische der russischen Kultur. Tablet analysiert die Identitätswidersprüche vieler arabischstämmiger Franzosen. Das Smithsonian Magazine feiert die magischen Zutaten der Webkunst Dorothy Liebes'. In Eurozine erklärt Stanislav Aseyev, warum nicht nur Putin, sondern auch Wanja verantwortlich ist für die Zerstörung der Ukraine. Die LRB taucht mit Geigerzähler ein ins Britannien des Kalten Krieges. Der New Yorker erzählt aus dem gefährlichen Leben eines Lokalreporters.

Ambrosia der Sprachkontrolle

18.07.2023. Die LRB durchmisst mit zwei Büchern die Untiefen der forensischen Anthropologie in Argentinien und Guatemala. Der Neurowissenschaftler Erik Hoel verabschiedet in seinem Substack-Newsletter den globalen Marktplatz. Novinky verabschiedet mit Milan Kundera einen König der Widersprüche. Kunst muss unpolitischer werden, fordert Tablet. Der New Yorker stößt im failed state Haiti auf einige äußerst robuste Ansichten zur Verbrechensbekämpfung.

Faust und Kopfkissen

11.07.2023. Die LRB erzählt, wie Clyde Snow 1984 in Argentinien mit unerschrockenen Studenten die forensische Anthropologie begründete. In Harper's staunt Ian Buruma, dass in Zeiten zur Schau gestellter Tugendhaftigkeit sogar Waffen- und Junkfood-Produzenten woke sein können. In La Règle du Jeu pocht Christine Angot darauf, dass auch Opfer freie Menschen sind. In Elet es Irodalom möchte der Philosoph Sándor Radnóti das System Viktor Orbans nicht zu einer Dikatur hochtadeln. Eurozine fordert Bürgerräte für die Öffentlich-Rechtlichen. Und im New York Magazine erklärt John Woo seine Liebe zum französischen Film

Sie treiben dich in den Wahnsinn

04.07.2023. Die Ukrainer erkennen ihre Macht, die Russen ihre Ohnmacht, beobachtet die Historikerin Marci Shore in Aktualne. In Eurozine definiert die Philosophin Olga Shparaga das belarussischen Selbstverständnis aus der Solidarität mit den Gefangenen. Desk Russie erzählt Aufstieg und Fall von Putins Medienmann Michail Lessin. Die NYRB erklärt die neue Bedeutung der Tropenstürme für die karibische Kunst und Geschichte. Im New Yorker versucht Zadie Smith, Charles Dickens zu töten. Der Guardian empfiehlt gegen die Gentrifizierung der Metropolen das Deutschlandticket. Und The Verge sieht ein neues Web in den Geburtswehen.

Alles ist schnell, aber nichts zufällig

27.06.2023. Das New York Magazine besucht eine Klick-Fabrik, in der Menschen eine KI trainieren, die Menschen nachstellt, die eine KI bewerten. Die London Review of Books verfällt mit Ian Penman in einen Fassbinder-Rausch aus radikalem Denken und schlechtem Geschmack. Die Tunesier wollen durchaus Demokratie, aber noch dringender brauchen sie Brot, Wasser und Elektrizität, erkennt Eurozine. Aeon lernt von Emil Cioran, ein Verlierer zu sein. In HVG erzählt Andrea Tompa, wie Siebenbürgen seine dunkle Geschichte entsorgt. Der New Yorker schickte seine Kinder auf eine chinesische Reformschule.

Klugheit unter Druck

20.06.2023. Die New York Times durchlebt mit jungen Iranerinnen Freude und Grauen einer Revolution am 18. März. Die Los Angeles Review of Books genießt nur noch mit schlechtem Gewissen die Genialität des iranischen Kinos. Eurozine besucht den Memorial-Historiker Juri Dmitriew in der Strafkolonie IK-18. Der Guardian besucht Ngugi wa Thiongo, darf mit ihm aber kein "afrikanisches Englisch" sprechen. La vie des idées erinnert an Alain Touraine, den sozialdemokratischen Gegenspieler Pierre Bourdieus.

Wie eine unendliche Artischocke

13.06.2023. Die New York Review of Books stellt die machthungrigen jungen Wölfe in Afghanistan vor, die dem herrschenden Emir Mullah Hibatullah Akhundzada gefährlich werden könnten - alle mit besten Beziehungen zu den Golfstaaten, Pakistan und Al Qaida. Der New Yorker erzählt, wie lebensgefährlich eine Mitgift für junge Ehefrauen in Indien sein kann. In Novinky erklärt der Sozialanthropologen Martin Tremčinský, warum auch der Nationalstaat eine Art Technologie ist. New Lines erzählt die Geschichte des Handels mit Pfeffer. Die New York Times lässt sich von Merlin Sheldrake erklären, wie man ein Pilz wird.