Der
Osten Polens, wo die von Alexander Lukaschenko eingeschleusten
Flüchtlinge landen, ist eigentlich Kaczynski-Land. Aber die polnische Bevölkerung
hilft den Flüchtlingen,
beobachtet taz-Korrespondentin Gabriele Lesser: "Anfangs hatten die meisten Pol:innen noch der Propaganda der regierenden Nationalpopulisten Glauben geschenkt. Diese stellte die Geflüchteten als angebliche Terroristen, Kinderschänder und Vergewaltiger im Staatsfernsehen TVP dar. Doch die Aktion eines Dorfbürgermeisters an der polnisch-belarussischen Grenze löste nun eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. Bewohner:innen fingen an,
grün leuchtende Lampen in ihre Fenster zu stellen. Diese sollen den Geflüchteten zeigen, dass sie dort Hilfe finden."
Kaum bekommt die
AfD eine "parteinahe Stiftung", richtet sich der Blick der Journalisten zum ersten Mal auf diese immer besser finanzierte Parallelwelt, mit der die Parteien ihre Milieus absichern. Auf 700 Millionen Euro schätzte Heribert Prantl neulich ihre kommenden Jahresbudgets (unser
Resümee). In dieses Bett wird sich auch die AfD gerne setzen, vermutet Paul Middelhoff in der
Zeit und zitiert eine interne Schätzung der AfD, nach der man mit dem Stiftungsgeld
921 Stellen wird finanzieren können. Die demokratischen Parteien und die Linkspartei hätten das Feld bisher "
kaum reguliert, in der Vergangenheit formulierten die Stiftungen
zu Beginn jeder Legislaturperiode anhand der letzten Wahlergebnisse
bloß ihre Budgetvorstellungen, die dann in der Regel vom Parlament genehmigt wurden". Nun, wo die AfD kommt, soll sie allerdings ausgeschlossen werden, da sie einer "nicht demokratischen politischen Grundströmung" angehört. Dies soll in einem Gesetz formuliert werden. Offenbar spekuliert man dabei auf
jahrelange Prozesse: "In der Theorie fiele die Erasmus-Stiftung dann zwar möglicherweise aus der Förderung. Nur: Ein solches Gesetz würde mutmaßlich
vom Bundesverfassungsgericht gekippt werden, denn es wäre ein massiver Eingriff in die Gleichbehandlung der Parteien."
Wie stark sind die demokratischen Kräfte in der
Linkspartei, fragt Johannes Boie, der künftige Chefredakteur der
Bild-Zeitung, in der
Welt am Beispiel des Kovorsitzenden der Partei in Mecklenburg-Vorpommern,
Torsten Koplin: Der wahrscheinliche künftige Koalitionspartner Manuela Schwesigs "war ab 1981 SED-Mitglied, diente im
Wachregiment der Stasi, war für den Unterdrückungsapparat ab 1987 Inoffizieller Mitarbeiter, verriet als 'IM Martin' mündlich und schriftlich Dritte an die sozialistische Diktatur. 2014 reiste er zum von Russland initiierten, ungültigen 'Referendum' über den Status der Krim auf die Krim, machte für
Russlands Propaganda den 'Wahlbeobachter', während prorussische Milizen Journalisten verprügelten. Ein Mann, der Demokratie, Freiheit und Menschenrechte über Jahrzehnte offensichtlich verachtet hat, ist für Schwesig kein Hindernis." Beiden geht es um die Durchsetzung von "Nordstream 2".
Von einer "
europäischen Souveränität", wie sie Emmanuel Macron forderte, sind wir noch weit entfernt. Vorerst gilt es das
Demokratiedefizit der europäischen Institutionen zu bekämpfen, meint
Heinrich August Winkler in einem Essay für die
FAZ. Die Lage ist ohnehin misslich: "In der EU der 27 fehlt es, seit einige ostmitteleuropäische Mitgliedstaaten sich als 'illiberale Demokratien' verstehen und den Abbau des Rechtsstaates vorantreiben, an dem
inneren Zusammenhalt, der für eine gemeinsame Willensbildung in der Außenpolitik notwendig ist. Infolgedessen kommt alles auf die engstmögliche Zusammenarbeit der Staaten an, die am Grundkonsens der Gemeinschaft festhalten und notfalls zu einer Um- oder Neugründung der EU bereit sind."