
Die
Schriftstellerin Anne Enright erweist den
irischen Antigones ihren Respekt, die den Lebenden wie jenen Toten zu ihrem Recht verhelfen, die - wie ungetaufte Kinder, Wöchnerinnen und Selbstmörder bis in die sechziger Jahre - auf den berüchtigten
Cillíní (Kinderfriedhöfe für Ungetaufte) verscharrt wurden. Oder wie unverheiratete Mütter, deren Misshandlung bis in die Neunziger andauerte: "
Die Toten lügen nicht. Im Tode werden wir von Zeugen zu Beweisen. Und dieser Beweis ist unauslöschlich, denn er ist stumm. Es begann 1993, als der Orden
Sisters of Our Lady of Charity of Refuge ein Stück Land an einen Developer verkauften, um Verluste an der Börse wettzumachen. Zum Geschäft gehörte, dass sie ein Massengrab auf dem Land ausheben mussten, das die Leichen von 133 'Helferinnen' barg, Frauen, die bis zu ihrem Tod in der 1991 geschlossenen
Magdalenenwäscherei von High Park arbeiteten. Es gab zehn von diesen Wäschereien in Irland. Von den Nonnen wurden sie als Zuflucht für marginalisierte Frauen bezeichnet, die dort ein monastisches Lebes von Arbeit und Gebet führten. Die Frauen wurden
als Büßerinnen beschrieben, das Waschen als symbolische Handlung. Doch die Wäschereien waren aktive Konzerne, die für Hotels, Krankenhäuser und die Armee arbeiteten und ihre
Konkurrenten unterbieten konnten, weil sie ihre Arbeitskräfte nicht bezahlten. So könnte man diese Wäschereien auch als
Arbeitslager bezeichnen, als Straflager, in das Frauen ohne Prozess für ein Verbrechen geschickt wurden, das man nicht benennen konnte."
Ein "super-dezentralisiertes Netzwerk" wie
Isis zu bombardieren dürfte ebenso aussichtslos sein wie die Bombardierung von
Al Qaida oder den
Taliban, meint James Meek. Es bringt einfach nichts und führt nur dazu, dass die halbe Welt aufrüstet. Selbst
China will seine erste Militärbasis in Übersee, in Dschibuti, errichten. Meek plädiert dafür, dass die Großmächte sich militärisch raushalten und ihre Verbündeten im Nahen Osten zu
Friedensverhandlungen anhalten. Aber auch das hat
einen Preis, den Meek
ganz deutlich benennt: "Es ist schön, wenn Britannien beweist, dass es kein Werkzeug des neoliberalen Neoimperialismus ist und kein fremdes Blut an seinen Händen klebt, aber es ist
zum Vorteil Britanniens, nicht Syriens. Wenn britische Bomber Syrien in Ruhe lassen und nichts sich ändert, dann wird das
Morden weitergehen: die grausamen Fanatiker des IS, die anderen, etwas weniger mittelalterlichen Dschihadisten-Gruppen, der skrupellose Bashar al-Assad und seine russischen Alliierten, die Kurden und die zerstrittenen lokalen anti-Assad-Kämpfer werden sich
weiter gegenseitig abschlachten und die Millionen von Syrern, die irgendwie versuchen einfach weiterzuleben, werden leiden oder fliehen. Die
Weigerung in einen Krieg zwischen einer Gruppe von Fremden zu waten, ist vernünftig und mag ihnen auf lange Sicht sogar nützen, aber sie ist
der Selbstsucht näher als der Menschenliebe."