Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag

Dünn ist Macht

07.03.2023. Der New Yorker porträtiert die russischen Journalisten, die aus dem Exil in Riga heraus ihre eigentlich unmögliche Arbeit machen. Wired ahnt, dass für den Boom der E-Autos leider der Grund der Ozeane zerstört werden wird. Die LRB stellt den Schurken Bola Tinubu vor, der künftig Nigeria regieren wird. Der Merkur beschreibt den neuen Nationalismus, der von Giorgia Meloni, Marine Le Pen und Alice Weidel so adrett wie aggressiv in Europa etabliert wird. Und das New York Magazine sieht dabei zu, wie Hollywood und Instagram mit Ozempic abnehmen: Body-Positivity war gestern.

Alle Arten von Launen und Mythen

28.02.2023. Wenn der Krieg ein Gutes hat, dann ist es die Deimperialisierung der Ukraine, meint in iLiteratura  die ukrainisch-tschechische Lyrikerin Marie Iljašenko. Der New Yorker sucht nach einer rar werdenden Spezies: Studenten der Geisteswissenschaften. Die Columbia Journalism Review erzählt von den verstörenden Erfahrungen, die eine Handvoll afroamerikanischer Journalisten in den Achtzigern in Nigeria machte. Die größte Gefahr für die Demokratie ist der Klimawandel, warnt in Eurozine der australische Politologe John Keane. Der Guardian bestaunt die aufblasbare Sexpuppe der Pflanzenwelt.

Bäume, Bäume, Bäume

21.02.2023. Der New Yorker porträtiert Itamar Ben-Gvir, Netanjahus rechtsextremistischen Minister für Nationale Sicherheit. Außerdem taucht er in die Hölle von Südafrikas illegalen Goldminen. Africa is a Country erklärt, warum viele Afrikaner sich nicht als Schwarze sehen. Im Guardian beschreibt Arundhati Roy die korrupte Allianz zwischen Narendra Modi und dem Milliardär Gautam Adani. In La vie des idees erklärt der Marrokaner Soufiane Hennani, was positive Männlichkeit ist. Wired würdigt Thomas Pynchon als Propheten. Die New York Times bestaunt die moosigen Grüntöne des Studio Ghibli Parks.

Das Genre des Klassenabtrünnigen

14.02.2023. Wie französisch kann ein Tunesier werden, fragt Africa is a Country. The Nation denkt am Beispiel von Edouard Louis nach, wie man gleichzeitig drinnen und draußen sein kann. Eurozine erklärt, wie man Russisch sprechen und doch ein Ukrainer sein kann. Tablet stellt den israelischen Autor Youval Shimoni vor, Quietus die Jazzfotografin Francine Winham. In HVG spricht die Historikerin Anita Kurimay über die queere Subkultur in Ungarn. Die London Review erinnert an den großen Passfälscher Adolpho Kaminsky.

Die Bücher gehen auf ihre eigene Reise

07.02.2023. Im New Yorker erklärt Salman Rushdie, welche Reaktion er sich wünschen würde, wenn ein Außerirdischer seine gesammelten Werke liest. New Eastern Europe erklärt, wie der russische Neo-Imperialismus in der Literatur funktionierte. Wired zeichnet den Weg des Messengers Telegram zu einem Hauptinstrument des Putinismus nach. Hlidaci pes erinnert sich mit Grausen an den Alkoholismus in Zeiten des Kommunismus. The Point lotet mit Olufemi Taiwo die Dialektik des Postkolonialismus aus.

Mit gewissenhafter Höflichkeit

31.01.2023. Ohne den Glauben an die Möglichkeit von Veränderungen gibt es keine Opposition, lernt das New York Magazine von dem chinesischen Dissidenten Wang Juntao. Die London Review ist überzeugt, dass repräsentative Demokratie in Mali nicht funktionieren kann. Respekt freut sich über den Wahlsieg des neuen tschechischen Präsidenten Petr Pavel. In Elet es Irodalom erklärt die Schriftstellerin Krisztina Tóth, warum die Jungen besser Lyrik und die Alten besser Epen schreiben. Frankreich bleibt leider eine Metropole des Antisemitismus in Europa, erkennt La regle du jeu. Der Guardian betrachtet die Unordnung im Botanischen Garten von Ventnor.

Im Fremdsein zu Hause

24.01.2023. Der Guardian sucht den Schlüssel zum Verständnis des heutigen Chinas in der Kulturrevolution. Tablet erklärt am Beispiel von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, was ein Zionologe ist. In Granta unterhalten sich Pico Iyer und Caryl Phillips über Migration und Heimat. Der New Yorker porträtiert Luis Lula da Silva. In Elet es Irodalom trauert Péter György um den Philosophen Gáspár Miklós Tamás.

Radikale in Festanstellung

17.01.2023. Der New Yorker empfiehlt wärmstens John Guillorys Essayband "Professing Criticism", eine wahre Soziologie der Literaturkritik. In Novinky fragt die Schriftstellerin Zuzana Kultánová, wie die Tschechen die 90er erlebt haben - jenseits von Disko und Havel. Elet es Irodalom und HVG trauern um den Philosophen Gáspár Miklós Tamás und den Verleger Géza Morcsányi. La vie des idees betrachtet den Niedergang der israelischen Arbeiterpartei. Die New York Times begutachtet von KI-Art metabolisierte Filmstills, die den Glanz des Neuartigen verbreiten.

Hochgeladener Geist

10.01.2023. Auch nach Lektüre des Kongress-Berichts zum Sturm aufs Kapitol versteht der New Yorker die Amerikaner nicht mehr. A2 und Novinki denken über den Zerfall der Tschechoslowakei vor 30 Jahren nach. Atlantic versucht sich als Konnektom in eine transhumanistische Welt zu denken. Ist Georgien noch eine Demokratie, fragt Osteuropa. Die LRB lernt, welche Rolle die Bingtuan bei der Unterdrückung der Uiguren spielen. In Words without Borders erzählt Jaroslav Kalfař wie er als Teenager in Florida Englisch lernte. Esquire sieht die Zukunft des Journalismus.

Ein kritisches Maß an Komplexität

20.12.2022. New Criterion sucht nach dem Einfluss Spaniens in den Gemälden von John Singer Sargent. Im New Statesman verabschiedet John Gray den Glauben an die Utopie einer demokratischen Weltordnung. Die New York Times rekonstruiert die russischen Entscheidungsprozesse im Ukrainekrieg. In Novinki erklärt die Politologin Eszter Kovátsová, wie AfD und Fidesz die Genderdebatte für ihre rechte Agenda nutzen. Poesie von Computern? Niemals, erklärt im MIT Press Reader der Psychologe und Dichter Keith J. Holyoak.