
Ob JFKs Krankenakte oder das Recycling-Prorgramm für Langzeit-Diktatoren,
Atlantic Monthly hat diesen Monat eine Menge Lesenwertes zu bieten!
Der Präsidenten-Historiker
Robert Dallek (
homepage) hat Einsicht erhalten in die
medizinischen Akten von John F. Kennedy. Aus den Akten geht hervor, dass Kennedy erhebliche gesundheitliche Probleme hatte, deren medikamentöse Behandlung weitere
schwere Leiden hervorriefen - und von denen kaum jemand wusste. In einem äußerst interessanten
Telefon-Interview mit
Sage Stossel denkt Dallek nach über die Vereinbarkeit einer solchen
Geheimhaltung mit den praktischen und ethischen
Verpflichtungen eines Präsidenten. "Bevor ich mich mit diesen medizinischen Aufzeichnungen beschäftigt habe, war ich der Meinung: Ja, Präsidenten haben die
Pflicht, uns von ihren gesundheitlichen Problemen in Kenntnis zu setzen. Jetzt, nachdem ich mir all dies angesehen habe, muss ich sagen: Ja, ich glaube, dass Präsidenten mit
offenen Karten spielen sollten und uns aufrichtig erklären sollten, welche gesundheitlichen Schwierigkeiten sie haben. Doch auf der anderen Seite ist es so gut wie sicher, dass Kennedy, hätte er das getan, nicht zum Präsidenten gewählt worden wäre. Und ich denke, er war, alles in allem, ein sehr
wirkungsvoller und
erfolgreicher Präsident."
Leider nur im Print zu lesen ist der dazugehörige Artikel "The Medical Ordeals of JFK", in dem Dallek John F. Kennedys
Krankenakte analysiert.
Langzeit-Diktatoren sind ein Problem,
stellt Cullen Murphy bekümmert fest. "Das Verwaltungs-Dilemma, das die Diktatoren dieser Welt darstellen, ist akut. Viele unter ihnen wollen einfach nicht
aus dem Amt scheiden, und die, die dazu bereit wären, haben oft keinen Ort, an dem sie sicher wären vor
rechtlichen Unannehmlichkeiten und körperlichen Repressalien." Schlimm! Um diesem Problem zu begegnen, hat die Boston University das
"Lloyd G. Balfour African Presidents in Residence Program" ausgearbeitet, bei dem Langzeit-Diktatoren mit einer Universitäts-Sinekure in den USA zum Ausstieg verlockt werden sollen. Murphy findet diese Idee so ausgezeichnet, dass er sie weiterspinnt. Immerhin könnten diese Leute noch viel Gutes tun:
General Assad, zum Beispiel, wäre die ideale Antwort auf die Bedürfnisse des von andauerndem Zwist geplagten
English Department der
Columbia University: "Solche Spaltungen würden natürlich als eine Kleinigkeit angesehen werden von jemandem wie dem zum Augenarzt gewordenen starken Mann Bashar al-Assad. Drei Jahrzehnte lang hat die Assad-Familie auf brutale Weise die
zentrifugalen Kräfte (Drusen, Christen, alawitische Moslems, sunnitische Moslem, Kurden, Armenen, Palästinenser) in Schach gehalten, die sonst Syrien - ein
mentales Konstrukt, das nicht minder lächerlich ist, als 'English Departments' manchmal sein können - auseinander gerissen hätten. Assad wäre geradezu ein Glückstreffer für eine jede
Intrige zwischen
Post-Strukturalisten und
Semiotikern."
Im Rampenlicht des Centerpiece steht diesmal das amerikanische
Schach-Genie Bobby Fischer (mehr
hier und
hier). Von Rene Chun
erfahren wir von Fischers unglaublicher und gerade in Zeiten des
Kalten Krieges brisanten Schach-Karriere und der Paranoia, die ihn zum ersten
polizeilich gesuchten Schach-Großmeister machte.
Weitere Artikel: Der Rechtswissenschaftler
Randall Kennedy (mehr
hier und
hier)
berichtet, dass auch wenn die Akzeptanz von
"Mischehen" erheblich gestiegen ist, die Ehen zwischen Schwarzen und Weißen nur einen geringen Anteil davon bilden und immer noch für Kontroversen sorgen. Der schlanke Jonathan Rauch
schlägt die Erhebung einer
Steuer für Fettleibige vor, die die Kassen des amerikanischen Gesundheitssystem nähren soll. Eyal Press und Jennifer Washburn
stellen fest, dass die privaten
Hilfsprogramme für gefährdete Jugendliche (die sogenannte
at-risk-youth) nicht den erhofften Erfolg gebracht haben.
Christopher Hitchens beschäftigt sich mit dem verkannten russischen Denker
Alexander Herzen, den
Tom Stoppard in seiner Theater-Trilogie "The Coast of Utopia" zur beherrschenden Figur gemacht hat. Außerdem
lobt Mona Simpson Alice McDermotts neuen Roman "Child of my heart", der so anders ist, als ihre bisherigen Bücher.
Nur im Print: Marjorie Garber macht sich Gedanken über das
Genie, eine Idee, die wir angeblich nicht aufgeben wollen. Und Jessica Cohen erzählt die Geschichte eines kinderlosen Ehepaares, das in einer College-Zeitung
25.000 Dollar für die Eier einer Einserabsolventin aus Yale geboten. Es antwortete jedoch eine Studienanfängerin.