Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag

Eine coole schwarze Eleganz

06.06.2023. Der New Yorker erwägt die Kosten einer exakten Lilaschattierung von Thanos. Und fragt, was Musiker heute für Geld tun können, bevor sie als uncool gelten. In der London Review erzählt John Lahr, wie Sidney Pollack den Lachs in ihm weckte. Hakai stellt die ukrainische Walforscherin Olga Shpak vor. Die Public Domain Review erinnert an den schwarzen argentinischen Dandy Raúl Grigera. In Eurozine denkt Kenan Malik über kulturelle Aneignung nach. La vie des idees stolpert auf der Insel Mayotte über Tausende Kinder ohne Eltern.

Er war gefährlich unabhängig

23.05.2023. Die London Review beobachtet ein Erstarken des nationalen Konservatismus auch in Britannien. Persuasion fürchtet sich vor Populisten wie El Salvadors Nayib Bukele oder Singapurs Lee Kuan Yew, die ihr Volk einen, nicht spalten, und dabei auch noch für Wohlstand sorgen. In Pritomnost stellt der tschechische Regisseur Petr Nikolaev den jüdischen Reformkommunisten František Kriegel vor, über den er ein Biopic gedreht hat. Im Filmdienst ärgert sich Lars Henrik Gass über eine staatliche "Filmbildung", die jede Lust aufs Anderssein untergräbt. Die LA Review of Books fragt sich mit Martin Puchners Buch "Culture", wie Kultur und Akademia so schockierend ich-zentriert werden konnten. Nicht die Künstler sind langweilig geworden, sondern wir, ihr Publikum, meint Tablet.

Die Einnahmen sind astronomisch

16.05.2023. In der London Review schildert Alex de Waal, wie die Khediven von Ägypten Khartoum zum Zentrum des arabischen Sklavenhandels machten. Wie sehr dieser Teil der Geschichte das Verhältnis zwischen arabischen und schwarzen Afrikanern immer noch prägt, schildert die tunesische Autorin Haythem Guesmi in Africa is a Country. Ray erzählt die Geschichte von Franz-Josef Spiekers vergessener Filmkomödie "Wilder Reiter GmbH". Der New Statesman zeichnet ein verstörendes Bild von Haiti. Das New York Magazine beschreibt den Erfolg der rechten Cancel Culture in den USA. A2Alarm porträtiert den schwulen Rom-Musiker Vojtik. Desk Russie stellt die rot-braunen Putin-Unterstützer in den USA vor. Die New York Times fragt vor dem Hintergrund steigender Demenzerkrankungen: Was ist, wenn ich ein anderer ist?

Stochastische Mash-ups

09.05.2023. Der New Yorker versucht dem Schicksal zweier aufmüpfiger Töchter Scheich Mohammed bin Rashids auf die Spur zu kommen. The Nation porträtiert Justyna Wydrzyńska, die erste Pro-choice-Aktivistin, die in Polen vor Gericht gestellt und verurteilt wurde. Der Merkur untersucht das Phänomen des linkskonservativen Populismus. Die New York Times besucht die Gangsterbanden Serbiens. Telepolis überlegt, was angesichts der KI aus dem Urheberrecht werden soll. New Lines und Qantara berichten aus dem Sudan. Himal fragt sich, ob Identitätspolitik Indiens Probleme nicht eher vergrößert.

Verratene Erwartungen

25.04.2023. Guardian und New Lines blicken deprimiert auf das Desaster im Sudan. Eurozine wirft einen nüchternen Blick auf Serbiens Beziehung zur EU. In Himal huldigt Dhanuka Bandara einer srilankischen Agrarutopie. Lidove noviny würdigt den Maler Josef Mánes. Und in Aeon erklärt der Psychologe David Borkenhagen, warum ein Oktopus vermutlich nie die Vergangenheit hinter sich lassen kann.

Gottgleiche Perspektive

18.04.2023. Die LRB begutachtet das neue Genre der message news, die Soldaten von der Front posten. Wenig russischen, aber viel zaristischen und sowjetischen Agitprop findet Osteuropa in den von Russland besetzten ukrainischen Gebieten. New Line staunt über die erfolgreichen feministischen Antifeministinnen in Modis BJP. Hakai nimmt den Antarktistourismus unter die Lupe. Die Poetry Foundation stellt die Dichterin Amy Clampitt vor. La regle du jeu setzt seine Reihe über Proust und den Rechtsextremismus fort. Und tolle Neuigkeiten aus der Reproduktionsmedizin, verkündet der New Yorker: Wir können uns demnächst auch als Einzelne selbst reproduzieren.

Die schwammige Komplexität der physischen Welt

04.04.2023. Eurozine erzählt, wie der ukrainische Schriftsteller Nikolaj Gogol den russischen Nationalismus beförderte. Prospect beschreibt das komplizierte Verhältnis Polens zur Ukraine. Elet es Irodalom geißelt den neuen Rat zur Verbesserung der ungarischen Popkultur. Wired erklärt, warum Analogtechnik die Zukunft des Computers sein könnte. Das New York Magazine will seine Glühbirnen wiederhaben.

Fremd hier, fremd da

28.03.2023. The Atlantic denkt mit Norbert Elias über die Folgen einer gewalttätigen Gesellschaft nach und sieht die USA schon an der Kante. In HVG erklärt der Soziologe Iván Szelényi, wie die Orban-Regierung ihre eigene Intelligenzia produziert. Der New Yorker bewundert das Timing eines Elefantenorchesters. Newlines besucht Asia Bibi in Kanada. La regle du jeu beleuchtet das Verhältnis Marcel Prousts zu seinen rechtsextremen Freunden. Die LRB erklärt, wo das Seerecht versagt.

Bekenntnis zur Realität

21.03.2023. Prospect beschreibt die polnisch-ukrainischen Beziehungen, die nicht immer ungetrübt waren. American Scholar lauscht ihrem Tinnitus. Der New Yorker porträtiert Balenciaga-Couturier Demna Gvasalia. Hakai überprüft, ob Seetang Klima- und Hungerkrise lösen könnte. Die LRB kramt ihre Baudelaire-Anthologie hervor. Die NYT besucht traumatisierte ukrainische Soldaten im Krankenhaus. Criterion Collection erinnert an die tschechische Regisseurin Ester Krumbachóva. Granta überlegt, was normal ist.

Ökonomie des Schmerzes

14.03.2023. The Point beschreibt, wie wir aus der Phase der Postpolitik in eine der Hyperpolitik glitten. Die LRB balanciert mit der Dirigentin Alice Farnham auf dem schmalen Grat zwischen Macht und Ohnmacht. Die NYRB begibt sich in das Herz des neuen Narco-Staats Syrien. Osteuropa untersucht das Versagen der russischen Geheimdienste. Atlantic ahnt, dass gerechte Sprache vor allem die Gefühle derjenigen schonen soll, die sie benutzen. The Nation wirft die blutigen Ballettschuhe in die Ecke.