Tschechien geht nicht den Weg Polens oder Ungarns,
freut sich in der
SZ Viktoria Großmann, begeistert von einem Wahlkampf, den der amtierende Ministerpräsident
Andrej Babiš, gegen den strafrechtlich ermittelt wird, gegen eine breite Koalition von links bis konservativ verloren hat: "Dass dies nun gelungen ist, ist auch ein
überragender Sieg der Zivilgesellschaft. Aus einer Aktion von ursprünglich
drei Studenten ist eine Bewegung entstanden, die das gesamte Land erfasste. Die Organisation 'Eine Million Augenblicke für die Demokratie' brachte Hunderttausende zu den größten Kundgebungen seit 1989 zusammen. Sie beließen es aber nicht beim Demonstrieren. Es gründeten sich Diskussionsforen, mit Begeisterung schlossen sich prominente Dissidenten aus der Zeit des sozialistischen Regimes an,
Stadt und Land, Rentner und Auszubildende kamen zusammen."
Aber auch in
Polen gibt es Widerstand gegen die Regierung und das umstrittenes Urteil des Verfassungsgerichts, das polnisches Recht über EU-Recht stellt.
Mehrere zehntausend Menschen haben landesweit gegen das Urteil und für einen Verbleib Polens in der EU protestiert,
meldet die
SZ. "Zu den Protesten aufgerufen hatte der ehemalige EU-Ratspräsident und polnische Oppositionsführer Donald Tusk. Bei seinem Auftritt vor den Demonstranten in Warschau sagte er, die nationalkonservative Regierungspartei PiS rede schon nicht mehr drumherum, dass sie das Land
aus der EU führen wolle. 'Der Platz Polens ist in Europa', so Tusk. 'Wir werden gewinnen, denn wir sind mehr!' Sowohl Tusk als auch andere Redner wurden immer wieder durch laute Zwischenrufe und Sprechchöre aus einer Gegendemonstration rechtsnationaler Gruppierungen unterbrochen."
Andrej Dynko, Redakteur der belarussischen Zeitschrift
Nascha Niwa, ist in Haft geraten, weil er einem politischen Chat folgte. In der
FAZ schildert er nach seiner Freilassung die Zustände in den belarussischen Gefängnissen. Seine ersten Eindrücke von den Zellen sind der Gestank nach
Fäkalien und Urin und das
grelle Licht, das auch nachts nicht ausgeschaltet wird. Die Pritschen sind ohne Matratzen: "Wenn viele Menschen in einer Zelle sind, frühstücken die einen mit Heißhunger, während die anderen nur einen Meter entfernt
ihren Darm entleeren, um Platz für eine Portion Buchweizengrütze und eine Scheibe Brot zu schaffen. Schwarzbrot ist so zäh wie Lehm, Weißbrot ist trocken und bröckelig. Beide sind ohne Geschmack. Einmal alle paar Tage eine viertel Tomate, einmal alle paar Tage eine halbe Gurke. Ein anderes Mal ein Löffel Sauerkraut. Nach ein paar Tagen sehnt man sich körperlich nach Vitaminen, aber es gibt keine. Du träumst von Äpfeln."
In der
Ukraine fühlt man sich der Demokratie, Europa und dem Westen verbunden, gleichzeitig wächst der Frust, dass die EU - und besonders Deutschland - dies nicht würdigt, um
Russland bei Laune zu halten,
erzählt Richard Herzinger in der
NZZ. Der massive russische Truppenaufmarsch an der ukrainischen Grenze und auf der Krim im Frühjahr, die quasi von den Russen blockierten Verhandlungen über den Donbass, die wachsende Kontrolle Putins über Belarus, führten bisher zu keinerlei Konsequenzen von Seiten der EU. Das muss sich ändern, fordert Herzinger: "So unzulänglich die ukrainische Demokratie noch sein mag, sie
gegen Putins imperialen Autoritarismus zu verteidigen, ist für die Zukunft des gesamten demokratischen Europa von entscheidender Bedeutung. Was die Ukraine jetzt dringend braucht, sind
überzeugende Signale, dass es der Westen mit seinem Beistand tatsächlich ernst meint. Weil die Ukraine an vorderster Front der Verteidigung der ganzen freien Welt steht, wäre der nächstliegende Schritt, sie zügig
in die westliche Verteidigungsallianz aufzunehmen. Damit würden sich für den Kreml der Preis und das Risiko für die Fortsetzung seiner Aggressionspolitik drastisch erhöhen."
Britannien hat
hunderttausend Lastwagenfahrer verloren. Nun sollen Kurzzeitvisa für fünftausend Fahrer das Problem beheben. Natürlich ist diese Krise eine
Folge des Brexit, schreibt Thomas Gutschker in der
FAS: "Johnson und seine Freunde wollten ja die Migration stoppen, nicht etwa aus Pakistan oder Nigeria, sondern aus
Polen und Litauen. Zuvor waren die Ostmitteleuropäer mit offenen Armen empfangen worden, Hunderttausende Menschen kamen auf die Insel. Sie übernahmen harte, gering bezahlte Jobs, zu denen Briten nicht bereit waren."
Sebastian Kurz tritt als österreichischer Bundeskanzler zurück, um Fraktionsvorsitzender der ÖVP zu werden. Ralf Leonhard
schildert die Aufstieg und (relativen) Fall Kurz' in der
taz als Drama in fünf Akten. "Es geht um Untreue, Bestechung und Anstiftung zur Bestechung. Im Falle einer Verurteilung drohen
bis zu zehn Jahre Haft. Die Grünen setzen dem Koalitionspartner das Messer an. Sie wollen nur mit einer 'untadeligen Person' weiterregieren. Kurz vergattert darauf Bünde, Landeshauptleute, Minister und Abgeordnete, ihm schriftlich ihre unverbrüchlichen Treue zu versichern."
Die Korruption besteht unter anderem darin, dass Kurz und seine Leute
Zeitungen geschmiert haben sollen, um positive Berichterstattung zu bekommen. Mit den Zeitungen und der Politik ist es ohnehin so eine Sache in Österreich,
berichtet der
Deutschlandfunk: "Unter '
Anzeigenkorruption' versteht man in Österreich das Schalten
staatlicher Anzeigen in privaten Medien. Die österreichische Regierung ist schon lange dafür bekannt, im europäischen Vergleich besonders viel Geld für Anzeigen auszugeben." Der
Standard nennt in einem sehr instruktiven Artikel Zahlen dazu: "Kaum ein anderes Land gibt so viel Geld für Regierungswerbung aus wie Österreich. Rund
47,5 Millionen Euro waren es im Vorjahr - ein absoluter Höchstwert seit Einführung der Meldepflicht. Zum Vergleich: Im etwa zehnmal größeren Deutschland verbuchte die Regierung vergangenes Jahr dafür rund 150 Millionen." Gibt es auch in Deutschland eine Meldepflicht?